knauel, kneuel m
Fundstelle: Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1364, Z. 43
pflanzenname.
1)
knauel, eine pflanze die auf sandigen feldern heimisch ist, scleranthus L., kleiner wegetritt, kleines wegegras, hundswürger. Adelung, bei Nemnich 4, 1250 in zwei arten, scleranthus annuus und perennis, jener der jährige wilde knauel, auch knawel, grasknöterich, wildes johannisblut, der andere auszer den zuerst genannten namen johannisblut, blutkraut, knöbelkraut u. a. dasselbe ist bei Alberus EE 1ᵇ knawel, polygonum, Jovis colus, clynopodion u. a.: polygonum minus, polycarpon .. zu teutsch knauel und klein wegetritt. (J. G. Schmidt) rockenphil. 2. hund. 65. cap. bei Nemnich auch nl. knawel, dän. knavel, schwed. knafvel (knavlegräs Rietz 335ᵇ), engl. knawel, german knotgrass, selbst franz. gnavelle. diese auszerdeutschen namen lassen nicht an das vorige knauel denken, obwol eine andere pflanze wirklich nach dem knäuel benannt scheint: pseudolinum, dotterkraut, kluel, wechst im flachs. Alberus GG 2ᵃ, nach den samenknoten (s. 4 a. e.)? s. auch knauelgras).
2)
auch eine moosart, mnium cuspidatum, sternmoos, führt Adelung als knauel m. auf, bei Nemnich 3, 584 kneuel.
knäuel, knauel m. und n
Fundstelle: Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1362, Z. 57
(s. sp. 1031 unten), auch knäul, knaul (s. 1, e), glomus. als bessere form gilt mit recht knäuel.
1)
die formen.
a)
es ist eine nebenform von kläuel (s. d.), aus dem es erst entstand, hat aber in der nhd. schriftsprache die echte form verdrängt. die umsetzung des kl- in kn- ist eine eigene neigung des nhd., noch mehr des nnd. (s. z. b. kleinlich), besonders wo ein zweites l nachfolgt; so in knoblauch, knüppel und seinen nebenformen, knäubeln, vermutlich auch in knäffen, knappen, knacken u. a., s.knattern 3, b.
b)
verzeichnet ist es seit dem 15. jh. (musz aber nach knäueln schon im 14. bestanden haben), im voc. inc. teut. n 3ᵇ knoil (oi für eu) glomus, adula, knoil von zwurn conglomeratio, dann aber kneil machen glomerare. mit dem alten vocal alem. ein knüwel garns Murner geuchm. (klost. 8, 1081), md. ohne umlaut knuel bei Altenstaig (Dief. 266ᵃ), ganz alterthümlich noch thür. knuwwel n. (Rudolstadt).
c)
mit vollerer endung kneule Calepinus 602, alem. 15. jh. knüli pl. (var. knulin), die der weber stiehlt (s. u.kläuel 3, b) teufels netz 10544, knüli auch Dief. 266ᵃ (die endung von knäuel, kläuel ist aber an sich nicht weniger alt und echt). auch mit vollster endung knewlin 16. jh. Augsb. Dief. 266ᵃ, ebenda knylin, knuilin (für knuwilin), knublin 15. jh. (eigen auch knewling), bei Pauli sch. u. ernst 21 knüelein garns.
d)
selbst mit neuer dem. endung (wie kläuel 1, h) im voc. inc. teut. kneulelin glomulus, auch knoilelin Dief. 266ᵃ. so noch östr. knäulerl, knöllerl Höfer 2, 149, gnölerl Castelli 144, mit überflieszen in knolle (s. d.); bair. kneuwerl Schmeller 2, 367, daneben einfach der kneuel das., bei Höfer der knaul, in Kärnten knaule m. Fromm. 3, 118, selbst 'cimbr.' knaul Schm. 137ᵃ und bei Vintler schon (s. 2 am ende).
e)
diese umlautlose form ist sonst die md., noch im 18. jh. meist knaul geschrieben (s. 2) und jetzt noch gesprochen, wie knäul, kneul. dem nd. ist sonst die ganze form fremd (s. sp. 1032), doch im Göttingischen, wo mancher md. einflusz zu spüren ist, auch knüel m. neben dem gewöhnlichen klûn Schambach 107ᵇ, ebenso in der Altmark knûl neben klûn Danneil 111ᵃ.
f)
eigen ist schweiz. knümmel m. Stalder 2, 117, knummel Tobler 110ᵇ, es erklärt sich wol aus klunweli glomellus, das Tobler aus einem voc. ex quo beibringt, worin mhd. wel rund, welle rolle enthalten scheint (aber klun?).
g)
der pl. ist knäuel, landsch. auch knäule, wie schon bei Comenius o. p. 1, 121 kneule, bei M. Kramer 1768. 1787 kneuele.
h)
der dativ bleibt unflectiert (wie bei allen auf -el, -er), knäuele ist uns so undenkbar wie feuere; aber von knaul kommt knaule vor (Lessing unter 3, b), es ist sächsisch.
2)
im gewöhnlichen gebrauch ist es von zwirn, garn, kneuel zwirn (n.) Stieler 2663, kneul m. Schottel 1347, kneuel und knauel m. Rädlein 550ᵃ, auf einen kneuel winden das., kneul und knaul m. (pl. kneule) Steinbach 1, 885. 882, als n. Frisch 1, 527ᵃ: aus dem faden kan man bald den knewel erkennen. Harnisch 56; in einem knauel garn. Winkelmann 6, 333; einen knaul bindfaden. Lichtenberg 3, 185 (1800 234);
jetzt kühner, stört' ich sie im stricken
und nahm den knaul vom schosz.
Voss (1825) 2, 133, die kirchenpflückerin v. 111,
auch Göthe braucht diese md. form, einen verworrenen knaul 36, 226, vgl. unter 3; aber bei Voss auch die andere:
keine häuft in dem korb so schöngesponnene knäuel.
Theokrit 18, 32.
(handlungen) an denen sich die haupthandlung .. vollständig, wie ein knäuel von der spindel, abwindet. Schiller 1143ᵃ; ihn (den faden der gedanken) auf karten, in knäuel und über die finger zu wickeln. Jacobi Woldemar (1794) 2, 39; auf ihr rothes knäul niedersehend, woraus sie einen schafwollenen rothstrumpf strikkte. J. Paul flegelj. (1804) 1, 85. vgl.garnknäuel u. a., auch knäueln, knäulchen. am Mittelrhein auch knäul gleich flachskaute Kehrein nachtr. 29, s. auch zauberknäul Schiller 464ᵃ, sachlich schon bei Vintler: etleich machen mit dem cnaul vaden manigerlei trofferei. 7864 (Schöpf 331).
3)
vielfach rein bildlich.
a)
knäuel als bild der ordnung eines verwirrten zustandes: wie es denn überhaupt so leicht nicht ist, einen alten verworrenen zustand zu entwickeln und die vielen verschränkten fäden auf einen knaul zu winden. Göthe 22, 105 (W. Meister 2, 5), zu ordnen wie verworrenes garn (vergl. vorhin Jacobi); diese einheit ist es, um welche der dichter die epischen faden zu einem knäuel aufwindet. J. Grimm Gött. gel. anz. 1835 s. 656;
alle ihr, nun so geeinigt
zu der eintracht knäuel.
Rückert 181.
und wer des knäuels zartes ende hält,
der schlingt sich wol durchs labyrinth der welt.
Göthe 47, 124 (erzeugn. der Stotternheimer saline),
nach der sage von der Ariadne.
b)
aber auch gegentheilig als bild der verwirrung, dunkler verhältnisse, nach dem 'verfitzten knaul', der sich nicht mehr regelmäszig abwickelt, selbst immer mehr verwirrt beim versuche des entwirrens: dasz ich hiemit kein falsches ende aufgefaszt habe, zeigt der lange nicht abreiszende faden, den ich dadurch von einem sehr verwirrten knaule abzuwickeln im stande bin. Lessing 11, 504; wie konnten sie doch, allerliebster mann, den entsetzlichen wirrwarr, den der verdammte Franzose Nevelet .. gemacht hatte, so meisterhaft aus einander setzen und den so desperat verfitzten knaul so behutsam und so glücklich entwickeln. Reiske das. 13, 446; (das gefühl ist) der verflochtene kneuel, aus dem sich alle feinere seelenkräfte entwickeln. Herder urspr. der sprache (1772) 105; da ich nun diesen verworrenen knäuel nicht selbst loswickeln konnte. Klinger 5, 31; das herrliche gefühl von vermögen .. uns aus diesem knäul von zusammengewickelten drangsalen und leiden .. loszuwinden. Fr. Müller 3, 147; der verworrene knäuel unseres schicksals ist aufgelöst. Schiller 136ᵇ;
(macht .. die) des schicksals dunkeln knäuel flicht.
58ᵇ;
sagt, wo soll das enden? wer
den knäul entwirren?
382ᵇ;
den schlaf, der den verworrnen knäul der sorgen
entwirrt.
563ᵇ;
er braucht aber auch noch das n.: das knäuel seines schicksals entwirrt sich auf einmal. 679ᵇ (Warbeck 5. act); als der doctor noch immer den faden suchte, woran er seinen casuistischen knäuel entwirren könnte. Engel 12, 190;
willst du den bangen knäul entwirren,
der um der menschheit brust sich schlang?
Rückert 174.
4)
auch sinnlich bildlich.
a)
von einer vielheit von gegenständen, selbst menschen, die aus ihrer ordnung in verwirrung geraten ist: die trümmer des stolzen preuszischen heeres, ein gräszlicher knäuel aufgelöster bataillone und schwadronen. Droysen leben Yorks 1, 128; was (von Franzosen) auf der bahn des angriffes stand, stürzte nach rückwärts, wo sich zuletzt ein solcher knäuel bildete, dasz die cavallerie nicht mehr hineinkommen konnte. general Hünerbein das. 2, 365;
ein ungeheurer knäuel (von menschen),
zwölfhundert oder mehr.
Rückert 165.
so menschenknäuel, die ekelhaften schlangenknäuel des lebens Immermann Münchh. 4, 46 (81), worin übrigens mehr die verwirrung als das verwirrte selbst bezeichnet ist.
b)
selbst von einem einzigen zusammengesetzten gegenstande; von dem aufgerollten lindwurm:
denn nahe liegt, zum knäul geballt,
des feindes scheusliche gestalt.
Schiller 66ᵇ,
wie ähnlich im Renner kleule vom igel (sp. 1031 mitte), vgl. auch klump, klosz so.
5)
aber selbst von in sich festen dingen, wo an ein aufwinden oder verwirren nicht zu denken ist. so von brot (Weigand 1, 604, s. u.knäueln), mrh. knäul m. dickes stück brot Kehrein, götting. knüel vom kolbigen ende eines stockes Schambach 107ᵇ, botanisch knaul, knäulchen, glomerulus, 'ein köpfchen von sehr kleinen blumen, das sich gewöhnlich in den winkeln der blätter zeigt, wie bei den amaranthen'. Nemnich 3, 55. schon im 15. jh. nach dem adula des voc. inc. teut. (1, b), d. i. flachsknoten (vgl.knauf 2). das ist schwerlich noch übertragen von der bed. garnknäuel, es zeigt vielmehr die allgemeine bedeutung ballen, kugel, die die ursprüngliche scheint, s. sp. 1032 mitte. merkwürdig selbst ein mhd. kniule pl. knöchel lieders. 3, 152; doch s. unterknochen.
knäuel, knauel m. und n
Fundstelle: Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1362, Z. 57
(s. sp. 1031 unten), auch knäul, knaul (s. 1, e), glomus. als bessere form gilt mit recht knäuel.
1)
die formen.
a)
es ist eine nebenform von kläuel (s. d.), aus dem es erst entstand, hat aber in der nhd. schriftsprache die echte form verdrängt. die umsetzung des kl- in kn- ist eine eigene neigung des nhd., noch mehr des nnd. (s. z. b. kleinlich), besonders wo ein zweites l nachfolgt; so in knoblauch, knüppel und seinen nebenformen, knäubeln, vermutlich auch in knäffen, knappen, knacken u. a., s.knattern 3, b.
b)
verzeichnet ist es seit dem 15. jh. (musz aber nach knäueln schon im 14. bestanden haben), im voc. inc. teut. n 3ᵇ knoil (oi für eu) glomus, adula, knoil von zwurn conglomeratio, dann aber kneil machen glomerare. mit dem alten vocal alem. ein knüwel garns Murner geuchm. (klost. 8, 1081), md. ohne umlaut knuel bei Altenstaig (Dief. 266ᵃ), ganz alterthümlich noch thür. knuwwel n. (Rudolstadt).
c)
mit vollerer endung kneule Calepinus 602, alem. 15. jh. knüli pl. (var. knulin), die der weber stiehlt (s. u.kläuel 3, b) teufels netz 10544, knüli auch Dief. 266ᵃ (die endung von knäuel, kläuel ist aber an sich nicht weniger alt und echt). auch mit vollster endung knewlin 16. jh. Augsb. Dief. 266ᵃ, ebenda knylin, knuilin (für knuwilin), knublin 15. jh. (eigen auch knewling), bei Pauli sch. u. ernst 21 knüelein garns.
d)
selbst mit neuer dem. endung (wie kläuel 1, h) im voc. inc. teut. kneulelin glomulus, auch knoilelin Dief. 266ᵃ. so noch östr. knäulerl, knöllerl Höfer 2, 149, gnölerl Castelli 144, mit überflieszen in knolle (s. d.); bair. kneuwerl Schmeller 2, 367, daneben einfach der kneuel das., bei Höfer der knaul, in Kärnten knaule m. Fromm. 3, 118, selbst 'cimbr.' knaul Schm. 137ᵃ und bei Vintler schon (s. 2 am ende).
e)
diese umlautlose form ist sonst die md., noch im 18. jh. meist knaul geschrieben (s. 2) und jetzt noch gesprochen, wie knäul, kneul. dem nd. ist sonst die ganze form fremd (s. sp. 1032), doch im Göttingischen, wo mancher md. einflusz zu spüren ist, auch knüel m. neben dem gewöhnlichen klûn Schambach 107ᵇ, ebenso in der Altmark knûl neben klûn Danneil 111ᵃ.
f)
eigen ist schweiz. knümmel m. Stalder 2, 117, knummel Tobler 110ᵇ, es erklärt sich wol aus klunweli glomellus, das Tobler aus einem voc. ex quo beibringt, worin mhd. wel rund, welle rolle enthalten scheint (aber klun?).
g)
der pl. ist knäuel, landsch. auch knäule, wie schon bei Comenius o. p. 1, 121 kneule, bei M. Kramer 1768. 1787 kneuele.
h)
der dativ bleibt unflectiert (wie bei allen auf -el, -er), knäuele ist uns so undenkbar wie feuere; aber von knaul kommt knaule vor (Lessing unter 3, b), es ist sächsisch.
2)
im gewöhnlichen gebrauch ist es von zwirn, garn, kneuel zwirn (n.) Stieler 2663, kneul m. Schottel 1347, kneuel und knauel m. Rädlein 550ᵃ, auf einen kneuel winden das., kneul und knaul m. (pl. kneule) Steinbach 1, 885. 882, als n. Frisch 1, 527ᵃ: aus dem faden kan man bald den knewel erkennen. Harnisch 56; in einem knauel garn. Winkelmann 6, 333; einen knaul bindfaden. Lichtenberg 3, 185 (1800 234);
jetzt kühner, stört' ich sie im stricken
und nahm den knaul vom schosz.
Voss (1825) 2, 133, die kirchenpflückerin v. 111,
auch Göthe braucht diese md. form, einen verworrenen knaul 36, 226, vgl. unter 3; aber bei Voss auch die andere:
keine häuft in dem korb so schöngesponnene knäuel.
Theokrit 18, 32.
(handlungen) an denen sich die haupthandlung .. vollständig, wie ein knäuel von der spindel, abwindet. Schiller 1143ᵃ; ihn (den faden der gedanken) auf karten, in knäuel und über die finger zu wickeln. Jacobi Woldemar (1794) 2, 39; auf ihr rothes knäul niedersehend, woraus sie einen schafwollenen rothstrumpf strikkte. J. Paul flegelj. (1804) 1, 85. vgl.garnknäuel u. a., auch knäueln, knäulchen. am Mittelrhein auch knäul gleich flachskaute Kehrein nachtr. 29, s. auch zauberknäul Schiller 464ᵃ, sachlich schon bei Vintler: etleich machen mit dem cnaul vaden manigerlei trofferei. 7864 (Schöpf 331).
3)
vielfach rein bildlich.
a)
knäuel als bild der ordnung eines verwirrten zustandes: wie es denn überhaupt so leicht nicht ist, einen alten verworrenen zustand zu entwickeln und die vielen verschränkten fäden auf einen knaul zu winden. Göthe 22, 105 (W. Meister 2, 5), zu ordnen wie verworrenes garn (vergl. vorhin Jacobi); diese einheit ist es, um welche der dichter die epischen faden zu einem knäuel aufwindet. J. Grimm Gött. gel. anz. 1835 s. 656;
alle ihr, nun so geeinigt
zu der eintracht knäuel.
Rückert 181.
und wer des knäuels zartes ende hält,
der schlingt sich wol durchs labyrinth der welt.
Göthe 47, 124 (erzeugn. der Stotternheimer saline),
nach der sage von der Ariadne.
b)
aber auch gegentheilig als bild der verwirrung, dunkler verhältnisse, nach dem 'verfitzten knaul', der sich nicht mehr regelmäszig abwickelt, selbst immer mehr verwirrt beim versuche des entwirrens: dasz ich hiemit kein falsches ende aufgefaszt habe, zeigt der lange nicht abreiszende faden, den ich dadurch von einem sehr verwirrten knaule abzuwickeln im stande bin. Lessing 11, 504; wie konnten sie doch, allerliebster mann, den entsetzlichen wirrwarr, den der verdammte Franzose Nevelet .. gemacht hatte, so meisterhaft aus einander setzen und den so desperat verfitzten knaul so behutsam und so glücklich entwickeln. Reiske das. 13, 446; (das gefühl ist) der verflochtene kneuel, aus dem sich alle feinere seelenkräfte entwickeln. Herder urspr. der sprache (1772) 105; da ich nun diesen verworrenen knäuel nicht selbst loswickeln konnte. Klinger 5, 31; das herrliche gefühl von vermögen .. uns aus diesem knäul von zusammengewickelten drangsalen und leiden .. loszuwinden. Fr. Müller 3, 147; der verworrene knäuel unseres schicksals ist aufgelöst. Schiller 136ᵇ;
(macht .. die) des schicksals dunkeln knäuel flicht.
58ᵇ;
sagt, wo soll das enden? wer
den knäul entwirren?
382ᵇ;
den schlaf, der den verworrnen knäul der sorgen
entwirrt.
563ᵇ;
er braucht aber auch noch das n.: das knäuel seines schicksals entwirrt sich auf einmal. 679ᵇ (Warbeck 5. act); als der doctor noch immer den faden suchte, woran er seinen casuistischen knäuel entwirren könnte. Engel 12, 190;
willst du den bangen knäul entwirren,
der um der menschheit brust sich schlang?
Rückert 174.
4)
auch sinnlich bildlich.
a)
von einer vielheit von gegenständen, selbst menschen, die aus ihrer ordnung in verwirrung geraten ist: die trümmer des stolzen preuszischen heeres, ein gräszlicher knäuel aufgelöster bataillone und schwadronen. Droysen leben Yorks 1, 128; was (von Franzosen) auf der bahn des angriffes stand, stürzte nach rückwärts, wo sich zuletzt ein solcher knäuel bildete, dasz die cavallerie nicht mehr hineinkommen konnte. general Hünerbein das. 2, 365;
ein ungeheurer knäuel (von menschen),
zwölfhundert oder mehr.
Rückert 165.
so menschenknäuel, die ekelhaften schlangenknäuel des lebens Immermann Münchh. 4, 46 (81), worin übrigens mehr die verwirrung als das verwirrte selbst bezeichnet ist.
b)
selbst von einem einzigen zusammengesetzten gegenstande; von dem aufgerollten lindwurm:
denn nahe liegt, zum knäul geballt,
des feindes scheusliche gestalt.
Schiller 66ᵇ,
wie ähnlich im Renner kleule vom igel (sp. 1031 mitte), vgl. auch klump, klosz so.
5)
aber selbst von in sich festen dingen, wo an ein aufwinden oder verwirren nicht zu denken ist. so von brot (Weigand 1, 604, s. u.knäueln), mrh. knäul m. dickes stück brot Kehrein, götting. knüel vom kolbigen ende eines stockes Schambach 107ᵇ, botanisch knaul, knäulchen, glomerulus, 'ein köpfchen von sehr kleinen blumen, das sich gewöhnlich in den winkeln der blätter zeigt, wie bei den amaranthen'. Nemnich 3, 55. schon im 15. jh. nach dem adula des voc. inc. teut. (1, b), d. i. flachsknoten (vgl.knauf 2). das ist schwerlich noch übertragen von der bed. garnknäuel, es zeigt vielmehr die allgemeine bedeutung ballen, kugel, die die ursprüngliche scheint, s. sp. 1032 mitte. merkwürdig selbst ein mhd. kniule pl. knöchel lieders. 3, 152; doch s. unterknochen.
Zitationshilfe
„knauel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/knauel>, abgerufen am 22.10.2019.

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