Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

klunken

klunken,
baumeln, schlendern, ablautend zu klanken 2; so schwäb. (Birl.), bei Schmid 235 glunken, schweiz. glunggen schwanken, wackeln, schlottern Stalder. s. mhd. glunke unter klunke, nd. klungklanker schaukel sp. 952, und klunkern 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1296, Z. 51.

klunken

klunken,
1)
nebenform zu klucken 2, in allen drei hauptmundarten.
a)
md. z. b. trinken dasz es klunkt (vgl.klunk 1), hd. im 16. jh. erklunken, in Fischarts landlust:
und darauf thun ein starken trunk,
dasz man hört wies im hals erklunk.
kloster 10, 1044.
nd. in Waldeck klunken vom klange den z. b. bewegtes wasser in einem fasse gibt Curtze 477ᵃ, daher ausrufartig (aus klunken und klunkern gemischt) klunkerlekunk im froschmeus. C 5ᵇ. Ll 2ᵃ u. ö. im texte des froschconcerts (das C 6ᵃ wasserklang genannt wird). ebenso schweiz. glunggen von wasser, hohl klingen, plumpen Stalder 1, 457 (gluntschen Gotthelf 22, 204).
b)
aber auch dän. klunke neben klukke (klunk schluck, wie kluk), norw. schwed. klunka klunkend schlucken, auch klonka neben klukka von bewegtem wasser in einer flasche Rietz 330ᵃ, wie schottisch clunk (auch schluck), englisch clunk to swallow Halliwell 258ᵇ, also von ziemlichem alter. aber auch lettisch klungstét klunkern im leibe Bielenstein 1, 439 (litt. kluksẽti), vgl. die kelt. sl. wörter unter klucken 2, d. s. auch klunkern 3.
2)
wahrscheinlich aber auch gleich klucken 1 nach folg.: tirol. glungkezen glucksen, von der henne Schöpf 197, östr. glunkitzen Höfer 1, 303, schottisch clunk der gluckende ruf der henne. vgl. klumpern glucken Frommann 6, 333.
3)
von anderm stamme klunken schwanken, s.klunkern 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1296, Z. 55.

klunker, f., auch m.

klunker, f., auch m.
(s. 2).
1,
a)
kotklümpchen das sich in der wolle des schafes bildet oder im barte u. ä., auch die zusammenbackenden kleinen büschel wolle, haare u. ä., schafklunkern, bartklunkern Stieler 989, Rädlein 548ᵃ, an kühen M. Kramer, auch an den kleidern Stieler, Frisch 1, 525ᶜ. Steinbach 1, 879, ein kleid von den klunkern saubern ders., der mantel hängt voll klunkern M. Kramer, daher sich beklunkern.
b)
auch lappen, fetzen, die an alten kleidern hängen, mit inbegriff des schmutzes, zotteln, und wie lappen, lumpen von solchen kleidern selbst (Bernd Posen 130), so schles., laus., sächs., thür., aber auch nd., z. b. in Pommern, Osnabrück (Strodtm. 325), selbst für kleidung überhaupt, nordböhm. (Petters andeut. 45): sich mit alten klunkern behängen. Campe; verstecke dich in die alten klunkern (kleider). Peter volksth. aus österr. Schlesien 2, 170;
da kam mein alter schatz
in den zerrisznen klunkern.
Hoffmannn schles. volksl. s. 89ᵃ;
wenn die bettelleute tanzen,
wackeln klunkern und die franzen.
schles. volkslied.
c)
anders in Ostpreuszen, das grobe das von dem gereinigten flachs in der hechel zurückbleibt (oberd. kauder, kuder), daher klunkergarn (alem. kudergarn), klunkerleinwand, die daraus bereitet werden. Hennig preusz. wb. 126; s. dazu klotz 11, b und klumpe 1, d, wonach auch hier die bed. klump unterliegen kann, der büschel als klump angesehen.
d)
ähnlich in Osnabrück verfitzte haare Strodtmann 326, und oberd.: ein klunkeren, es sei wollen, flachs, hanf, stamen Calepinus (1570) 1453, was um die kunkel gelegt wird (doch vgl. klanke sp. 950 unten).
e)
die samenknollen des kartoffelkrautes heiszen thür. klunkern (vgl.klumper 2 so).
2)
troddel, quaste, und was sonst so als beiwerk hängt gleich den vorigen klunkern, md. und nd.; 'hangender quast wie z. e. am kopfgeschirr der pferde' Richey 125, auch bei Schambach, Stürenburg: (die kutsche) war mit sechs pferden bespannt, die mit fränzchen, klunkern und quasten, wie die madam die drinnen sasz, behangen waren. Weisze kom. opern (1771) 1, 20, im munde einer bäuerin;
sein wappen ziert die deck', im glanz der goldnen klunker.
Voss 6, 168 (1825 4, 138), junker Kord 22;
trug einen goldnen tressenhut
und einen klunker dran.
Claudius, also masc.;
goldene uhrklunkern. E. Helmer prinz Rosa-Stramin (1857) 125;
oberst, capitän und junker
hieb sich ab den garstgen klunker (den zopf).
Freiligrath glaubensbek. 69.
Dieser gebrauch, der sich so mit dem vorigen zusammen auch in zotte, zottel findet, mag eig. nur aus dem volkswitz stammen. während ihn Adelung noch nicht nennt, ist er nach Campe nur verächtlich, wie in Münchhausens reisen (1822) 18: lustpartien, ritterübungen und preisliche thaten, welche den edelmann besser kleiden als .. alle riechsächelchen, klunkern und capriolen französischer schöngeister und haarkräuseler.
3)
verwandtschaft.
a)
es spielen hier wahrscheinlich mehrere stämme in einander, wie so oft. die zweite bed. neigt sich zu klunken, baumeln, daher z. b. auch schweiz. glüngger n. gehänge, ohraglüngger ohrgehänge, dim. glünggerli das bei den ziegen oben am halse hängende läppchen. Tobler 226ᵃ; mit anderm ausgang kärnt. glunggel grosze schelle oder was ihr ähnlich ist. Fromm. 5, 105; vgl.glungeln u. klunkern 1, b, auch klüngel troddel. aber die erste bed. stellt sich deutlich zu einem stamme mit der bed. klump.
b)
das nd. klunker, mit dem das mitteld. notwendig zusammengehört (vgl.klunkererbse), ist nämlich klümpchen überhaupt, z. b. klunkern botter in der buttermilch, klunkern fett u. s. w. (brem. wb. 2, 814), stimmt also völlig mit klumper, wie klunkericht mit klümpericht, klunkermelk mit klumpermelk. und wie alt stamm und bildung sein müssen, zeigt schottisch clunker verhärtetes kotklümpchen (auch beule, knoten). das -er scheint hier verkleinernde kraft zu haben.
c)
auch zu klunker ist das mutterwort noch zu finden (wie klump, klumpe zu klumper) in schwed. klunk (klonk) m. groszes klümpchen (z. b. in der suppe) Rietz 330ᵇ, auch bei uns in ahd. glonko erdklump, nhd. klunk klunker (s. klung 2, a), westf. klunke klecks Fromm. 5, 281 (genauer kotklümpchen?). auch der ablaut, den klump zeigt, fehlt hier nicht: norw. klank m. gleich klakje, eisklump Aasen 219ᵇ, schott. clinkers pl. gebrochene felsstücke, engl. dial. clinker-bell eiszapfen, wie clonker. ebenso zu dem folg. klunter, klunt schwed. klannt klump, klint knollen (s. klint 3).
d)
die klunker heiszt nämlich nd. auch klunter f. (kotklümpchen wie troddel) Schambach 105ᵃ, desgleichen mitteld. z. b. in der Wetterau (s. auch unter klunkermutz), auch bei Frisch 1, 525ᶜ; ostfr. klunter und klunder klümpchen Stürenburg 114ᵃ (klundermelk 113ᵇ gleich klumpermelk, klunkermelk), in Aachen klönter m. 'klümper im brei', im Siegerlande klonter, klonder f. klumpen mehl, erde u. a., nl. klonter m. schafklunker wie klümpchen, klump überhaupt (z. b. een klonter in de borst, eine harte brust). dem klonder läszt sich klüngel, klunge mit weicherem auslaut vergleichen, die auch zu dem stamme gehören.
e)
auch dazu besteht einfaches nl. klont, bei Kilian klonte, massa, gleba, grumus, ostfries. klunte klump Stürenb. 114ᵃ, nd. klunt brem. wb. 2, 814, dem. kluntje, nl. klontje, z. b. stückchen zucker zum thee (ostfr. auch klumpje); selbst hd. klunz (s. d.).
f)
so stehn neben einander klunker : klumper : klunter und klump : klunt : klunk, auch klumpfusz : klunkfôt : kluntsfôt (ostfr. auch blosz klunte genannt), in wirklich wünschenswertester vollständigkeit, um die thatsache sehen zu lassen, dasz unsere vorfahren eine wurzel gern im auslaut verschieden gestalteten mittelst der drei verschiedenen lautarten (s. sp. 6). auch sind die formen noch in der gegenwart ziemlich nahe beisammen zu finden, nicht wie sonst meist nur noch in trümmern und zeitlich und räumlich weit versprengt über das germanische sprachreich hin.
g)
die bei klump angenommene urspr. bed. spalten wird auch hier bezeugt z. b. durch nl. klinke spalt (sp. 1198 unten), vergl. sp. 1199 unten, und auch die einfachere gestalt der wurzel, ohne die liquida (s. klippe II, 2, b. c sp. 1203 und klosz), läszt sich erkennen in klucker, ahd. clucli globulus sp. 1260, vgl.kluck spalt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1297, Z. 1.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
klugschwätzer knieseilen
Zitationshilfe
„klunken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/klunken>, abgerufen am 26.11.2020.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)