Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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knall, interj.

knall, interj.
von einem knallenden ton:
und knall! war alles verschwunden.
Voss id. 3, 165.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1333, Z. 71.

knall, m.

knall, m.
fragor, crepitus, plötzlicher starker schall, am nächsten kommt krach; ein mhd. knal ist noch nicht nachgewiesen, doch nicht zu bezweifeln, mit dem ablaut des praet. sing. gebildet von dem starken knellen (s. d.), wie hall von mhd. hëllen, schall von schëllen. nl. knal entlehnt, auch schwed. knall, dän. knald vielleicht entlehnt, s. u. knallen. der seltene pl. lautet knälle: die jähling gedämpften feuer (in kohlenmeilern) geben vielfältige knälle. öcon. lex. Lpz. 1731 sp. 1257; plötzlich hörten sie drei starke knälle. Hebel 3, 107. doch auch knalle (vgl. Frischlins pl. knall unter 1, e).
1)
noch die vocab. des 15. jh. führen es nicht auf, doch im 16. ist es fest.
a)
fragor, der schall oder knall wann etwas bricht Alberus b 4ᵇ, knall crepor x 4ᵃ: der kessel platzte, es gab einen furchtbaren knall. so bei Frisius 582ᵇ fragor, schranz, knall, 583ᵃ fragose, mit einem krach, knall oder schranz.
gleich wenn das eis mit einem knall
in groszen sturm birst überall.
froschm. Zz 1ᵃ.
b)
daher schweiz. auch von dem risse, sprunge selbst, z. b. in einem geschirr. Stalder 2, 113, wie knack, klack u. a. (s. sp. 898).
c)
von einem sturze u. a.: knall, das braschlen, als wenn ein baum fallt, fragor Maaler 246ᵇ; behüt uns gott alle, das es (das grosze kreuz) auf keinen falle, es geb sonst ein groszen knalle. Fischart bien. 1588 70ᵃ (nicht bei Marnix 59ᵃ), die form wol nur dem reimspiel zu liebe.
d)
peitschenknall:
der wilden peitsche knall betäubt die strasze ganz.
Zachariä renomm.;
und hinterher, bei knall und klang,
der tross mit hund und ross und mann.
Bürger 70ᵇ (der wilde jäger).
e)
knall des pulvers, büchsenknall, kanonenknall, auch vom donner, wenn er kurz ab schallt (s. donnerknall):
do gieng das pulfer one (an)
mit einem starken knalle (: halle, geschr. knale, hale).
meisterl. Berl. hs. f. 23 nr. 221;
der held hort den knall, sich tucket.
Teuerd. 78, 59;
liesz abgehn mit eim widerhall
auf einander sechzehen knall.
Frischlin hohenz. hochz. 20,
ist das schon unflectiert, wie jetzt sechzehn schusz im geschäftsstil? oder von einem neutr. knall? oder nur gekürztes knalle?
aber im gebirge dröhnet
knall auf knall den tag entlang.
Uhland ged. 350;
sieh die wolke, die mit blitz und knall spielt.
Platen.
f)
es heiszt einen knall thun (Kirchhof mil. disc. 177), geben, lassen:
und als er (der verbrennende floh) liesz ain groszen knall.
Fischart flöhh. 860 Sch., 2897 Kurz;
puckt den rucken und liesz darneben einen groszen starken knal. Bebel 1558 (1589 172ᵇ kral, druckf.).
2)
vom knall des gewehrs stammt 'knall und fall', in einem augenblick Rädlein 548ᵇ, gebraucht wie ein adverbium oder einer interjection ähnlich (s. knall!).
a)
es hiesz urspr. knall und fall war eins, mit dem schusz zugleich fiel der mann, und mag im 30 jähr. kriege entstanden sein, obwol es auch der jagd entstammen kann, wie Adelung will: aber eh er sichs versahe (der gegner im zweikampf), hatte ich die pfanne offen und wieder angeschlagen, hiesz ihn auch dergestalt willkommen sein (gab ihm den willkomm mit dem schusz), dasz knall und fall eins war. Simpl. 1, 284 (282 Kurz), vgl. oben 3, 1272; (er hatte) ihn dergestalten in die seiten getroffen, das knall und fahl ains war. Hörl v. Wätterstorf Bacchusia 378; es machen wie die wildschützen, da knall und fall éin ding ist. Schuppius 21; früeh wann die sonne aufgehet, schwinge ich solche (büx) über meinen rucken ... verfolge das wild, knall und fall ist beieinander. Conlin narrnwelt 3, 101;
da hört ich etwas knallen,
damit war knall und fall éin ding (ich fiel vor schreck).
Weise überfl. ged. 1701 s. 437.
man wird übrigens auch gesagt haben knallen und fallen war eins, daher die kürzung knallenfallen (s. d.).
b)
die zunächst eingetretene kürzung zeigt wol folg.: es war knall und fall, es kam plötzlich und unversehens. teutsch-engl. wb. Lpz. 1716; bei ihm ist alles knall und fall, bei ihm geht alles hastig, mit überstürzung. M. Kramer deutsch-holl. wb. 1768. 1787; verlassen sie sich darauf, knall und fall, sie sollen kein glied mehr zucken (so sicher werde ich schieszen). Kotzebue dram. sp. 3, 383.
c)
dann als adv., lange noch mit durchblicken des ursprünglichen anlasses: er starb knall und fall. Steinbach 1, 882 (er erklärt 'wie vom donner getroffen'); knall und fall verderben. ders.; er schosz knall und fall den einen nieder. Lessing 2, 160 (Em. Gal. 4, 1), dem also der ursprung noch bewuszt war, wie Kotzebue, J. Paul: wenn du einmal in meine stube trittst, so erweise mir den gefallen und schiesze mich .. knall und fall todt. uns. loge 2, 129. von da wird es zunächst auf andere plötzliche unfälle angewendet worden sein: so will ich kommen und die bauern aufhetzen, dasz sie ihm knall und fall die schippe geben. Lessing 3, 409; der bediente wurde knall und fall fortgeschickt.
d)
die allgemeine verwendung aber wird mit scherzhafter anwendung begonnen haben: heute hochzeit und in einem jahre knall und fall kindtaufe. Lichtenberg 7, 274; und wer bei dem handel der glücklichste wird gewesen sein, den will sie heiraten, knall und fall. Lessing 2, 368; angenommen dasz Bürger nicht knall und fall sich hingesetzt, die erste die beste versart ergriffen u. s. w. Bürger 177ᵃ; ich muszte knall und fall abreisen. in folg. möchte es noch uns zu derb vorkommen (Nathan 2, 9, in Al-Hafis munde):
wer
sich knall und fall, ihm selbst zu leben, nicht
entschlieszen kann, der lebet andrer sklav
auf immer.
Lessing 2, 259.
3)
eigen ist schweiz. knall der schnapp und bisz eines hundes, dann bisz in etwas hartes überhaupt. Stalder 2, 113; das nähert sich dem nl. knellen kneipen, klemmen, vgl. dän. gnalde nagen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1333, Z. 73.

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Zitationshilfe
„knall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/knall>, abgerufen am 20.01.2022.

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