Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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knappen

knappen,
erst nhd. auftretend, mit mehrfacher bedeutung, nebenformen knapfen (unter 5), gnappen, gnapfen (4) u. a.
I.
die bedeutungen.
1)
von gewissen tönen.
a)
hd. oder genauer wol md.: knappen oder schnalzen heiszt der ton, den der auerhahn beim balzen hören läszt ehe er schleift; er hatte zwei hölzerne teller an einen strick gebunden, damit schluge er sie im haus herum dasz es knappte. Jucundiss. 123, dasz es klappte, klatschte, knallte. Adelung gibt als oberdeutsch das feuer knappt, aber wol (wie häufig) nur aus M. Kramers nl. wb., der hier wie oft nl. ausdrücke ins hd. umsetzt, nur um sie dem hd. leser näher zu bringen und die urspr. einheit beider sprachen zu zeigen: 'het vuur knapt, das feuer knappt, schnalzt, kracht, spratzelt'. niderhoch-teutsch wb. Nürnb. 1719 1, 151ᶜ (aber nicht im hd. theile). vgl. auch mrh. sternsknappe unter knaupe fem.
b)
ganz heimisch ist es im nd., knappen klappen, klatschen (brem. wb. 2, 819), knacken, knicken, knallen u. ä., auch nl. knappen, mit anderm vocal schwedisch knäppa, dänisch kneppe schnalzen u. ä.
c)
trans. ein schlosz zuknappen, schnappen braucht J. Grimm myth. 1027 (hessisch?); es könnte aber auch zu 3 gehören. götting. heiszt es en slot tauknîpen Schambach 226ᵃ.
2)
knackend brechen, trans., in 'nüsse aufknappen' 1, 676 (Schottel, Stieler), eig. von dem klange dabei; ob hd., md.? letzteres nach knapsen zu vermuten. nd. knappen heiszt auch trans. knicken, knacken (Schamb. 105ᵇ), ebenso engl. knap; nl. knappen vom flachsbrechen (Kilian).
3)
von gewissen kurzen bewegungen, schnappen.
a)
auf und nieder knappen: derselbe (der ast, an dem ich im Rheine hieng) ward aber von den strudeln und wellen dergestalt tribuliert, dasz er ohn unterlasz auf und nieder knappen muste. Simpl. 1, 389 (393 Kurz, 1, 4, 10). so aufknappen 1, 676 (H. Sachs), noch bair., z. b. ein bret knappt auf, schnellt in die höhe Schmeller 2, 374.
b)
ebenso bloszes knappen, z. b. vom schwanz der bachstelze:
es hört nicht auf zu knappen
ihr langer pfannenstiel.
wunderh. 3, 357 (geistlicher vogelgesang 3, ed. Grieshaber);
wie knappet dir dein wädele (schwanz)
und hast en dreck koin geld.
E. Meier schwäb. volksl. s. 60.
dasselbe ist wol folg. knappen von der wiege: o wie ein köstlich ding ist das nächtlich singen zur wiegen! es vertreibt das gespenst. merkts, ihr männer, und singt wann ihr auf der éinen seiten wieget, das es zum discant stimme wann sie (die frau) auf der anderen seiten gigaget und knappet. Fischart Garg. 73ᵇ (125 Sch.), gigagen musz wol den wiegengesang meinen und knappen das hin und her, auf und ab gehn der wiege und der wiegenden. ein schwäb. kinderrätsel von der ölmühle sagt:
es knippet es knappet
mit eiserne kappe,
mit hölzerne date (schubladen).
E. Meier kinderreime nr. 293.
in beiden letztern fällen wäre der sache nach auch knacken und klappern möglich (vgl.knack! von der wiege, und knappern 2) nach der freilich mehr nd. bed. 1; sonst vgl. die bed. 7, die mit dieser leicht verflieszt.
c)
auch gnappen (wie unter 7, b): er in dem gehen auf ein bret tratte an einen ort (ende), das an dem andern aufgenagelt war, an demselbigen ort aufgnappet und mit ihm hinab fiel. Bocc. 1, 64ᵃ (1580). auch ohne auf-, wie unter b: gnappen, prosilire, sursum saltare. voc. inc. teut. i 8ᵇ.
4)
mit dem kopfe knappen, nicken Frisch 1, 526ᶜ, noch bair. Schm. 2, 374, schwäb. Schmid 318, tirol. gnappen nicken, besonders im schlummer Frommann 5, 437 (gnapfen mit dem kopf, nutare. Dasyp. rediv. Frkf. 1653 2, E 6ᵇ):
völker di unser wärn gewar,
knappen mit dem kopf hin und dar.
Melissus ps. T 2ᵃ,
wol als zeichen ironischen bedauerns, nach κινοῦντες τὰς κεφαλάς Matth. 27, 39, zugleich 'wackeln' (s. 7) und dem vorigen nahe stehend; der hohenpriester knecht einer knabt mit dem kopf, speiet ausz und spricht. H. Sachs 3, 1, 220ᵃ, wol ebenso; der junge fürst knapt ja mit dem kopf. 4, 2, 23ᶜ; da hat er gleich mit dem kopf geknappt. jägerbrevier (Dresd. 1857) 147. das b in knabt könnte wol echt sein, s. 6, d gnaben. vgl. auch knapper 1, knapsen 3.
5)
knappen mit dem beine, knie oder dem ganzen körper.
a)
knappen knixen: er fieng bald an seine händ zu küssen, mit beiden füszen zu bücken, zu knapfen und schierfelen (kratzfüsze machen). Ayrer proc. ij 1; sie (die juden) knappen, pücken und biegen sich, ziehen die hüt ab. ij 5; Jahn zicht den hut ab, knapt vor in und spricht. J. Ayrer 73ᵃ (377, 34); der ein steht auf 'ich will dem herrn ein dienstlichs trünklein bringen' (zutrinken), so knapt der ander hinwider 'des herrn diener (d. h. urspr. 'ich bin des herrn diener'), ich wils vom herrn dienstlich warten sein'. Fischart Garg. 45ᵃ (Sch. 69).
b)
hübsch knippen und knappen (vgl. knippknappen). im grobianus wird der junge mann angewiesen, wenn er eine jungfrau auf der strasze träfe, sich gleich an sie zu machen:
und thuͦ ein schöne red daher,
wie dein jungs herz ir huld beger,
mit langem tittel, schönem gruͦsz,
dasz sie von not dein lachen muͦsz ...
knipp und knapp unden und oben,
so muͦsz dich die schön junkfraw loben.
Scheit E 1ᵃ (Hellbach 1586 o. o. 67).
das ablautspiel soll eben das bücken 'unten und oben' zeichnen, wie bei Frisch aus Keisersbergs narrensch. 9. 99 knippen und knappen vor einem, inclinare caput et corpus;
vil knippens, knappens, zückens der hauben.
Ayrer fastn. 50ᵇ (hofleben);
da machtens wunderlich kramanz (s. d.)
mit gnippen, gnappen und verdrehen.
H. Sachs 1, 397ᵃ (1590).
daher von höfisch geziertem gange: und dieser irer tracht ist dann auch gemes ihr fürwitziger gang, das knippen und knappen. Barth weiberspiegel Lpz. 1565 V 1ᵇ.
c)
von ähnlichen anderen bewegungen. in Fischarts groszm. 54 (587 Sch.) unter unfindbaren dingen: weber die nicht knappen, bachstelzen, atzeln, wäscherin und reiberin die mit dem ars nicht schnappen, von ihrer körperbewegung bei der arbeit. im Garg. c. 38, unter jongleurkünsten: wie er also stund (auf dem pferde), macht er ein storkenbein und gambade auf eim fusz ... knapt alsdann wie ein weber von den fersen zu den zehen (?). 230ᵃ (431 Sch.). Fischart spricht oft von messe knappen (trans.), messe lesen, von dem beugen und knixen des priesters?
behelft euch ewrer pfaffenschlappen
und secht dasz ihr die mess recht knappen.
viereck. hütl. 640 (2, 258 Kz., kloster 10, 925);
wo knappt man aber ein mess ohn gemessen gelt? bienenk. 149ᵃ (1588 163ᵃ), vorher mess singen; darausz ist wol zuvermuthen, das der teufel in der wüsten gern ein mess geknappt hette, wann es ihm nicht am brot gemangelt hette. 90ᵇ (97ᵃ), er hätte mit dem verwandelten brote messe lesen mögen; davon messknappen 1588 114ᵇ, messknapper Garg. 279ᵇ (527), auch ein messlin beknappen bien. 159ᵃ (s. 1, 1424), knixend mit machen. er hat es aber aus der nl. vorlage mit übernommen, een misken knappen Marnix biencorf 89ᵃ. 108ᵇ. 150ᵃ, und knappen musz wol dort anders gemeint sein.
6)
hinken, hixen.
a)
eig. mit dem fusze einknicken, wie einer der müde ist oder einen zu kurzen fusz hat. so deutlich in folg.:
wer hat nicht lieber ein aufrechts pferd,
als eins welchs allzeit knapt zur erd?
Fischart ehzuchtb. 11 (Sch. 419).
von einem tische, der ein kurzes bein hat: wer leidet dasz sein tisch knappt, sein ofen raucht, kieselstein im schuh bleibt, der mag seine frau herleihen. Simrock spr. 6324. so gibt noch vom Mittelrhein Kehrein 231 knappen, mit den knien oder knöcheln einknicken beim gehen oder stehen, dazu überknappen (vergl. II, 1, b); bair. 'knappen wie einer der hinkt' Schmeller 2, 374.
b)
hinken überhaupt (Stieler 992, Rädlein, Frisch):
ein junge (als frau) thet mir leicht kein gut ...
drumb ist ein alte wol mein fug.
schaw, schaw, dort knapt gleich eine her.
H. Sachs 5, 342ᵈ (1, 198 Göz);
(du muszt) glauben was er glaubet, dich stellen wie er sich stellet, hinken wann er knappet. Philander 1, 510. noch fränk., nürnb. Grübel 2, 282, schwäb. ein wenig hinken Schmid 318. vgl. das adj. knapp hinkend sp. 1341.
c)
ebenso wieder gnappen: varicare, schrankelen, hinken ... gnappen. gemma Str. 1518 DD 1ᵃ; vacillare, schwanken, hin und här gnappen mit den füszen. Frisius 1341ᵃ, vacillo ich schwanke, gnappe mit den füszen Dasyp. 253ᵈ, Schönsl. X 4ᵃ, Denzler 2, 138ᵃ (knappen 1, 835ᵇ).
d)
und wahrscheinlich auch gnaben, mhd. (vergl.knabt unter 4 vorige sp. und dazu sp. 1342), denn in dem lobgesang str. 57, 13 (Haupt 4, 534, vgl. 553) hat die hs.:
dar nâch swaʒ fliege, flieʒe unt trabe,
krieche unde gnabe.
MSH. 2, 268ᵇ,
es ist etwa an den gang der enten, gänse oder vögel überhaupt gedacht. im begriffe verflieszt übrigens diesz knappen mit dem folg., und beide mit 3.
7)
wackeln, wanken überhaupt, wieder mit kn- und gn-.
a)
schwäb. knappen Schmid 318. dazu wol folg.:
so wolt wir im sein hawt vol schlagen,
weil (dasz?) im der kittl vor seim arsch knappet.
H. Sachs 4, 3, 49ᵈ;
schmisz, schlug, trescht darauf, dasz die jupp knapt. Garg. 205ᵃ (Sch. 380).
b)
gnappen, sich hin und har bewegen, vacillare. Maaler 188ᵃ; arbores nutant, die bäum .. schwanken, gnappen. Dasyp. 156ᶜ; die sach gnappet, stehet auf schwachen beinen, res vacillat et claudicat. Denzler 1, 835ᵇ. noch schweiz., z. b. ein lockerer zahn gnappet, fluecha dasz d'hell gnappet Tobler 228ᵃ. dazu gnappig was nicht fest hält, activ ergnappen wackeln, schwanken machen, dem. gnappelen, gnäppelen, gnäppelig Stalder 2, 458, der alte gnäppeler, der alte knax, alter wankender mann. Gotthelf 3, 60. 217. vgl. auch knapsen 4.
8)
schnappen, beiszen, zwacken.
a)
schnappend, kurz zufahrend beiszen, so westmd. (wetterauisch Weigand, nassauisch Kehrein): nur brave hunde ists gefährlich im schlaf zu stören. síe (die feigen) bellen nur ... und knappen von hinten nach knaben und sorglosen wandrern. Göthe 42, 151 (1850 13, 76), in der ersten abfassung des Götz. so wol schon im Simpl., aus gleichem sprachgebiete: dasz ich darunter (unter dem wüsten haarschopf) herfür sahe mit meinem bleichgelben angesicht, wie eine schleiereule die knappen will oder sonst auf eine maus spannet. 1, 68 (65, 15 Kurz), vgl.knappeule, ↗ergnappen. und wol auch fläm. nl. knappen nach fläm. knap m. zufahrender bisz, knapaf (und knakaf) bissig Schuermans 260ᵇ. der hauptbegriff dabei scheint aber das schnappen, nicht das beiszen.
b)
daher wol auch für schnappen überhaupt, mit der hand nach etwas kurz zufahrend haschen:
ach wie ain knappen und ain schnappen (nach den flöhen),
ain sappen, grappen und ertappen
Fischart flöhhatz 3689 Kz., 884 Sch.
im engl. heiszt knap so greifen, schnappen, nl. knappen aber fangen, erhaschen, attraper Kil., vgl. fränk. schneppen schnappen und in der falle fangen Schmeller 3, 492, auch kippen 7, und knapsen (6), knipsen (3) stehlen, auch hnupla unter II, 2, c.
c)
aber auch beiszen überhaupt. Stieler 992 gibt knappen demorsicare (abbeiszen, vergl. abknappen, 16. jh.), aufknappen admordere (vgl.knäpper). so nrh. knappe beiszen Aachener mundart 115, götting. gnappen besonders vom fressen der schafe Schambach 315ᵃ. bei Adelung als oberd. 'nichts zu knappen haben', er hat es wol nur aus M. Kramer (s. unter 1, a), wo in den ausg. v. 1768. 1787 die redensart zu der nl. niets te knappen hebben gestellt ist. in der 1. ausg. v. 1719 aber wird die bed. fürs nl. wie hd. knappen mit 'besonders etwas hartes' angegeben, womit ein neuer begriff hinzutritt; s. dazuknappkuchen (schon 16. jh.), ein nd. subst. knapp bezeichnet harte trockne speisen, z. b. gebäck, das man zum trunk knappert, knuspert. damit lehnt es sich aber an knappen 1 an (vgl.knackern 2) oder an knappern, knabbern, zu dem auch engl. knap nagen, zerbeiszen gehören mag.
d)
bildlich in abknappen, beknappen, z. b. vom lohne, den lohn, wie abzwacken. es ist md. und nd. (afknappen, beknappen Dähnert 241ᵃ u. a.), aber auch dän. afknappe (norw. kneppa), und vielleicht noch in sinnlicher bed. engl. dial. knap to break off short, to snap Halliwell 497ᵃ. bei uns noch sinnlich in verstärkter form in knapsen (2), auch ablautend knipsen, knupsen.
e)
aus Nassau gibt Kehrein auch knappen, heimlich wild schieszen, wie nd. z. b. hasen afknappen br. wb. 2, 819. ob zu b? oder zu 'knallen' unter 1, b? vgl. unter knapsen 1.
9)
als selbstständige ableitung vom adj. knapp bei Rückert, knapp machen, knapp halten:
ihr weisen aus andern monarchien,
wo man euch knappet die zügel.
ged. 344 (östl. rosen 25).
II.
Ursprung und verwandtschaft.
1)
das wort ist schwer zu beurtheilen, schon darin, ob die angeführten bedeutungen wirklich éin wort bilden (von 9 ganz abgesehen).
a)
die bed. 1 (und 2) ist unzweifelhaft nd. und md., nicht hd.; dagegen sind die eigentlich hd. bedeutungen 3—7, die auch einen innern zusammenhang für sich verraten, nd. nicht nachweisbar, während die achte wieder dem md. und nd. angehört. die letztere könnte mit der 1. 2. so zusammenhängen, dasz einmal der klang der zuklappenden zähne, das andere mal das knacken des gebissenen harten dings der begriffskern wäre. für jenes spricht nl. knap-tant manducus Kilian ('knappzahn'), fläm. knaptanden beiszend zufahren (vgl.klappertanden zähnklappern sp. 972).
b)
aber auch beim hd. zeigt sich mehrfach ein klang, so bei 3, 'klappen', aufklappen (vgl. engl. to knap in, einklappen). selbst das nicken und knicken 4. 5. 6 könnte eig. einen knackenden ton meinen, wie er beim einknickenden knie oder genick oft wirklich hörbar wird; das westerw. omknappe umknappen, überknappen, umschnappen erklärt Schmidt 280 ausdrücklich als 'mit einem knack in der gegend der knöchel ein wenig auf die seite wanken, so als wenn der fusz in dieser gegend mit geräusche entzweibrechen wollte'. man hat nämlich beim hinken und beim plötzlichen nicken des kopfes die empfindung des brechens, knickens, selbst beim grüszenden bücken, vgl. der professor brach sich vor verehrung gegen sie (die fürstin) fast entzwei J. Paul Tit. 3, 203. findet sich doch knacken (4) selbst vom 'morschen' knie, vgl.knicks.
c)
beim hinken übrigens kommt ein anderes klappen dazu. während nämlich jedes gehen fürs ohr ein klappen ist, wird doch nur das hinkende oder müde gehen so bezeichnet (s.kläppern sp. 975 mitte), weil da das klappen durch den vom gewohnten abweichenden klang dem ohre wieder auffällt. so deutlich in engl. dial. clickup a person with a short leg, who in walking makes a clicking noise Halliwell 255ᵃ (s. klicken 2). ebenso wol in frz. clopiner hinken, auch aller clopin-clopant, gleichsam 'klipp klapp gehn', auch engl. dial. clopping hinkend Halliwell 257ᵃ, altfrz. prov. clop adj., schon in der lex alam. cloppus claudus (Diez 2, 251), offenbar zu klopfen.
2)
aber freilich kommen andere wörter dazwischen, die nach anderen seiten weisen.
a)
das knappen hinken, wanken heiszt alem. gnepfen Maaler 188ᵇ (schon lieders. 3, 395, schwanken), bair. auch knipfen Schm. 2, 374 (vgl. schweiz. kniepen, kniempen Stalder 2, 114), schwäb. knupfen Schmid 318, die hd. auslaut zeigen (vgl.knapfen oben 5) und ablautentwickelung. schweiz. gnepfen ist jetzt wanken, unsicher stehn, auch gleiten und fallen (s.knapsen 4), die gnepfi der unsichere stand, die kippe, u. s. f. (Stalder 1, 459) in ganz eigner entwickelung, auch schwäb. gnäpfen umkippen Schmid 398; die hin und her gehende bewegung unter 3 oben, auch unter 7 zum theil, stellt sich dazu am natürlichsten, zu alle dem vergl. kippen, das theilweis dieselbe entwickelung zeigt.
b)
mit anderm vocal für nicken und hinken bair. knaupen (knauken), auch gnaupen und naupen (noppen), mhd. nûben. dieser wechsel im anlaut aber erstreckt sich weiter. zwischen gnappen nicken (I, 4), tir. gnapfezen im halbschlafe nicken und zwischen hd. nafzen, näfzen gleicher bed. (engl. nap) steht ags. hnappian in gleicher bed., vgl. altn. hnîpa den kopf hängen lassen (vor trauer), ags. hnipian Grein 2, 91, nd. nippen schlafend nicken Schamb. 145ᵇ. ebenso stimmt zu gnepfen bair. nepfen hinken Schm. 2, 700. der stamm musz in dreifacher form, mit gn- kn- und hn- entwickelt gewesen sein (bei n- ist vermutlich h abgefallen). vgl. auch altn. gnapa nicken, gnæfa überragen, vorragen?
c)
merkwürdig steht auch in bed. 8 neben knappen schwed. nappa, dän. nappe schnappen, zwacken, zwicken, zufahrend beiszen u. a., ein schwed. dem. dazu, naplä, heiszt auch knaplä Rietz 461ᵃ, der altn. hnupla zupfen, stibizen dazustellt.
d)
aber hier musz auch schnappen selbst in frage kommen (s. sp. 1018), das nicht nur in bed. 8, auch in bed. 3, selbst 1 mit knappen völlig zusammentrifft (wie engl. snap mit knap), ja in bair. schnappen straucheln sogar mit knappen 7 sich berührt, wie mhd. snaben straucheln mit gnaben sp. 1346. auch der auslaut nämlich zeigt manigfaltigkeit, auch engl. z. b. in knab (nach etwas schnappen) Halliw. 497ᵃ neben knap. vergl. auch knippen und schnippen und zu dem anlaute knarren I, c
e)
wie aber knapp im ursprung mit kneipen zusammenhangen wird, so bedeuten nl. knappen, engl. knap (altn. kneppa) geradezu auch kneipen, und das abknappen, beknappen unter 8, d ist oft wirklich ein abkneipen, bekneipen. zu knappen beiszen endlich kann knappern, auch knuppern in frage kommen.
3)
sicher ist in dem wirren geflechte das, dasz hier wie oft mehrere begriffe und wurzeln im lauf der jahrhunderte an und durcheinander gewachsen sind im sprachgefühl und gebrauch. es gälte sie zu entwirren. in knappen 1 wird übrigens kn- nicht der ursprüngliche anlaut sein, sondern eine umsetzung von kl- (so schon Frisch, das brem. wb.), wie sie in knäuel (s. d.) u. a. sicher vorliegt. nd. heiszt z. b. der klapperstorch auch kneppner neben kleppner (sp. 978), sein klappern dän. knäbbre, knebbre (auch schwätzen, wie klappern 2). ebenso kommt engl. knap mit clap in der hauptsache überein, z. b. selbst in der bedeutung schlagen, klapsen (Hall. 497ᵃ), wodurch der umsetzung ein hohes alter angewiesen würde; vergl. knapsen 5 gleich klapsen, und schott. knab schlagen, schwed. dial. knabba. ist dem so, so möchte denn auch das nahe knacken ebenso zurückgehn auf klacken, knicken auf klicken, wie knippen auf klippen, und selbst zu nd. klattern crepitare läszt sich so knattern stellen, so dasz merkwürdig genug die dreiheit im wurzelauslaut klappen : klacken : klatten (s.klatzen 4, a) sich bei der bildung in kn- wiederholte. hd. klaff und nl. knap, mhd. klac und nl. knak begegnen sich völlig in der bed. risz, knack, bruch; und wenn klappen und klopfen zusammengehören, die auch als klacken und klocken auftreten, so erscheint ebenso engl. knack und knock schlagen, klopfen, letzteres aber schon im ags. cnocian, cnucian, womit jene umsetzung in hohes alter gerückt würde.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1344, Z. 39.

knappet, adj.

knappet, adj.
hinkend, s.knappen 6:
so knappet, höckricht und so hinket.
H. Sachs 5, 245ᵃ (1, 240 Göz).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1349, Z. 36.

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Zitationshilfe
„knappet“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/knappet>, abgerufen am 28.11.2020.

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