klavier, clavier n
Fundstelle: Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1040, Z. 47
1)
das bekannte musikinstrument, franz. clavecin, aber auch nl. klavier, dän. klaveer, schwed. klaver n., böhm. klavír.
a)
eigentlich ist clavier aber nur die claviatur, tastenreihe, nach franz. clavier (s. 4): schickte derhalben zum instrumentmacher, verdingte ihm den patienten (das schlechte clavichordium) und wuste sich sehr viel dasz er den kasten, die clavier, die wirbel und das rothe tuch zum besten hatte (nicht angerechnet bekam). Weise überfl. ged. (1701) 290, als pl. wie nl. klauwieren unter 4; das clavier eines clavicymbals oder glockenspiels oder einer orgel. Ludwig teutsch-engl. wb. Lpz. 1716 sp. 397. clavir Henisch 607 (1616).
b)
aber schon Frisch 1, 170ᶜ gibt auch an, man nenne zuweilen das clavichordium selbst so, und früher schon bei Rädlein (1711) 177ᵃ clavier, griffe eines musicalischen instruments, als clavier, spinet, orgel, nachher clavier, clavicordium. der übergang der bed. geschah durch frz. redensarten wie savoir, posséder son clavier (Littré), spielen können, eig. auf den tasten heimisch sein.
du mein getreues clavier, singe die tage hinweg,
die nächten gleich mit schwarzen flügeln fiiehn.
Zachariä (1761) 421;
Minchen sasz am clavier.
Göthe 40, 255.
es heiszt kurz klavier spielen (auch klavier lernen): Charlotte spielte sehr gut klavier. Göthe 17, 27; ich musz .. die .. söhne im klavier (klavierspiel) ... informiren. Schubart leben 2, 64. Obwol nun länger schon das clavier vom pianoforte, fortepiano, flügel u. a. verdrängt ist und man am häufigsten jetzt wol blosz wunderlich genug instrument sagt, ist es doch in der zusammensetzung (s. c) noch herschend, und auch auf dem flügel lernt man noch 'clavier spielen'. Noch Gellert übrigens (1784) 4, 241. 254 braucht das frz. clavecin (wie nl. klavecim noch bei Weiland), dem bei uns das ältere clavizimbel entspricht, s. unterklaffenzimmer.
c)
dazu viel zusammensetzungen, wie klavierauszug Voss briefe 2, 190, auszug eines musikstücks fürs clavier, clavierdraht zu den saiten, clavierkasten der kasten des instruments, clavierlehrer, claviermacher, claviermeister lehrer (Göthe 24, 184, H. L. Wagner kindermörd. 30, J. Paul), claviernote, klavierpult Voss br. 2, 185, claviersachen musikstücke, noten fürs clavier, claviersaite, clavierschlüssel gleich discantschlüssel, unterschieden von violinschlüssel, baszschlüssel u. s. w., clavierschule unterricht (J. Paul), gewöhnlich ein systematisches lehrbuch fürs clavier (klavierschule oder anweisung zum klavierspielen von D. G. Türk Leipzig 1789), klavierschülerin J. Paul uns. loge 1793 1, 242, claviersonate u. dgl., clavierspiel, clavierspielen n. (ihr clavierspielen macht sie närrisch Gellert 1784 3 269), clavierspieler, clavierstimmer, clavierstück musikstück, clavierstunde Göthe 24, 184, clavierunterricht u. s. w.; s. auchklavieren.
d)
übertragen farbenclavier Lichtenberg 1800 5, 283, Göthe 54, 259, J. Paul 17, 25.
2)
im webstuhle die reihe beweglicher haken durch welche beim buntweben die zampelschnüre bewegt werden; die vorige und die folgende bed. scheinen sich darin zu vereinigen, claviatur und haken.
3)
bei den tuchmachern sind claviere die haken an den beweglichen rahmbalken zum ausspannen des tuchs. Frisch 1, 171ᵃ, auch kleber genannt. dazu clavierblanke f. bret mit häkchen woran das ende des in den rahmen gespannten tuchs befestigt wird Campe. Es scheint das nl. klauwiere clavus aduncus, uncus Kil., das auch als klavier vorkommt, s. das folg.; ostfries. klaveer gekrümmter nagel zum anhängen von gegenständen Stürenburg 109ᵇ. schon franz. clavier eine art haken bei mehrern handwerken.
4)
nd. clavier am weinstocke, claviculae, capreoli. Chytraeus Rostock 1592 sp. 476 (clauͤier Hamb. 1594 415), die haken womit sich die ranken anhängen, nl. clauierken Junius nom. 113ᵃ (u für v), bei Kil. aber klauwierken, d. h. das rom. wort umgewandelt in nl. form nach klauwe klaue (s.klaue 7); Halma z. b. gibt neben klauwier haken zugleich klauwieren pl. als claviers d'orgue, claviatur der orgel. Es liegt aber in dem worte ein eigner umsatz der bed. vor. das frz. clavier ist eig. der schlüsselring woran man die schlüssel trägt (span. llavéro, mlat. claviarius? altfranz. clavier ist schlüsselträger als person), ähnlich scheint 1, a und 2 eig. der rahmen samt den tasten (claves) und haken die daran festsitzen. die bed. haken hat sich eingeschlichen, gewiss schon auf rom. boden, durch die nähe von clavis und clavus (beide werden mlat. verwechselt, s. Ducange); irgend ein dem frz. clavier ähnliches werkzeug musz dann den übergang zu der bed. haken allein erzeugt haben; voller aufschlusz ist wol in der franz. handwerkssprache und mundarten zu suchen. gab es nicht auch schon mlat. clavarius von clavus?
5)
clavier an einem hahn (am fasse), la clef ou le manche du robinet. Rädlein 177ᵃ, der griff des hahns, schon Henisch 607 das clavir des hans an einem fasz.
6)
als waffe: da ritte Foucken tapfer auf Reinold zu und hatte ein clavier in seiner hand, und als er .. sahe dasz er (Reinold) nicht gewaffnet war, dessen schämte er sich aus der maszen und liesz sein clavier aus der hand fallen. hist. von den vier Heymonskindern Cöln o. j. s. 129 cap. 17. im ältern ital. heiszt chiaverina ein kurzer spiesz, dasselbe wort mit demin. endung; eig. spiesz mit haken?
Zitationshilfe
„klavier“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/klavier>, abgerufen am 17.09.2019.

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