Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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knauer, knaur, m.

knauer, knaur, m.
1)
jetzt nur bergmännisch, festes, schwer zu gewinnendes gestein Adelung, Frisch, 'ein fest zusammen gewimmertes gestein oder bergfeste, darauf kein bergeisen verfangen will, welche die spitzen von den eisen beiszt oder ohne ritzen (ohne geritzt zu werden) abstumpft, musz mit holz, das ist mit feuersetzen gewonnen (bezwungen) werden. Hübners zeitungslex. (1727) 2, 1006; es bäumt sich ein knauer auf sagt der bergmann, wenn er auf solches gestein stöszt; setzt ein fester knauer an. Köhler alte bergmannsl. 100; menschen, wilde und verhertete herzen nennt er ein wilden knauer oder vestes gestein, das man mit feuer heben musz. Mathesius Sar. vorrede; quetschet euch nicht an einem harten knauer, ihr strupfet doch wenig herab. ders. hochzeitpr. U 4ᵇ; gott weisz wie er solche feste knauer heben, zustupfen und zusprengen .. solle. V 3ᵇ; wie ir herzen .. harte knawer und wacken sein. Sarepta 1562 224ᵃ, also auch im pl. knauer. ebenso feste knauer pl. im neuverm. bergliederb. (s. Uhland volksl. s. 977) nr. 198, aber auch knauren nr. 183 (Köhler alte bergmannsl. s. 114), also auch schwach neben der starken form (s. die mhd. formen unter 4); s. auch kneure unter 2.
2)
im 16. jh. und rückwärts musz es aber noch in allgemeinem gebrauch gewesen sein. pl. kneure, felsen, klippen, in dem gebirge, durch das herzog Ernst mit seinen schiffgesellen fährt:
sie sahen in dem berge hin
fürbasz (vor sich) die groszen knewre,
daran das schiff gestoszen het.
lied von h. Ernst str. 21 (Haupt 8, 484),
es sind die groszen steine str. 17, doch kann der ausdruck auch da schon bergmännisch gemeint sein, da die fahrt unterirdisch ist. auch folg. bildl. knaur bei Suchenwirt 16, 169 könnte so gemeint sein: der jamer wimmert in manigen herzen als ein chnawr; denn wimmern starren, verknorzt sein war auch bergmännisch (s. Hübner vorhin, vergl. unterknögret), also: das leid sitzt, liegt im herzen wie knorren und knauer.
3)
im 15. jh. oft bildlich von menschen, im reim auf bauer:
er sei reich, arm oder ein paur,
wie schon suptil, wie grober knaur.
fastnachtsp. 1263;
hab an dich (halt an), du grober paur,
du ackergurr, du kuchenknaur.
396, 13;
so bin ich von den zwelf geslechten der pauren,
die mit iren namen haiszen die Knauren.
525, 13, den adel parodierend;
und ranten frischlich an di paur,
vil vast si in di graben (groben) knaur
schussen, slugen und stachen.
Behaim buch v. d. Wienern 306, 32. 242, 13.
knaur stein als bildliche bezeichnung der härte, grobheit, ähnlich wie bei Mathesius in bergm. rede; daher noch Knauer und in älterer, echterer form Knaur als name.
4)
eine andere mhd. spur von knûr im welschen gaste, doch in andrer bed.; da ist von der keten knûre (dat.) die rede v. 6749 (in den hss. auch knawre, chnurre, knurwe, knote), es scheint ein derbes, kugelichtes endstück der (bildlich gebrauchten) kette, was jenes knote andeutet, ein knopf, s. dazuknüpfen 1. ähnlich haben in der unter knorre 2 angeführten stelle myst. 319, 32. 33 statt knurren acc. pl. andere hss. chnûre, chnouren, chnower, knawr, von den ecken, knorren an einem unbehauenen feldsteine; auch Wigal. 132, 9, wo knurren gesetzt ist, hat die hs. vielmehr chnuren, also knûren, hier dat. pl., von hartem halsknorpel. daraus ergibt sich als mhd. knûr stark und knûre schwach als hartes ding überhaupt (s. auch knäuern, wonach auch der knöchel knûr heiszen mochte). dazu stimmt auch eine ahd. spur bei Notker M. Cap. 7, 10 (Graff 4, 576): mit chniurigen armin, als übers. von lacertosis toris (genauer torosis lacertis), es sind deutlich nervige arme, also chniurîg derb, knorrig. s. auch knauerig, knauern, von der verwandtschaft s.knaust, besonders knorre. eigen ist appenz. chnôra m., ein unförmlich stück stein oder holz, bes. felsblock, auch bei bergleuten Tobler 112ᵇ, ist das von einer mhd. nebenform knoure? vgl. unter knaust 7, c. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1365, Z. 29.

knauern

knauern,
1)
hart sein oder werden wie ein knauer, mhd. knûren, ergibt sich wol aus erknûren Haupt 4, 170, einem ritter wird angewünscht: sô er müeʒe erknûren (: gebûren)! zu stein werden (als göttliche strafe), wie zu eim stein springen myth. 519. 904, steinern werden Schm. 3, 642. es ist wie das wimmern unter knauer 1 von wimmer knorren, knorz.
2)
dasselbe ist vielleicht eigentlich bair. knauren filzig thun Schm. 2, 375 (g'naunern 667 spätere auslegung), vergl. götting. knûren geizen, widerrechtlich an sich ziehen Schamb. 107ᵇ; denn der geiz wurde als härte aufgefaszt, daher hiesz der geizige herte guotes Haupt 4, 27 (941), ein filz und wimmer H. Sachs, vgl. u. filz 5 (s. wimmern u. knauer 2); vgl.knörkel, ↗knopf 13, c.
3)
merkw. schles. knauern kauern: ihr ward schwindelnd, sie knauerte sich nieder. schles. provinzialbl. 1794 2, 107; durch einwirkung von knien? vgl. knotzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1366, Z. 22.

knäuern, kneuren

knäuern, kneuren,
prügeln, genauer wol puffen, knuffen; einen erwischten buhler soll man schlagen,
das im sein maul feustgrosz geschwilt,
darmit man in ein weilen stilt,
bisz man in aber eins (einmal) erwischt
und kneurt in das ims licht erlischt.
H. Folz in den fastnachtsp. 1274;
schnell bei dem hor nam er sie do,
warf sie vom bank rab auf die erd,
kneürt sie zum grind (kopf) nach allem werd,
dasz sie umb trendelt wie ein topf (kreisel).
ders. 1245;
und sprach: secht, fraw, also hab ich
mein weib auch heüt gekneürt warlich.
1246.
es kann nur zu knaur, mhd. knûr gehören, und diesz wird wie knorpel (Wig. 132, 9), so auch knöchel bedeutet haben (s.knauer 4), wie das verwandte knaust nd. knorren und knöchel ist. denkbar wäre doch auch die bed. knorriges holzstück, knotenstock, wie ähnlich nordengl. knur Halliwell 499ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1366, Z. 37.

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Zitationshilfe
„knauern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/knauern>, abgerufen am 26.11.2020.

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