klittern, klüttern
Fundstelle: Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1213, Z. 46
klappern, kläppern u. ä.; beide formen sind oberd. wie nd. (md.), und wieder wie beim vorigen sind beide berechtigt. von der verwandtschaft s.klatzen 4, a.
1)
klittern,
a)
klappern, klirren, in folg. stelle, wie es scheint nordd.:
kein klittern höret man der waffen allerhand.
Biermann christl. trewrede A iij;
vgl. ostfries. klittergold rauschegold unter klattern (5), das damit in ablautsverhältnis steht. vereinigt schottisch clitter-clatter mit der bed. von klattern 1, geplauder (s. dort). vgl. auch in Waldeck klattern, klättern vom prasseln des hagels Curtze 476ᵇ.
b)
klittern von kleiner bästelei, s. unter 2 und klitterwerk, klitterschuld.
2)
klüttern,
a)
klapperndes geräusch machen, das scheint der eigentliche sinn der folg. bildlichen verwendung bei Luther: so feret er itzt zu .. füret abermal sprüche als den 'Johannes ist Elias, Christus ist ein weinstock' etc. (zum beweis dasz ist uneigentlich gemeint sei). wenn das geschehen, so klüttert er lange und viel mit seinen eigen worten und schleuszt on schrift (bibelzeugnis), spricht, hie ist deutelei. 3, 441ᵇ (vom abendmal 1528); wiewol er selbs fast fület das sein klüttern ein lauter gewesch, wie er denn groszen vleisz thut böse deudsch zu reden. das., die worte kläppernd herumwerfen, um mit dem geräusch und wirrwarr zu betäuben, doch mit dem nebensinn des pfuschens im reden (s. 6), vgl. sp. 971 unten.
b)
daher klüttern, auch klittern, im Siegerlande kleine unnütze sachen verfertigen Schütze 2, 16ᵇ, schweiz. klütern und klittern allerlei kleine mechanische arbeiten zu verfertigen wissen ohne sie eigentlich gelernt zu haben, auch klüterlen, klütterlen. Stalder 2, 112, also wie bosseln, bästeln, pfuschen. ebenso nd. klütern (lang ü) Schambach 105ᵃ, brem. wb. 2, 815, bes. von tischlerarbeit, wie schon mnd. cluteren carpentare Dief. 102ᶜ. danach ist es eig. klopfen, pochen, klappern, deutlich nl. kleuteren, kloteren tuditare, mailleter Kilian. es trifft darin genau zusammen mit kläppern 3.
c)
wie alt das wort sein musz, zeigt norw. klutra ganz gleich dem schweiz. klütern, auch dän. kludre (vgl. altn. kliđr m. gepolter). auch mhd. cluterære in der regula Selphardi leseb. (1859) 814, 11, kluterspil gaukelei, täuschung (vgl.klappern gehört zum handwerk) pass. K. 322, 93. 323, 80, klutern spintisieren Krolewiz 3763, klüterwort u. a. (s. wb. 1, 850ᵃ. Pfeiffer myst. 1, 510) lassen sich wol besser hierher ziehn, stammen sie von taschenspielern, gauklern?
3)
klittern brauchen noch neuere zuweilen von kleiner, knaupeliger arbeit, doch möchte daran Fischarts geschichtklitterung mehr antheil haben als mundartliche geltung des wortes: wenn ich aus drei punkten oder x, y, z herausklittern soll, welcher erdensohn gemeint sei. Zelter an Göthe 5, 228; das anstöszige im buche ist wie speck um die pille gewickelt. das klittern sie sich wieder auseinander. 6, 155; was sie ohne verstand so mühsam erklittert zu haben glauben. 2, 420; eine zusammengeklitterte verschwörung. Arndt nothgedr. bericht 1, 89; dasz Caesar selber beabsichtigt habe, aus diesem bündel alter und neuer ämter .. seine neue königsgewalt zusammenzuklittern. Mommsen röm. gesch. 3, 444; Antiochos von Askalon, der mit dem stoischen system das platonisch-aristotelische zu einer organischen einheit zusammengeklittert zu haben behauptete. 3, 527; vgl. klitterig. J. v. Müller braucht so sein schweiz. klüttern: ich halte dafür, dasz diese verfassung völlig umgeschmolzen werden müsse, sonst wird ohne frucht geklüttert. werke (1812) 14, 110.
klittern, klüttern
Fundstelle: Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1213, Z. 7
klecken, klecksen, besonders eilig und schlecht schreiben.
1)
klittern.
a)
eig. flecke machen, beflecken. so bei Stieler 974 maculis inficere, bei Rädlein 546ᵇ 'klitter auf etwas werfen, schmattern, schmieren', noch bei Steinbach maculare; ist das aus den mundarten oder aus büchern genommen?
b)
bes. von schreiben, geringschätzig, wie klecksen, schmieren, 'etwas in ein buch klittern, ad tempus annotare, schlecht hin schreiben, viel wieder auslöschen' Frisch 1, 524ᵃ (vgl. klitterbuch): ich acht das gott die warheit gröszer acht, dann das ers in bücher klitteren und verfassen lasse. S. Frank weltb. vorr. (1567 A 6ᵃ); dasselb Cherephonisch nachteulisch und fledermäusisch klittern (kalmäuserische nachtarbeiten, wie mans dem Demosthenes vorwarf) will ich mir bei leib nicht nach lassen sagen, sonder wein her, der scherpfet das hirn. Fischart Garg. 25ᵃ (1575 B 1ᵃ, Sch. 32); derhalben behulf er sich nit der gebettformular, die heut ein jeder canzelstand und predigstulbeschreiter zusammen klittert. 173ᵇ (1575 V 8ᵃ, 317 Sch.); kein volk wird mehr mit der schwarzen tintenkunst erklittern und erklettern dann die mit der feder. groszm. 63 (Sch. 595), es heiszt nämlich auch klettern; s. auch klitterung und klitter.
2)
mit anderm vocal klüttern oder klütern, und letzteres ist nach dem unter klater beigebrachten als die echte form anzunehmen, wahrscheinlich schon mhd. klütern, obwol daneben ein eignes kliuteren möglich ist (s.klater 2, a): es ist bös daruf (auf das papier) zu schreiben, wenn vor daruf klütert ist und item daruf stond. Keisersb. brös. 2, 77ᵇ, d. i. wenn schon einzelne notizen, posten (item) darauf flüchtig hingeworfen sind. noch in der Schweiz klüttern, auch in der bed. cacare, dazu beklüttern, verklüttern beflecken, bekacken Stalder 2, 112. 113: sie beklütterten ihnen selbst das nest. Stettler annal. helv. 88, nach einem verbreiteten sprichwort. mit gleichem vocal auch nd., kluddern flecke machen (kludder tintenfleck u. a.) Dähnert 237ᵃ. gehört dazu mrh. kluttern in schult halb onverkluttert (schuldfrei) weisth. 4, 634? in bezug auf unbezahlte gebühren ohne fleck, den einer auf ihn werfen könnte? auch eine spur aus England wol in schott. cluttering, doing any piece of business in an awkward and dirty way. Jamieson 1, 240ᵃ; s. dazu klater 2, b. c.
Zitationshilfe
„klittern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/klittern>, abgerufen am 17.11.2019.

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