Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

knaupeln

knaupeln,
mit spitzen fingern mühsam arbeiten, auch von den zähnen, daher nagen.
1)
belege.
a)
eig.: das kind knaupelt beständig an dem munde. M. Kramer 1768. 1787 im nl. theil unter pluizen; that er, als ob der gurt am pferde nicht fest wäre .. und knaupelte ein bischen dran herum. Weisze kom. op. 3, 21; noch einmal an den knöcheln des feldhuhns zu knaupeln, das sie schon weggelegt hatte. Thümmel 3, 473, vergl. die stelle unter knaupelei. von einer arbeit, bei der viel kleines mühseliges thun ist, sagt man es ist viel zu knaupeln dabei, oder es ist eine rechte knaupelei. vom essen kranker: wegen seines magen schwäche geklagt, wie er itzo nur allererst wiederum ein wenig zu knaupeln anfienge. avantur. 1, 70, wie kläubeln.
b)
bildlich, von ähnlicher geistiger arbeit: ich knaupelte an allen den räthseln, die mir das dreizehnjährige mädchen seit unserer bekanntschaft aufgegeben hatte. Thümmel 2, 352, wie an nüssen, um sie zu öffnen.
c)
es ist in md. mundarten heimisch, vom östl. Thüringen an durch Sachsen, Schlesien, Posen (Bernd 132), aber auch als oberpfälzisch bei Schmeller 2, 374 knaupeln gleich kläubeln (s. d.), mit dem es im begriff zusammenfällt.
2)
herkunft.
a)
da kläubeln auch zu knäubeln (schweiz. knübeln) ward, denkt man auch bei knaupeln zunächst daran, wie bei knaufeln, knäufeln; der vocal stimmt nach dem maszstabe den da die ostmd. mundart an die hand gibt: es heiszt in Leipzig nur knaupeln, nicht knôpeln, wonach das au urspr. û war (mhd. klûben). doch der mangelnde umlaut und das p stimmen nicht.
b)
dagegen kommen mit gleichem auslaut in frage md. knuppern und knappern, die in der endung zu knaupern stimmen (s. d.) und mit knabbern und knaffern nagen einen nebenstamm von knauen nagen mit labialem auslaut darstellen, der einfacher in knaben nagen vorliegt und wechsel der auslautstufe zeigt (s. dort), knappen 8 (c) sp. 1347 könnte selbst dazu gehören. das au, urspr. û wäre wie in knaupen neben knappen, in knaupe knippchen neben knaps, knips, knups knippchen, in kaupe neben kappe, kippe, kuppe. die hd. form wäre dann knaufeln.
c)
andere nebenformen sind knaupseln im Osterlande, wahrsch. auch fläm. knoepen nagend beiszen u. ä., s. Schuermans 265ᵇ, in dem wieder ein andrer vocal auftritt, wie in knôpern, knôpen nagen (s. d.). dazu auch osterl. knêpern stuprare?
d)
dazu stimmt auch dasz formen ohne das k auftreten, wie bei knagen (2), in nuppeln nagen, schwed. dial. naplä knaupeln und knaupelnd essen, auch knaplä Rietz 461ᵃ, vgl. u. knagen 3 und sp. 1348 (c).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1371, Z. 15.

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Zitationshilfe
„knaupeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/knaupeln>, abgerufen am 28.11.2020.

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