Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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klumpe, klumpen, m.

klumpe, klumpen, m.
gleich klump, in schwacher form, wie nl. klomp (klompe Kil.), pl. klompen; die schwache form hat die starke fast verdrängt. der rechte nom. ist noch im 18. jh. häufig, noch von Göthe im 19. gebraucht (s. unter 1, f), während man heute nur klumpen als nom. kennt; übrigens s.klump 5. Auch mit g: meinen glumpen gold. Simpl. 3, 10, 24 Kurz. merkwürdig eine form klümpen im 16. jh.: ain klümpen schmalz in ainem tigel Haupt 3, 32. das wort ist md. und nd., ob aber auch eig. oberd.? s.klumpf undklumper.
1)
massa, clumpe Dief. 350ᶜ (mitteld. voc. des 15. jh.).
a)
besonders von feucht zähen stoffen: hat nicht ein töpfer macht, aus einem klumpen zu machen ein fas (gefäsz) zu ehren und das ander zu unehren? (s. unter kachel). Röm. 9, 21, φύραμα, haufe gekneteten lehms; nam ein klumpen koch (brei). Kirchhof wendunm. 396ᵇ; da sasz die fraw und macht kes und het ein klumpen molken in den henden. Eulensp. Lapp. 75 s. 110; ein klumpen us der nasen. das. 76 s. 111; ein klumpe butter M. Kramer, ein klumpe lebendiges kalchs Comenius orb. p. 2, 237, dieser klumpe von boue de Paris J. Paul uns. loge 1793 2, 45. so lehmklumpen, schneeklumpen, blutklumpen u. s. w.
b)
von festen und andern stoffen: ein klumpen blech, blei, goldes Rädlein 548ᵃ, ein klumpen eisen (das plätteisen Campe), erde, mähl Steinb. 1, 878, goldklumpen, bleiklumpen u. s. w.
da legt ein tiefer schacht ein reiches vorrahtshaus,
metall und stein vermischt in krausen klumpen aus.
Drollinger 82;
kästen voll des besten goldes, meistens in groben unverarbeiteten klumpen. das. 56. vgl.klosz II, 1, a.
c)
sonst von allem was 'sich ballt': ein klumpen werk, glomus stupeus Stieler 988, einem ein klumpen hare ausreiszen 989, ein büschel. auch z. b. von wasser, feuer, als geballte masse gedacht:
zuweilen unterbricht ein holes plumpen
das klatschende getös (im springbrunnen) ...
wenn kleine weisze wasserklumpen ...
wie stücke von geschliffenen krystallen
auf einmal schnell herunter fallen.
Brockes 2, 112 (1727);
es wälzten sich flammenklumpen in ihm los. J. Paul Tit. 3, 108.
d)
knoten, im werch, wie klotz 11, b (s. d.): wol wahr dasz herzog George merkliche knoten und klumpen bei mir am rocken hat. Luther br. 4, 277, dasz es zwischen mir und ihm noch manches zu lösen, auszugleichen gibt, gleich werch am rocken haben.
e)
der hauptbegriff ist uns der einer formlosen masse: in einen klumpen zu hauf (zusammen) schmelzen. Mülman 50; in klumpen bringen, in massam redigere. Frisch; ein klumpen materie. Kant 8, 267. 269. 271 u. ö., gestaltloser stoff;
zu dem, was ist ein stein (edelstein), der uns so mächtig rühret,
eh ihn (noch) der eitle mensch mit langer müh gezieret?
ein klumpe sonder form.
Drollinger 71;
das mittelding zwischen form und klumpen war widerwärtig anzusehn. Göthe 15, 252; die eherne bildsäule eines vortreflichen künstlers schmolz durch die hitze einer wüthenden feuersbrunst in einen klumpen. dieser klumpen kam einem andern künstler in die hände. Lessing 1, 141.
f)
daher selbst vom menschlichen leibe, als unbewegte oder ungeformte masse gedacht:
was ist ein leib, des geistes hülle?
sein klumpe liget todt und stille,
so bald ihm sein beweger fehlt.
Drollinger 18 (17);
Hans Adam war ein erdenklosz,
den gott zum menschen machte ...
Doch mit gebein und glied und kopf
blieb er ein halber klumpen,
bis endlich Noah für den tropf
das wahre fand, den humpen.
Der klumpe fühlt sogleich den schwung,
sobald er sich benetzet ...
Göthe 5, 14 (divan),
noch mit dem alten rechten nom. klumpe, den in der strophe vorher der reim störte. einen fetten, plumpen menschen nennt man einen klumpen fleisch, fleischklumpen:
wie sich die doppelzwerggestalt (Zoilo-Thersites)
so schnell zum eklen klumpen ballt!
doch wunder! klumpen wird zum ei,
das bläht sich auf und platzt entzwei.
Göthe 41, 41.
etwas anders Franz Moor von seinem vater, indem er ihn nur sachlich wie ein stück raumerfüllenden stoff behandelt: und nun wäre freie ebene bahn bis auf diesen ärgerlichen zähen klumpen fleisch, der mir .. den weg zu meinen schätzen verrammelt. Schiller 112ᵇ (räuber 2, 1).
g)
von der welt, als formloser wüster masse: so feind wird unser herr gott den menschen nie werden, dasz nicht allenthalben einer oder zween oder drei sein sollten, die den übrigen klumpen (die welt auszer Weimar) vor fäulniss und verwesung verwahren. Wieland in Mercks briefs. 2, 78, es ist vorher von sündflut u. ä. die rede;
trink, Hafis, und ertränk im herzen
die sorg um diese welt,
den gestaltlos gährenden klumpen.
Rückert 369.
man nannte schon lange das chaos so: erstlich war die erde ein unordentlicher klumpen. Steinbach 1, 878;
er hat aus lauter nichts zum ersten wollen machen
durch seines wortes kraft den ursprung aller sachen,
den klumpen der natur: in dieser schweren last (moles)
lag alles, was itzt ist vermischet, eingefaszt.
Opitz 3, 211, nachher der ungemachte klosz;
soll deiner thorheit zu gunsten
die grosze weltkette brechen und tausend planeten und sonnen
aus ihren gleisen gerückt in einen klumpen zerfallen?
E. v. Kleist frühling (1840 1, 134).
2)
acervus Stieler 988, haufe einzelner oder verschiedener dinge, sofern sie als eins erscheinen, vergl. klump 2, es spielt mit der vorigen bedeutung vielfach zusammen.
a)
z. b. geldklumpen Stieler:
doch! er ist reich, hat grosze klumpen gelder.
Neumark lustwäldchen 80;
man sieht hellerleuchtete klumpen silbers und goldes, gemünzt und ungemünzt. Fr. Müller 2, 88; in einem wolpolizirten staate darf das geld nicht auf einen klumpen kommen. die beiden billets sc. 3 (kom. theater der Franz. 1787. 8, 237). vgl. Hanmanns klumpf, vorrat sp. 1293.
b)
aber auch von allem was dem auge als in einer masse verschwimmend erscheint: und in jenem leben ist anfang, mittel und ende der welt ganz auf einem klumpen. Luther 2, 366ᵇ (363ᵇ), unterschiedlos in eins vermengt; ein verworrener groszer klumpen, ein verworrenes wesen, mischmasch. Rädlein 548ᵃ; ein klumpen bäume Campe, wie engl. a clump of trees, s.baumklumpe, gruppe (vgl. klumpenweise); die häuser stehen auf einem klumpen beisammen. Göthe 43, 42.
c)
auch von menschen: die Samniter .. flohen .. während die Gallier in einen unermeszlichen klumpen zusammengedrängt sich unbeweglich niederschieszen lieszen. Niebuhr 3, 449, in einem fränk. kriegerischen volksliede Frommann 4, 255 heiszt das kräftiger klumpenhaufen, mhd. klôʒ (s.klosz 2, b), franz. peloton heiszt eig. klumpen, knäuel; der kunststrasze, woran er einen ganzen klumpen .. wegfrotteurs stampfen und klopfen sah, gieng er aus dem wege. J. Paul.
d)
selbst vom einzelnen menschen: dasz ich vor vergnügen immer in einen klumpen zu sinken vermeinete. Felsenb. 2, 343, wie auch ein einzelner mensch über den haufen, mhd. zeime hûfen fällt, dasz die einzelnen glieder gleichsam lose einen haufen bilden, vgl. unter klosz 2, b mhd. klœʒel; noch bei Ramler:
er sasz in seiner kaban' in einen klumpen gefaltet.
einl. in die schön. wiss. 1, 222.
e)
diese wendung in oder auf einen (einem) klumpen gilt aber ganz allgemein wie auf einem haufen, zuhauf, mhd. ze hûfe (vgl.klumpkauf): wenn ich unser herr gott wäre ... so würf ich die welt in einen klumpen. Luther 2, 132 (in ein chaos, s. 1, g); sintemal es jetzt gespürt wird nicht viel anderst zugehen, dann als wolte gott die ganz welt mit dem jüngsten gericht .. heimsuchen und .. alles in ein klumpen werfen. J. Nas ein merkliche predig (1579) 31; der wind warf das ganze haus in einen klumpen zusammen. Adelung; alles auf einen klumpen werfen. das.;
er hört mich gar nicht an und wirft verächtlich
das ganze spiel (schach) in klumpen.
Lessing 2, 257 (Nathan 2, 8).
3)
in den glashütten heiszt ein groszer stein auf der bank des ofens klumpen, mit einer öffnung durch welche die glasmacher im ofen arbeiten. Campe.
4)
klumpen holzschuhe, nordd.: dasz die kinder aus der weltlichen pfründe nicht ausgesteuret, sondern mit einem hute, einem stocke und einem paar klumpen in die welt geschicket werden sollen. Möser phant. (1778) 3, 336. s. darüber klump 5, c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1290, Z. 54.

klumpen

klumpen,
in klumpen ballen, sich klumpen. Stieler 989, Steinbach. 1) etliche (schwalben) klumpen sich zusammen (im winter), andere sind mit dürren blättern und moos überzogen. Paulini philos. luststunden 1, 192. 2) die milch klumpt sich, geklumpte milch, klumpermilch M. Kramer 1719. gewöhnlich klümpern. auch norwegisch klumpast reflexiv, dän. klumpes.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1292, Z. 55.

klümpen

klümpen sich,
zusammenschrumpfen, mitteld.: (das heisze öl) vorbrante in .. das sîne hût ober den ganzen lîb zusamene schramp ... und alle sîne âdern (d. i. muskeln) klümpten sich. altd. bl. 1, 122 aus einer Leipz. hs. um 1400. ein hd. klümpfen ist nicht nachgewiesen (aber anzunehmen), nur erklumpfen vor schreck zusammenfahren (mhd. wb. 1, 843ᵃ), s. darüber klimmen III, 1, b. auch tirol. klumper f., schwindsucht (Fromm. 3, 103, Schöpf 326) gehört wol hierher.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1292, Z. 61.

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Zitationshilfe
„klumpen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/klumpen>, abgerufen am 25.11.2020.

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