Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kneip, m.

kneip, m.
messer, mit vielerlei nebenformen.
I.
Die formen.
1,
a)
kneip geben neben kneif Stieler, Rädlein, nur kneip M. Kramer 1719 (während Ludwig, Steinbach, Frisch, Kirsch, Adelung nur kneif haben). es ist jetzt z. b. bair., schuesterkneip (neben kneif), schwäb. dem. kneiple n. schustermesser und rebmesser, kneip und kneiper m. schnappmesser Schmid 319. als schustermesser: als er ein andermal die sohlen in der werkstatt zugeschnitten, nimmt er zuletzt den kneip und fahrt ihme selbst darmit um hals und gurgel herum. hundert ausb. närrinnen (1713) 6; der schuster ergriff den kneip. Guirsfeld hist. rosengebüsche 878; sprichw. schusters kneip verzehrt mehr wie kind und weib, von schlechten schustern die beim zuschneiden viel leder verschneiden (Weigand). als taschenmesser (wie kneif 1, a) bei Alberus: enchiridium, ein kneip, messer das man stets bei sich tregt. aa 4ᵇ; es ist wol noch mrh. nach brotkneip bei der Bettine.
b)
aber auch fem. die kneipe des schusters. Comenius orb. pict. 1, 129. 2, 441:
in seiner werkstatt sonntags früh
steht unser theurer meister hie ...
läszt pechdraht, hammer und kneipe rasten.
Göthe 13, 125, H. Sachsens poet. sendung.
noch tirol. kneip f., schlechtes taschenmesser Fromm. 6, 298, mit altem vocal schweiz. knîpe schusterkneif Stalder 2, 115, gnipe Denzler. unsicher im geschlecht: bald erwischt der schuster ein kneipen. Frey garteng. 5ᵇ. es gab nämlich auch ein schwaches masc. nach folg.
c)
mit eignem vocal kneupe m.:
er nimmt den kneupen in die hand,
das leder thut er schneiden.
Schade handwerkslieder 75 (aus d. 19. jh.).
schon im 17. jh.: leute die .. von der löblichen gesellschaft des kneüppen sind. Philander 2, 526 (516), schuster. er braucht selbst eine form knüppen, wol nur für knüpen, mit langem ü: ich müste den knüppen meiner zungen besser gewetzt haben als diese die ich jetzt im maul führe (als satiriker). 2, 519 (509), dasz der schusterkneip bildlich gemeint ist zeigt das folg., wo er mit draht und ahle das bild durchführt. ist das eu, ü nur verderbnis von ei, î, wie in reuter? s. unter 3.
d)
wichtig vielleicht auch eine form mit b (s. II, a):
bist ein schuster, so hast ein kneib.
J. Ayrer fastn. 88ᵇ (2781, 23).
schon im voc. inc. teut. k 1ᵃ gneib neben gneip.
2)
alle die formen erscheinen nämlich auch mit gn- (wie so oft bei kn-). als starkes m. gneip (geschr. gneypp) voc. inc. teut. h 8ᵃ, gneyp voc. 1482 l 5ᵇ, als saltrum (sultrum), sepa, i. e. cultellus sutorum, andere ausg. des voc. inc. teut. bei Dief. 566ᵃ haben gnyp (und genyp, s. 4).
der gneip abprochen war gar ser.
meisterges. Berl. hs. f. 23 no. 37.
als schwaches m. schweiz. gnîpen schusterkneif, auch wiegemesser Stalder 1, 459. gneipen schustermesser Golius c. 42. fem. scheint im Prager dict. von 1700 3, 90ᵇ gneipe, neben böhm. kneyp, culter sutorius.
3)
endlich mit kurzem vocal (wie knift neben kneif 2, b) schwz. gnippa, gnippe f., schusterkneif Tobler 228ᵃ, und schon in einem rhein. voc. des 15. jh. gnipp Dief. 566ᵃ, bregenzerw. knippe. das deutet auf ablautsbewegung im stamme; vgl. gnimper m. (wie kneiper unter 1, a) schusterkneif Tobler 228ᵃ. merkwürdig aber ebenda auch gniepa f., mit echtem ie (s. das. s. xxvi), wodurch das kneupe, knüpe u. 1, c wert erhält, es wäre wie bei klieben und klîben nebeneinander (sp. 1162 unten).
4)
schon die mhd. formen zeigen gleiche manigfaltigkeit. im 13. jh. erscheint 'knipen (acc. sg.) vel stechmeʒʒer', cultellus als waffe der östr., bair. bauern (wie der kneif noch bei Finkelthaus), s. Haupt zu Neidhart s. 234, sitzungsber. d. bair. ak. d. w. 1866 321; ebenda gnippe, genippe (vgl.genyp unter 2) ebenso, lat. gnippa und gnibba (vgl. 1, d); s. auch mhd. wb. 1, 552ᵃ. also wahrscheinlich schon knîpe und gnippe in einer landschaft beisammen. die form mit gen- hat wol weiter keinen wert als z. b. ahd. cheneht neben chneht (s. sp. 1150 unten). auch lat. aus mhd. zeit cnipulus und canipulus ensis brevior, cultellus, und zu kneif stimmend knivus cultellus cum cuspide, s. Ducange.
II.
Heimat und verwandtschaft.
a)
im ganzen stellt sich kneip (gnippe) als die hd. form dar, kneif aber als die nd., sodasz das rechte lautverhältnis gerade umgekehrt erscheint (wie bei klug, nd. klôk). stimmen würde es, wenn hd. kneib die echte form wäre, und kneip eine steigerung davon wie klauper neben klauber u. a. (vgl. sp. 1342).
b)
aber freilich wie kneif tief in hd. land eingesprengt erscheint (bair.), so greift kneip auch stark übers hd. gebiet hinaus (nur in der östl. hälfte nicht). denn knîp n. ist auch hildesheim., götting., als taschenmesser, besonders ein altes schlechtes Schamb. 106ᵇ (vgl. Schottel 1347); ebenso in Waldeck kniep (auch heckenschere) Curtze 477ᵇ, im Siegerlande knipp m. hippe (Schütz 1, 27ᵃ), und am Niederrhein, bei Neusz knîp taschenmesser (Viehoff arch. f. den d. unterr. 2, 1, 156), wie fläm. in Limburg knijp (gespr. knîp) Schuermans 263ᵃ, im gegensatz zu nl. knijf, während im Rheinland aufwärts kneip gilt, wol auch md. bis gegen Thüringen, wo sich kneif anschlieszt. ich weisz in dieser vertheilung nur ein rätsel zu erkennen, das nur theilweis in hd. knabe und knappe, nd. knape ein seitenstück findet.
c)
für die herkunft wäre ein anhalt, wenn allein nd. knîf, hd. kneib in frage kämen. der ablaut leitet auf ein altes hd. knîban, nd. knîvan (vgl. unter kneifen 3), etwa mit der bed. schnitzen, spalten. dafür könnte man alten umsatz von kn- aus kl- annehmen (s.knäuel), und mit klîben und klieben spalten (sp. 1162 unten) fände dabei auch der ablautswechsel von ei und eu seinen anhalt, selbst die steigerung des b zu p in kluppe (s. d.). wegen des gn- vgl. sp. 1362.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1403, Z. 42.

kneip, m.

kneip, m.
gleich knipp, einem einen kneip geben. Stieler 1339, auch bei Ludwig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1404, Z. 65.

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Zitationshilfe
„kneip“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kneip>, abgerufen am 23.11.2020.

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