Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kneipe, f. und m.

kneipe, f. und m.
messer, s.kneip.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1404, Z. 68.

kneipe, f., subst.

kneipe, f. subst.
zu kneipen.
1)
klemme, werkzeug zum kneipen, klemmen.
a)
eig. kneipe, forceps Steinbach 1, 885, zange, gebraucht z. b. im brem. wb. 2, 786 (als hd.); schwed. knipa. ostfries. knîp und knîpe, klemmholz, z. b. auf dem schwanz eines hundes (vgl. unter kluppe 1), auch fangeisen Stür. 115ᵇ. nl. knijpe (und knip, knippe) Kil., decipulum, falle, vgl. unter 3, f.
b)
bildl., in der kneipe sitzen, in der klemme sein. Adelung als nieders., im br. wb. 2, 826, bei Richey 131 so knîpe.
2)
bauchkneipe, die kneipe haben, bauchgrimmen. Adelung.
3)
allgemein bekannt ist es nur, aber durch ganz Deutschland, als wirtshaus; wenn es auch die wirte zur zeit noch nicht auf ihre firma setzen, wo noch restauration u. dgl. gelehrtere klänge das feld haben, so ist doch im mund der leute die kneipe entschieden die herrin des tages. wie altfränkisch klingt dagegen wirtshaus, wie dörfisch schenke! und doch war das wort eig. schlechter als schenke und hat einen ziemlich schlimmen ausgangspunkt.
a)
Adelung gab es zuerst, als kleine schlechte schenke, Kindleben studentenlex. (Halle 1781) 122 als schlechte bierschenke, und nur so galt es bis vor kurzem im allgemeinen gebrauche: der weg dahin (nach Eutritzsch) ist höchst traurig, das dorf selbst kothig, die schenke eine wahre kneipe. D. Prasch vertraute briefe über Leipzig (1787) 192; damit gieng er (der abdecker), die peitsche quer über den breiten rücken, nach einer kneipe, die auf dem platze lag ... ein frühstück einzunehmen. H. v. Kleist (1859) 3, 66, im M. Kohlhas; der schnurrant singt und spielt in jeder kneipe jahr aus jahr ein die nämlichen lieder. Hebel 8, 188;
da du (ein schneider) zu wein geschlichen bist,
da hast deine ell verloren.
du lieszst sie in der kneipen stehn ...
Immermann gedichte (1822) 10;
es ist jetzt eine schmutzige kneipe für fuhrleute. Heine reiseb. (1856) 3, 137, v. j. 1829;
speisten in derselben kneipe.
romanzero 51;
sennor! glaubt nicht was sie klimpern ...
bänkelsänger, maulthiertreiber
in posaden, kneipen, schenken.
128.
vergl. fuhrmannskneipe, schifferkneipe (Göthe 25, 150). noch i. j. 1847 geben aus Östreich Castelli gnaipn f. als ein elendes, aus Wien Loritza 75ᵇ kneipen f. sogar als ein sehr gemeines wirtshaus. noch jetzt kennt jeder elende kneipe, winkelkneipe und dergl.
b)
aber die studenten haben das missliche wort als willkommenes kraftwort (wie sie ihrer fortwährend bedürfen), aufgenommen und gepflegt, etwa seit der zeit der befreiungskriege; schon G. Schwab singt in dem liede eines abziehenden burschen (bemoster bursche zieh ich aus), das vom jahre 1814 sein soll:
was wollt ihr kneipen all von mir? ...
winkt nicht mit eurem langen arm u. s. w.
ged. 1828 1, 49.
jetzt ist es nebst kneipen (4) längst unersetzlich, selbst die schwedischen studenten redeten schon vor 1830 von knejpa, wenigstens in Lund (in Upsala svicka kneipen, svick knipp). die ehre des namens gebührt vor allem der verbindungskneipe, der studentischen herberge mit ihrer gemütlichkeit; aber es ist auch erweitert auf den begriff wirtshaus, trinkstube überhaupt, daher weinkneipe, bierkneipe u. s. w.
c)
selbst auf die studentische wohnung ist es erstreckt worden (sonst bude u. ä. mit ironischer selbstherabsetzung): die beiden stuben, wo die frau professorin wohnen soll, sind für einen studenten eine prächtige kneipe. Benedix hochzeitsreise 1, 3 a. e.; fuchs, wo hast du deine kneipe? Holtei drei gesch. v. menschen u. thieren 2, 3. ob als wink über die rechte heimat des studenten? ein neueres studentisches lied feiert kneipe z. b. als der deutschen sprache schönsten klang, wie orgelton und glockenklang. aber merkwürdig gibt aus der Oberlausitz Anton 9, 9 i. j. 1835 (nicht als studentisch) kneipen sich aufhalten, wohnen, freilich mit der erklärung 'eig. sich in kneipen, niedrigen wirtshäusern aufhalten'.
d)
über das studententhum hinaus gelangte das wort durch den alten zug, der andere lebenskreise reizt, sich die frische und kraft von dort anzueignen (s. z. b. bursch), und durch das vereinswesen unserer zeit sich besonders kräftig geltend macht. so haben denn schon lange auch die turner, sänger, künstler u. a. ihre kneipe wie ihren kneipabend, ihre kneiplieder u. s. w., selbst frauen brauchen nun das urspr. garstige wort und es ist schon möglich, dasz es mit dem namen eines fürsten zusammen öffentlich erwähnt wird, wie die Münchner künstlerkneipe bei Schaffroth. freilich hängt ihm noch jetzt im bewusztsein ein rest seiner herkunft an, doch der wird wie eine pikante würze empfunden. auch bei schriftstellern erscheint es schon länger: ich wag es, ob mich auch das gewissen kneipe — zu gehn in die kneipe. Rückert makamen 1837 1, 97 (10. mak.); machten gesichter dazu wie professoren, wenn sie aus der kneipe ins colleg müssen. Gotthelf 5, 157; manchmal eine kneipe und manchmal eine geistliche versammlung. 5, 274, hier freilich im tone des strafredners.
e)
studentisch auch für das kneipen selbst, z. b. in frühkneipe.
f)
der grund des namens, so jung er ist, musz doch mühsam gesucht, kann nicht mehr bestimmt angegeben werden. urspr. könnte nach 1 'enges loch' gemeint sein, wie man ein enges zimmer eine klemme, eine quetsche nennt, doch fehlt dabei die beziehung auf den wirt. ostfr. ist stille knippe bordell Stürenburg 349ᵇ, wie schon mnl. knip (vgl. Diez 653. 2, 322), eig. wol eine falle in die man gerät, zur ausbeutung des gastes (nl. knip und knijpe ist eben auch falle, taubenfang, rotteknip rattenfalle), und dazu stimmt die art wie bei Lessing kneipschenke erscheint; vgl. dän. kippe kneipe, horekippe bordell mit nd. kippe falle (s. kippe 3), nl. kippen fangen (s. sp. 786), vgl. auch kiffe. doch der ursprung könnte auch harmloser sein, vgl. die nd. volksmäszigen redensarten geren einen knîpen, gern trinken, schnapsen, in Hildesheim, hai head sik ênen knipen (geknippen), ist betrunken westf. Frommann 5, 72 (vgl. 3, 376, dazu 2, 317, daher knips brantwein), und knîpen gân, auch ûtknîpen, entlaufen, entwischen Danneil 110ᵃ, s. dazu auskneipen, etwa vom ehemann der abends heimlich noch einmal 'auskneipt'? auszer frage bleibt mlat. canipa (z. b. Graff 4, 452), es ist genauer wein- und speisekeller, s. Ducange.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1404, Z. 69.

kneupen

kneupen,
in der schuhmacherwerkstatt bei zurichtung des leders, eine rosshaut erzählt von ihren schicksalen:
knecht, jungen und die lehrbuben
thun oft die halb nacht an mir fretten
mit knopfen, gneupen und mit gletten.
H. Sachs 1590 1, 376ᵇ, 1558 501ᵈ gnewpen.
kneup, gneup findet sich für kneip, aber s. auchknaupholz. wären das trümmer einer nebenform von kneipen, wie sich klauben zu kleiben (kneipen sp. 1162) verhält? vgl.knaupen 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1867), Bd. V (1873), Sp. 1415, Z. 64.

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Zitationshilfe
„kneupen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kneupen>, abgerufen am 26.11.2020.

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