Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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klammer, f.

klammer f
uncus, fibula, retinaculum.
I.
Formen und verwandtschaft.
a)
mhd. hiesz es vielmehr klamere gold. schm. 347, im reim auf kamere kammer (in den var. clamer, auch schon klammer); diesz einfache m ist wie bei klamm u. a., s. sp. 936 unten. eigen im vocal clemern pl. Megenberg 245, 1, das e wird denselben wert und grund haben wie in klemm neben klamm.
b)
es gab eine masc. nebenform (schwed. ist das wort n.): dazu (mache) zwei bret hinden an die zwo ecken der wonung, das ein iglichs der beider sich mit seinem ortbret von unten auf geselle und oben am heubt gleich zusamen kome mit einem klammer. 2 Mos. 26, 24, auch in der nd. übers. des pentateuchs mit einem klammer; 2 Mos. 36, 29 hat die ausg. v. 1545 mit einer klamer, die früheren aber auch mit einem klammer, wie die nd. übers.; schönes gepräge des geldes ist oft ein starker klammer und band, damit uns der pfennig ans herz gefestet .. wird. Scriver Gotthold 143. das verhält sich ganz wie klamm m. (und n.) neben klamme fem.
c)
es gab auch klamber, nach dem mhd. klemberen:
dîn minne ist gar ein zange mir,
si klembert mich, ich muoʒ zuo dir.
MS. 1, 16ᵇ. MSH. 1, 32ᵃ.
dem entspricht denn altnorw. klömbr f. (gen. klambrar) Fritzner 356ᵃ. 351ᵇ, noch norw. klaͦmbr f., isl. klömbrur pl. f. schraubstock; schwedisch aber klammer n. Rietz 332ᵃ, dän. klammer. hd. ist aber auch klamper vorhanden und klampfer (s. dort), ganz so wie klamme klammer auch klambe und klampe, klampfe neben sich hat, und das altverwandte kramme auch krampe, krampf heiszt. klammer und klamme, klamper und klampe mit völlig gleicher bed. stellen eine alte doppelform dar, die sich selbst bei dem adj. in klamm und klammer wiederholt. wenige stämme lassen so wie dieser einen blick thun in die manigfaltigkeit und regelmäszigkeit mit der der sprachgeist seinen stoff entwickelte. vom stamme s.klimmen.
d)
entlehnt böhm. klamr, poln. klamra, niederwend. klâmra, oberwend. klamora Bose u. a. (bei Pfuhl verläugnet), litt. klámeris, klémeris m., ehstn. klammer (lammer). merkwürdig aber gael. glàmair schraubstock des schmidts (s. das isl. unter c), vgl. glomhar kluppe die dem lamm ins maul gelegt wird, es am saugen zu hindern; vgl. unter klamme 5, e.
II.
Bedeutung.
1)
klaue: da er ihn dem teufel aus seinen zeenen und klammern gerissen. Mathesius hist. Christi 1579 1, 18ᵇ; dan sie .. einem, den sie nie vermeint hetten, zur züchtigung in die händ gerathen, ja wann sie sich nicht besseren, gar den höllischen freibeutern (teufeln) in die klammer kommen. Fischart ehz. 549 Sch. diese spärlich bezeugte bed. ist doch echt und auch nicht erst übertragen; die stellen sind vielmehr der späte nachklang der ursprünglichen bed., dafür bürgt die abstammung und die gleiche bed. bei den nebenformen klambe, klamm (4, b im ags.). die heutige klammer ist urspr. nichts als eine künstliche klammer in diesem sinne. s. auchklaber.
2)
klammer, tenaculum Dief. 577ᵃ, subligaculum 560ᵇ.
a)
fessel: theils (ein theil) wurden mit den hälsen an die schiffbänke geheftet, theils (einem theil) wurden die klammern an die füsze geleget. 3 Macc. 4, 10;
man lasse klammern dann und sprengen fertig machen
und spann' ihn (den könig Karl) ... an den klotz.
A. Gryphius 1, 268.
b)
im gewerbsleben, eiserne, hölzerne klammern Stieler 965 mit einem sprichwort schwache klammern halten nicht gern. ihre form ist verschieden, besonders eiserne dienen zur einstweiligen oder dauernden befestigung von werkstücken, z. b. beim kammmacher zum einspannen des horns über der arbeit, beim zimmermann zum verbinden des gebälkes, beim maurer zum verbinden von steinen (klammerhaken). beim buchdrucker die klammern des presskarrens, beim schriftsetzer die klammer zum halten des manuscripts, 'der tenakel'. klammer bei böttichern, s. unterklampe 1. klammern im haushalt, womit die wäsche zum trocknen auf die wäschleine befestigt wird. Besondere hervorhebung verdienen
c)
klammern im schiffsbau: darumb soll man des orts (in der nähe des magnetfelsens) nur hülzene negel, clammern und senkel an schiffen brauchen. Mathesius Sar. 142ᵃ, vgl. Luther von der arche Noah unter I, b, von der auch mhd. so chlampferen gebraucht wird (s.klampfern 2); wir müssen alle klammern gebrauchen, auf dasz unser schiff nicht zerschellt werde. Chamisso 5, 109, bildlich. im teutsch-engl. wb. Lpz. 1716 klammern, dick und krumm holz womit ein schiff inwendig befestigt ist, engl. clamps (s.klampe 3, b).
d)
an der thüre, clammer in januis Trochus R 4ᵇ, nach Adelung oberd. das bewegliche eisen das auf den kloben passt und vor welches das vorlegeschlosz gelegt wird, die krampe: man entschlosz sich also (wegen des verdächtigen besuchs) an jeder thüre und öfnung im hause vorsichtige klinken und klammern zu machen. J. Stilling jugend (1779) 58;
hier des festen schlosses klammer
thut dir auf die speisekammer.
Rückert 226.
e)
als heftel am kleide: die (herren) tragn jetzt fast gar keine knöpf mehr auf den röcken, sondern habn ihre kittln mit einer klammern zughaftelt wie dkapuziner ihr kutten. briefe eines Eipeldauers 19, 21, noch in schwacher form auch im sg.
f)
allgemein als band, festigung, dichterisch:
es nahe keiner seiner kammer,
wenn er sich ungeduldig drängt
und jedes band und jede klammer
mit jugendlichen kräften sprengt.
Novalis lob des weins;
es ächzt das schifflein selbst im sichern port
und hält sich fester an des ankers klammer.
Dingelstedt;
die .. textur des körpers mit geistigen klammern halten. J. Paul Kampanerthal 49.
g)
fahrtklammern im bergwerke, die beim steigen als handgriffe dienen, neben den fahrten angebrachte klammern.
3)
übertragen.
a)
von den spitzen der weinreben: reben .. welch ihre klammeren oder zinkende gäbelin .. herfürtreiben. Spangenberg lustg. 130. 167. vgl. unter klammern 4.
b)
in der schrift heiszen klammern die eckigen parenthesenzeichen, in form der klammerhaken. doch findet sichs auch gleich parenthese überhaupt: eure schreibart ist so reich an klammern und vorbedingtheiten. Zelter an Göthe 4, 111.
c)
geistig, wie klemme: ihrer viel, die ein solcher unfahl ubereilt gehabt und in dise klammer geraten (sind). Fischart Garg. 214ᵃ (399), beklemmendes unglück; in des unglücks klammer, in der armuth jammer. Rückert mak. 1, 20. ähnlich bildlich schon mhd. alter schulde klamere gold. schm. 347. das mag von der bed. fessel herrühren, vgl.klamme in gleicher bed.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 938, Z. 50.

klämmer

klämmer
u. ä. von gewissen insekten.
1)
die grosze waldameise heiszt schwäb. klämmer f., s. Schm. 2, 356, bei Schmid 317 klemmer m. und klemmerling, schweiz. klammere, waldklammere Stalder 2, 105, auch klempe f. 2, 108, klupere 2, 112 (s.kloper), alles von dem klemmenden anpacken der beute. in merkw. übereinstimmung auch norw. klämmer Nemnich 2, 1642.
2)
die schwäb. wörter bezeichnen auch den hornschröter, klammerhirsch, rhein. klammer (m.?), baumklemmer, baumklamm m., eichklamm m. (Kehrein), von seinem zangeförmigen horn.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 940, Z. 7.

klammer, adj.

klammer adj
gleich klamm, selten, aber gewiss alt. diese beiden nebenformen klammer und klamm entsprechen genau den subst. klammer und klamme, klamm klammer, und sind ein wertvolles weiteres beispiel für nebeneinanderbestehn von formen mit und ohne ableitendes -er auch im adj., wie es heiser und heis bieten; ebenso verhält sich alts. smultar heiter zu ags. smolt.
1)
klammer rar, selten, so auf der Eifel Schmitz 227ᵃ, gleich klamm 2.
2)
gleich klamm 3, gediegen: das creuz war eingefasset mit lauterem klammer golde. Rivander exempelbuch 2, 32, unflectiert wie dort klamm (s. d.). es ist noch nd.: ût klammern golde, massiv golden brem. wb. 2, 786; de karen weren vull von klimmer klammer gold, nix wie gold. Schulmann stippstörken Hildesh. 1858 s. 34. mit hübschem ablautspiel.
3)
ebenso neben klemm schlesisch klemmer, dicht, klebrig Weinhold 44ᵃ: in klarem letterm klemmern dreck. Hoffmann monatschr. f. Schl. 227, also zugleich wie klamm 4; vgl. klamerig und schweiz. klammern sp. 936, auch engl. clamber sich ballen sp. 940 mitte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1866), Bd. V (1873), Sp. 938, Z. 31.
Zitationshilfe
„klammer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/klammer>, abgerufen am 26.02.2020.

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