Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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klar

klar,
clarus, aus dem lat. worte übernommen, doch erst seit der mhd. zeit, wol unter dem einflusz der kirchlichen rede, des kirchlichen gesangs, denn das altfranz. cler hätte kein klâr gegeben; altprov. clar, span. port. claro, ital. chiaro, franz. clair, engl. clear; mnl. claer, nnl. klaar, mnd. clâr, clair, claer, altn. klârr, dän. schw. klar; auch kymr. claer, bret. sklear, skler, gael. clearc glänzend, wol urverwandt. In den steigerungsformen zeigt sich eine doppelheit in der behandlung des vocals; das umlautlose klarer klarst ist jetzt das herschende und empfohlene, aber klärer klärst sind noch viel gebraucht, in den mundarten vielleicht vorherschend und von je her reichlich zu finden, so bei Keisersberg, Zwingli, Luther, Alberus, H. Sachs, Fischart, Opitz, Lessing, Wieland, Kant, Herder, Stolberg, Thümmel, Göthe, Schiller (die kläresten beweise Wallenstein 1800 1, 218); Adelung empfahl den umlaut und brauchte ihn selbst. Göthe 45, 39 (s. unter 8, a) unterscheidet einmal klarst und klärer, obwol er sonst auch den superl. gern mit umlaut braucht. Das fremde wort hat bei uns eine reiche entwickelung erfahren und ist neben hell, licht, heiter, blank, lauter, rein u. a., mit denen es sich manigfach berührt, doch unentbehrlich, in der übertragung auf das geistige gebiet übertrifft es sie alle an ausdehnung und wichtigkeit.
1)
Klar, glänzend, hell, wie clarus.
a)
urspr. von himmelsglanz, sonne, sternen, blitz, morgenröte, tag u. ä.:
der klaren sonnen schein.
Eyering 1, 702;
die sonne ist verblichen,
ist nimmer so klar als vor.
Uhland volksl. 93;
sein unversehrte rüstung ganz
gab wie der blitz ein klaren glanz.
J. Spreng Aeneis 222ᵇ;
noch eh die morgenstunden klar
entbinden ihr (der sonne) die gelben haar.
Spee trutzn. 191 (174);
Aurora sehen läszt ihr rosenrotes haar
und mit dem klaren schein umbhüllt der sternen schaar.
Opitz 1, 158;
geuszt Christi gütigkeit mir neuen athem ein
und läszt mein antlitz sehn den klaren tagesschein.
3, 221;
drauf kam der helle schein, liesz nichts nicht mehr verborgen
auf gottes anbefehl, er hat den klaren morgen
und abend abgetheilt und weisz von schwarz getrennt.
3, 211;
so clar soltu dörren wie die sonn scheint, so clar soltu dörren wie der mond leucht. zaubersegen über blattern, zeitschr. f. myth. 1, 278. Dasz man klar bestimmt als glänzend, strahlend, glanzvoll verstand, zeigt auch die angabe der vocabularien, die z. b. nitidus, splendidus damit erklären. Dief. 381ᵇ. 548ᵃ; der voc. inc. teut. erklärt clar, clarus ausdrücklich als stelleus, clarus ad modum stelle, der voc. th. 1482 q 7ᵃ noch nachdrücklicher klar als lauter, schon, liecht, scheinende, plitzende als die sunn oder golde, clarus, serenus, fulgens, rutilans, coruscans, micans, splendens, luminans, luminosus, stellius. von farbenglanz bei Fischart: rosenblüsame wängelin (der jungfrau), die auch den umbwebenden luft mit ihrem gegenschein als ein regenbogen klärer erleuterten (erhellten). Garg. 76ᵇ (131 Sch.), s. dazu 4. von spiegelglanz, wie blank:
ên schôn marmelstên wart dâr bereit,
gepoleret sô klâr alse ên glas.
Rein. vos 431,
poliert so klar recht als ein glas.
Reinicke fuchs 1583 25ᵇ.
b)
wir dagegen heutzutage fühlen dieses klar mehr als gegensatz zu trübe und nennen jenes lieber hell. ein klarer tag oder himmel ist uns nicht mehr schlechthin ein glanzvoller, sondern mehr der, dessen helle durch keine dünste, wolken, nebel gestört ist; eine helle nacht nennen wir eine mondnacht, eine klare nacht mehr die, welche frei von dunst und nebel ist, klare luft hat. ebenso ist es heiter ergangen, das urspr. glanzvoll, jetzt ungetrübt bedeutet.
der himmel nah und fern
er ist so klar und feierlich,
so ganz als wollt er öffnen sich.
das ist der tag des herrn!
Uhland ged. 24.
Natürlich verflieszt aber beides leicht der sache nach, sodasz man die neue bed. schon früh finden kann, die alte noch jetzt (z. b. in sonnenklar): seind sie (die sterne) neblig und tunkel bei klarem himmel ... scheinen sie rotklar (rotglänzend), so kompt ein wind fürwar. Fischart groszm. 559 Sch.; gehet die sonn klar auf, so sorg nicht dasz sie dir das schaf tauf, steigt sie bleich aus dem grab ... 560; die sonne gieng klar unter. Göthe 16, 227;
die goldnen sternlein prangen
am himmel hell und klar.
Claudius 4, 91,
wir fühlen beides als leicht unterschieden; graf. welche nächte soll er vorziehen? schüler. nächte wenn der himmel klar ist und die sterne funkeln. Göthe 14, 132, vgl.sternklar; nur die hohen gebirgketten waren unter einem klaren und heitern himmel sichtbar. 16, 230; die wanderung durch eine herrlich klare nacht (der mond scheint). 23, 56; in einer tagklaren nacht. 22, 106; beim klarsten sternhimmel. 48, 58; mutter und tochter standen erstarrt, sie hatten Orest gesehen von furien verfolgt .. in gräulicher widerwärtiger wirklichkeit, die im contrast mit einer behaglichen glanzwohnung im klarsten kerzenschimmer nur desto fürchterlicher schien. 22, 88, klar auch hier nicht ganz gleich hell, das mehr dunkel, finster zu seinem gegensatze hat, während diesz klar dem düstern, trüben, verworrenen der verstörten leidenschaft Flavios entgegensteht; aber das. s. 83 heiszt es von derselben wohnung an demselben abende in hellen zimmern zwischen klaren wänden, wol mit wachskerzen (s. 84) besteckt, da steht klar wol zur abwechselung mit dem hell vorher. Sicher ist die alte bedeutung in folgenden stellen:
dann kanstu, wie die liebe schön,
in stolzem klaren schimmer gehn.
mahler Müller balladen 1776 s. 35;
es glitzert in der sonne der pflug so blank und klar.
Chamisso 3, 302;
der klare blitz (das blitzen), wenn sich das licht
in den metallnen knöpfen bricht.
Ann. v. Droste ged. 418;
und bei dem schein des klaren
gesteins sah er des himmels lichtes klar.
Rückert ges. ged. 1, 174.
vielleicht ist das alte klar landschaftlich noch in geltung.
c)
klar von luft und wetter, gleich heiter, aus welchem gebrauch eben die neuere wendung des begriffs unter b entsprang: klarer, haiter oder heller (so l.) luft (als m.), schoner, stiller, serenus. voc. 1482 q 7ᵃ; klar wetter, serenitas, sudum, aer blandus. Stieler 968; klare luft, liquidus aer Frisch;
heut ein prächtiger tag, für die heumad und das geburtsfest!
klare luft giebt klares gesicht!
Voss Luise (1825) 1, 599;
de mân schynet lichte an der heden,
de wech is gût, de lucht is klâr.
Reineke vos 993;
schieszen die stern (sternschnuppen) zu klarer zeit. Fischart groszm. Sch. 559; in der damaligen warmen und klaren jahreszeit. Chr. Weise kl. leute 145, vgl. dazu f. Daher früher auch unpers. es ist klar vom wetter, wie jetzt es ist schön, trübe u. a.
ist es corporis Christi klar,
bringt es uns ein gutes jahr.
sprichwort bei Simrock 1454;
(so blau) wie die gestalt des himels, wens klar ist. 2 Mos. 24, 10, in der nd. übers. went klar is; wenn aber der wind webd, so wirds klar. Hiob 37, 21, frühere var. der wind webt und machts klar. daher vielleicht der eigenthümliche ausdruck daʒ klâre lant für norden (aquilo), den Frisch 1, 519ᵇ aus einer alten bibelübers. beibringt, wol nach lat. clarus aquilo Verg. georg. 1, 460 vom nordwinde der den himmel klärt.
d)
vom auge, blick, gesicht, wie clarus.
α)
eig. glänzend. so mhd. im minneliede von frauenaugen, wie in der altfr. dichtung viaire cler, vis cler, oeil cler:
dîn ougen sint dir schœn und klâr
rehte als einem adelar.
fuchs und rabe 1885 (Reinh. f. s. 360),
auch schœne heiszt zugleich glänzend, aber in klâr ist gewiss schon scharfblickend mit gemeint, wie im folg. (vgl. 8, a);
sie tregt zwei falkenäuglein klar.
Ambras. liederb. 157, 10,
und oft so, vgl. mhd. valkenklâr; die augen (der jungfrau) wie Dianae stern klar. Fischart Garg. 76ᵇ (130 Sch.).
β)
bei uns zeigt sich auch hier die wendung des begriffes unter b, wir sagen lieber helle augen oder leuchtende, blitzende u. ä., ein klares auge aber ist uns mehr der gegensatz zu dem trüben auge des kranken, dem blöden des geistesschwachen u. dgl.: sein blick, der lange umschleiert (verdüstert) war, ist wieder klar geworden; wo ist dein klarer blick heute? du siehst so finster aus; er sah mich mit seinem tiefklaren auge an.
γ)
vom gleichen ausdruck des ganzen gesichtes, das ja bei uns seinen namen vom auge hat: serenitas, clar gesicht. Melber x 7ᵇ;
welcher mit klarem gesicht
seinen freind also bespricht.
Weckherlin 347 (od. 1, 1);
das gesicht klar machen, explicare, clarum facere Frisch 1, 519ᵇ, das ganze gesicht des gesunden und frohen erhält ja einen glanz, wie das auge.
δ)
daher klar geradezu gleich froh, wie auch heiter diesen begriff gewann, und engl. glad froh eig. glänzend war (s. 4, 222 mitte): klarer ... letus, frolicher. voc. 1482 q 7ᵃ; klarer ... haiter vel munder. das.; daher sich aufklären heiter, lustig werden 1, 674, bair. aufklärt! lustig! Schm. 2, 363 (schweiz. ufklärt dagegen ist aufrichtig Tobler 430ᵇ). so sagt man von hoher freude, sein auge, gesicht verklärte sich, vgl. mhd. im Reinhart 876 nach der einen hs. des verklârten sich sîn sinne, er ward entzückt, mit übergang vom gesichtsausdruck auf die seele. eins von beiden, oder beides liegt auch in bair. klar etwas angetrunken, 'illuminiert' Schm. 2, 363.
e)
vom glanze edler metalle:
der bilde einʒ was ir gelîch
von golde clâr unde rîch.
Konrad Flecke 2212;
reben, welch ihre .. gäbelin und oftermals hellscheinende bletter mit klaren goldstrichen herfürtreiben. Spangenberg lustg. 130; silberklar (von wasser) Steinbach 1, 861. doch geht das gewöhnlich über in den begriff gediegen, s. 5, b. vergl. das klar 3.
f)
vom hellen scheine der jungen natur, des frühlings, dem frühlingsglanz (Voss 6, 190):
es war das junge laub so klar
und zeiget' ein so lieblich grün,
zumalen wenn die sonn' auf dessen seite schien,
dasz alles was man sah, so gar (ganz)
durchsichtig und durchleuchtig war.
Brockes 2 (1727), 21,
das berührt sich zwar mit durchscheinend (5, a), aber alte vocabularien geben klar von lenz besonders an: klar veronus, clarus .. ad ver pertinens. voc. th. 1482 q 7ᵃ; vernus wird erklärt mit clar licht zijt, lustbar vel clar vel lichte zeit Dief. 613ᶜ, vernalis mit genuglich (vergnüglich) oder klaar 613ᵇ, lustig oder clare voc. opt. Lpz. 1501, gruͤnende oder clar gemma Straszb. 1518. Also klar schlechthin gleich frühlingshaft, lenzlich (vergl. clâre vogelîn im mai Neidh. xi, 2 H.), der mai die klare zeit genannt, wie die liehte, wünnebernde, wünneclîche u. a. bei den minnesingern (gr. λευκὸν ἔαρ); so heiszt es bei Veldecke zur schilderung des mais diu zît ist verklâret wal minnes. frühl. 65, 13, ist ganz klar geworden, und auf den himmel übertragen êwige niuwe 'grüenende klârheit' Heinrich von Egwint bei Haupt 8, 231, der zustand des himmels als ewiger mai gedacht, mit derselben bezeichnung im 14. jh. wie vorhin gruͤnende oder clar noch im 16.; doch spielt in alles das die bed. 2 herein.
g)
bildlich in manigfacher wendung, z. b.
α)
klare tage für glückliche, das glück als sonnenschein gedacht (wie candidi soles bei Catull):
dir in klar' und trüben tagen
lied und muth war schön und grosz.
Göthe 4, 300.
β)
von geistigem glanze:
so hell geschin noch nie die sunn,
(dasz nicht) die tugent, zier und sitten dein
schein klerer in dem herzen mein.
weimar. jahrb. 2, 111;
so sei der schönheit wiederschein
in reger seel' uns klar und rein.
Voss (1825) 4, 69.
2)
Klar, schön, von schönheit strahlend, herrlich u. ä. Menschliche u. a. schönheit ist besonders oft als ein leuchten aufgefaszt worden (vgl. 1, d); so ist schœne selbst auch glänzend, lat. nitidus glänzend auch schön, stattlich (nett), und ebenso mhd. klâr, wie altfr. cler, prov. clar, vgl. lat. praeclarus, eig. 'vorglänzend' (im 15. jh. wird es mit vorschön übersetzt Dief. 452ᵇ).
a)
bei den mhd. dichtern heiszen edle, ritter, besonders aber frauen, jungfrauen klâr, oft verbunden mit reine, süeʒe, schœne, wert, gemeit u. a.; auch die jungfrau Maria heiszt klâr, und dasz man glanz damit meinte, zeigt z. b. ob allen frowen bistu sunnenclâr Haupt 11, 40, es wird bei der Maria den dichtern zugleich der farben- und goldglanz der bilder vorgeschwebt haben, der das eben ausdrücken soll (doch s. auch unter 3). auch bei helden und frauen ist die 'glänzende erscheinung' gemeint wie auch wir sprechen, vgl. von 'englischen weibern' beim Wolkensteiner 82 durchleuchtig schön mit liechtem glanz, es ist dasselbe kräftiger ausgedrückt, nach dem englisch zugleich mit beziehung auf die bed. 3; daher rührt wol der frauenname Clara. Man dachte dabei an goldglanz:
wan ir scheitel und ir hâr
was so lieht und sô clâr,
daʒ eʒ gelîche golde gleiʒ.
Flecke 6884.
aber auch an sonnenglanz, das zeigt z. b. eine stelle Wolframs, der diese klarheit schmelzend wirken läszt:
swaʒ er (Gramoflanz) haʒʒes pflæge
gein Lôt von Norwæge,
daʒ zergienc als in der sunnen snê
durch die clâren Itonjê.
Parz. 728, 13.
oder an frühlingsglanz (s. 1, f), nach folg.; Parzival kommt aus einem streite, râmec vom harnisch, er erhält darauf ein bad,
dô was er fier unde clâr.
swer in sach, der jach für wâr,
er wære gebluomt für alle man.
Parz. 306, 25,
offenbar ist bei clâr dem dichter der mai vor die augen getreten. Es ist im 13. jh. ein besonderes merkmal höfisch adelichen wesens, wie wert, guot, reine, auch männer sollten bei hofe klâr sein, das zeigt recht deutlich eine stelle im Willehalm; der held kommt aus einem streite auf den königlichen hof, sein gewand über dem harnisch ist wol tiwer, rîche, lieht, aber ér ist nâch râme var, bart und hâr verworren gar, die hofleute sagen von ihm misliebig richtend:
er zæme in eime strîte
michel baʒ denne an den tanz.
ouch ist im ninder alsô glanz
sîn bart, sîn vel, noch sîn hâr,
daʒ man in dürfe nennen clâr.
Wh. 128, 22.
daher selbst von greisen in höfischer erscheinung:
schœne, klâr, wîʒ unde grâ
wâren gar die alten,
mit zühten manicvalten.
gut. Gerhard 2518.
von fürsten, fürstinnen:
de hôge keiser klâr.
Sassenchronik 43 (Scheller);
vur der jungen keiserinnen clâr.
Holle Crane 467.
besonders freilich meint es jugendliche schöne:
er was sô gar des wunsches kint,
daʒ alle man gein sîner schœne wâren blint (glanzlos),
und doch manlîch gestalt bî klârem velle.
Lohengr. 6243;
si hæte in (die frau den alten ehemann) junc unde klâr
gemachet, ob si kunde.
Haupt 7, 373.
ihren sitz hat diese klarheit, wie die stellen zeigen, in haar und bart, und in der haut (vel), und letzteres ist noch nhd.: solches macht ein wunderschönes angesicht und erhält die haut klar. Schuppius 470 (Corinna), wenn nicht einfach weisz gemeint ist (s. 4, b). s. auch aus dem Hugschapeler unter klarheit 1, b, und klarlich eleganter voc. 1482 q 6ᵇ (vgl.elegans weidlich, hovesch Dief. 197ᶜ). ebenso altdän. klar.
b)
diesz mhd. klâr hat denn, wie so manches stück der höfischen kunst und rede, noch lange fortgelebt, ja im 15. 16. jh. ist es ein stehendes schmückendes beiwort, eins von jenen füll- und reimwörtern, womit diese zeit so leicht dahin reimte. Noch wie mhd.:
dann wer ich also schön und klar,
als Helena von Griechen war,
und het ein har als golt gespunnen u. s. w.
klopfan im weim. jahrb. 2, 113;
er war am dritten tag schon tot,
noch (doch noch) blüet er als ein rosen rot
under seinem angesicht fürwar,
sein ganzer leib war weisz und klar (wie lebend).
Uhlands volksl. 282, Erk liederh. s. 44,
noch nach einer niederschrift des liedes, die Göthe im Elsasz aus volksmunde nahm
sein angesicht war freundlich gar,
sein ganzer leib war hell und klar.
aus Herders nachlasz 1, 171.
In ein füll- und reimwort übergehend:
ein brief schreib er behende
der seinen frawen klar.
Uhlands volksl. 786;
die statt (Ulm) in ihrem wappen klar
fieret ein schwarzen adler zwar.
reimchron. bei Adrian mitth. 115;
das land zu Kernten klar.
Soltau 2, 81 (1519);
Andromache die fürstin klar.
J. Spreng Aeneis 71ᵃ;
thet warten auf die fürstin klar.
108ᵇ;
Acrisii des königs klar.
252ᵃ;
von könig Alexandro klar.
Ilias 153ᵃ u. o.;
Neptuno und gott Phebo klar.
Aeneis 76ᵇ;
sie giengen in den tempel klar
und bogen sich vor dem altar.
105ᵃ;
alhie bei diesem opfer klar.
Ilias 56ᵇ;
so lacht der hellisch vater klar (der papst).
Ringwald laut. warh. (1621) 317, ironisch.
Aber noch im 17. jh. tritt es auch in alter frische auf:
freilich nein, Hermes ist nicht so klar
und hat auch nicht so schöne haar.
Weckherlin 358 (od. 1, 3);
Albella, wärest du gleich nur ein kalter stein,
würd ein Pygmalion dein buhler dennoch sein:
du lebst und bist so klar, was solt es wunder sein,
wann ein Pygmalion durch dich wird selbst zu stein.
Logau 1, 5, 44,
da du zugleich lebend so schön bist; das mag, wie auch anderes, von den verschmähten meistersängern entnommen sein. dasselbe geistig gewendet:
die braut ist durch den schein der schönen sitten klar.
Fleming 90 (88 Lapp.).
ähnlich noch Göthe im divan von 'himmelsmädchen', huris, doch mehr nach der bed. 3:
alle sind wie alle licht und klar.
5, 254.
c)
es mischt sich aber in diesz klar zuweilen das lat. clarus berühmt hinein, das sich schon im 15. jh. bei gelehrten leuten geltend macht (s. klarheit 1, c), ohne dasz es doch durchgedrungen wäre; so hat man nach illustris auch durchleuchtig, nach obscurus unbekannt auch dunkel gebraucht (vgl. unter d), für clarus selbst heiter. schon in Sprengs klar vorhin kann das mit unterliegen, wie in folg.:
dem altberühmpten adler klar (Östreich).
Ringwald laut. warh. 340 (Gödeke eilf b. d. d. 1, 135ᵃ).
deutlich in folg.: aber der frommen christlichen fürsten (sind) so wenig, dasz gottes urteil billich verordnet dasz wenig dén titel (fromm) tragind, sunder mee fröud habind an der finsteren durchlüchtigkeit die von inen gsagt wirt weder (als) dasz sy klare, das ist hochberuemt von trüw und frommkeit wärind. Zwingli 2, 2, 94 (Wack. leseb. 3, 1, 263);
so manch herrliche frucht und edlen hohen held,
der klärer als die sonn einst sein wird in der welt.
Dietrich v. d. Werder Ariost 7, 60, 8,
nach ital. chiaro berühmt, vgl.klar allbekannt unter 9, b;
die wir jedoch erwarben,
deck uns, o ruhm, die narben,
mach unsre namen klar.
Platen (1853) 6, 19,
aber er dachte wol mehr an Joh. 12, 28 vater verklere (verherrliche) deinen namen Luther, mhd. klære dînen namen Mones anz. 4, 488, δόξασόν σου τὸ ὄνομα; doch ist das anders gemeint, s. 3.
d)
wieder etwas anders klares lob, klare gnade:
und du, herr, dessen lob wie deine gnad ist klar.
Weckherlin 59 (ps. 18, 3),
es ist wol herrlich, leuchtend gemeint, ähnlich wie vorhin bei Fleming. von lob (d. i. ruhm) schon mhd., von edlen frauen:
ir lob ist lûter unde klâr.
Walther 27, 33,
und entsprechend dunkel schon mhd., im Renner 5242 von bœsen wirten (hauswirten), die durch kargheit ir lop tunkel machent.
3)
Klar, himmlisch herrlich. Im kirchlichen gebrauche entwickelte sich eine neue bed., angeschlossen an die beiden vorigen bed., und mit zuziehung der bed. rein (s. 5), 'in himmlischem glanze und reinheit verklärt'. denn der himmel ist voller glanz, wie es das paradies war:
dasz die sele dort erwerbe
des paradises klaren schein.
Hoffmann kirchenlied 348.
dasz auch in diesem klar schönheit mit gedacht war (got ist schœne Eckhart 252, 29), zeigt z. b. ein voc. rerum bei Dief. 125ᵇ, der divina pulchritudo mit gotliche clarheit übersetzt; aber auch freude (s. 1, d, δ) nach Melbers erklärung von gloria (kirchlich) als clara cum laude leticia, clare loblich ere, clar selikeit ... dʒ clar wesen, esse gloriosum. der begriff rein tritt unter a deutlich hervor. aber auch das altlat. clarus kann dazu mitgewirkt haben, denn ähnlich ist schon clarus Olympus, pater omnipotens clarus bei Vergil, und in dem neutest. ausdruck dafür, δόξα, δοξάζειν spielt mittelbar auch der antike begriff der weltlichen 'glorie' herein.
a)
so heiszt nun gott selbst klar, Christus, Maria, die engel, die heiligen: er (gott) ist klâr .. waʒ ist klârheit? dâ niht lîbes zuo gemenget ist unde daʒ stêticlîche blîbet in sîner pûrheit oder lûterkeit. Eckhart 252, 30, deutlich zugleich rein;
gott vater klar, du bist fürwar
ein schöpfer aller dinge.
Hoffmann gesch. d. d. kirchenl. 459;
der himelische kunig klar.
419;
dein pit für uns thu messen (anbringen, eig. zielen) ...
gegen deim kind so klare.
Soltau 2, 82, anrede an Maria.
daher die worte der bibel werdet sein wie gott 1 Mos. 3, 5 so aufgefaszt: der teufel saget der Eva 'ihr möget die verbotten frucht wol essen, und ihr werdet dardurch klar, lauter, mächtig als euwer schöpfer'. buch der liebe 292ᵃ.
b)
die menschenseele soll dort klar werden: diu sêle sol hundertwarbe klârer werden denne diu sunne. Eckhart 252, 35, daʒ si gotvar (gottfarbigen) glanz enpfâhet wie Heinrich von Egwint es ausdrückt (Haupt 8, 231). die seele kommt aber klar aus gottes hand: wer daʒ kindel nimt ze ziehen, daʒ ist die klâr sêl, diu gotes kind ist. gesta Rom. 76, von erziehung. die unreine seele wird durch die beichte klar: mine siele sal te claerre (desto klarer) wesen Reinaert 1445, vgl.claren durch beichte reinigen das. 2964. daher klare augen bei denen, die absolviert sind (vergl. e):
solch brot, das dort di engel nert,
würt nieszlich hi (im abendmahl) der seel beschert
und claren augen schön entdeckt,
gar süsz den rainen herzen schmeckt.
Schwarzenberg 155ᵃ.
c)
aber auch der leib soll klar werden: glory der seelen, die da bisz in den leib streimt, also das er clärer und glästiger würt weder die sonn. Keisersb. has im pf. e 6ᶜ; die heiligen leib werden klar sein und durchleuchtig. schiff der pen. 113;
wenn aus wirt sein der wellet lauf,
da wil ich vil ein kleren leib
antragn, wie der prophet beschreibt.
Wolffs hist. volksl. 395,
kleren für klêreren, klêrren, s. mnl. claerre unter b; so wil mir Christus dagegen denselben (leib) widergeben viel herrlicher, schöner und klerer denn die helle sonne. Luther 6, 234ᵇ. Daher verklæren für δοξάζειν schon mhd. (Mones anz. 4, 488), auch klæren: si (die seele) wirdet ûswendig gekleidet mit dem geklærten lîbe, der sibenstunt liehter wirt denn der sunnenschîn, schnell, kleinfüeg (s. kleinfüge) und unlîdig. Suso (leseb. 885, 17). auch erklären (s. dort 2): gloriosus .. ein erclerter Melber, und lat. clârificieren myst. 295, 35, noch nhd. klarificiren, z. b. H. Sachs 3, 1, 250ᵈ.
d)
reine, besonders keusche sind schon hier klar:
darnach in christenlicher schar (unter den christen, gab es)
vil hailger weib und junkfraw clar,
kain lust noch pein, eer oder hab
möcht si (hätte sie können) von tugent wenden ab.
Schwarzenberg 159ᵃ;
die keuschheit macht, dasz weiber werden
zu klaren engeln auf der erden.
Logau 1, 10, 56,
was doch zugleich in der bed. 5, d, γ gemeint sein mag.
e)
selbst das abendmahlsgeräte wird klar, durch den segen; so verspricht ein zaubersegen des 16. jh.: so clar soltu gesegnet sein (durch den segen klar werden) wie der kilch (kelch) und wein und das himmelbrot. zeitschr. f. myth. 1, 278.
f)
folg. neuere klar hat jenes wichtige kirchliche klar des mittelalters zum hintergrunde: lasz in romantischen fluren ganz der liebe uns leben. unsere seelen, klar wie über uns das heitere blau des himmels, nehmen dann den schwarzen hauch des grams nicht mehr an, unser leben rinnt dann melodisch wie die flötende quelle zum schöpfer. Schiller 173ᵃ, Leonore sagt es zu Fiesco (4, 14);
wol blühet jedem jahre
sein frühling mild und licht:
auch jener grosze, klare,
getrost! er fehlt dir nicht ...
du ahnest ihn hienieden,
und droben bricht er an.
Uhland ged. 51.
4)
Klar, hell, von farben.
a)
von leuchtenden farben überhaupt:
kornblumen flecht ich dir zum kranz
ins blonde lockenhaar,
wie leuchtet doch der blaue glanz
auf goldnem grund so klar.
Geibel ged. 66 (1850).
klare farben in der malerei, s.klarheit 1, a a. e.
b)
besonders von weiszer farbe (auch gr. λευκός weisz ist eig. glänzend): klerer denn milch. klagl. Jerem. 4, 7;
von zähnen blendend klar.
Göthe 5, 152;
(der Jordan) brausend mit klar blankem schaum.
Gryphius 1, 565;
oft ist ein schlechter kerl (von niederm stande), den weiter nichts mehr ziert,
als dasz er klare haut nebst schwarzen augen führt.
Picander 1, 269;
dunkelbraune haare (hat) die Römerin, hellbraune die Mailänderin, jene braun von gesichtsfarbe, diese klar, von zarter haut. Göthe 29, 125, diesz klar von der haut lehnt sich zugleich noch an klar 2 an, s. dort unter a zuletzt. das klare im ei, das eiweisz, gewöhnlich das klar, s. d., vgl.kläre stärke.
c)
im gegensatz zu dunkel, wie hell: wie der mestize an einer klärern hautfarbe zu erkennen ist. Göthe 49, 10. vergl. franz. vert clair hellgrün, clair-brun hellbraun.
5)
Klar, rein. Diese weitere bed., die schon unter dem vorigen öfter mit inbegriffen ist, wird bereits im 15. jh. bestimmt angegeben, ist also weit früher entwickelt: klar lauter, pur, fein, eitel, rein, unvermengt, purus, merus, immixtus, totus. voc. th. 1482 q 7ᵃ, illimis klar, luter, suber Dief. 286ᵇ. vgl. franz. net rein aus nitidus glänzend.
a)
rein und durchscheinend, durchsichtig rein, von wasser, wein, krystall, edelsteinen, glas u. ä.; davon wird der gebrauch ausgegangen sein, denn er schlieszt sich an die bed. 1 an, da reines wasser das licht zurück strahlt, wie das klare auge das auch ein reines ist (vgl.λευκὸν ὕδωρ bei Homer); auch der begriff durchsichtig, das licht rein durchlassend ist damit von selbst gegeben, der voc. theut. von 1482 führt ihn gleichfalls schon auf: klar pur, lauter, schon, durchsichtiger, durchscheinender, als wasser, cristalle, transparens, transpicuus. q 7ᵃ; auch die reine klare luft (1, c) ist durchsichtig, wie weiterhin bildlich ein klarer begriff; s. auch das himmlische klar 3, das gleichfalls mit durchsichtigkeit verbunden ist. gegensatz trübe, unrein, dunkel.
α)
von wasser, 'limpha clar wasser' Dief. 330ᵇ:
bî einem clâren snellen bach.
Parz. 663, 1;
einen snellen brunnen clâr.
804, 11;
ein klarer und lauterer brunn, fons argenteus. Maaler 245ᵃ;
auf einem klar glaslautern stram.
H. Sachs 1, 417ᵇ:
wo unten das klareste wasser aus marmorfelsen quillt. Göthe 16, 9;
wo am klärsten er (der bach) flosz.
Chr. Stolberg 1, 16;
oder wo sich Alpen spiegeln
in dem klaren Bodensee.
Schenkendorf 78.
hier kann denn selbst ein dunkel zugleich klar sein:
goldne bilder
steigen aus der gewässer klarem dunkel.
Matthisson 62 (57),
s. dazu dunkle klarheit bei Brockes unter klarheit 1, a. bildlich der wahrheit klarer quell u. ä.
β)
von krystall, glas, perlen, edelsteinen: und er zeiget mir einen lautern strom des lebendigen wassers, klar wie ein christal. offenb. Joh. 22, 1 (gr. λαμπρός, vulg. splendidus); klares glas, lumentum, vitrum clarum in modum solis. voc. th. 1482 p 7ᵃ, was wir jetzt weiszes nennen, mit klar ist besonders deutlich durchscheinend und rein gemeint, gegenüber dem trüben oder bunten glase das man lange allein kannte; ein klar und lauter glas, vitrum clarum. Maaler;
kein starrer eiszapf ist so glatt, so klar, so fest
als wie der neugeborne stral (der wasserkunst).
Brockes 2, 110 (1727);
klare perl, unio exaluminatus. Stieler 968; klare edelgesteine, limpidae gemmae. Steinbach 1, 861; lapides clari, schön (d. i. hell) edelgstein, so klar dasz man dardurch sehen mag Frisius 231ᵇ.
γ)
von wein, bier u. ä.:
lûtertranc, clârer wîn.
Flore 3005;
dar zuo sô trink ich klâren wîn
ûʒ silber und ûʒ golde rôt.
Boner 41, 22;
auch Helbling 1, 49 erwähnt klâren wîn, der auf dem tische eines geizigen fehle, s. übrigens dazu klaret. der voc. inc. teut. gibt clar wein für merum, est vinum optimum, a fecibus separatum, wie Frisch klarer wein vinum defaecatum. so klar bier cerevisia defecata Stieler, das 'abgeklärt' ist, die hefen ausgestoszen hat. redensart einem klaren wein einschenken, die 'reine' wahrheit offen sagen, deutsch heraus reden:
billig wird mit einem becher
dieser wackre mann beschenkt,
weil er als des landes sprecher
klaren wein hat eingeschenkt.
L. Uhlands inschrift auf einen ehrenbecher für A. Schott i. j. 1819.
δ)
mit beimischung eines neuen begriffs klar wasser: ich bin aber des weins (im süden) bald gewohnet, und wen ich gar durstig war, sonderlich im sommer, goesz ich wasser darzu, trank auch zuweilen mit gar gutem appetit klar wasser (statt des in Hamburg gewohnten biers). briefe des Hamb. bürgermeisters J. Schulte an seinen sohn s. 16, es meint zugleich bloszes wasser, nichts als wasser, wofür es ebenso auch blankes wasser heiszt; s. mehr unter d, γ sp. 989.
b)
von edlen metallen, rein und gediegen, klar gold solidum aurum Frisch; auch das ist vom glanze ausgegangen (s. 1, e) und gleichfalls schon mhd.:
vuoʒ und snabel geworht von klârem golde.
Lohengr. 5353;
er wil lîhte (vielleicht) daʒ silber her
bringen morgen an dem tage,
er vürhtet lîhte daʒ ich sage,
eʒ dûhte mich niht volle clâr.
Amis 1855,
der kämmerer der bezahlen soll bleibt aus, der kaufmann tröstet sich in seiner angst damit, jener fürchte eine zu genaue prüfung des silbergehalts (doch vgl. unter 12, b, β klar von gewichte);
die (brünne) was gar köstenlich
von eitel klarem golde.
hürn. Seifr. 70, 5;
fünfhundert gülden also bar
an ducatengold lauter klar.
H. Sachs 3 (1588), 1, 145ᵇ;
also musz der papst auch ein creuz von klarem gold voller schöner gleiszender gestein und perlen an tragen. Fischart bien. 149ᵃ;
die ein schüssel ganz golden war,
die ander gut von silber klar.
Scheibles flieg. bll. 69;
schickte er einsmals eine platte von klarem gold, so schwarz angestrichen gewesen. Simplic. (1713) 3, 155. jetzt auszer gebrauch, doch im nd. noch geltend.
c)
wie blank, gereinigt, gescheuert, geputzt ('dasz es spiegelt, funkelt' wie man sagt), so besonders nordd., z. b. von metallgeschirr:
kehrt für ewer thür rein und klar.
froschmeus. J 4ᵇ;
wie in kurzer zeit pferde und kühe spiegelhell und klar wurden. Gotthelf 1, 206. vgl.klären 1, f sp. 999.
d)
endlich gleich rein auch von dingen, bei denen von einem glanze nicht mehr die rede ist.
α)
schon der voc. th. 1482 gibt unter 'klar ... unvermengt' (s. oben) als beispiel klar weiz oder korn; klar mehl similago Stieler, Rädlein, es wird an der reinen weiszen farbe erkannt und mag diesen gebrauch hervorgerufen haben, vgl.kläre 4 und das ironische 'du bist der klare kern' sp. 602. aus der Champagne erzählt Göthe: der soldat durfte nur ein kochloch aufhauen, so traf er auf die klarste weisze kreide, die er zu seinem putz sonst so nöthig hatte. 30, 87.
β)
dann auch von andrer waare:
doch wenn ihr bleibet, so bring ich
frische honigscheiben hervor, ich wähle die klärsten.
Göthe 40, 38,
vgl.purus favus als opfergabe Tibull 1, 10, 24; klare butter. auch das klare (reine) blut, mit ausdruck eines gewissen schrecks gesagt, das blut selber:
bis mir das klare blut von beiden schläfen lief.
A. Gryphius 1, 106;
von mann und thiere tröpfelnd läuft
das klare blut.
Annette v. Droste 566,
wie auch das helle blut, die hellen thränen.
γ)
endlich von allem möglichen, mit dem begriffe merus, lauter, 'nichts als' Frisch, als beispiel gibt er klar fett, etwa von einer fleischportion: das ist ja das klare fett; vgl.klar wasser so unter a, δ. klar ist da gebraucht wie rein, pur, hell u. a., besonders lauter, selbst blank (die pure blanke lüge), besonders in verdrusz und zorn dienend: es sind klare lügen, klarer unsinn, es war alles voll klarer maden Heynatz antib. 2, 184, auch es ist die klare wahrheit ders., nicht die offenbare, sondern 'nichts als die wahrheit'; solcher bettel galt dann bei ungelehrten für klare baare weisheit. Siegfried v. Lindenberg (1790) 2, 358.
6)
Klar, fein, dünn, klein. Auch diese bed., die sich nun von der ursprünglichen entschieden entfernt, ist schon im 15. jh. bezeugt; sie wird sich von der bed. rein und durchsichtig abgezweigt haben, denn klare gartenerde z. b. ist zugleich rein, klare leinwand zugleich durchscheinend. der gegensatz ist hier grob: 'klar, dünn, das nicht grob ist' Rädlein 540ᵇ. ebenso franz. clair.
a)
von asche, erde und ähnlichen stoffen: nimm die aschen von den beinen gebrant aus dem topf und reib sie auf einem glatten stein aufs subtilste, das sie ganz klar werde (von welcher klarer praeparierung die clär dann den namen hat). Laz. Erker mineralerzt (1580) 11ᵃ; das die asch klar und gut zugerichtet werde. 9ᵇ. so wird farbe klar gerieben, auch klares mehl ist rein und fein zugleich (götting. auch klares brot, feines). von gartenerde, sand: ein klarer, herrlich lockerer boden und gut bearbeitet. Göthe 28, 14; um Caserta das land völlig eben, die äcker so gleich und klar gearbeitet wie gartenbeete. 28, 54; dasz man .. am Mittelmeer ein sehr klaren und weiszen sand gefunden (zum glasmachen). Mathesius Sar. 1ᵇ, gewiss zugleich rein. klarer sand gegenüber dem groben, ungesiebten, dem kies. ebenso klarer zucker, gestoszener, gegenüber dem groben oder ganzen, klarer pfeffer, klarer mörtel (Schmeller), klar gehacktes fleisch.
b)
das geht denn völlig in klein über, und klein selbst bedeutet urspr. fein, dünn und rein: er macht sie (die fingerhüte) auch mit spiegeln oder hauet klare und grobe sterne darein, minutos vel crassos asteriscos. Comenius orb. p. 2, 129. klare kohlen (wie kohlenklein), die straszensteine klar schlagen (Schmeller), thür., sächs. selbst klares holz, sonst kleines, klein gespaltenes, einen thaler klar machen, gegen klein geld wechseln.
c)
von leinwand, garn, flachs u. ä., fein und rein, was früher eben auch klein hiesz, klare leinwand Frisch (s. klar m.), klares tuch, klarer zwirn Rädlein, klarer faden, flachs: sahe ich dʒ er (der flachs) ganz lauter gelochen und gehächelt was .. und also clar und rain an die hend (zum verarbeiten) berait. Keisersberg geistl. spinnerin L 6ᶜ; (flachs) ganz lauter und clar on alle knöpf (knoten). L 3ᵃ; dasz ich nun beisammen habe 7 ganze hembden, darunter eins von klarer leinwand. Riemer pol. stockf. 85;
ich wollt vorhin mein klares garn begieszen.
Gellert.
daher klar spinnen ( Adelung):
es ist nichts so klar gesponnen,
es kommt doch ans licht der sonnen.
bildlich in einer ansprache vom j. 1620 an die reichsgewalt:
spinn die christliche lieb fein rein,
das alt vertrauen spinn schön klar,
setz das teutsch vaterland aus gfahr.
Scheibles flieg. bll. 153.
der faden musz werden klar wie seide, wie ein haar, so in einem md. kinderspruche (vgl. Fromm. 6, 127), z. b. in Weimar:
wir treten auf das kettchen,
dasz das kettchen klingen soll,
also klar
wie ein haar u. s. w., auch zart wie ein haar, fîn as ên hâr
Mannhardt germ. mythen 496. 498. 513;
ist drinn (in Spanien) vom Esauiterorden
geröst, gebrecht, gehechelt worden,
dasz er (der flachs) worden so zart und klar
als wie ein seiden oder haar.
Scheibles fl. bll. 152;
der flachs wird nämlich auch klar gehechelt. ähnlich J. Paul: D. kämmte eselschwänze klar. 5, 12. Daher auch klare hechel: (der flachs wird) erstlich durch eine grobe, hernach durch eine mittelmäszige, und endlich durch eine klare hechel gezogen. öcon. lex. Lpz. 1731 sp. 690. von klare leinwand auch die klare wäsche, das feine weiszzeug, beim waschen, auch kurz das klare (Leipzig). klare spitzen ( Adelung), schleier:
sie hat gesponnen sieben jahr ...
die schleier sind wie spinnweb' klar.
Fr. Kind der freischütz (1823) 98.
d)
von der stimme, sprache: eine klare sprache, feine stimme Schmeller 2, 363; klare stimme, feine, schreiende Heynatz antib. 2, 184, allzu klar reden Adelung als volksm.; daher von der frauenstimme, z. b. in Weiszes dorfbalbier: Barthel. nicht wahr? — (er antwortet sich selbst mit einer klaren stimme, als wäres seine frau) nein, nein, gewiss nicht, lieber mann. — (grob) auf eine lüge gehört sich eine maulschelle (er klatscht sich in die hand. dann klar weinend) hi hi hi hi, und so weiter wechselnd grob und klar. kom. opern (1777) 2, 232. es mischt sich übrigens mit 7, b, s. dort.
e)
klare schrift, feine, kleine, unterschieden von grober groszer (anders unter 7, a). klar gedruckt Heynatz a. a. o., mit belegen: wenn man bei abend klare schrift lieset und schreibet. Hoffmann unterred. von natürl. dingen 307; eine klar gedruckte note. allg. litt. zeit. 1796 1, 174. Aber klare schrift ist auch reinschrift, dem unleserlichen entwurf gegenüber: Steins aufsätze .. aus der flüchtigen unleserlichen kladde zu enträthseln, klar abzuschreiben. Arndt wanderungen 30; Stein schrieb nie, wie sein kollege Hardenberg, eine klare .. hand. das., es schlägt in die bed. 7 über.
f)
eigen von complexion: waicher natur oder klarer natur, liperus (d. i. λιπαρός). voc. th. 1482 mm 7ᵇ, zart, weichlich, im Teuthonista cleinlick Dief. 332ᵇ. So tritt das wort allmählich vom sinnlichen gebiete auf das geistige über, dasz man beides nicht scharf scheiden kann; und es entfaltet da eine neue manigfaltigkeit, immer unter verschiedener, oft neu aufgefrischter rückbeziehung auf die sinnliche bedeutung.
7)
Klar, sinnlich deutlich.
a)
in bezug aufs gesicht, conspicuus clar, clor, klair (nd.) Dief. 145ᵃ, heiter, klar, sichtbar Fris. 312ᵇ: und solt auf die steine alle wort dieses gesetzs schreiben klar und deutlich. 5 Mos. 27, 8, deutlich lesbar; der text, der auf der tafel grob (in groszen buchstaben) und klar geschrieben gewest. Luther 3, 242ᵇ (anders unter 6, e); endlich zertheilte sich der nebel und die landschaft wurde klar sichtbar; die aussicht vom berge ist selten ganz klar (zugleich rein); wie klar das ebene land gegen das gebirg hin liegt! Göthe 21, 165; ich trat ans fenster und er (der Brocken) lag vor mir klar wie mein gesicht im spiegel. an frau v. Stein 1, 141. Daon wird die weitere entwickelung ausgegangen sein, denn das glänzende leuchtet uns in die augen, das klar sichtbare steht in klarem lichte vor uns.
b)
übertragen aufs gehör (wie umgekehrt hell vom gehör aufs gesicht übergieng), schon lat. clarus, doch öfter von schallenden, grellen tönen.
α)
deutlich hörbar: klar, hell lautend. Rädlein 1, 540ᵇ; clarus, das heiter und häll tönt, das man heiter und klar hört. Fris. 232ᵃ; die selblautende letteren werden also genant, weil sie .. einen klaren, deutlichen laut geben. Schottel 185; ich trete vor die tiefe und sage klar und vernehmlich .. Göthe 14, 7; die worte klangen vom winde getragen klar und scharf herüber, wieder zugleich rein.
β)
daher laut, wie lat. z. b. clara voce mit lauter stimme:
Sylvius der rufte klahr:
o du seeliger für allen!
Fleming 446 (356 Lapp.).
γ)
musikalisch scharf, hell und rein, schon mhd.: tinnilis, klingich oder claer, est sonus levis, purus. voc. opt. Lpz. 1501, gemma (Dief. 584ᶜ); die kichern machent die stimm klâr. Megenberg 389, 21; eine klare und hälle stimme, vox limpida et canora. Steinbach (limpida, gleichsam durchsichtig); die saite ist verletzt und ihr ton ist nicht mehr klar (trübe, unrein);
klarster stimme, froh an sinn —
reinste jugendgabe ...
Göthe 47, 140, an eine sängerin;
klar in der heitere ward jeglicher laut melodie.
Voss 3, 125;
und horchender schwieg die versammlung,
selbst die genossen der kunst, wie klar ihm die tön' und geründet
rolleten unter dem bogen.
Luise (1795) 3, 797.
δ)
hoch, weil die lautere stimme höher steigt auf der tonleiter: klar hoch, mit heller stimm, à haute vox Rädlein, auch franz. clair, was sich zugleich an 6, d anschlieszt; klar singen, chanter haut et clair. ders.; daher in Bürgers wildem jäger von dem tiefen und hohen klange groszer und kleiner glocken:
zum hochamt rufte dumpf und klar
der glocken ernster feierklang.
8)
Dasselbe klar mit übergang vom gegenstande auf das erfassen und den erfassenden, ein übergang der bei dem geistigen klar nachher sich noch bedeutsamer wiederholt.
a)
vom gesicht, schon mhd.: doch muostu .. dich halten in stæter vrîheit des geistes âne snelle bewegunge unstæter dinge, diu den klâren aneblik des gotlîchen wesendes vermitelent (d. i. hier hindern). Haupt 8, 229, mystisch, zugleich an die bed. 3 angeschlossen, wie an die bed. 10 (s. unter klarheit 2): gott ist klâr (s. 3), daher ist auch sein anblick klâr, der geistig schauende erblickt (und erkennt) ihn klar. rein sinnlich: der gute alte konte kaum seinen eigenen augen trauen, musts aber doch endlich nothwendig vor wahr halten, was er so klar und deutlich gesehen. Hoffmannswaldau heldenbr. 2; der verschlafene sieht nicht klar. Daher vom auge: das auge mag wol der klarste sinn genannt werden, durch den die leichteste überlieferung möglich ist. aber der innere sinn ist noch klärer. Göthe 45, 39. schon mhd. von geübtem und scharfem blick, Iwein 7264 ouge wîse unde clâr, bei kampfrichtern, zugleich geistig, wie klar sehen (10, a). das auge des blinden ist nicht mehr klar (das mischt sich mit 1, d):
klâr ougen (gab er) den blinden.
pass. K. 628, 87,
ich läben in der finsternus (singt ein blinder) ...
min ougen sind mir nimmen klar.
Uhlands volksl. 899.
b)
von andern sinnen, s. z. b. heiter und klar hören bei Frisius unter 7, b. auch überhaupt klare sinne, ungetrübt thätige: ich fand den sterbenden schon nicht mehr bei klaren sinnen.
9)
Klar, offenbar, thatsächlich, unzweifelhaft. Das ist eine übertragung des vorigen (sinnlich klar), aber unter starker einwirkung des folgenden (geistig klar); auch diesz schon lateinisch.
a)
von thatsachen, die man gleichsam klar vor sich sieht, die uns klar erscheinen, 'in die augen springen' (dasz ein denken dabei gar nicht nötig ist): evidentia, offenbarlich erschinung vel klar erschinung, ita ut manifeste videatur. Melber varil. b 5ᵃ; evidens augenscheinlich, heiter und klar Fris. 487ᵃ; so wird eines iglichen werk offenbar werden, der tag (die zeit) wirds klar machen. 1 Cor. 3, 13;
und wenn die einsamkeit der kummervollen nacht
den zustand meiner noth im finstern klärer macht.
Günther 477;
ich habe das klare recht auf meiner seite (vgl. unter g); es ist eine klare sache, aperta res est. Stieler, was jetzt eine thatsache heiszt; es ist die klarste wahrheit, veritas evidentissima. Frisch. Unpersönlich es ist klar, liquido constat, versatur in luce Stieler 968: so ist es klar, das da todsünd ist. Keisersberg christl. künigin (4°) cc 1ᵃ; es ist an im selbs clar und lauter, daʒ es recht und guͦt ist, es darf wenig bewerens, dan es ist offenbar. sünd. d. m. 81ᵃ;
es ist klar!
auf meinen hintritt wird gewartet.
Schiller 305ᵇ.
nichts kann klärer sein (als dasz das orakel sich hier erfüllt hat). Göthe 14, 9
b)
daher auch gleich wolbekannt, allbekannt: die sache ist klar, inter omnes constat. Frisch; es ist klar und allen bekannt. Steinbach 1, 861. auch es ist klar damit, res in confesso est Frisch.
c)
von wahrnehmungen, erfahrungen, die auf thatsachen begründet sind: wer einen satz demonstriren .. d. i. aus .. grundsätzen und klaren erfahrungen erweisen kann. Gottsched erste gründe der weltweisheit, theor. th. § 159; wie aber eine schwächere empfindung (d. i. sinnliche wahrnehmung, sinnlicher eindruck) uns klärer vorkömmt, wenn keine stärkere zugegen ist die ihr überlegen wäre: so ist es auch mit den einbildungen ... ja im traume werden diese bilder (der einbildung) so klar und deutlich, dasz wir so lange wir träumen sie oft für empfindungen halten, bis wir endlich erwachen und die ungleich gröszere klarheit der sinnlichen vorstellungen wieder empfinden. das. § 890, s. dazu 10, g.
d)
zuverlässig, sicher, thatsächlich (certum et clarum): sintemal kein klärer warzaichen der (künftigen) glückseligkeit ist als der jammer darinn wir hie leben. Fischart podagr. trostb. 764 Scheible. klarer beweis, nachweis durch thatsachen: die klärsten beweise ihrer unschuld. Thümmel 3, 140.
e)
unzweifelhaft, unzweideutig, bestimmt, z. b. klare bestimmungen eines vertrages; legten in gefangen, bis inen klar antwort würde durch den mund des herrn. 3 Mos. 24, 12; sie legten in gefangen, denn es war nicht klar ausgedruckt was man mit im thun solte. 4 Mos. 15, 34 (in früheren ausg. nur ausgedruckt); der text spricht mit klaren ausgedruckten worten. Luther 1, 116ᵇ; klare zeugnusse der schrift. Fischart bien. 1588 131ᵇ;
o mein bruder, mich klar bescheid,
ist er nit natürlich gestorben?
H. Sachs 3, 2, 78ᶜ (1588);
sagt nur klar ja oder nein, speak categorically. Ludwig teutschengl. wb.; klare masze, bestimmte richtschnur: dieweil die churfürstl. neue policeiordnung de a. 1661 .. wegen der anzahl der gevattern u. s. w. klare masze giebet. Leipz. stadtordnungen 1701 s. 477.
f)
von innerer 'anschauung': keinem menschen hatte ich jemals lieber zugehört als Lothario, wenn er von seinen reisen, von seinen feldzügen erzählte. die welt lag ihm so klar, so offen da, wie mir die gegend in der ich gewirthschaftet hatte. Göthe 20, 54, das geht schon ins folg. über, vom gegenstand auf den beobachter. aber auch rein gegenständlich:
die klare welt bleibt klare welt,
im auge nur ists schlecht bestellt.
4, 377.
g)
das ursprüngliche bild wird gern durch zusätze neu aufgefrischt: es ist klar vor augen Rädlein (wie man klar sieht in einer angelegenheit), es liegt klar am tage, ist klar wie die sonne, wie das sonnenlicht, sonnenklar wie lat. sole, luce clarius;
da vor dem angesicht der sonne klar
mein volles recht wie ihre tücke liegt.
Göthe 9, 205;
(so müssen wir bei nacht) unser gutes recht
uns holen, das doch lauter ist und klar
gleichwie der glanzvoll offne schosz des tages.
Schiller 528ᵃ (Tell 2, 2).
volksmäszig gern in scherzhaften wendungen, z. b.: das lit also (ebenso) klor am tag als der bur an der sunnen. Keisersb. post. 3, 52. Pauli sch. u. ernst c. 226, s. mehr unter 10, a, β.
10)
Geistig, von wissen, denken, erkennen, verstehen, auffassen, und vom mittheilen; gleichfalls schon lat.
a)
der anschlusz an die eig. bed. ist ein doppelter.
α)
das geistig klare ist gedacht entweder als ein gegenstand der vor unserm geistigen 'auge' in hellem lichte steht, klar in seinen umrissen, seiner form. daher mit auffrischung des urspr. bildes es liegt klar am tage u. ä. (s. unter 9, g), etwas klar vor augen legen, in klares licht oder klar ins licht setzen, aufklären, 'aufhellen', klar beleuchten u. ä., daher auchklar sehen vom erkennen (d, δ).
β)
oder als gleichsam durchsichtig (s. 5, a) für das geistige auge (vgl. einsehen, durchschauen), klar in seinem inneren, seinem zusammenhang in sich (gegensatz verworren u. ä.). daher mit ausführung des bildes klar wie wasser (besonders im verdrusz gebraucht): es gibt gemeine (gedanken), die so klar wie wasser und auch eben so unschmackhaft sind. Ramler einl. in die sch. wiss. 4, 73. es sind so besonders scherzhafte verdeutlichungen im gange, die diese auffassung belegen: sag mirs ohn hefen klar. Wellers lieder des 30 j. kr. 70, beweist aus der vernunft klar wie eine wurstsuppe Gotthelf 3, 180, das ist klar wie kloszbrühe, wie tinte. Diese zweite auffassung ist übrigens dem lat. clarus noch fremd, zeigt sich aber dort in perspicuus, dilucidus, wol auch in liquidus, non liquet, gr. in διαφανής, in λευκός aber nach α. die wissenschaft hat übrigens auch für unser klar die erstere auffassung allein fest halten wollen, s. g.
γ)
man brauchte übrigens anfangs auch lauter, heiter, hell so (gegensatz dunkel), noch jetzt unter umständen licht, lichtvoll; aber klar überwiegt.
b)
in gang gekommen scheint klar durch die mystiker des 14. jh.: ein meister sprichet, eʒ koment vil liute ze klârem verstantnüsse und ze vernünftigem underscheide bilde und forme (gen.), aber der ist wênic die dâ koment über verstantlîcheʒ schouwen und über vernünftige begrîfunge bilde und forme (hinaus zu innerlicher erkenntnis). Eckhart 475, 35, die weltlich wissenschaftliche bildung ist gemeint, die erfassung der thatsachen in innerer anschauung, s. dazu unter g. aber auch für seine höhere erkenntnis verlangt er klâre vernunft (vgl. dens. u. 8, a): zuo dirre wârheit .. enkan nieman komen denne mit lûterr verstantnüsse unde mit klârer vernunft. 476, 18; Lucifer .. hete ein gar klâre vernunft. 477, 4; s. auch unter klarheit 2. ebenso braucht Eckhart lûtriu vernunft 476, 20, lûterlîche bekennen 142, 15.
c)
klar heiszt nun zunächst der gegenstand.
α)
klar schlechthin: die zwei leiden sich nicht mit einander im herzen .. sondern eines musz heraus, entweder Christus oder mein eigen thun, das ist klar und wol zu verstehen. Luther 6, 68ᵇ; das ist klar, dasz wir einer neuen zeit entgegen gehen (denn es 'stellt sich klar heraus'); die sache wird allmälich klarer; die klarste sache wird zur verwirrtesten. Tieck. das mischt sich übrigens der sache nach am meisten mit 9. daher etwas klar machen: das oben gesagte durch einige beispiele aus unserer literatur klar zu machen. Schiller 1204ᵃ; einen gedanken klar und eben machen. Kant 8, 98 (eben nach lat. planus). neuerdings auch klar stellen (nordd.), klarstellung, doch mehr zu 9.
β)
mit dativ der person: das ist mir nicht klar; der text ist ihr (der kirche) klar genug, sie bedarf keiner glossen. Fischart bien. 1588 90ᵃ;
in dieses zweifels ungeheurer angst
ist mir nur dieses in der seele klar.
Schiller 544ᵃ;
und jetzt auf einmal
ward mir die andacht klar, so wie die liebe.
346ᵃ, zugleich zu 11;
laszt es uns lesen, vielleicht wird es uns klärer. Göthe 14, 9; er weisz es den schülern recht klar zu machen
d)
ebenso heiszt klar die thätigkeit des geistes.
α)
wie uns ein ding, eine wahrheit klar ist, so werden sie klar erfaszt, klar erkannt, verstanden, begriffen, kommen uns klar zum bewusztsein oder zu klarem bewusztsein oder wir kommen zu klarem verständnis (diesz schon mhd. unter b): wannen meinst du dasz den groszen lereren har kumm ire grosze kunst und klare verstentnis? Keisersberg irrig schaf (4°) H 2ᵇ; nun mag gottes erkanntnus nienenhar (nirgendher) klärer kommen weder us sinem eignen wort. Zwingli (Wack. leseb. 3, 1, 262);
nun das ihr klärer möcht verstan,
wer die lieblich nachtigall sei.
H. Sachs 2, 1, 85ᶜ;
das ist sehr, sehr sonderbar!
aber ich begreif es klar.
Göthe 11, 128;
dies eine fühl ich und erkenn es klar.
Schiller 515ᵇ.
klare auffassung, erkenntnis, überzeugung, ein klarer begriff, klare vorstellung, klares wissen, denken, klarer gedanke. volksm. klar kriegen, fassen, verstehen (Fichte 8, 64): ich kann das nicht klar kriegen (wie klein kriegen).
β)
dann von den einzelnen arbeiten des denkens, als klar bestimmen, absondern, unterscheiden, hervorheben, anordnen, klare bestimmung oder abgrenzung der begriffe u. dgl.: ungetrübt zu schauen, tüchtig zu ergreifen, klar zu sondern (in der beobachtung). Göthe 46, 123. klar beweisen, klarer beweis, nicht durch thatsächlichkeit klar (wie unter 9), sondern durch den innern zusammenhang.
γ)
auch vom geiste selbst, klarer geist, klarer verstand, klarer sinn oder kopf.
δ)
man greift dabei gern auf das ursprüngliche bild entschieden zurück, das überall nahe dahinter liegt, z. b. in 'klar sehen' (klar einsehen ist weit älter): wie ich über meinen zustand immer so klar gesehen, und doch gehandelt habe wie ein kind, jetzt noch so klar sehe und es noch keinen anschein zur besserung hat. Göthe 16, 62 (Werther); ich hatte von jugend auf klar gesehen und wünschte in allen dingen nichts als klarheit. 20, 212; aber auch sie sahen nicht klärer als ich und waren keine propheten. Thümmel 2, 74; ein klar sehender mann. ganz ebenso franz. voir clair dans une affaire, je veux y voir clair. Ebenso spricht man von einem klaren auge, klaren blicke die einer in gewissen dingen hat (bei Göthe 19, 87 selbst deutlicher blick so), von klarer einsicht, einem klaren einblick in verhältnisse, klarer anschauung, klarem durchschauen u. ä.: der leere schrecken ist blosz durch die klärere ansicht der sache selbst verschwunden. Herder gott (1787) 93.
e)
endlich auch die mittheilung, darlegung der gedanken: als das Johannes Gerson klar auslegt (darlegt) in einem tractat ... darinn er auch die obberürten regeln klerer auslegt die hie in einer kürze gesetzt sind. Keisersberg irrig schaf (4°) F 3ᵇ, zugleich für ausführlicher; das ichs noch klerer sag. Luther an den adel B 1ᵃ; beider gestalt sind mit hellen klaren worten gottes bestetiget. werke 5, 122ᵃ;
solst klerer unterrichtung geben.
H. Sachs 3, 3, 35ᵃ;
doch hat er mir sein wesen noch klärer aufgedeckt.
Dusch verm. werke 277;
eine klare rede, klare erzählung. Steinbach; der redner spricht sehr klar, hat einen klaren vortrag; sich klar ausdrücken, klar auseinandersetzen, klare darstellung, klare entwickelung; eine sprache die nicht netter und überzeugender und für den denkenden leser klärer sein kann. Herder fragm. (1767) 1, 175. Auch vom redenden selbst sagt man kurz er sei klar oder nicht klar für den hörenden, wie franz. clair:
'sage deutlicher wie und wenn,
du bist uns nicht immer klar'.
gute leute, wiszt ihr denn
ob ich mirs selber war?
Göthe 4, 330.
f)
klar wird dabei gern mit andern wörtern verbunden zu gröszerem nachdruck oder zu näherer bestimmung. so früher mit lauter, heiter, hell, licht: aber ein mensch der da zimlich isset, wenn er an dem morgen erwachet und abgetouwet hat, so begegnen im die ding so clar und lauter und in einer solicher feiner ordenung, das er (wie er es) ein ganzen tag sunst nicht finden möchte. Keisersberg sünden d. munds 9ᵃ, vom äuszeren und inneren sinne (zugleich zu 9); das dritt buch wirt eigentlich (genau), klar und heiter alle handwürkung, auch das ampt der hebammen leeren. Rüff trostbüchle 29ᵇ; ordo lucidus, ein feine ordnung die einer im reden halt, darmit und er dester heiterer und klarer rede. Fris. 789ᵃ; ich habe aber so weitleuftig .. davon geredt, das ichs ja liecht und klar machte das d. Carlstad so finster und unördig schreibt. Luther 3, 89ᵇ. besonders gern aber klar und deutlich, schon im 16. jh.: beide wasser und wort sind mir klar und deutlich genennet. Luther 6, 283ᵃ, s. auch unter 7, a; ebenso sinnlich, klar und deutlich sehen u. a.
g)
zwischen klar und deutlich wird aber auch ein unterschied gemacht in logischem sinne, z. b. von Lessing: wer zu deutlichen begriffen sich zu erheben gewohnt ist, kann ja leicht sich wieder zu klaren herabstimmen und es bei diesen bewenden lassen. 10, 3 (vorw. zu Jerusalems philos. aufs.); deutlichkeit zur klarheit verschönert (soll der deutsche stil gewinnen). briefe die neueste litt. betr. 15, 60; um von allen weingütern der residentin denjenigen deutlichen, oder doch klaren begriff in seinen magen zu bringen, worauf die ältern logiken so sehr dringen. J. Paul uns. loge (1793) 2, 67. Der unterschied rührt von Chr. Wolf her (log. c. 1 § 9. 13. 15. metaph. § 333), nach Leibnitzens unterscheidung von notio clara und notio distincta (meditationes de cognitione etc. v. j. 1684, vgl. nouveaux essais 2, 22), die ähnlich schon Cartesius hatte; die klaren begriffe gibt uns danach die sinnliche wahrnehmung, die deutlichen das denken darüber. Daher z. b. Gottsched, erste gründe der weltweisheit, theor. theil §. 25. 27: ein klarer begriff ist so beschaffen, dasz man ihn gleich erkennen und nennen kann, so bald er uns vorkömmt; die klaren begriffe werden deutlich genennet, wenn man ihre merkmale mit worten erzählen kann. mehr verwischend Ramler: die deutlichkeit besteht in einer klaren vorstellung des gegenstandes. man sieht ihn ohne nebel, ohne dunkelheit (wie auszer sich), diesz macht den gedanken klar. man sieht ihn von allen andern gegenständen, die ihn umgeben, abgesondert, diesz macht ihn deutlich. einl. in die schönen wiss. (1774) 4, 68. Danach kann denn ein klarer begriff zugleich noch undeutlich sein, z. b. bei Wolf vern. gedanken von der menschen thun u. lassen § 282: da ein klarer ob gleich undeutlicher begriff zureichet die sache zu erkennen, wenn sie vorkommet ... so sind die klaren, aber undeutlichen begriffe ein anfang zum verständniss. In diesem klar ist übrigens deutlich noch die ältere bedeutung gebraucht, wie sie schon Eckhart philosophisch anwendet (s. b). jetzt wird man eher geneigt sein klar begrifflich höher zu stellen als deutlich, während mit diesem deutlich hier mehr das neuere klar, in sich klar gemeint ist. so scheint schon Kant seine äuszerung zu meinen, seine schriften seien zwar deutlich (grammatisch verständlich?), aber nicht klar (in ihrem innersten gehalt?); doch hält er in seiner lehre an dem alten unterschiede fest, wie noch Herbart. ich weisz nicht, ob Göthe in folg. noch einen unterschied meint: manches war mir im einzelnen deutlich, manches im zusammenhange klar. 39, 442 (1840).
h)
die klarheit einer sache bezeichnet man oft kräftiger so: es ist im klaren u. ä., das klare gleichsam als éine grosze masse gedacht, wie das in folg. wendung recht deutlich ist: poesie, die uns älteste geschichte in fabelhaften bildern überliefert, nach und nach sodann ins klare hervortritt. Göthe 6, 45. es scheint erst im 18. jh. aufgekommen und trifft doch öfter zu der bed. 9 (s. auch unter 12, a): wenn alles im klaren sein wird. Göthe 20, 194; dasz der umständlichere rechtsgang die geheimen bewegursachen menschlicher handlungen weit mehr ins klare zu bringen fähig ist als es sonst geschieht. Schiller 1108ᵃ (vorr. zu Pitaval). so ins klare setzen: die rechte der nation, welche niemals ins klare gesetzt worden waren. Wieland, mehr zu 12 gehörig. ähnlich ins reine bringen, im reinen sein; it. mettere, porre in chiaro, frz. mettre au net, auch tirer au clair (vom abziehen des weins entlehnt).
i)
endlich auch persönlich,
α)
ich bin im klaren (über etwas), bin aus der ungewissheit (dem dunkeln) heraus, über den zweifel hinaus 'ins klare': ich bin selbst noch nicht ganz im klaren darüber (ob roman oder drama den vorzug verdiene). Göthe 19, 180; ich fürchte wir sind alle betrogen, und werden so betrogen, um nie ins klare zu kommen. 20, 193; man beraubt uns (durch den grundsatz der entsagung) des mühsam erworbenen, des freundlich gestatteten, und ehe wir hierüber recht ins klare (gekommen) sind, finden wir uns genöthigt ... 48, 9, freilich weniger vom erkennen als vom ganzen innern zustande des menschen, wie oft bei Göthe. mit mit: der herzog von York leistete den testeid nicht ... jetzt war man mit ihm im klaren. Dahlmann engl. rev. 302, wuszte wie man mit ihm daran war. so sagt man ich bin mit der rechnung noch nicht im klaren oder kann nicht ins klare damit kommen, auch ich bin mit mir (selbst) im klaren, bin aus allem zweifel, wie ich bin mit mir einig; das alles auch in dem sinn unter 12. daher auch einen oder sich ins klare setzen (Wieland).
β)
aber auch ich bin klar u. ä. in bezug auf etwas, erkenne es, weisz es klar, wie ich bin sicher, ungewiss:
jetzt werden wir bald klar sein.
denn alles, weisz ich, gieng durch den Sesina.
Schiller 359ᵃ;
lasz dich das wort nicht reun, das mich belehrt,
mich klar macht über meine pflicht.
439ᵃ (M. Stuart 4, 11);
mach mich doch klar über deine lage; zwischen allem diesem war der häusliche mann doch auch klar geworden, dasz die besitzung .. ganz einträglich sei. Göthe 31, 163; man wird dadurch klar, was von den .. bergwerksreichthümern zu denken sei. 60, 147. ähnlich it. esser chiaro, far chiaro von personen. auch ich bin mir noch nicht klar (darüber):
ewig einig mit dir selber,
klar dir selber für und für.
Kosegarten poes. (1798) 1, 307.
klar bei sich (auch in sich): dasz jeder, indem er den andern zu erleuchten trachtete, bei sich selbst auch heller und klarer zu werden bestrebt sein muszte. Göthe 31, 200, ganz allgemein vom gesamten stande der einsicht, lebensanschauung.
11)
Klar vom gemütsleben, vom ganzen innern menschen.
a)
klar fühlen, klares gefühl, wie man sonst deutlich oder bestimmt fühlen sagt: eben durch das klare gefühl der kräfte wird die standhaftigkeit .. von der steifigkeit des aufgedunsenen stolzes unterschieden. Th. Abbt 1, 43 (1768);
ich fühle klar und helle, was
mir ewig, ewig dunkel bleiben sollte:
sie sind für mich dahin.
Schiller 251ᵃ;
und klar auf einmal fühlt ichs in mir werden:
die ist es oder keine sonst auf erden.
502ᵇ.
sonst wird das klare dem verstande vorbehalten, und verstandesmenschen sprechen mit vorliebe von unklaren gefühlen anderer, während schon Lessing 10, 217 auch von warmen begriffen spricht.
b)
vom ganzen gemütsleben, vom gesamtgefühl:
wie ist mir doch heut zu muthe!
so vergnüglich und so klar!
da bei frischem knabenblute
mir so wild, so düster war.
Göthe 22, 79. 47, 87;
und als ich dann erwacht (vom traum aus der kindheit), da weint ich heisz,
dasz mir so klar und nüchtern jetzt zu muthe.
Annette v. Droste 168.
klares gemüt, ungetrübtes, ungestörtes: Vreneli ertrug dieses (rohe thun) mit klarem gemüthe, wie die eiche die fledermaus welche in ihr nistet, der berg den morast der an seinen fusz sich schmiegt. Gotthelf 3, 443.
c)
klar vom ganzen menschen in seinem sein und thun, fühlen, wollen und denken, ein lieblingsausdruck Göthes, von ihm aufgebracht und selbst ein rechter ausdruck seiner eigenart, der einigen zusammenfassung aller kräfte wie wir sie an ihm eig. erst haben begreifen lernen; selbst deutlich braucht er so (17, 323), als gegensatz dumpf, auch trübe, dunkel: mein (Theresens) vater war ein wolhabender edelmann dieser provinz, ein heiterer, klarer, thätiger, wackrer mann, ein zärtlicher vater u. s. w. Göthe 20, 46; welche wonne es sein müsse, in der nähe eines so ganz klaren menschlichen wesens zu leben. 20, 72, von Theresen in den lehrjahren (vorher diese neue helle erscheinung); keine spur von schiefheit, falscher anforderung, dunkler selbstgenügsamkeit, sondern alles klar, heiter und rein, wie ein glas wasser. 33, 179, in seinem urtheil über Grübel; einen solchen bunten, klaren, angenehmen grundmann. Tieck ges. nov. 8, 22. mehr nach der seite des denkens gewendet: er ist so klar in sich. mehr nach der seite des thuns (vgl. unter 12): wenn jener in weltlichen geschäften fein, genau, anhaltend und unermüdlich war, so war dieser klar, scharf, schnell, und arbeitete mit einer unglaublichen leichtigkeit. Göthe 19, 317, von klarem sinn und wesen in auffassung und behandlung der dinge;
welchen hofmann ich ehre? den klärsten und feinsten! das andre,
was er noch sonst besitzt, kommt ihm als menschen zu gut.
1, 405.
12)
Endlich klar von verhältnissen, im geschäftsleben, besonders im seewesen.
a)
von verhältnissen, menschlichen gesamtzuständen, durchsichtig, unverwirrt, geordnet: ob nicht indessen die schönsten verhältnisse so verschoben, so untergraben und so zerrüttet werden, dasz auch dann, wenn alles im klaren sein wird, doch nicht wieder zu helfen ist, mag die zeit lehren. Göthe 20, 194; ins klare kommen. 20, 193 (s. 10, h); das geschäft war klar und bald berichtigt. 18, 137. die dinge müssen bald wieder klar werden, ins reine kommen, aus der verwirrung heraus, müssen sich aufklären, abklären, wie sie vorher trübe, dunkel, verwirrt, verworren, unklar waren, vgl. unklare stellung eines angestellten. man denkt dabei entweder an flüssigkeiten, wie wein (sp. 988), oder an luft und wetter (sp. 982 unten), oder an verhältnisse im geschäftsleben.
b)
vom geschäftsleben ist das bild längst in gebrauch in manigfacher wendung, es scheint aus der nordd. geschäftssprache zu stammen, ist aber auch bei den Niederländern, Dänen, Schweden, Engländern längst heimisch; ähnlich ist jetzt glatt sehr beliebt. nd. klar schon im 15. 16. jh. bildlich:
wo (wie) gut unde klar myne sake ok sy,
gy mogen my vromen, gy mogen my schaden.
Rein. vos 1752,
so sagt Reineke von seiner rechtssache zum könige als richter;
se meinden, all ör dink wer klar.
Soltau 2, 133,
von seeräubern die sich auszer aller gefahr glauben. genauer
α)
vom abschlusz eines geschäfts, einer rechnung: Beuterich (abgesandter des herz. von Würtemberg bei landgr. Philipp von Hessen) hatte mit kurzen worten gesagt 'gnädiger fürst und herr, wir hätten gerne geld'. 'wieviel', hatte der fürst gesagt. 'hundert tausend gülden'. 'es ist zu viel, ich will euch die hälfte geben' .. damit war die ganze sach klar gewesen. Schuppius (Wack. leseb. 3, 1, 777), abgemacht, richtig;
du meinst, der kauf sei klar.
A. Gryph. 2, 474 (epigr. 2, 80);
wenn ir (im himmel einst) .. ewre klare rechnung von einem jeden stüflein und gräuplein .. thun müsset. Mathesius Sar. 20ᵇ, also im bergm. rechnungswesen schon im 16. jh.; eine rechnung klar machen, schlieszen, to clear Ludwig teutsch-engl. wb., Steinbach, wie ins reine bringen, schwed. göra räkningen klar, vgl. klarmachung. nd. klâr is kôp! der kauf ist geschlossen (br. wb.), nl. de koop is klaar.
β)
noch anders im rechnungs- und geldwesen, wie rein, auch bar (eig. blosz). klares vermögen, von allen schulden und ansprüchen befreit, was rein übrig bleibt; so erklärt Ernesti Ciceros worte quid his rebus detractis possit ad dominos puri ac reliqui pervenire (in Verr. 3, 86): nostri 'reines geld, klares vermögen'. clavis Ciceron. s. v. purus; klarer gewinn, clear profit, nachdem alle schulden klar gemacht sind, cleared, bezahlet. Ludwig; bleibet klarer rest 4182 thaler .. restieret klar. verhandl. der schles. fürsten u. stände 1618 s. 44. schon folg. wendung aus dem 14. jh. in einer niederrh. urk. wird hierher gehören: vierhundert alde gulden schilde (écus), gut von golde und klar von gewichte. Lacomblet 3, nr. 637, v. j. 1363.
c)
auch von allerlei andren geschäftlichen verhältnissen klar richtig, in guter ordnung. so von einer feuerspritze: sollen die ans werk gestellete gesellen an der spritze zu pompen anheben, und zwar erstlich ein mahl oder 6 (s. 3, 693) etwas sachte ziehen, damit man sehe ob noch alles richtig und klar sei. Leipz. stadtordn. 1701 s. 529, alles gut im gange in der maschinerie. etwas klar machen, planum facere Steinbach, völlic fertig machen Heynatz antib.; nd. selbst von gegenständen, z. b. ên klêd klâr maken, fertig, 'n büx klâr kopen, eine hose fertig kaufen Stürenb. 108ᵃ; dat eten is klâr, aber auch êne schöttel (gericht) klâr maken aufessen Dähnert.
d)
dann auch persönlich: nun bin ich klar oder frei, klar oder fertig, now I got or am clear Ludwig, ich bin damit klar, fertig Heynatz; se sünd klâr undernander, haben sich vertragen, einen vertrag geschlossen, he is klâr dervör ist gerüstet, gefaszt Stürenburg; ik bin klâr, fertig zum gehn, angekleidet, oder abgefertigt u. dgl. Brem. wb. 2, 793. von einem schiffer, zur abfahrt fertig (s. folg.) Heynatz: mein freund war klar, wie ich zurückkam, und lieh mir sein schiff. Hermes Soph. reise 5, 155.
e)
überhaupt ist es besonders im seewesen heimisch, und ist vielleicht von da in die nordd. geschäftssprache gekommen:
er dink was in dem schepe all klar.
Soltau 2, 137, 16. jh.,
beim beginn des kampfes, alles im reinen, gerüstet, kampffertig; wenns zum kampfe geht, wird klar deck gemacht, alles unnötige entfernt, die geschütze gerichtet; ebenso schwed. göra et skepp klart, dän. gjöre klart, engl. clear for action! fertig zum gefecht, auf kriegsschiffen. auch auf Rheinschiffen heiszt klar, wenn beim abfahren alles in ordnung ist (Kehrein Nassau 1, 226). Sonst ist ein schiff oder schiffer klar, wenn vor dem abgang alle abgaben und zölle berichtigt sind, die pässe und papiere im reinen u. dgl. Auch der curs heiszt wol klar oder die see, frei von allen hindernissen und schwierigkeiten: diese bake, östlich von dem untern leuchtthurme offen gehalten, führt dem riffe klar vorüber. Weserzeitung 1854 nr. 3330 (s. u.klären 4, c), vgl. engl. to get clear los werden von einem hindernisse, to keep clear from .., das schiff von einem hindernisse frei halten; auch ein tau fährt klar, wenn es glatt und unbehindert abläuft, u. a. der gebrauch des wortes musz bei den germ. seevölkern gleichmäszig entwickelt worden sein. Den ursprung aber hat man wol in der klaren luft und klaren see zu suchen, letzteres gibt ein nrh. voc. des 15. jh. an: tranquillus klayre, mare. Diefenb. 592ᶜ. Göthe scheint klare wege so zu brauchen: die fuszpfade (im gebirge) seien gut und klar, besonders bei solcher nachtfackel (mondschein). 23, 56 (wanderj. 3, 5).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 981, Z. 36.

klar, n.

klar, n.
subst. wie das grün, das blau, schon mhd. daʒ klâr.
1)
das klar des himmels, himmelsklar Göthe 4, 56:
und bei dem schein des klaren
gesteins sah er des himmels lichtes klar.
Rückert 170.
schon bei Paracelsus für aether, aber merkwürdig als masc.: dasz der himmel nicht umblauft und dasz er seudt (siedet, gedr. erseudt) vom element fewr und gibt den claar und luft. op. 2, 111ᵇ, vgl. der kalt neben das kalt sp. 85. ähnlich frz. au clair de lune bei mondschein, it. al chiaro di luna.
und schlug der augen klar mit scham gefärbt darnieder.
Mühlpforth (1686) hochzeitged. 4;
ob schon der augen klar in tiefer wollust schwimmt.
7.
Ein klar n. meint wol auch Melber k 6ᵃ gloria .. ere, lob, clar, s. sp. 985 (c). mhd. clâr wie sp. 984:
si müest ouch decken ir snêwîʒe hende,
daʒ mich der sinne iht (nicht) roube
ir clâr und daʒ mich (ouch?) ir schœne iht blende.
Had. v. Laber 649.
2)
das weisze im ei, das eiweisz, eierklar, gegenüber dem eiergelb; mhd. klâr: (das ei hat) zem êrsten aine wîʒe schalun, dar undir ain wîʒeʒ vel, dar inne ain wîʒeʒ clâr. Mones anz. 4, 368, auch daʒ lûter;
des muost das totter rinnen hin
mit sampt dem clar an (ohne) allen gwin.
ring 37ᶜ, 8;
das jung (huhn) wirt aus dem totter, sein narung aber hat es aus dem klar. Heuslin Gesners vogelb. 86ᵃ; der dotter ligt im klaar. Paracelsus 1589 2, 45. im gen. klares: ain halb pfunt clars von den aiern. Ortolf arzneib. Nürnb. 1477 42ᵃ. Ebenso als n. nl. klaer Kil., altdän. klar; altfranz. clar m., als fem. aber mlat. span. prov. clara, it. la chiara d'uovo, und auch hd. findet es sich als fem.: leg dann das gold darauf mit ainer dünnen aierklar. Haupt 9, 370. Es wird aber mhd. auch glar albumen angegeben Wackern. voc. opt., wie es frz. glaire f. heiszt, engl. glare; darin ist ein andres, noch dunkles wort enthalten (s. Diez 2, 311), woraus klar erst durch umdeutung gemacht sein könnte, nach klar 4, b gleich weisz, s. folg.
3)
baumharz, in vocab. des 15. jh.: gummi clar, clare, nd. clair Diefenb. 271ᵃ, in einem voc. mittelst des adj. clare floz von dem baum, harz das.; s.katzenklar. da dieses auch katzengold heiszt, könnte mit klar der goldschein des harzes gemeint sein (s.klar 1, e); doch vgl. schweiz. schwäb. glorjet, gloriat m. baumharz Stalder 1, 455. Schmid 234, das zu glaren, gloren glänzen gehört, und ags. glære bernstein, wonach auch hier eine spätere umdeutung vorliegen könnte, s. 2 a. e.
4)
das capellenklar, s.kläre 2. bleiklar spieszglanz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 997, Z. 26.

klar, m.

klar, m.
ein leinenes zeug, fein und locker gewebt, glatter, gestreifter, geblümter klar. Krünitz, Campe. s.klar 6, c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 997, Z. 71.

klare, f.

klare, f.
1)
klarheit, bei lichtziehern, dem (geschmolzenen) talge die klare geben, durch zugegossenes wasser ihn abklären. Krünitz 39, 374. es klingt nd., s.klaren 2.
2)
dünne brühe, zu speisen, als obersächs. bei Adelung, Krünitz 39, 373; bei diesem auch als dünner teig zu backwerk.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 998, Z. 6.

kläre, f.

kläre, f.
1)
klarheit, selten, mhd. klære jüng. Tit. 201, 1:
wenn sie (die liebe) verdrieszlich dann das aug umwölkt,
des himmels kläre widerwärtig schwärzt.
Göthe 3, 51
'aus einem stammbuch von 1604'; in der lautersten kläre des äthers bei Campe aus Cludius. er setzt auch kläre der schrift, der leinwand an; letzteres bei Frisch 1, 519ᶜ, subtilitas, tenuitas. bei Adelung kläre des zwirns, der leinwand, des mehls u. dgl. als volksmäszig;
es beschaut in wellenkläre
sich der fels, ein schöner greis.
A. Grün ged. (1838) 99.
2)
sachlich, in den schmelzhütten klare asche, die aus knochen gebrannt wird, die schmelztiegel daraus zu fertigen. Adelung. bei Frisch 1, 519ᶜ klär, aus hirschhorn oder hirnschalen von kalbsköpfen: etliche nemen hirschhorn zu der clär, das brennen sie und richten die clär zu wie oben gemelt (s.klar 6, a). Erker mineralerzt (1580) 11ᵃ. auch klärstaub Adelung, capellenkläre, capellenklar n., capellenpulver. frz. ebenfalls claire f.
3)
in zuckersiedereien das gebrannte knochenmehl, oder blut, das zum klären des zuckers gebraucht wird.
4)
bei der wäsche, weisze stärke, ohne bläue, so bair. Schm. 2, 363, schwäb. Schmid 315, schweiz. Stalder 2, 107 (auch klöre). Tobler 105ᵇ, stärkemehl und stärkkleister; klar weisz (4, b) und klar rein (5, d, α) scheinen sich darin zu mengen. s.klären 1, e. englisch heiszt das stärken der wäsche clear-starch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 998, Z. 11.

klaren

klaren,
1)
klar sein, im voc. theut. 1482 'scheinen, clarere, clarificare, purescere, clarescere, serenare' q 7ᵃ (daneben klarsein clarere q 6ᵇ), unterschieden als intrans. vom folg. trans., wie mhd. klâren von klæren (wb. 1, 836ᵇ. minn. frühl. 59, 25). das erste heiszt jetzt nur noch klar sein, klar werden oder sich klären, nd. aber noch klaren Schambach, z. b. de botter klaret (beim buttern), wird klar, dat weer (wetter) klaret up brem. wb. 2, 793. auch nnl. klaaren, dän. klare, schwed. aber klarna klar werden.
2)
auffallend aber auch trans. gleich klären nach dem clarificare, serenare im voc. 1482 unter 1, ebenda 'klaren perlustrare, serenare, purgare, reinigen' q 7ᵃ, auch in andern vocc. des 15. jh. 'serenare, clarum facere, claren' Diefenb. wb. v. 1470 sp. 248, wie in dess. gloss. 529ᵇ; umgekehrt findet sich klären (5) gleich klar werden. Nd. klaren ist als trans. berechtigt, wie mnl. claren (: varen) Reinaert 2964, s. das folg.; eigen märkisch eier klaorn, gegen das licht halten und sehen ob sie klar, nicht faul sind Danneil 103ᵃ (vgl.klären 4 a. e.); klaren im seewesen, s.klären 4, a. aber auch oberd. noch ohne umlaut, s. chlara u. klären 1, e.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 998, Z. 35.

klären

klären,
klar machen, mhd. klæren, nd. kleren und klaren, nl. klaren, dän. klare, schwed. klara, engl. clear, it. chiarare und chiarire, span. clarear; lat. clarare nur dichterisch. s. auchaufklären, ↗ausklären, ↗beklären, erklären, verklären. ein älteres klören (s. 5. 1, e) erklärt sich aus dem älteren klor für klâr (s. sp. 992), vgl. unter klärlichkeit; es hiesz aber auch klaren, s. d. 2.
1)
eigentlich.
a)
serenare cleren Diefenb. 529ᵇ. so von den augen: er (der smaragd) sterkt daʒ gesiht und klært diu augen. Megenberg 459, 20; anders bei Frisch 1, 519ᶜ die augen klären, pascere oculos, aus Apherd. 189, mit augenweide erheitern, s.klar gleich froh sp. 983 mitte; ähnlich vom trüben blicke:
kläre den blick, geistheller Jacobi.
Voss 3, 243 (1825 3, 69),
erheitre dich, vgl. gehelltes auge das. 251;
wie der liebe gottesstrahl
klärt ein menschenangesicht.
Rückert 1, 307.
Neuere dichter haben das wort aufgefrischt, von himmel, wetter, luft u. ä.:
wie hold der mai
die luft aus wolken kläret!
Voss 4, 29;
ein schlag des donners
klärt die luft.
3, 181;
oben verbreitet' er dann die geklärete reine des himmels.
ders.;
nordwind, der mit frischem hauch
hier die lüfte kläret.
Rückert 354.
Im leben sagt man allenfalls refl. der himmel, das wetter klärt sich wieder, doch lieber klärt sich auf. Göthe im zweiten theil des Faust von einer morgenlandschaft:
auch farb an farbe klärt sich los vom grunde.
41, 6.
b)
nur dichterisch und selten für erhellen, beleuchten:
die ewige nacht,
die die leuchte des tages nicht klärte.
Körner 1, 140 (1861 s. 64);
was suchst du in der grausenden kluft,
die des tages leuchte nicht klärte?
1, 116 (52, knospen 1810 s. 29);
möge stets so der gescheute
nutzend blumenzierde pflegen,
und ein sonnenschein wie heute
klären sie auf meinen wegen!
Göthe 5, 16, divan.
c)
dem leben angehörig ist aber klären von flüssigkeiten:
was sich soll klären,
das musz erst gähren.
sprichw. Simrock 5717;
der wein klärt sich clarescit Frisch, das klären währt bis er sich abklärt, abgeklärt ist; schon im 15. jh. merus, geclaret Dief. 358ᶜ, was freilich auch zum intrans. klaren gehören könnte, zur sache s. sp. 988. das bier kläret sich, auch trans. trübes bier klären Adelung. den kaffee klären, filtrieren Campe:
dasz du den kaffe geklärt einbringst.
Voss Luise (1795) 2, 208.
ähnlich von flüssigem honig: geklärtes honigseim A. Gryphius 1, 389 (Papin. 1659). firnisse klären Göthe 39, 103, vom maler. in zuckersiedereien den saft klären, s. kläre 3, klärkessel.
d)
schon mhd. ähnlich von gold: wenn man daʒ golt hamersleht, sô klært eʒ sich (wird hell, leuchtend) .. alsô tuot der gereht mensch, wenn der in leiden ist, sô klært sich sein vernunft. Megenb. 475, 16 ff.; vgl. Campe unter f.
e)
stärken, von wäsche, schweiz. chlara Tobler 105ᵇ, s.kläre 4: Pickelhering. und das ist mein weisz zeug (schüttelt ein alt schwarz .. hembde aus) ... es mangelt ihm nichts als dasz es nicht geklöret ist. Schoch studentenl. E 4ᵃ.
f)
nordd., z. b. in Hamburg, putzen, blank scheuern Richey 120 (klärdôk putzlappen); eine grosze menge fliegender fische erhob sich .. die waren so glänzend als geklärtes silber (silberzeug). Campe Robinson 1, 23 (2. abend), oder zu d? nrh. 16. jh. die zende cleiren, zähne reinigen Dief. 174ᵃ. s.klar 5, c (vgl. nachher 4, a. c). auch im süden nicht unbekannt:
endlich gewaschen und geklärt
mein herr sich frisch zur arbeit kehrt.
Mörike der alte thurmhahn.
g)
von der stimme, s.klar sp. 990: eʒ (das kraut) klært die stimm und rainigt die prust. Megenberg 409, 6.
h)
in Amerika land klären, ausroden, klar machen, nach dem engl. clear. es ist im grunde gleich dem nordd. gebrauch u. 4.
2)
Bildlich, geistig, schon mhd.: ez sprechent auch etleich, wer den senif nüehtarn trink, dem klær eʒ die vernunft und rainig daʒ hirn. Megenberg 422, 19, vgl. dens. unter 1, d;
freudigkeit klärt mein gemüthe.
Lichtwer (1825) 266;
dann spähet freimut alle natur und klärt
aus trüber meinung heitere wissenschaft.
Voss 3, 266;
meiner liebe sonnenschein
würd aus der umwölkung klären
sich auch durch sich selbst allein.
Rückert 386.
wie ein trüber zustand, verhältnis klar wird, sagt man auch es klärt sich: ich bin sehr erwartend, wie es sich nach und nach in ihm klären .. wird. Schiller an Göthe 149 (152). Voss braucht geklärt für aufgeklärt:
deins (lied), blinder Pfeffel, der geklärt
im geist, Fäaken weisheit lehrt.
6, 203 (1825 4, 155);
nicht gelübd' und faste, nur that geklärter
menschlichkeit ehrt ihn (gott)!
3, 163.
ebenso bei Tieck klären, 'aufklärung' üben: laszt doch den mann in ruhe klären und schulmeistern. schriften 10, 303.
3)
Anfangs auch für erklären, 'declarare cleren' in einem voc. ex quo Dief. 168ᵃ (sonst nur ercleren).
a)
verdeutlichen, lehren: derhalben hat doctor Luther aus der schrift leren und kleren wollen, wie ein gros todschuld die erbsünde für gott sei. J. Jonas bei Luther 6, 384ᵇ; s.bekleren ähnlich zeitschr. f. myth. 1, 469.
b)
selbst für erklären, eröffnen, verkünden (vgl. promulgare leutern Dief. 464ᶜ): dasz für uns (richter) .. komen ist der edel herr Gangolf .. und klärt durch sein erlaubte fürsprächen .. wie u. s. w. weisth. 1, 397, oberrh. v. j. 1487. niederrheinisch: zo deme irsten cleiren wir molenmeister, dat ... 4, 800. 801, dazu cleirnis gleich weisthum 804;
as ich sall
die rechte wairheit claeren.
Wierstraat 1009.
noch im 17. jh. in folg. (vermutlich auch nd.):
der könig selbst hat schon bedacht,
zu kleren euch in todes acht.
Reinicke fuchs Rostock 1650 s. 108.
c)
klären gleich geistig klar machen auch einmal bei Göthe:
was wir dichter ins enge bringen,
wird von ihnen ins weite geklaubt.
das wahre klären sie an den dingen,
bis niemand mehr dran glaubt.
47, 254 (1850 3, 121).
4)
In Norddeutschland nach klar 12 im geschäftsleben, seewesen.
a)
nd. klaren fertig machen, zu stande bringen Brem. wb. 2, 793, zur richtigkeit bringen, aus einander setzen Heynatz antib. 2, 184, in hd. rede klären ( Campe), engl. clear, nl. klaren. auf schiffen, das deck klaren, reinigen (s.klar 12, e): das linienschiff klarte seinen bug von den trümmern des bugspriets und sein deck von jenen des fockmastes. östr. bericht des adm. Tegethoff vom seegefechte bei Lissa 20. juli 1866.
b)
im seewesen seltsam in latinisierter form clariren zoll zahlen und dadurch das schiff frei machen (s.klar 12), clarirung, clarirungszettel, clarirungsbrief, clarirungsspesen; ebenso dän. klarere, schwed. klarera. clariren wird auch in zuckersiedereien für klären gebraucht.
c)
klären von einem tract für ein schiff, der klar wird, dasz ihm da kein hindernis oder gefahr entgegensteht: der flaggenstock westlich von dem untern leuchtthurme gut offen gehalten klärt .. die untiefen. Weserzeitung 1854 nr. 3330; (das feuer wird) nach süden zu den niedrigen abschüssigen grund der Cow Bay Point und Lamottes Bank klären, während es nach osten hin den ganzen seichten grund frei macht ... klärt die spitze. Bremer bekanntmachung; ebenso engl. clear.
d)
ähnlich in der kriegssprache: es kam darauf an, einen berg hinauf zu reiten, um ihn zu klären (ein reiter thut es). Berliner volkszeitung 1866 1. august bl. 1ᶜ, ihn klar zu machen durch recognoscieren, auch aufklären, franz. éclairer, éclaireur.
5)
einzeln selbst für intrans. klaren, klar werden:
bis das der himel wider klört
und man den donner nit mehr hört.
B. Waldis päpst. reich 3, 18.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 998, Z. 53.

klarin, m.

klarin, m.
Stieler 968, gewöhnlich clarin Rädlein 176ᵇ, Frisch 1, 170ᶜ.
1)
der klare helle volle ton der trompete, im gegensatz des gedämpften, sourdine, it. clarino (frz. clairon); klarin blasen, clarinbläser. vgl.klaret sp. 1001.
2)
eine trompete mit diesem tone, klarin als neutr. Rädlein 540ᵃ, franz. clairon, engl. clarion, s. oben clarin:
feldclarinen, laszt euch hören u. s. w.
Ditfurth fränk. volksl. 1, 121.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1003, Z. 71.

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Zitationshilfe
„klare“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/klare>, abgerufen am 25.10.2020.

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