klaft, klafter m
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 902, Z. 78
ein unkraut, s. das erste klaffer.
klafter f. auch n. m.
Fundstelle: Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 902, Z. 79
ein längenmasz, mhd. klâfter stark und schwach, ahd. nur einmal in einer Sanctgaller gl. des 9. jh. 'cubitus clafdra' Hattemer 1, 247ᵃ (die hs. hat gewöhnlich d für an und inlautendes t), eig. wol clâftara. Das â (von J. Grimm gr. 1³, 169 mit einem ? versehen) ist doch unzweifelhaft nach dem späteren klofter Hagen heldenb. 2, 281, städtechron. 2, 253, 19, umbkloftern weisth. 2, 128, schwäb. klaufter Wig. 131, 6 in C; noch appenz. chlofter Tobler 109ᵇ, tirol. klâfter (neben kläffter) Schöpf 319. Neben dem fem. geht mhd. ein n. her, möglicherweise auch ein m. (das Schottel 1345 für klafter angibt): eines klâfters lanc Wig. 42, 33 Pf., Neidhart 7, 7 H. in C, Ssp. 3, 45, 8 var., Wolkenstein 28; als neutrum bei Maaler 244ᶜ, Tobler 109ᵇ, Gotthelf 2, 84 (s. 2), aus Tirol bei Schöpf, vom Rhein bei Kehrein: ein klafter holz. Göthe 43, 69. ebenso ist nd. klachter n., wie lachter (s. 3), das f. scheint also vom md. ausgegangen, wo es noch herscht. der pl. schwankt zwischen klaftern und klafter; im 15. jh. auch ein sg. clafftern Dief. 80ᵇ.
1)
Als längenmasz.
a)
von der länge: 'clafter, clafter, item lenghe'. Dief. 125ᵃ aus einem lat.-nd. voc. des 15. jh.; mit lenge ist die länge des menschen gemeint: klaffter, ein leng des menschen, als einer ausreichen mag, brachitensa. voc. th. 1482 q 5ᵃ (ob das ff für schon kurzen vocal bürgt?); clafter, tripta, illud quod brachiis potest amplecti. voc. inc. teut. d 5ᵃ (in einer spätern ausg. c 4ᵇ cloffter); das klaffter, ein mäsz so weit ein mann mit beiden armen gelangen mag. Maaler 244ᶜ; die dicke des baums was vier klaffter, als vil vier mann umbklafftern mochten. das. daher gewöhnlich sechs fusz, doch landschaftlich abweichend, wie fusz, elle u. a. masze die vom menschlichen körper abgenommen wurden; vgl. unter dem gleichbedeutenden faden 3, 1233.
Sewfrid sprang als ein helde
fünf klaffter hindersich.
hürnen Seifr. 67;
er (Hildebrand) sprang sich hinderrucke
wol siben klafter weit.
Uhland volksl. 333,
zweinzk clafftern
Wackern. leseb. 1, 1034;
(Gargantua) braucht .. Hildenbrantsstreich, siben klaffter in die erd. Garg. 188ᵇ (348);
so het er müeszen fallen mer
dann hundert klaffteren hinab.
Teuerd. 62, 43;
sie senkten den bleiwurf ein und funden zwenzig klaffter tief. apostelg. 27, 28; der schnee ist siben klaffter hoch. Maaler 244ᶜ;
er stürzt wol hundert klaftern.
Göthe 1, 182;
sollten dir die ohren so weit voneinander genagelt werden, dasz man sie mit 200 klaftern bindfaden nicht solte zusammenknüpfen können. A. Gryphius 1, 782 (Horrib.). Dazu bergklafter im südd. bergbau, sonst nd. lachter: vij dawmelln und ain spann ist ain perkklafter. Lori bergrecht 60. vgl. klaftern.
b)
vom masze selbst:
den (thurm) sult ir mit clâftern meʒʒen,
wie hôch er sî unde breit.
Flore 4620, vgl. 4936;
die lugen (lügen), wie die landsknecht den sammet, mit reisspieszen und klafftern ausmessen. Fischart groszm. 552 Sch.; dasz er die heuser mit dem klafter abmessen wolt. Schade sat. u. pasq. 2, 152, der sing. ist hier das genauere, der pl. greift in die vorige bedeutung über.
2)
Als geviertmasz, quadratklafter. scheitholz wird nach der klafter gemessen, in klaftern aufgestellt, schichten von einer klafter höhe und einer klafter länge: eine (gedr. ein) klafter holz orgya lignorum Stieler 962; indem das holz derselben nicht wol zu scheiten geschnitten in klaftern gelegt werden könnte. Göthe 55, 124. das wäre nach folg. erst im 15. jh. in Augsburg aufgebracht worden: item 1477 jar huͦb man an das holz zu messen mit der clafter oder masz, zu mitter fasten, das hat der Schwarz erdacht. Augsb. chron. 1, 17. vergl. holzklafter, buschklafter, waldklafter. anderwärts schragen, malter, seidel, mäsz, nd. fadem, rêp. In der Schweiz miszt man auch das heu mit dem klafter: früher hätte er es immer damit gehabt wie der bauer mit dem herbeigeführten gekauften heu, wo man ein klafter nur anzusehen brauche, so sei es nicht mehr da. Gotthelf 2, 84 (Uli d. kn. c. 8). wie Adelung anführt, ist aber in Bern die klafter gleich der ruthe an länge.
3)
Nebenformen und verwandtschaft.
a)
in Baiern findet sich auch lafter f. Schm. 2, 446, und das ist alt und echt, schon im Annoliede 168 lafterin pl., also nrh.; auch darin mag â sein, nach siebenb. lôfter f. Fromm. 5, 367. dasselbe ist, mit der beliebten nd. md. umsetzung von -ft in -cht (s. beschwichtigen, echt, gramm. 2, 211) lachter f., die klafter der bergleute (s. Germ. 1, 346ᵇ, Schröer darst. 66, pf. Amis 170 var., Neidh. 234, 12 var.), deren schacht gleichfalls rein hd. schaft hiesz (Schm. 3, 337), und dafür erscheint im 16. jh. wieder auch lochter (s. Schm. 3, 316, in der Zips jetzt läuchter Schröer darst. 66), also ursprünglich wol auch lâchter. die letztern formen sind aber n., also auch im geschlecht wie klafter.
b)
die nd. form aber ist klachter (und klechter) n. Schambach 100ᵇ, schon mnd. clachter Frisch 1, 518ᵃ, und so stehen beisammen klachter und lachter, wie klafter und lafter.
c)
merkwürdig ist endlich nrh. gelafter: so musz er (der später zum bau kommende bergmann) dem vorigen weichen iiij gelafteren und iij foesz. weisth. 2, 797, v. j. 1492. ebenso gelaefter bei Harff pilgerfahrt 268ᵇ (also mit â), auch mnl. ghelachte (?) pl. hor. belg. 3, 136ᵃ. doch ist aus diesem ge- das k- von klafter nicht zu erklären, in nrh. nl. formen ist echtes gl- öfter in gel- zerdehnt, z. b. gelas glas Harff 55, 14. 15, mnl. und bis ins 17. jh. ghelas De Vries lekensp. gloss., ghelinsteren neben glinsteren glänzen bei Kil.; so hat denn auch das angeführte weisthum gleich darauf glafter (pl.). also eine nebenform mit gl- für kl-, wie glatze, glitschrose neben klatsche, klitschrose, wie gnappen neben knappen, grimmen neben krimmen.
d)
fragt man nach dem ursprunge, so wird das umklammern mit den armen auch die benennung hervorgerufen haben, wie das gleichbed. faden vom umfassen benannt scheint (s. unter fadem und fuder), böhm. sáh klafter von sahám die arme, hände ausstrecken, gr. ὀργυιά klafter von ὀρέγω strecken. es gibt aber dafür einen stamm kl-p, der hd. kl-f heiszen würde: ags. clyppan, beclyppan umarmen, engl. clip, altfries. cleppa Richthofen 874ᵃ (cleppa and kessa umarmen und küssen, daher nordfr. klêbin küssen Johansen 43), auch mit a biclappa, mnd. beklappen 639ᵃ, vielleicht auch in Jeroschins beklippen 149ᶜ bildlich enthalten. Die endung -tar erscheint als nebenform von -star (s. z. b. kleister), das gern ein werkzeug, mittel bezeichnet; es ist wie gr. in πλῆκ-τρον neben σεῖ-στρον, lat. in mulc-trum neben lu-strum. das f aus p vor dem t und diesz t selbst ist aber auch fürs nd. begreiflich, s. gramm. 2, 207. 193 ff., und vgl.halfter das gleich gebildet scheint (mhd. halp handhabe).
e)
als stammverwandt erscheint somit litt. glóbti umarmen, vgl. altsl. glibnjati, glŭběti prehendi Miklosich 129ᵇ. 130ᵇ ? von gr. λαμβάνω (λαβ), skr. labh wird vermutet, dasz es auf älteres glabh zurückgehe (Benfey 2, 139, vgl. Curtius gr. et. 2, 109); vgl. litt. lepti in aplepti umfassen Nesselmann 358ᵃ mit glóbti vorhin. so könnte die doppelform der wurzel noch in klafter und lafter sich abspiegeln. eine solche doppelform mit anlaut kl- und l- (wie mit kn- und n-, kr- und r-) wird sich mehrfach finden, s. z. b. kleiben, klenen; vgl. 2, 130.
f)
entlehnt sind oberwend. kloftyr, klochtyr, niederwend. klaftâr.
Zitationshilfe
„klafter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/klafter>, abgerufen am 23.10.2019.

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