kleistern
Fundstelle: Lfg. 5 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1135, Z. 30
glutinare, nd. klîstern, schwed. klistra, dän. klistre, isl. klîstra, auch poln. klajstrować, russ. klejsterit' u. s. w. (s. kleister 1, d).
1)
eigentlich.
a)
intr., kleben: so musz man hausenplasen zum sode nemen (zum sieden des hechtes) ... darvon kleistert oder klebet die brüe. Mathesius Sarepta 34ᵃ, zugleich wol als beleg der urspr. allgemeinen bed., s.kleister 2. 3, a.
b)
trans., gekleisterter papp (zusammengeklebte papierlagen, pappe) Stieler 975, ein gekleisterter hut glutine firmatus ders., geleimter, fester. es heiszt gewöhnlich mit kleister bestreichen (bekleistern, zukleistern, verkleistern) oder fest machen, aufkleistern, ankleistern, zusammenkleistern:
und wähnet ihr,
zusammen sei die welt gekleistert
aus pappendeckel und papier?
Platen 60;
seitenlöcklein, wolgebacken
und gekleistert.
Freiligrath glaubensbek. 68, s. klebelocke.
c)
übertragen auf streichen, schmieren überhaupt, z. b. die haare kleistern, mit haarwachs stark streichen, butter auf das brot kleistern, dick aufstreichen. Campe. kühn sagt Seume: ich habe vernünftige ärzte in Italien darüber sprechen hören, dasz jährlich in der fasten eine menge menschen an der verdammten paste sich zu tode kleistern. spazierg. nach Syr. (1803) 226, vergl. vorher da ich doch mit den ewigen makkaronen mir den magen nicht ganz verkleistern wollte 212; man sagt nämlich von einem dicken brei, er ist wie kleister, scherzend sogar seelenkleister.
2)
bildlich: wir haben warlich ein gros ergernis angericht und fewr angezündet, so wollen wirs nu (das ärgernis) mit worten kleistern und zustreichen. Luther 3, 340ᵇ, wie sonst verkleistern; redet, verblümet, teuschet, kleistert, verdrehet, lieget und trieget, lieben herren, was ir könnet. Wigand gegen die kryptocalv. (s. kleisterei) 3ᵇ; man pletze, flicke, nehe, verdrehe, kleistere, dichte, lüge darzu was man wölle, so ist dieses die helle liechte warheit. 14ᵃ; da ir in Lutheri fusstapfen weret blieben, so hettet ir die newe lere nit thüren verkleistern. 6ᵇ; irrthum mit der göttlichen warheit zu vermengen, bementeln, bekleistern. 21ᵇ. wenn daher ehen deswegen, weil sie mit zu unerheblichen pfändern geküttet werden die (wie wenig leim besser als viel leim) fester kleistern als grosze, durchaus nicht auseinander wollen. J. Paul teuf. pap. 1, 13.
Zitationshilfe
„kleistern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kleistern>, abgerufen am 26.05.2019.

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