kopp, koppe, kope
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1782, Z. 58
ein fischname, cottus gobio.
1)
es wird doppeltes geschlecht angegeben, z. b. bei Nemnich 2, 1259 der kopp als schles. (aus Schwenkfeld), die koppe als östreich. (Höfer 2, 154); sing. koppen fem. auch bei Hohberg, koppe m. bei Ludwig, so bair. kopp m., mülkopp Schmeller 2, 317:
koppen, gründel mir wohnen bei.
Ambr. lb. 142, 28;
auch bei Hohberg 1, 113ᵇ. 2, 466ᵃ. 508ᵃ u. ö., Schmelzl lobspr. 92. schon in vocab. des 15. jh. koppe capito, allota, s. Dief. 24ᶜ. 97ᶜ, in einem noch älteren das. choppen, im voc. 1482 kopp 24ᶜ, also gewiss schon mhd. koppe.
2)
eine nebenform kôpe m. bei Lexer 164 aus Kärnten. dasselbe steckt wol hinter der angabe bei Dasyp. 366ᵇ kop, muͦrkolb, grop, carabus, vgl. 26ᵃ und kolbe II, 8. eine dritte nebenform kobe (md. kofe) s. sp. 1539, also hd. koppe, kope, kobe nebeneinander, dazu kappe nach kapp capitenus Dief. n. gl. 73ᵃ, ahd. chape Schm. 2, 317, vgl. unter kobe 2 (auch Grimm lat. ged. des 10. 11. jh. 329). das alles weist auf hohes alter hin.
3)
aus lat. gobio (s. unter kobe 2) ist das nicht zu begreifen, schon wegen des mangelnden umlautes da aber der dicke kop am fische das hervortretende merkmal ist, weshalb er auch kaulkopf, kaulhaupt, kolbe, kaule heiszt, so möchte man auch in koppe, chape u. s. w. dieses merkmal bezeichnet finden, wie er denn auch mhd. höupting hiesz (Dief. n. gl. s. v. capito, d. h. groszkopf). kopf freilich erklärt nichts. der fisch heiszt aber auch quappe, kaulquappe, schon ahd. quappa cappedo Graff 4, 632, und daraus kann koppe wie kappe geworden sein, wie z. b. quam veni mhd. zu kam und kom wurde (sp. 1626 mitte).
koppe m
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1784, Z. 5
rabe, mhd. und mundartl. noch nhd., selten; vgl.koppen 6. bei Had. v. Laber 529 wird ein rabe angeredet:
kopp weidgeselle, ich fürhte,
dîn farwe swarze werde mir ze kleide.
so ist im Wartburgkriege 25 von einem raben die rede, der zwischendurch einmal der koppe genannt wird, seine art nachher koppenorden (MSH. 3, 170, Ettm. s. 19, Simr. s. 231. 233, vgl. 358). an beiden stellen übrigens geringschätzig oder scheltend, wie es mit aussterbenden wörtern geht. aber noch heiszt auf der Eifel der rabe kob m. Schmitz 227ᵇ (Fromm. 6, 16), in Luxemburg koib m., plur. koiben Gangler 246 (dazu koibekoir n., 'kobenkorn', das mutterkorn), sodasz ein mrh. kobbe als nebenform bestanden haben mag. Nahverwandt erscheint engl. cob, auch fries. auf Helgoland kobb (Fromm. 3, 33ᵃ), nordfries. kub f. (Johansen 10) für die möwe, die auch als rabe bezeichnet worden ist, z. b. sardin. corvo marino (Nemn. 3, 330).
koppe f
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1785, Z. 14
in Posen, kleines schlechtes pferd. Bernd 258, der es als aus dem gleichbed. pos. schkoppe, poln. szkapa entstanden ansieht. aber schon in einem mittelrhein. oder doch mitteld. voc. des 15. jh. steht das wort, koppe runcina Dief. gl. 504ᵃ, und dazu stimmt nahe schwäb. kôb m. gaul Schmid 321, vgl.kobel stute sp. 1540 unten.
kopp, koppe m
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1783, Z. 23
kapaun, masthuhn, hahn.
1)
kapaun. so schwäb. kopp verschnittener hahn Schmid 321, auch bair. (koppen schoppen, kapaunen mästen) Schm. 2, 316, und ebenso wol in folg.: ainen kopen berupft man oben auf dem kopf. Keisersberg g. spinn. (granatapf.) O 1ᵃ, mit einfachem p wie vorhin, wol ohne änderung der aussprache; wie ein kopp gatzen. S. Frank .... 36;
der koppe feist, der koppe feist
sie allsampt frölich lachen heiszt.
Uhland volksl. 40 (vogelhochz.);
das feist diech (keule) von dem koppen.
H. Sachs 5, 246ᵃ;
schelm, wie wolst mir den koppen stehlen!
Ayrer 277ᵇ (1386, 27),
vorner Ursus lauft ein mit einem gebratnen hun, das der koch eben dann ein koppen nennt;
mit allerlei fleisch, wie man wil hahn,
von koppen, hüner, gens und pfaben.
385ᵃ (1931, 32),
es ist noch nürnb., s. Schmeller 2, 317; ordre gab, was sie vor dauben abwürgen und an hünern und koppen neben einem spanferkel abstechen solte. Simpl. 3, 298 Kz. Es erscheint als nebenform von kappe kapaun (s. d.), wie sich im 15. 16. jh. auch koppawn, koppaun findet, s. Dief. 97ᶜ. 256ᶜ und kapaunensuppe, vgl. auch koppen kapaunen. dennoch wird aber ein deutsches wort dahinter stecken.
2)
auch der hahn selbst, der unverschnittene, heiszt koppe. so im Oberinnthal koppen pl., 'gemästete oder überhaupt männliche hühner' Fromm. 4, 55, Schöpf 334; auch die u. 1 erwähnte bair. angabe Schmellers lautet nur so: kopp m., köpplein n., junger hahn, besonders ein verschnittener. ein hahn musz wol es auch im folg. sein: Luther thuͦt solches und lobet seinen koppen, der auf einmal 9 hännen (nunnen) dem teüfel an bratspiesz füret. J. Nas das fünft hundert der ev. warheit, Ingolst. 1570 409ᵇ. jeden zweifel entfernt Lexers angabe aus Kärnten 164: köppe m. der haushahn (bildl. wollüstling), mit umgelauteter nebenform. auch in den Niederlanden bei Kilian 254ᵇ kop, koppe, haen, gallus. dazu in Nürnberg koppen, köppeln vom hahne: die henne treten. Schm. 2, 317, wie md. kappen sp. 198. Das ist aus koppe kapaun nicht zu begreifen. es begründet vielmehr ein eigenes germ. wort für hahn, das umgekehrt die form koppe für das fremde kappe kapaun herbeigezogen haben wird. wie nun aber das koppen des hahns auch kockern heiszt (s. d.), so kann koppe zusammengehören mit engl. cock hahn, frz. coq, altn. kokr, dän. kok u. s. w. (s. sp. 6); s. weiter dazu gockel hahn.
3)
aber auch henne oder huhn überhaupt bedeutete das wort. jenes gibt als nl. Kilian, 'kop, koppe, hinne, gallina', noch fläm. koppe f. Schuermans 278ᵇ; daher mnl. im Reinaert Coppe als hennenname, auch im frz. Renart Copee, im lat. Brunellus Coppa (J. Grimm Reinh. fuchs ccxxxviii. ccxxiv). auch auf hd. boden leben noch spuren davon in der kindersprache; in Schwaben findet sich da für die henne der ruf kobele kobb kobb kobb! (Birl. Augsb. wb. 286ᵃ), in Henneberg heiszt das huhn da küpp f., küppele n., man lockt sie mit küpp küpp! auch kipp kipp! und kapp kapp! Fromm. 4, 317. zu letzterm stimmt das. kappel f., kappele n. huhn in der kindersprache, und eigen älter engl. capul a domestic hen (sonst pferd) Halliwell 231ᵃ. so gibt es zu dem coq, cock hahn vorhin in nordital. mundarten (piemont., parm., bologn. u. a.) in der kindersprache coca henne, cochi cochi (pl.)! ist der ruf für die hühner.
koppe f
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1784, Z. 21
cacumen, gleich kuppe.
1)
bergkoppe Frisch 1, 537ᶜ: itzt stiegen sie wieder auf die waldbekränzte koppe des berges. Bronner fischerged. (1787) 93; die höchste koppe des gebirgs. Voss Virg. georg. 195;
(baum, der) aus der tiefsten schlucht emporsteigt
und hinaufragt bis zur koppe.
Heine Atta Troll 17;
auf der koppe
seines lieblingsfelsens.
43.
oft als bergname, besonders schles., wo neben der Riesenkoppe oder Schneekoppe, die auch kurz Koppe heiszt, viele berge damit benannt sind (Weinhold 46ᵃ); aber auch anderwärts, wie in Hessen im 15. jh. eine Iberkoppe, eine Gebichiskoppe (Gibichskoppe, s. Haupt 1, 574), in schwacher form: von der Gebichiskoppen ... bis an die Iberkoppen. weisth. 3, 340.
2)
baumgipfel. Frisch 1, 537ᶜ, bairisch. wenn aber das vorige wesentlich oder nur md. scheint, so ist dieses auch masc. (wie unter 3. 4), und auch in der bed. etwas anders, wie erweitert, der koppen heiszt dort der ganze buschichte theil eines nadelbaums im gegensatz zum stamme, dann auch und besonders eine stammlose, noch junge oder buschicht, zwergartig gewachsene fichte selbst, s. Schm. 2, 317. aus Franken gibt er weidenkoppen, weidenbüsche, z. b. als grabeneinfassung schon im 16. jh.:
auf weidenkoppen semmel stehn,
darunter bäch mit millich gehn (im schlauraffenland).
H. Sachs 1, 76 Götz;
da stund zu beiden seiten (des bachs)
weidenkoppen.
47.
Trotz der abweichung in sinn und form kann es nicht wol ein anderes wort sein. der begriffswechsel ist wie in kopf II, B, 1, ein solcher fichtenkoppen heiszt bair. gerade auch filzkopf, mooskopf. s. auch koppen.
3)
fingerkoppe, spitze, bair. wieder als masc. koppen Schm. 2, 317. ähnlich nadelkoppe, kopf, mitteld.: wenn man eine nadel findet, die einem die spitze zukehret, so wird man unglück haben, kehret sie aber einem die koppe zu, wird man glück haben. rockenph. 3. hund., cap. 52. nagelkoppe (vgl. koppennägelein).
4)
federbüschel auf dem kopfe der vögel: koppe, cirrus, strausz. Aler 1225ᵇ, Denzler 2, 175ᵃ (1, 145ᵃ kappe); das eine lerchengeschlecht, so scharweis daher flügt, hat keinen koppen, das ander ist irdisch und hat einen kobel. Heuslin Gesners vogelb. Zürich 1557 170ᵃ (bei Horst in haube geändert), also auch schweiz. masc. vgl.koppicht, ↗koppmeise.
5)
das wort ist schwer zu beurtheilen.
a)
die einheit der verschiedenen bedeutungen zwar macht keine schwierigkeit. der begriffskern ist aufragende spitze, nur eben keine 'spitzige', sondern eine stumpfe, rundliche, kurz eine kopfartige, wie denn für alle bedd. auch kopf besteht (sp. 1768). aber eben kopf kann ihm im ursprung nicht fremd sein; da jedoch kopf caput auf kopf trinkschale zurückzugehn scheint (sp. 1747), müszte in kopf cacumen und in koppe ein ganz anderer stamm vorliegen, der urspr. eine bestimmte derartige spitze bezeichnete, von der aus sich der allgemeine begriff entwickelte; von welcher aber? es bietet sich doch wieder der menschenkopf als bester ausgangspunkt dar! zumal für die doppelbedeutung blosze koppe und bebuschte (behaarte) koppe, vgl.kol am ende.
b)
auch die form ist schwierig. bair. und schweiz. (4) müszte man kopfe erwarten. denn das pp ist fürs nd. gebiet alt bezeugt in alts. 'coppodi cristatus (draco)', was sich leicht zu 4 stellt, und in ags. copp m. culmen, apex (Ettm. 383), altengl. coppe, cop, z. b. von thürmen, bergen, auch cirrus, crista, wie bei der haubenlerche, beim hahne, oder federbusch auf vögelköpfen, s. Way prompt. parv. 91ᵇ. diesz copp m. stimmt aber genauer eben zu kopf, während umgekehrt für kopf, scheitel u. ä. in Luxemburg kopp fem. gilt, z. b. op der kopp danzen auf dem kopfe tanzen Gangler 249.
c)
flämisch heiszt es vielmehr kobbe, kob f., das obertheil eines hutes, der federbusch von vögeln, kamm des hahns (Schuermans 269ᵃ, dagegen kop m. kopf). und englisch besteht neben cop noch cob gipfel u. ä. (vgl. Halliwell 259ᵇ). diesem kobbe kann denn das oberd. koppe entsprechen. s. weiter unter kuppe.
kopp, koppe m
Fundstelle: Lfg. 8 (1868), Bd. V (1873), Sp. 1783, Z. 9
aufstoszen, rülpsen, bei Dasyp. 210ᵈ ructus, ein gröps, kopp, reüpse, ebenso Frisius 1167ᵇ, Maaler 249ᵇ, das. aber ein koppen lassen ructare, vogelkoppen lassen 471ᶜ, also im nom. eig. koppe m.:
dunkt dich denn der wein für nicht (als nichts),
so tuͦ ain koppen als ain baur.
sprich 'wirt, wie ist dein wein so saur!'
parod. Cato bei Zarncke, d. Cato s. 148;
hofieren sie schon (vor völlerei) nit gar ins gesesz, so sind doch ire koppen und fürz von gewürz krisamssaur räsz. Garg. 44ᵃ (1575 D 5ᵃ, Sch. 68); die polnischen kopen von gewürz, auch von rettich und zwibel die fürz werden die luft vergiften. groszm. 140 (Sch. 658). es ist noch bair., auch kopper, koppezer. Schm. 2, 317. s. weiter koppen.
Zitationshilfe
„koppe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/koppe>, abgerufen am 16.10.2019.

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