Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kneipe, f. und m.

kneipe, f. und m.
messer, s.kneip.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1404, Z. 68.

kneipe, f., subst.

kneipe, f. subst.
zu kneipen.
1)
klemme, werkzeug zum kneipen, klemmen.
a)
eig. kneipe, forceps Steinbach 1, 885, zange, gebraucht z. b. im brem. wb. 2, 786 (als hd.); schwed. knipa. ostfries. knîp und knîpe, klemmholz, z. b. auf dem schwanz eines hundes (vgl. unter kluppe 1), auch fangeisen Stür. 115ᵇ. nl. knijpe (und knip, knippe) Kil., decipulum, falle, vgl. unter 3, f.
b)
bildl., in der kneipe sitzen, in der klemme sein. Adelung als nieders., im br. wb. 2, 826, bei Richey 131 so knîpe.
2)
bauchkneipe, die kneipe haben, bauchgrimmen. Adelung.
3)
allgemein bekannt ist es nur, aber durch ganz Deutschland, als wirtshaus; wenn es auch die wirte zur zeit noch nicht auf ihre firma setzen, wo noch restauration u. dgl. gelehrtere klänge das feld haben, so ist doch im mund der leute die kneipe entschieden die herrin des tages. wie altfränkisch klingt dagegen wirtshaus, wie dörfisch schenke! und doch war das wort eig. schlechter als schenke und hat einen ziemlich schlimmen ausgangspunkt.
a)
Adelung gab es zuerst, als kleine schlechte schenke, Kindleben studentenlex. (Halle 1781) 122 als schlechte bierschenke, und nur so galt es bis vor kurzem im allgemeinen gebrauche: der weg dahin (nach Eutritzsch) ist höchst traurig, das dorf selbst kothig, die schenke eine wahre kneipe. D. Prasch vertraute briefe über Leipzig (1787) 192; damit gieng er (der abdecker), die peitsche quer über den breiten rücken, nach einer kneipe, die auf dem platze lag ... ein frühstück einzunehmen. H. v. Kleist (1859) 3, 66, im M. Kohlhas; der schnurrant singt und spielt in jeder kneipe jahr aus jahr ein die nämlichen lieder. Hebel 8, 188;
da du (ein schneider) zu wein geschlichen bist,
da hast deine ell verloren.
du lieszst sie in der kneipen stehn ...
Immermann gedichte (1822) 10;
es ist jetzt eine schmutzige kneipe für fuhrleute. Heine reiseb. (1856) 3, 137, v. j. 1829;
speisten in derselben kneipe.
romanzero 51;
sennor! glaubt nicht was sie klimpern ...
bänkelsänger, maulthiertreiber
in posaden, kneipen, schenken.
128.
vergl. fuhrmannskneipe, schifferkneipe (Göthe 25, 150). noch i. j. 1847 geben aus Östreich Castelli gnaipn f. als ein elendes, aus Wien Loritza 75ᵇ kneipen f. sogar als ein sehr gemeines wirtshaus. noch jetzt kennt jeder elende kneipe, winkelkneipe und dergl.
b)
aber die studenten haben das missliche wort als willkommenes kraftwort (wie sie ihrer fortwährend bedürfen), aufgenommen und gepflegt, etwa seit der zeit der befreiungskriege; schon G. Schwab singt in dem liede eines abziehenden burschen (bemoster bursche zieh ich aus), das vom jahre 1814 sein soll:
was wollt ihr kneipen all von mir? ...
winkt nicht mit eurem langen arm u. s. w.
ged. 1828 1, 49.
jetzt ist es nebst kneipen (4) längst unersetzlich, selbst die schwedischen studenten redeten schon vor 1830 von knejpa, wenigstens in Lund (in Upsala svicka kneipen, svick knipp). die ehre des namens gebührt vor allem der verbindungskneipe, der studentischen herberge mit ihrer gemütlichkeit; aber es ist auch erweitert auf den begriff wirtshaus, trinkstube überhaupt, daher weinkneipe, bierkneipe u. s. w.
c)
selbst auf die studentische wohnung ist es erstreckt worden (sonst bude u. ä. mit ironischer selbstherabsetzung): die beiden stuben, wo die frau professorin wohnen soll, sind für einen studenten eine prächtige kneipe. Benedix hochzeitsreise 1, 3 a. e.; fuchs, wo hast du deine kneipe? Holtei drei gesch. v. menschen u. thieren 2, 3. ob als wink über die rechte heimat des studenten? ein neueres studentisches lied feiert kneipe z. b. als der deutschen sprache schönsten klang, wie orgelton und glockenklang. aber merkwürdig gibt aus der Oberlausitz Anton 9, 9 i. j. 1835 (nicht als studentisch) kneipen sich aufhalten, wohnen, freilich mit der erklärung 'eig. sich in kneipen, niedrigen wirtshäusern aufhalten'.
d)
über das studententhum hinaus gelangte das wort durch den alten zug, der andere lebenskreise reizt, sich die frische und kraft von dort anzueignen (s. z. b. bursch), und durch das vereinswesen unserer zeit sich besonders kräftig geltend macht. so haben denn schon lange auch die turner, sänger, künstler u. a. ihre kneipe wie ihren kneipabend, ihre kneiplieder u. s. w., selbst frauen brauchen nun das urspr. garstige wort und es ist schon möglich, dasz es mit dem namen eines fürsten zusammen öffentlich erwähnt wird, wie die Münchner künstlerkneipe bei Schaffroth. freilich hängt ihm noch jetzt im bewusztsein ein rest seiner herkunft an, doch der wird wie eine pikante würze empfunden. auch bei schriftstellern erscheint es schon länger: ich wag es, ob mich auch das gewissen kneipe — zu gehn in die kneipe. Rückert makamen 1837 1, 97 (10. mak.); machten gesichter dazu wie professoren, wenn sie aus der kneipe ins colleg müssen. Gotthelf 5, 157; manchmal eine kneipe und manchmal eine geistliche versammlung. 5, 274, hier freilich im tone des strafredners.
e)
studentisch auch für das kneipen selbst, z. b. in frühkneipe.
f)
der grund des namens, so jung er ist, musz doch mühsam gesucht, kann nicht mehr bestimmt angegeben werden. urspr. könnte nach 1 'enges loch' gemeint sein, wie man ein enges zimmer eine klemme, eine quetsche nennt, doch fehlt dabei die beziehung auf den wirt. ostfr. ist stille knippe bordell Stürenburg 349ᵇ, wie schon mnl. knip (vgl. Diez 653. 2, 322), eig. wol eine falle in die man gerät, zur ausbeutung des gastes (nl. knip und knijpe ist eben auch falle, taubenfang, rotteknip rattenfalle), und dazu stimmt die art wie bei Lessing kneipschenke erscheint; vgl. dän. kippe kneipe, horekippe bordell mit nd. kippe falle (s. kippe 3), nl. kippen fangen (s. sp. 786), vgl. auch kiffe. doch der ursprung könnte auch harmloser sein, vgl. die nd. volksmäszigen redensarten geren einen knîpen, gern trinken, schnapsen, in Hildesheim, hai head sik ênen knipen (geknippen), ist betrunken westf. Frommann 5, 72 (vgl. 3, 376, dazu 2, 317, daher knips brantwein), und knîpen gân, auch ûtknîpen, entlaufen, entwischen Danneil 110ᵃ, s. dazu auskneipen, etwa vom ehemann der abends heimlich noch einmal 'auskneipt'? auszer frage bleibt mlat. canipa (z. b. Graff 4, 452), es ist genauer wein- und speisekeller, s. Ducange.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1404, Z. 69.

kneipen

kneipen,
vellicare, comprimere, zwicken.
I.
Heimat, formen, verwandtschaft.
a)
seine heimat sind md. mundarten, von da aus ist es seit dem 16. jh. (vgl. Luthers abkneipen) in die schriftsprache vorgedrungen, wo es die oberd. wörter klemmen, krimmen, pfetzen, fetzen, kleiben (sp. 1162) u. a. verdrängt hat; es wird nun selbst aus oberd. mundarten angegeben, wie östr. Loritza, schwäb. Schmid 319 (vgl. kneiper 1), schweiz. gnîpen Stalder 1, 459 (nicht bair.), es mag am frühesten am Rheine aufwärts gekommen sein. im j. 1384 schreibt ein Mainzer von einem augenknipper (Janssen Frankfurts reichscorr. 1, 12), es ist ein spitzname, wol knîper zu lesen, der die augen zusammenkneift (nd. knipogen zusammengekniffene augen Dähnert 243ᵃ, nl. knipoogen, auch knijpoogen Halma, mit den augen zwinkern, waldeck. knippern). i. j. 1400 ein Friedrich Gnyppenschilling von Menze (Frankf. archiv, währschaft 1400) wieder wol pp für p, eig. geizhals (s. kneiper 2); eine nebenform knippen ist freilich denkbar, s. dort. i. j. 1420 gibt ein ostmd. voc. (Schröer s. 35ᵃ) kniepen für stipulare, d. i. stimulare (s. b), ie kann doch auch î meinen (vgl. u. kieme m.), wie in viecbom feigbaum das. nr. 2631.
b)
nnd. knîpen, mnd. cnîpen für stimulare Dief. 553ᵃ, nl. knijpen, schwed. norw. knipa, dän. knibe, auch nordengl. knip Halliwell 498ᵃ.
c)
die bildung ist stark, kneipe, knipp, geknippen, nd. knîpe knêp geknepen, ebenso nl. und nord. stark. es hat sich aber eine falsche schwache bildung eingeschlichen, kneipte gekneipt (schon Steinbach 1, 885), bes. bei oberd. schriftstellern (s. II, 1, c), bei Göthe immer, es gilt eigner weise für gebildeter, doch wol nur weil es von der volksmäszigen form abweicht.
d)
es erfuhr auch eine verhochdeutschung in kneifen, im 16. jh. findet sich kneipfen (wie knapf für knapp, klipfe für klippe):
(die krebse) knipfen ihn ab händ, füsz und schwanz.
froschm. Ccc 3ᵃ (3, 3, 11).
e)
für seinen ursprung böte sich nach der häufigen entstehung von kn- aus kl- (s.knäuel) ein nord. wort dar: altn. klîpa fodicare, vellere (Egilsson 466ᵇ s. v. klippa), noch isl. klîpa (klîpitöng kneipzange), norw., schwed. dial. klipa, starkf. wie kneipen (doch nicht norw.) Rietz 329ᵃ; dazu isl. kleipr knapp. das stimmt, nur mit andrer auslautstufe, zu alem. klîben kneipen sp. 1162, wie die altn. nebenform klŷpa kneipen (schwachf.) im vocal zu alem. klüben kneipen sp. 1162.
f)
aber es kommt noch anderes in frage. wie nagen auch knagen heiszt, knarren auch narren, knaupen auch naupen u. a., so besteht für kneipen auch nl. nijpen (neep, genepen, ganz wie kneep, geknepen), engl. nip (wie knip), altengl. nîpen (nipen?) Stratmann 420; spuren eines alts. nîpan sind wol nd. nîpe knapp, genau Schambach 145ᵇ, pomm. (und nordfries.) nip, vgl. schott. nippit knapp, karg, und knapp 9, c. mit anderm vocal schwed. nypa kneipen, in mundarten noch niopa, praet. nôp, pl. nupum (auch nipa, niva), s. Rietz 468ᵃ, auch mit der bed. knausern; der vocal stimmt freilich zu klŷpa, klieben, aber der anlaut weist auf weiteres.
g)
es heiszt auch litt. gnybti und knẽbti kneipen, gnybis das mal vom kneipen, der knipp, u. a. was eine entlehnung ausschlieszt, vgl. Diefenbach goth. wb. 2, 573. 1, 315. ferner ehstn. näppima kneipen, vgl. finn. näppi fingerspitze u. a. endlich gr. σκνίπτω kneipen, zwicken, auch knausern, dazu σκνιπός knauserig, auch κνιπός, σκνιφός und anderes. aus dem vollen anlaut skn- könnten alle anderen sich erklären (vgl. sp. 1353 mitte). nl. nijpen verhielte sich im anlaut zu σκνίπτω wie z. b. lat. locus zu dem urspr. stlocus. ob damit die verwandtschaft mit klieben fällt?
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
eigentlich.
a)
kneipen mit den fingern, der zange u. ä.:
und kneip (knipp) seine waden mit macht,
das er mit ungedult erwacht.
froschm. D 5ᵃ;
so doch der fischr hendschuch anthate,
als ihn der krebs geknippen hatte.
H 2ᵃ (1, 2, 1);
drückt, kneipt und bindet ihn, und laszt ihn ja nicht los,
und tragt ihn mit gewalt der besten in den schosz.
Günther 393;
von unsichtbaren geistern oder gespenstern gequält und geknippen. Felsenburg 4, 345; da Solande mit glüenden zangen solte geknippen .. werden. polit. stockf. 32;
des pfarrers Muthe schimpft' aus neid
und zwackte mich gar an (beim tanz).
ich sprach : mensch, laszt mich ungeheit (ungeschoren)
und kneipt den leiermann.
Hagedorn 3, 75.
b)
den körpertheil, der geknippen wird, bezeichnet man mit in, weil der acc. schon auf die person verwendet ist:
er kömmt und klopft sie in den nacken
und kneipt sie in die vollen backen.
Gellert (1784) 1, 107;
man streichelt sich die hand, man kneipt sich in den backen.
3, 452;
er rieb sich die augen, knipp sich in die arme (um sich zu überzeugen dasz er nicht träume). Wieland 12, 237; indem sie ihn in die waden knipp. 12, 271. folg. klingt mehr franz. (in der stelle Rollenhagens mit acc. unter a ist die person nicht bezeichnet), doch vgl. sp. 1227 mitte:
er kneipt mir die wangen.
Göthe 1, 33.
zuweilen steht auch ohne einen solchen acc. die person im dat., einem in das ohr kneipen (Börne 2, 87), vgl. unter 2.
c)
belege für die schwache form (s. I, c): hätte sie ihn nicht lachend in die wange gekneipt. S. Geszner (1770) 3, 160; der .. die amme in die brust kneipte. Sturz 2, 43; als sie (die ameisen) mich von allen seiten angriffen .. kneipten und peinigten. Göthe 23, 101; du hast eine schlange gekneipt (hai stuzzicato), die dich beiszen und dir dein recht anthun wird. 34, 197;
(Reineke) hielt mit beiden den wolf nun immer fester und fester,
kneipt' und zog (knêp unde tôch).
40, 221;
und kneipt' und druckt' und bisz und klaute den armen.
das.;
das kind schrie .. wahrscheinlich hatte es die angebliche mutter unter der thüre gekneipt. 28, 189; so bist du auch ein fischersmann? 'bins, werde gnug dafür gekneipt' (von krebsen). Bronner fischerged. (1787) 30.
d)
mit bezeichnung der wirkung: knipp und druckte sie braun und blau. Riemer polit. maulaffe 28 (29);
doch faule dirnen kneip ich blau,
an arm und schenkel zwackend.
Voss (1825) 3, 166;
geht mir dem krebs in Berlin (Ramler) aus dem weg, manch lyrisches blümchen,
schwellend in üppigem wuchs, kneipte die schere zu tod.
xen. 74 (Schiller);
manche wunde kneipten sie ihm.
Göthe 40, 204;
einen draht entzwei kneipen, mit der kneipzange; sieht man nun das os intermaxillare als ein abgesondertes an, so begreift man wie es, um die cur zu bewirken, herausgekneipt werden kann. Göthe 55, 153, durch kneipen, kneipendes erfassen entfernt. s. auchabkneipen, ↗ankneipen (kneipend packen Göthe 55, 321), bekneipen. man kneipt die augen, lippen, den mund ein oder zusammen, zu, obwol da kneifen vorherscht.
e)
mit ähnlicher kürzung des ausdrucks fidibus kneipen, durch zusammenkneipen des papiers machen: wenn man künftig die fidibus hier zu land so galant kneipen wird, wie ein süsz zeddelchen (billet doux), wirds ein trefflich leben werden. Göthe an frau v. Stein 1, 3, vgl. gekniffene falten u. kneifen 2, d.
f)
eine saite u. ä. kneipen, kneipend fassen und spielen oder probieren:
kneipt sie ein saitenspiel, maultrommel mehr als leier.
Lichtenberg (1800) 4, 370;
bei einem falschen ton hält er inne, stimmt die saite und kneipt sie mit dem nagel. Göthe 36, 34. bildlich: eine erschlaffte fiber, die man immer kneipen mag und die nicht schwirrt. 36, 122.
g)
ein frauenzimmer kneipen, bedienen, herzen, küssen, drucken, es einer thun, planter le mai u. s. w. Rädlein 550ᵃ.
h)
von leichtem beiszen, wie zwacken: der hund knipp ihn in die waden schon bei Stieler 1339 auch mordicus tenere, vibrare. nd. auch von kauendem beiszen: dar is nix to knipen edder to biten, nicht das liebe brot im hause. Dähnert 243ᵃ.
i)
ein enger rock kneipt einen unter dem arme, enge schuhe kneipen.
k)
die würfel kneipen, piantar i dadi, piper les dez. Rädlein 550ᵃ. 1078ᵇ, wie den wurfel zwicken H. Folz fastnachtsp. 1293, engl. to cog the dice, betrügerisch. bei Ringwald (nd.) knipen:
wenn er behend die würfel knipt
oder die kart von unten gibt.
laut. warh. 81 (253),
freilich könnte das auch knippen meinen, vgl.knipfen, aber auch karten bekneipen, zum zeichen mit einem knipp versehen 1, 1424.
2)
es kneipt einen im leibe, vom bauchgrimmen, als würde man innerlich geknippen, vgl.das kneipen; it knipt mi im lîve brem. wb. 2, 826, auch allgemein dat knipt, thut weh. das.: ich will ihm eine suppe machen ... es kneipet ihn im leibe so sehr. Salinde 184; und nach rechter kauung keinem (so) im leibe kneipen wird. irrgarten vorr., der dat. wie unter 1, b, bei klopfen (1227 γ), vgl.kämmen 3; (der patient) als welcher am besten weisz wo es ihn kneipt oder sticht. colica 4. kneipende kälte, wie beiszende, 't knippt es ist sehr kalt Stürenburg 116ᵃ. Danneil 110ᵃ, wie engl. nipping cold.
3)
dasselbe bildlich.
a)
von ärger:
Faust (zu Mephist.) was hast? was kneipt dich denn so sehr?
so kein gesicht sah ich in meinem leben!
Göthe 12, 144;
die böse laune über das mislingen meiner poetischen versuche .. und über alles was mich hie und da sonst kneipen mochte, glaubte ich an ihr (Ännchen) auslassen zu können. 25, 110; sind fast noch eitler als schauspieler, welche doch zuweilen eine gute monatschrift kneipt und ärgert. J. Paul flegelj. 2, 85 (1804 s. 133).
b)
vom gewissen, von reue:
ob ihn gleich hie und da ein jugendsündchen kneipt.
Gotter 3, ⅬⅩⅩⅠⅤ;
mich arme drückt die schuld und kneipt die sünde.
Platen 276.
c)
strafend kneipen, züchtigen: im 61sten stücke ist Lessing namentlich hinten und vorn (von Götze genannt, strafend). musz Lessing namentlich geknippen werden, so oft er den krampf in seine orthodoxen finger bekömmt? Lessing 10, 129.
d)
von harten gläubigern, drängen, drücken, nd. knîpen Danneil 110ᵃ, Stürenburg 116ᵃ. ähnlich: in diesem gasthof kneipt man die leute sehr. Heynatz antib. 2, 191, mit hoher rechnung.
e)
dem ähnlich und doch wieder anders von geiz, z. b. schwäb. kneipen knickerisch abmarkten Schmid 319; allgemein vom lohn abkneipen u. ä.; vgl.kneiper 2. diese bezeichnung der knauserei als ein kneipen scheint im worte selbst uralt, s.I, g. merkwürdig auch in Kärnten kleiwenknipfar geizhals Lexer 160, d. i. kleienkneiper, der selbst mit kleien geizt. nd. knippern knickern Schambach 106ᵇ.
4)
kneipen zu kneipe 3, kneipschenke gehörig, sowol ins wirtshaus gehn als besonders im wirtshaus sitzen und zechen. es ist noch bei Heyse nicht genannt und scheint aus nd. mundarten emporgekommen, wo trinken ausgedrückt wird mit ênen knîpen, sik ênen knîpen (s. kneipe a. e.), brem. 'n bittjen knîpen Fromm. 3, 376. seine geltung hat es durch die studentensprache und deren nachahmung erhalten, s. kneipe sp. 1405 (b). es wird gleichfalls sowol stark als schwach flectiert. dazu nun auch einkneipen einkehren, sich bekneipen betrinken, das geld verkneipen, sich fest kneipen, herumkneipen u. a.; s. auchauskneipen, ↗knipp. auch zusammensetzungen schon reichlich, wie kneipabend, der abend an dem eine gesellschaft regelmäszig in der woche ihre kneipe besucht, kneiplied, kneipgenie u. s. w.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1406, Z. 22.

kneipen, n.

kneipen, n.
vellicatio, besonders das kneipen im leibe, colica. Stieler 1339, bauchkneipen (dän. kniben):
ja wer das kneipen haben will,
derselbe darf nicht gar zu viel
von diesem kofent nehmen.
Weise überfl. ged. (1701) 341;
kneipen und grimmen
geht bald vorüber.
Göthe 11, 163.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1408, Z. 66.

kneup, kneupe

kneup, kneupe,
s. kneip.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1415, Z. 63.

kneupen

kneupen,
in der schuhmacherwerkstatt bei zurichtung des leders, eine rosshaut erzählt von ihren schicksalen:
knecht, jungen und die lehrbuben
thun oft die halb nacht an mir fretten
mit knopfen, gneupen und mit gletten.
H. Sachs 1590 1, 376ᵇ, 1558 501ᵈ gnewpen.
kneup, gneup findet sich für kneip, aber s. auchknaupholz. wären das trümmer einer nebenform von kneipen, wie sich klauben zu kleiben (kneipen sp. 1162) verhält? vgl.knaupen 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1415, Z. 64.

verkneipen, verb.

verkneipen, verb.
durch zusammendrücken schädigen. wenn wir, wie theil 5, 1402 gezeigt, annehmen, dasz kneifen eine verhochdeutschung von nd. knîpen ist, so erscheint kneipen, verkneipen als eine auf halbem wege vom nd. zum hd. stehen gebliebene form. auch verkneipen ist weder aus älteren wörterbüchern noch aus den idiotiken in dieser lautgestalt nachgewiesen, kommt überhaupt nur höchst selten vor. in unserem (einzigen) belege hat es die alte sinnliche bedeutung 'durch zusammendrücken (mit einer zange) schädigen': wenn man nu solche hare gewinnen wil, sol man fleiszig acht haben, das man keine verkneippe oder zerreisze. Bartisch augendienst 196.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1891), Bd. XII,I (1956), Sp. 670, Z. 7.

verkneipen, verb.

verkneipen, verb.
kneipend verzehren, in der schenke ausgeben. studentenausdruck zu kneipe (theil 5, 1405), kneipen, das wirthshaus besuchen. ver gibt die bedeutung 'durch solchen besuch beseitigen': alles geld verkneipen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1891), Bd. XII,I (1956), Sp. 670, Z. 18.

zerkneipen, verb.

zerkneipen, verb.,
über das verhältnis zum vorigen s. th. 5, 1402 und 12, 1, 670; entzwei kneifen:
von einer kalten hand ihm ward das hertz zerknippen
D. v. d. Werder ras. Rol. ges. 23 str. 192;
draht: v. Fleming vollk. jäg. 158; mit der ... hand sich ... das fleisch ... z. J. J. Engel schr. 7, 257; Campe 5, 844ᵃ; andere zss.: ab- (th. 1, 62), ver- (th. 12, 1, 670). —
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1932), Bd. XV (1956), Sp. 705, Z. 40.

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„kneipe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kneipe>, abgerufen am 25.11.2020.

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