Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kneifen

kneifen,
gleich kneipen, nd. knîpen; starkformig wie dieses, praet. kniff (früher kneif), part. gekniffen; freilich bilden einige kneifte, wie Auerbach, das ist nicht recht (vgl. kneipen I, c).
1)
von den wbb. nennt es zuerst Schottel 1347 (vgl. 588), aber schon im 16. jh. in der übers. des Reineke vos (das 3, 216 angesetzte schuh einkneifen aus den fastnachtsp. 134, 10 ist vielmehr knäufen, s. d.), von dem eingeklemmten bären:
die kluft (spalt) des baums in also kneif,
er brach sich und zoch dasz er pfeif.
Reinicke fuchs (Frankf. 1583) 36ᵃ,
de klove, dâr he in lach, ene knêp,
he brak sik unde tôch dat he pêp.
R. vos 651.
der norddeutsche Ringwald braucht es bildlich in derselben zeit, ins enge bringen, quälen, wie klemmen:
und weil dich tummes menschenkind
das gleichnis was thut kneifen (ärgern?)
evang. V 7ᵇ;
wil derenthalb nicht willgen drein,
weils die vernunft thut kneifen.
Kk 7ᵇ.
es mag in allen drei quellen blosze übersetzung des nd. knîpen ins hd. sein (vgl. kneipfen unter kneipen). noch im 17. jh. ist es selten: ein unverdrosznes bienlein sauget und kneifet aus allerhand gewächs dennoch etwas. Schottel haubtspr. 169, kneift heraus; wie sie nach beliebter einbildung ihre ausrede (aussprache) dehnen, schlenken, schöbelen und kneifen. 158, bildlich, verengen, kürzen. Colerus schreibt kneufen: wenn dirs im ohre wehe thut und kneuft oder zwickt. hausapoth. 118 (oecon. Frkf. 1640).
2)
dennoch war es noch im anfang des 18. jh. wenig bekannt, denn wie es Stieler nicht hat (aber kneifzange), so nennen es auch noch nicht Rädlein, Ludwig, M. Kramer (1719), Steinbach, Kirsch, die nur kneipen kennen. erst nach der mitte des jahrh. tritt es öfter auf und wird allmälich in die schriftsprache eingeführt, der es wol noch jetzt mehr angehört als der gesprochenen.
a)
eigentlich: was für ein paar bäckchen! (indem er sie in den einen backen kneift). Lessing 2, 559; sie kniff (den todeskampf vorstellend) den rock, der um ein weniges erhoben ward und gleich wieder sank. 7, 62; er kniff sich in die haut und fühlte nichts. Stilling häusl. leben (1789) 130; mein landsmann kniff mich aber ins bein und flüsterte mir leise zu. Kinkel erzähl. 182; sie würden da innen (im wagen) einander nicht beiszen, nicht kneifen. Gotthelf 2, 250.
b)
bildlich: dieser unaufhörlich kneifende hunger. Tieck 20, 60, quälend (vgl. Ringwald unter 1), es kann freilich auch sinnlich gemeint sein; kneifen, mit empfindlichen reden angreifen, auch überhaupt wehe thun, strafen. Rüdiger zuwachs 2, 93, Kindleben studentenlex. 122;
bist du (violíne) manchmal auch verstimmt,
drück dich zärtlich an mein herze ...
streif und kneif (dich) in süszem scherze.
Eichendorf ged. 10.
c)
in gekürztem ausdruck, z. b. ein glas ins auge kneifen, durch zukneifen der augen einklemmen: fensterglas ins auge kneifen und süszholz raspeln. Freytag soll und haben 1, 217. die augen einkneifen, die lippen zusammenkneifen: und kniff und winkte mir so pfiffig mit den augen zu, als wenn sie nicht recht bei sinnen wäre. Eichendorf taug. (1842) 71, kniff die augen auf mich zu.
d)
gekniffen zusammengedrückt: an anderen ist dieser rand (der lippen) ganz unmerklich erhoben und wie gekniffen. Winkelmann 4, 207; weite ermel, welche in gekreppte oder gekniffene falten geleget. 3, 192; ganz kleine gekniffene falten. 3, 224, wol 'wie mit dem finger zusammengekniffen', vgl. einen fidibus kneipen sp. 1407 (e) und kniff 1.
e)
den wind kneifen, im segeln sich hart am winde halten. Adelung.
f)
nun ist es auch mit zusammensetzungen wolversehen, s. auszer den genannten abkneifen, auskneifen (nd. ûtknîpen sich davon machen, knîpen gân brem. wb. 2, 826), erkneifen (erknausern), verkneifen, auch subst. kniff.
3)
der ursprung des wortes scheint nach dem allen wirklich mehr bei den schriftstellern als im leben zu suchen, indem man das md. nd. wort mit p nicht für edel genug hielt. die oberd. idiotika kennen kein kneifen, auch in den östlichen md. mundarten ist es nicht eig. heimisch (es herscht kneipen), etwa im westen, am Rhein? oder zeigt sich selbst eine nd. spur in westf. knifte, abgekniffenes theilchen (Woeste in Kuhns zeitschr. 2, 87)? vergl. ebenda knibbelen abkneipen, auch knîve ('knywe') dicke schnitte das. 2, 201 und dazu engl. nip schnitte mit nip kneipen. weiteres s. unterkneipen, auch s.kniffen, ↗kniften.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1402, Z. 8.

kneifen

kneifen,
oberd. gleich keifen:
ir zän thuts in dem beutel tragen (die alte),
kann teglich nichts denn kneifen und nagen.
Ambr. liederb. 206, 10,
ganz wie keifen und nagen, wie auch das Frankf. liederb. von 1599 in der angeführten stelle gibt nr. 206 str. 2. noch bair. kneifen einem scheltend zusetzen, kneif f., kneiferl n. zänkisches weib Schm. 2, 372. in Kärnten aber knêfen zanken, murren, knêfar zänker, knêfa zänkerin Fromm. 3, 118, Lexer 162. diesz ê ist vielleicht urspr. öu, daher kneufeln zanken bei H. Sachs:
täglich sie (die böse frau) peinigt meinen leib
mit kneufeln, zanken, greinen und nagen.
1, 480ᵈ (1590 361ᵇ).
dann wäre auch kneifen eig. kneufen, nur angelehnt an keifen, und fände seinen anhalt an dem knaunfen zanken unter knaunzen 2, s. ebendort 3, a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1403, Z. 9.

kneisen, kneiszen

kneisen, kneiszen,
s.knäusen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1409, Z. 74.

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Zitationshilfe
„kneifen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kneifen>, abgerufen am 27.11.2020.

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