Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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koller, köller, n., zuweilen m.

koller, köller n., zuweilen m.
kragen, brustkleid, mhd. kollier, collier, collir, gollier n. halsstück an der rüstung und an der kleidung überhaupt, das franz. collier, das freilich jetzt nur halsband bedeutet, wie lat. collare, von collum hals.
1)
die formen.
a)
nrh. um 1500 noch colyer in der Cölner gemma Dief. 132ᵃ, wahrscheinlich noch mehr franz. betont colíer, wie nd. aus benachbarter gegend colleer das., mrh. colleyr 640ᵃ (wie das. papeir papier); daher in Cleve clyeer collirium Teuth. 51ᵇ (wie knin aus kanin, s. d.). so nl. noch bei Kil. kolliere strophiolum mammillare, halsdoek (neben koller). im übrigen Deutschland aber musz die zurückziehung des tons schon im 15. jh. fertig gewesen sein, wie sie schon mhd. begonnen haben wird.
b)
anfangs galt auch umlaut, der auf mhd. cóllir (aus collîr) beruht: köller collare Alberus K 2ᵃ, daher auch keller collare Yy 3ᵇ, wie schon im 15. jh. Dief. 132ᵃ, n. gl. 100ᵇ. auch nd.: diphthera, colobium scorteum, ein ledderen köller. Chytraeus c. 40. köller noch bei Stieler 915 neben koller.
c)
oberd. mit g (s.K 1, f), im 15. jh. gollir, goller Dief. 132ᵃ, gollier nov. gl. 100ᵇ; diphthera, liderin goller Golius c. 39, Dasyp., Schönsl., vgl. Keisersberg u. 2, e, Frischlin u. 2, d. noch bei Schiller: plötzlich greift er in seinen köcher, nimmt einen zweiten pfeil heraus und steckt ihn in seinen goller. W. Tell 1804 s. 142. 148; bei Tschudi und Etterlin steht hinden in das göller, wie bei Maaler 188ᶜ läderin göller n. lorica, halsgöller Denzler 1, 155ᵇ, noch schweiz. das göller.
d)
andere nebenformen im 15. jh. kuller Dief. 132ᵃ, kolner Görlitzer stat., scr. rer. lus. 1, 393 fg., im 16. jh. auch golder, golter (aus golr), wie nl. kolder, kulder m., schon bei Kilian neben koller.
e)
unter deutschem einflusz auch schwed. köller Sahlstedt, gewöhnlich kyller m., dän. kollert (wie kuffert koffer), böhm. kolar kleid ohne ärmel.
f)
der pl. heiszt gewöhnlich koller Jesaias 3, 23, apostelg. 19, 12, aber auch köller, z. b. Leipz. stadtordn. 1544 (s. 2, e); auch folg. ist wol von koller, nicht von köller:
hieb- und schuszfrei sind die köller, womit der soldat sich deckt,
aus der büffel dicken haut.
Brockes 9, 296.
2)
bedeutung.
a)
die urspr. genaue bed. ist bei uns eig. nicht vorhanden. die Straszburger gemma 1518 gibt zwar collerium als goller oder halsband, der Leipz. voc. opt. 1501 als koller ader halsbant, aber das letzte wort kann auch nur dem lat. gelten. doch aus Waldeck gibt Curtze 478ᵃ koller n., ein halsband für frauen.
b)
das kleid am halse: capitium, koller (in einem andern voc. kragen) Diefenb. gl. 97ᵇ; capitium est os tunice, goller, auch gollir, halsloch n. gl. 73ᵃ, also die halsöffnung im kleide, am kleide der kragen, im Teuth. 51ᵇ clyeer, craghe, collirium, jugulum. bei Ludwig 1049 ist ein koller oder köllerlein ein halskragen, ein weiberkoller oder halskoller so die weiber tragen a woman's neck-cloth. noch jetzt findet sich koller für den halskragen von frauen (so tirol. goller m., s. Schöpf 199), für die runde halskrause der protest. geistlichen, auch die bäffchen (Campe, Bernd Posen 139); oberhess. der hemdkragen. sächs. heiszt koller das halsstück an mannshemden, kinderkappen, mänteln (vom kragen unterschieden): korte jopen, die koller tif uszgesneten in dem rocke zu halbe (halbem?) weg. Haupt 8, 319, aus Thüringen, als männertracht um 1480 (s. c), das geht schon ins folg. über oder gehört dazu.
c)
schon vor dem 15. jh. musz sich in einer bestimmten zeit der begriff erweitert haben auf ein kleidungsstück, das auszer dem halse auch den oberleib bedeckte (wie in alter zeit halsberg sich erweiterte zu leibpanzer überhaupt, s. Diez 365. 1, 434); denn im 15. jh. gab es schon 'dief vel uszgeschnitten koller' Melber varil. n 1ᵇ (s. v. insolentia als detestabiles innovationes vestium), ausgeschnitten am halse wie sie nach franz. vorgang damals auch männer trugen (s. z. b. Scheibles kloster 8, 976. 939, Kellers fastnachtsp. 1276); unserem sönlin macht man das hembd auszgeschnitten wie die alte schweizerische goller. Garg. 113ᵃ (Sch. 202), entgegengesetzt werden ihnen das. die nachher aufgekommnen hohen krägen (hoch und vorhin tief wie noch in der sprache der modejournale). da ist denn aber mit dem halsstücke auch der eigentliche begriff des wortes mit weggeschnitten. Kilian, Stieler u. a. erklären koller als tunica sine manicis (leibrock ohne ärmel), noch nd. halbes oberhemd ohne ärmel.
d)
so denn als männerkleid im 16. 17. jh.: exomis, goller, leib ohn ermel. Frischlin c. 140; von einem lidern koller, auf zwei recht gemacht, verbremt, iiij groschen (zu machen). Leipz. stadtordn. 1544 B 1ᵃ, als studententracht; koller, franz. un buffle (büffelledernes koller), collet. Rädlein 553ᵇ;
er (Wallenstein) trägt ein koller von elendshaut.
Schiller Wallenst. 1800 1, 31,
auch in den worten vorher durch den stiefel und koller wird es danach n. sein; (Gustav Adolf) blosz mit einem ledernen koller und einem tuchrock bekleidet. 963ᵇ;
des reiters koller stück für stück
fiel ab wie mürber zunder.
Bürger 15ᵇ (Lenore);
sie nestelte ihm wie gewöhnlich das koller auf. Musäus (1854) 3, 172 (vergl. unter aufnesteln); da ist vielleicht gemeint, was Adelung angibt, koller, enges ledernes reitkleid mit ärmeln. noch in Baiern goller n. als mannjacke.
e)
als frauenkleid: mammillare, goller, brustgoller. Frischlin c. 141, halsgoller Henisch 1678; amiculum scapulare, goller. Golius c. 40 (amiculum collare ist halsmäntelin, mammillare übermuͤder das.), Chytraeus c. 41 freilich erklärt das lat. als korter hoike (mantel), wonach es unter c zuerst zu setzen wäre; uf der gassen haben sie verdeckte goller (die g. verdeckt) an, alsbald sie heim kommen, werfen sie das hinweg und zeigen iren hals und arm dem knecht im hus. Keisersb. post. 160 bei Frisch 1, 361ᵃ; selbst für bäuerinnen wurden in Baiern schon 1501 röcke verboten vorne am busen oder goller .. ausgeschnitten, s. Schmeller 2, 33; noegaeum, ein fein weisz köller. Alberus K 2ᵃ, von leinwand; von einem sammaten koller, hoch und weit zu halse, wie man sie itzt tregt, iiij groschen, dammaschken iij gr. Lpz. stadtordn. 1544 B 2ᵃ, unter der überschr. köller (pl.); von einem atlas koller ij gr. B 2ᵇ, für dienstmägde; von einem wollen halskoller j gr. B 3ᵃ, für bäuerinnen. so noch oberd., z. b. im bair. oberlande goller, es dient zur verdeckung der blöszen um hals und brust und wird über die übrige kleidung gezogen, theils einem mieder theils noch einem halstuch ähnlich. Schm. 2, 34; schwäb. brusttuch Schmid 238, ebenso schweiz. göller n. Stalder 1, 464. vgl. köllerlein, kollericht.
f)
in der Niederlausitz heiszt das vorhemdchen koller, ähnlich nürnb. das geifertuch für kinder göllerlein Schm. 2, 33.
g)
aber im 16. jh. auch noch als stück der rüstung, z. b. stählen göller Scherz 560. vgl. dazu unter h.
h)
redensarten: es ist ihm das goller enger worden, es ist ihm angst; es schutzet kein goller für den galgen. Henisch 1678, das zweite vom koller der rüstung (g).
i)
ein backwerk: zerschnitten köller. Garg. 56ᵇ (Sch. 92).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1614, Z. 42.

koller, adj.

koller adj
kollerig, wütend? s.kollern 3, c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1617, Z. 16.

koller, köller, n., zuweilen m.

koller, köller n., zuweilen m.
kragen, brustkleid, mhd. kollier, collier, collir, gollier n. halsstück an der rüstung und an der kleidung überhaupt, das franz. collier, das freilich jetzt nur halsband bedeutet, wie lat. collare, von collum hals.
1)
die formen.
a)
nrh. um 1500 noch colyer in der Cölner gemma Dief. 132ᵃ, wahrscheinlich noch mehr franz. betont colíer, wie nd. aus benachbarter gegend colleer das., mrh. colleyr 640ᵃ (wie das. papeir papier); daher in Cleve clyeer collirium Teuth. 51ᵇ (wie knin aus kanin, s. d.). so nl. noch bei Kil. kolliere strophiolum mammillare, halsdoek (neben koller). im übrigen Deutschland aber musz die zurückziehung des tons schon im 15. jh. fertig gewesen sein, wie sie schon mhd. begonnen haben wird.
b)
anfangs galt auch umlaut, der auf mhd. cóllir (aus collîr) beruht: köller collare Alberus K 2ᵃ, daher auch keller collare Yy 3ᵇ, wie schon im 15. jh. Dief. 132ᵃ, n. gl. 100ᵇ. auch nd.: diphthera, colobium scorteum, ein ledderen köller. Chytraeus c. 40. köller noch bei Stieler 915 neben koller.
c)
oberd. mit g (s.K 1, f), im 15. jh. gollir, goller Dief. 132ᵃ, gollier nov. gl. 100ᵇ; diphthera, liderin goller Golius c. 39, Dasyp., Schönsl., vgl. Keisersberg u. 2, e, Frischlin u. 2, d. noch bei Schiller: plötzlich greift er in seinen köcher, nimmt einen zweiten pfeil heraus und steckt ihn in seinen goller. W. Tell 1804 s. 142. 148; bei Tschudi und Etterlin steht hinden in das göller, wie bei Maaler 188ᶜ läderin göller n. lorica, halsgöller Denzler 1, 155ᵇ, noch schweiz. das göller.
d)
andere nebenformen im 15. jh. kuller Dief. 132ᵃ, kolner Görlitzer stat., scr. rer. lus. 1, 393 fg., im 16. jh. auch golder, golter (aus golr), wie nl. kolder, kulder m., schon bei Kilian neben koller.
e)
unter deutschem einflusz auch schwed. köller Sahlstedt, gewöhnlich kyller m., dän. kollert (wie kuffert koffer), böhm. kolar kleid ohne ärmel.
f)
der pl. heiszt gewöhnlich koller Jesaias 3, 23, apostelg. 19, 12, aber auch köller, z. b. Leipz. stadtordn. 1544 (s. 2, e); auch folg. ist wol von koller, nicht von köller:
hieb- und schuszfrei sind die köller, womit der soldat sich deckt,
aus der büffel dicken haut.
Brockes 9, 296.
2)
bedeutung.
a)
die urspr. genaue bed. ist bei uns eig. nicht vorhanden. die Straszburger gemma 1518 gibt zwar collerium als goller oder halsband, der Leipz. voc. opt. 1501 als koller ader halsbant, aber das letzte wort kann auch nur dem lat. gelten. doch aus Waldeck gibt Curtze 478ᵃ koller n., ein halsband für frauen.
b)
das kleid am halse: capitium, koller (in einem andern voc. kragen) Diefenb. gl. 97ᵇ; capitium est os tunice, goller, auch gollir, halsloch n. gl. 73ᵃ, also die halsöffnung im kleide, am kleide der kragen, im Teuth. 51ᵇ clyeer, craghe, collirium, jugulum. bei Ludwig 1049 ist ein koller oder köllerlein ein halskragen, ein weiberkoller oder halskoller so die weiber tragen a woman's neck-cloth. noch jetzt findet sich koller für den halskragen von frauen (so tirol. goller m., s. Schöpf 199), für die runde halskrause der protest. geistlichen, auch die bäffchen (Campe, Bernd Posen 139); oberhess. der hemdkragen. sächs. heiszt koller das halsstück an mannshemden, kinderkappen, mänteln (vom kragen unterschieden): korte jopen, die koller tif uszgesneten in dem rocke zu halbe (halbem?) weg. Haupt 8, 319, aus Thüringen, als männertracht um 1480 (s. c), das geht schon ins folg. über oder gehört dazu.
c)
schon vor dem 15. jh. musz sich in einer bestimmten zeit der begriff erweitert haben auf ein kleidungsstück, das auszer dem halse auch den oberleib bedeckte (wie in alter zeit halsberg sich erweiterte zu leibpanzer überhaupt, s. Diez 365. 1, 434); denn im 15. jh. gab es schon 'dief vel uszgeschnitten koller' Melber varil. n 1ᵇ (s. v. insolentia als detestabiles innovationes vestium), ausgeschnitten am halse wie sie nach franz. vorgang damals auch männer trugen (s. z. b. Scheibles kloster 8, 976. 939, Kellers fastnachtsp. 1276); unserem sönlin macht man das hembd auszgeschnitten wie die alte schweizerische goller. Garg. 113ᵃ (Sch. 202), entgegengesetzt werden ihnen das. die nachher aufgekommnen hohen krägen (hoch und vorhin tief wie noch in der sprache der modejournale). da ist denn aber mit dem halsstücke auch der eigentliche begriff des wortes mit weggeschnitten. Kilian, Stieler u. a. erklären koller als tunica sine manicis (leibrock ohne ärmel), noch nd. halbes oberhemd ohne ärmel.
d)
so denn als männerkleid im 16. 17. jh.: exomis, goller, leib ohn ermel. Frischlin c. 140; von einem lidern koller, auf zwei recht gemacht, verbremt, iiij groschen (zu machen). Leipz. stadtordn. 1544 B 1ᵃ, als studententracht; koller, franz. un buffle (büffelledernes koller), collet. Rädlein 553ᵇ;
er (Wallenstein) trägt ein koller von elendshaut.
Schiller Wallenst. 1800 1, 31,
auch in den worten vorher durch den stiefel und koller wird es danach n. sein; (Gustav Adolf) blosz mit einem ledernen koller und einem tuchrock bekleidet. 963ᵇ;
des reiters koller stück für stück
fiel ab wie mürber zunder.
Bürger 15ᵇ (Lenore);
sie nestelte ihm wie gewöhnlich das koller auf. Musäus (1854) 3, 172 (vergl. unter aufnesteln); da ist vielleicht gemeint, was Adelung angibt, koller, enges ledernes reitkleid mit ärmeln. noch in Baiern goller n. als mannjacke.
e)
als frauenkleid: mammillare, goller, brustgoller. Frischlin c. 141, halsgoller Henisch 1678; amiculum scapulare, goller. Golius c. 40 (amiculum collare ist halsmäntelin, mammillare übermuͤder das.), Chytraeus c. 41 freilich erklärt das lat. als korter hoike (mantel), wonach es unter c zuerst zu setzen wäre; uf der gassen haben sie verdeckte goller (die g. verdeckt) an, alsbald sie heim kommen, werfen sie das hinweg und zeigen iren hals und arm dem knecht im hus. Keisersb. post. 160 bei Frisch 1, 361ᵃ; selbst für bäuerinnen wurden in Baiern schon 1501 röcke verboten vorne am busen oder goller .. ausgeschnitten, s. Schmeller 2, 33; noegaeum, ein fein weisz köller. Alberus K 2ᵃ, von leinwand; von einem sammaten koller, hoch und weit zu halse, wie man sie itzt tregt, iiij groschen, dammaschken iij gr. Lpz. stadtordn. 1544 B 2ᵃ, unter der überschr. köller (pl.); von einem atlas koller ij gr. B 2ᵇ, für dienstmägde; von einem wollen halskoller j gr. B 3ᵃ, für bäuerinnen. so noch oberd., z. b. im bair. oberlande goller, es dient zur verdeckung der blöszen um hals und brust und wird über die übrige kleidung gezogen, theils einem mieder theils noch einem halstuch ähnlich. Schm. 2, 34; schwäb. brusttuch Schmid 238, ebenso schweiz. göller n. Stalder 1, 464. vgl. köllerlein, kollericht.
f)
in der Niederlausitz heiszt das vorhemdchen koller, ähnlich nürnb. das geifertuch für kinder göllerlein Schm. 2, 33.
g)
aber im 16. jh. auch noch als stück der rüstung, z. b. stählen göller Scherz 560. vgl. dazu unter h.
h)
redensarten: es ist ihm das goller enger worden, es ist ihm angst; es schutzet kein goller für den galgen. Henisch 1678, das zweite vom koller der rüstung (g).
i)
ein backwerk: zerschnitten köller. Garg. 56ᵇ (Sch. 92).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1614, Z. 42.

koller, m.

koller m
ausbrechende oder stille wut.
1)
die herkunft des wortes.
a)
es stammt aus der antiken medicin, zu grunde liegt gr. χολέρα, name einer krankheit (cholera), durch die sprache der ärzte früh bei uns eingeführt; schon ahd. glossen geben lat. cholera (gespr. kŏleră) lautverschoben mit hd. choloro, und 'coli, dolores ventris' (aus colica gemacht?) mit cholarûn pl., s. Graff 4, 390, sodasz es schon da ganz eingebürgert erscheint, als schwaches m. choloro, cholaro, von denen die zweite die ältere form sein musz, in den vocalen umgedeutscht wie von einem stamme chul mit brechung (vergl. sp. 844 mitte), die erste mit angleichung des unbetonten vocals an den betonten (s. unter knoblauch 1, a); an dem masc. mag das -r- schuld sein (vgl. Wackernagel umdeutsch. 41).
b)
den übergang zum mhd. zeigt cholere bei Graff, daraus ward regelrecht kolre: dissenteria, die scarfe kolre. Mones anz. 8, 493ᵃ, 14. jh., als f., das entweder schon ahd. neben dem m. mit aufgenommen oder nach dem lat. wiederhergestellt war. denn von colera sprachen die ärzte auch in deutscher rede: die naturlichen colera. Haupt 5, 462; vil dicke wirt diu lungel wunt von der colera. Pfeiffer zwei d. arzneib. 45, 7. noch jetzt schweiz. (Luzern) koler, koller darmgicht, kolik Stalder 1, 505 (leider ohne angabe des geschlechts).
c)
man musz aber von dieser krankheit die benennung eines der vier temperamente, des cholerischen, entnommen haben, vielleicht noch im späten alterthum (warum?). es wird sogar kurz auch als cholera bezeichnet: die erst (natur) haiʒet colera, die ist haiʒ und truken. anz. d. germ. mus. 1, 185, 14. jh.; cholera, verbrant blut, quaedam complexio hominis. gemma Straszb. 1518 E 2ᵇ (s. unter komplexion); so noch spanisch colera f., cholerisches temperament, 'warmblütige körperstimmung'. In den vocc. des 15. jh. wird colera erklärt mit durre blut (s. sp. 78 unter 3), erhitzt vel heisz blut, auch inhitzig, überhitzig blut u. ä. (s. Dief.), wie wir ja noch einen choleriker als heiszblütig bezeichnen (vgl. sp. 79 unter d); man sah darin ein übermasz der 'trocknen hitze', der colericus war ein truckenhitziger mensch Dief. 131ᵇ, ein warmtruckner n. gl. 99ᵇ (s. sp. 79). die eigentliche quelle davon musz man in der galle gesucht haben (man erkannte in cholera gr. χολή galle), daher auch gallenkollerig cholerisch Fischart Garg. 219ᵃ (409) und ital. collera, sp. colera, engl. choler für die galle selbst.
d)
so ist denn nhd. koller ein gebliebener ausflusz jener wunderlichen mittelalterlichen physiologie, gerade wie franz. colère, it. collera, sp. colera zorn, die aber noch fem. sind. wie deutlich man das noch im 16. jh. wuszte, zeigt lat. cholera für zorn, aufbrausende heftigkeit: da müszt warlich der wettermacherisch papst (wie Zeus) brennende kerzen und bannstral herab schieszen und sein päpstliche choleram erzeigen. Fischart bien. 235ᵃ (1588 260ᵃ). dasz unser koller nicht erst aus dem roman. genommen ist, dafür spricht das m., womit sich das nhd. wort an das ahd. cholaro anschlieszt, das wol schon ein starkes cholar neben sich hatte.
e)
eine nebenform ist kolder (s. d.), sie erklärt sich aus dem kolre unter b (das auch als m. bestanden haben wird), genauer aus kolr; es ist wie kelder keller aus kelre, minder aus minre, bildern aus bilren 2, 25, franz. gendre aus genre, ἀνδρός, μεσημβρία aus anzunehmendem ἀνρός, μεσημρία u. s. w. nd. kuller br. wb., auch dän. kuller, schwed. koller m., engl. choler nach dem franz.
2)
bedeutung des nhd. koller.
a)
von menschen: cholera, koler oder inhiczig (blut?). voc. 15. jh. Dief. 131ᵃ; koller, zorn, er hat den koller, ist zornig. Rädlein 553ᵇ; den koller bekommen, in gyrum verti. Steinbach 1, 893; meine leute stellten sich .. dergestalt wunderlich an (mit lachen), als ob sie den koller hätten. Felsenb. 4, 193, toll wären; ich habe .. frost und hitze, sinn und unsinn, kurz ich habe den koller! 'potz, das wäre wol keine krankheit für einen infanteristen!' Kretschman fam. Eichenkron 148;
er gibt nicht nach? 'bei leibe nicht! der hat den koller,
und redet man ihm zu, so wird er nur noch toller'.
Kotzebue dram. sp. 8, 154.
jetzt nur noch als volksmäsziges kraftwort, wenn der den koller kriegt, machst du nichts mit ihm; er hat heute seinen koller u. dgl., auch gelinder nur von reizbarer wunderlichkeit. s.kollern, ↗kollericht.
b)
in vollem gebrauch nur noch von pferden, die wutkrankheit, die beim ausbrechen der rasende, wütende koller heiszt, sonst der stille koller, in der kunstsprache mit vielen arten, wie dummkoller, mutterkoller, sonnenkoller u. a. aus älterer zeit bei Hohberg 2, 228ᵇ, Rädlein 553ᵇ (nicht bei Stieler, der doch die ableitungen hat (vgl.kollern 2): ein pferd, das den koller bekömmt, ist leichter aufzuhalten als das plappermaul eines solchen nickels. Lessing 1, 355;
herzspann zu vertreiben und zahnweh,
koller und wirbel sogar, durch heimliche schrift und besprechung.
Voss der riesenhügel v. 48;
der koller gibt sich mit den jahren.
Schiller 98ᵇ, Pegasus im joche.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 7 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1616, Z. 5.
Zitationshilfe
„koller“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/koller>, abgerufen am 25.02.2020.

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