Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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klünseln, klünzeln

klünseln, klünzeln,
schmeicheln, schön thun, ein merkwürdiges und schwieriges oberd. wort.
1)
klünseln: wir prediger .. sollent uns also halten, das wir frei reden die warheit, und sollent niemants den kauzen streichen noch niemants klünszelen. Keisersberg sünden des munds 69ᵃ (in einer andern ausg. klüntzeln);
sieh wie er (Bethlen Gabor) kan so practicieren
und Teutschland mit der nas rumführen ...
schau wie kan er den Türken sein
als ein vasall klünseln so fein.
flieg. blatt aus dem 30j. krieg bei Scheible fl. bl. 41.
2)
klünzeln, wie noch im Elsasz: wo dann Christus die freiheit vom gesatz leret, klünzlet er dem volk damit. S. Frank weltb. 98ᵃ, wol nicht schmeichelt, sondern sagt etwas das ihm wol thut, es kitzelt; der mit wilden ochsen und elephanten umbgehen will, der musz etliche farb, als rot und weisz meiden ... und weren derselbigen thiere noch vil mehr hieher zu zelen, mit den man seuberlich und glimpflich handelen musz, bis man die zaumrecht macht: so man nun also mit wilden thieren klünzeln musz, wie vil mehr will uns mit unsern männern zu thun gebüren. Fischart ehzuchtb. 625 Sch. dasselbe ist wol folg. glinzeln, aus rhein. mundart (i für ü?): diesem holden kostgänger ward mehr als einem papageien bei hofe geglinzelt. Gressets papperle, übers. von J. N. Götz 15.
3)
auch einfaches klünzen und klunzen sind einzeln bezeugt. jenes in zuklünzen, das sich aus dem subst. ergibt: radler und zuklünzer (: münzer) bei Behaim Wiener 12, 8 von einem verschwörer, empörer, zuklünzer gleich zuflüsterer, ohrenbläser, zugleich wol der sich anschmeichelt (bei der menge), wie 10, 24 (44, 15) zuquinkler, 285, 18 zwinkler, sonst auch zudüttler adulator. und klunsen in einer nrh. hs. des Neidhart 68, 8 H. aus dem 14. jh., sin vil odes (f. œdeʒ) clunsen von einem der bäurischen gegner des dichters in bezug auf sein zudringliches höfschen (swenne er in ir schôʒ sich leit), sicher liebeln, schön thun.
4)
dazu ein mhd. klunzern, obwol im sinne etwas anders, im Renner 12258 von einer launisch kränkelnden frau; sie ist spät und verstimmt aufgestanden und lamentiert im hause herum mit kleiner stimme, dasz sie die worte halbiu underzucket, bis sie ihr mann mit etwas ärgert, da fährt sie auf mit grôʒer stimme:
wolde got, wære iu als mir,
ich weiʒ ân zwîvel wol daʒ ir
vil mêre klunzert (f. klunzertet) denne ich tuon,
erbärmlich thätet mit kleiner stimme (vgl.klucken 1, b). dazu stimmt noch bair. glunsel f., frau die immer in weinerlichem tone klagt Schm. 2, 94. schweiz. heiszt das aber eine klumse, klumsere, dazu klumsen lamentieren, auch langweilig, ermüdend erzählen (Stalder 2, 111), das danach ganz gleich nd. schweiz. klönen ist, wozu ich es sp. 1222 gestellt habe, wie schles. klinseln, tir. klinstern murrend klagen, klunstern brummen, summen Fromm. 6, 297, Schöpf 327, kärnt. glumsen, glumpsen dumpf tönen (glums m. dumpfer ton) Lexer 117, auch schwz. glumsen Stalder 1, 456.
5)
das schön thun scheint da nach dem flüstern benannt, und flistran selbst bedeutete ahd. selbst fovere, blandiri, palpare, also völlig das 'buhlerische flistern' bei Kleist (3, 1804), das klunsen bei Neidhart. auch die gebrochene stimme, mit der eine frau klunzert, klingt diesem flüstern ähnlich, und das eig. gleichbed. kluckern von der henne heiszt selbst auch liebeln (sp. 1260).
6)
die formen aber, klünseln und klünzeln, klumsen, erinnern an klunse mit seinen nebenformen klunze, klumse. beim lamentieren wie beim liebenden flistern und nahen schmeichelnden zuraunen macht man den mund kaum auf oder verzieht ihn, wurde er da als klunse bezeichnet? vgl.klunse I, 1, d vom auge. in Kärnten besteht ein klunzen, den mund aufsperren, verblüfft dreinschauen, wie das. klunze spalt. Fromm. 3, 118. ebenso entlehnt ist ahd. 'chînit adrisit' Graff 4, 450 (dazu Diez 171) von chînan hiare, den mund wie einen spalt öffnen (s. sp. 455). ein flansen schmeicheln im 15. jh. (Dief. 14ᶜ) ist deutlich von mhd. vlans verzogener mund (s.flans oben und das. altn. flens ignobiles blanditiae), im voc. 1482 heiszt es flinstern, vgl. bair. flenseln süszlich, zärtlich reden, wetter., mrh. flansen grinsend lächeln; auch das els. klünzeln ist schmeicheln mit mienen machen, anlächeln und süsz reden.
7)
nahen anklang bietet auch kläuseln, klüseln schmeicheln (sp. 1038), wozu schweiz. glüseln raunen und blinzeln (Stalder 1, 454) stimmt wie hier 'flüstern' zu 'schmeicheln', klüstern lispeln Stalder 2, 112; s. auch klinkeln, knaunzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1300, Z. 58.

klünzeln

klünzeln,
s.klünseln.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1302, Z. 48.

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Zitationshilfe
„klünzeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kl%C3%BCnzeln>, abgerufen am 23.11.2020.

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