Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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krätze, kretze, m., f.

krätze, kretze m. f
korb, korbgeflecht, ahd. crezzo m. calathus Graff 4, 593, mhd. kretze m. f. wb. 1, 879ᵃ (vgl. gramm. 3, 460).
I.
Gebrauch, bedeutung, formen.
1)
korb.
a)
als rückenkorb, mhd. kreze, cophinus qui in dorso portatur Mones anz. 8, 395ᵇ; auch die krezzen in dem Neidhart MSH. 3, 293ᵇ ff. ist offenbar ein rückenkorb. daher folg.: auf Eneisch (d. h. wie Aeneas) ein krätzen ausz ihr (d. i. sich) machen, die ihren liebsten schatz ausz Winsberg trag. Fischart Garg. 70ᵃ (Sch. 118), den gatten tragen wie ein rückenkorb. daher schweiz. kräzen geradezu für auf dem rücken tragen, s. Stalder 2, 131, vgl. das gleichbed. kreinzeln unter kreinze korb. noch schweiz. chræza f. geschlossen geflochtner tragekorb Tobler 118ᵇ (zu dem æ s. unter h).
b)
ähnlich als tragkorb eines esels: Christus hat uns in einem schnoden dienst gedient, wan er hat uns unsern mist ausgeführt, das ist unser sünd, und in zweien kretzen. wann man mist an einen berg wil füren, so legt man eim esel zwen körbkretzen uf und füllet sie mit mist u. s. w. Keisersb. evang. 1517 50ᵃ; die vollen krätzen trucken den esel am aller minsten. Fischart bien. 143ᵇ (1588 156ᵇ), der doppelkorb. nach dem körbkretzen führten auch andere vorrichtungen der art den namen kretze. s. dazu 2.
c)
als handkorb oder korb überhaupt: wie sie (die einsiedler) in iren wüsteneien und clausen körbe und kretzen geflochten. Mathesius Luther (1583) 27ᵃ, so dasz also korb und kretze doch unterschieden werden; canistrum, kretz vel zain. voc. rer. Augsb. 1478, vgl.brotkretze; cretzen, korb. Henisch 624; sie brachen einem krämer sin krätzen auf. Tschudi 2, 489ᵃ; krätze f. hängekorb, handkorb Rädlein 563ᵃ mit der redensart einem was in die krätze legen, faire le présent accoutumè à son compère, vgl. das verbot des kretzentragens bei kindtaufen, d. h. schenken von seiten der gevattern an den kindtaufsvater bei Schm. 2, 400.
d)
vogelkorb: aviarium, ein vogelkrätze oder kötze. Dasyp. 16ᵇ, vögelkretz 368ᵃ; cretze vogelhaus Henisch 624. noch in Schmidts idiot. bernense chräze cavea Fromm. 2, 371ᵇ, auch bei Rütte 50 kräze käfig. ebenso korb als vogelbauer.
e)
als wagenkorb: auf dem rüstwagen zwo gut hoch und lang gezäunte krätzen. Krenners bair. landtagsh. 7, 70 ad a. 1460, noch bair. wagenkretzen, die wagenflechte Schm. 2, 399. auch schwäb.: darnach hat man den enthaupteten auf ein krezen gelegt. Birlinger Augsb. wb. 291ᵇ.
f)
form und stoff weichen wesentlich ab. aus Baiern z. b. gibt Schmeller als begriff 'geflecht, das nach verschiednen gegenden bald die gestalt eines korbes, bald die einer wanne u. dgl. hat', Frisch 1, 545ᶜ gibt es als korb von holz geflochten, liegt im stoffe der unterschied von korb und kretze unter c? Ringwald 2, 77 gibt es aus dem Henneberg. als handkorb von weiden geflochten, aber auch als backmulde von gleicher arbeit, und 1, 89 als rückenkorb.
g)
zum geschlecht ist zu bemerken, dasz noch nhd., wie mhd., m. und f. neben einander gehn. älteres masc. z. b.:
hört ir, frau mit dem kretzen,
wie gebt ir des reis ein metzen?
fastn. sp. 368, 11;
nim .. drei pfennig und den kretzen, geh gen markt, kauf u. s. w. A. v. Eybe Plautus 97ᵃ; nim den kretzen und gehe mir nach, das wir kraut kaufen. Steinhöwel Aesop 1555 bl. 8, in der Freiburger ausg. 1569 aber nim die kretzen 8ᵃ. das fem. gibt Rädlein (s. u. c), m. aber Frisch (krätz, krätzen); das m. ist bair., schwäb. (kretzen Schmeller, Schmid 240), das fem. aber schweiz., auch hessisch Vilmar 223, fränkisch, daher bei Rückert: die krätz' an der hand haben. makamen 2, 57, um früchte zu sammeln.
h)
endlich ist in der wortform mehrfach langer vocal angegeben. so aus der Schweiz 'kräze, kräätze' f. hängekorb Stald. 2, 131, vgl. Tobler unter a; aus dem Bregenzerwalde kræze f., 'tragkiste mit bändern' (auch ein kind, das immer getragen werden musz) Felder. aber auch aus Nordfranken krêtze Reinwald 2, 77. in Thüringen, wenigstens am nördlichen abhange des waldes, hat man ein m. krätzer, grobgeflochtner korb, z. b. zum obstabnehmen, aber auch kræzert gesprochen. diese länge vor z musz auffallen, kann es erst spätere dehnung sein? oder bestehn kürze und länge von jeher nebeneinander? einen gleichen fall s. unterkatze.
2)
tragreff; so bei Maaler 250ᶜ, Frisius 51ᵃ 'krätzen f., aerumna'. krätz, tragräff Aler 1236ᵃ. eigner weise auch nl. bei Kilian 261ᵃ, kretse, mit genauer beschreibung. ebenso ist krenze zugleich korb und reff, und das gleichfalls nah anklingende krächse reff ist ebenso auch korb (sp. 1924).
3)
nach Adelung heiszen auch wiegen krätzen, gerade wie kötze korb auch wiege ist, s. d. I, 4 und II, 3, a, auch hier II, a und c.
II.
Verwandtschaft und herkunft.
a)
es gehört zusammen mit seiner nebenform kratte (ahd. auch chretto), die dort angeführten engl. crate korb, nl. kratte entsprechen dem hd. krätze, während auch kratte mit seiner lautstufe sein entsprechendes finden mag in engl. cradle wiege, ags. cradul (eig. körbchen?), vergl. vorhin unter 3 krätze wiege und engl. crib wiege mit cribs salzkörbe.
b)
merkwürdig ist dabei nl. kretse aviarium und corbis vimineus, doch wol vom Oberrhein eingeführt, wie kretse reff; sonst könnte man an eine ableitung mittelst s denken, wie sie deutlich in krächse vorliegt, das sich auch sonst mit krätze deckt; zudem wird auch ein krepse reff angegeben (s. dort).
c)
zwischen krächse und krätze, und wenn es echt ist, krepse, liegt denn wieder wurzelhafter auslautwandel vor (s. sp. 6). gutturalen einfachen auslaut zeigt auch engl. creke, creak korb Hall. 278ᵇ und wol auch cratch 278ᵃ korb und wiege, auch raufe, krippe und 'a kind of a handbarrow', eine art reff? labialen auslaut zeigen krebe korb und krippe.
d)
denn auch geflechtähnliches, gitterförmiges wird mit der wurzel bezeichnet, die raufe, krippe, das tragreff sehen einem groben geflechte ähnlich; so in bair. kritze gitterstall für hühner, auch ostfr. kreite ein leichter, aus latten gezimmerter kasten zum torftragen, auch die hohe wagenleiter, das seitenheck auf dem heuwagen Stürenb. 122ᵇ (vgl. bair. kretzen wagenkorb) zeigt diesen begriff und zugleich dieselbe vocalisierung wie kreinze korb (ahd. einmal creito korb), zu der auch die vocallänge in der schweiz. thür. form eine beziehung haben mag.
e)
dem kræze ähnelt schweiz. gräze, grätze gerte, rute, reisig Stald. 1, 474, und diesem wieder it. grettola, gretola weidengerte zum korbflechten, gitterstab eines käfigs, gehören sie hieher?
f)
auch in slav., litt., kelt. sprachen bestehn stark anklingende worte in der bed. gitter, rost, flechtwerk, z. b. poln. krata gitter, litt. krátis, s. Diefenbach goth. wb. 2, 536.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2073, Z. 62.

krätze, f.

krätze f
1)
scabies, räude, mhd. eine spur in ankretzic (s. 1, 387), von kratzen, wie scabies von scabere, ψώρα von ψάω, auch engl. cratches pl., von pferden (mauke); anklingend altsl. slov. krasta, böhm. chrásta, russ. korosta.
a)
im sing.: kretz prurigo, cutella. voc. inc. teut. n 6ᵇ, durre krecz impetigo, scabies sicca e 4ᵇ, die kretze voc. th. 1482 r 3ᵇ (auch juck m., ahd. jukido);
doch wem kalt flüsz und kretz we dunt,
die werden schnell geheilet do (in Ems).
Folz, fastnachtsp. 1259;
der herr wird dich schlahen .. mit grind und kretz. 5 Mos. 28, 27;
kelt, kretz und husten in zustat.
H. Sachs 1, 519ᶜ;
gesell, ir seit ein rechte hadermetz.
fraw, ei, des hab dir die welschen kretz (franzosen?).
2, 127 Göz;
i. f. gnaden aber entschuldigen sich wegen krankheit und dasz sie die krätz hatten. Schweinichen 2, 97; mit krankheit und sonderlich mit einer krätze also angegriffen. 2, 108; auch die krätze hat melancholien und tobsuchten geheilt, ist die krätze darum weniger krankheit? Schiller 694ᵃ; das allertollste aber ist dieses, dasz er — (wie soll ich mich gleich rund genug ausdrücken? ich will, mit ihrer erlaubniss, einen ausdruck aus dem Hudibras borgen) dasz er seinem autor die krätze giebt, um ihn reiben zu können. Lessing 6, 8. dazu bäckerkrätze, ein ausschlag der hand, der besonders bei bäckern vorkommt; bartkrätze, auch baumkrätze.
b)
auch im plur., wie oben engl. cratches. so tirol. kretzen pl. Schöpf 344, und östr.: das ist so wenig möglich, als ein jude nach ambra riechen, ein bauerkäs nicht stinken .. und ein schneider ohne kretzen sein kann. Weisz die Wiener haupt- u. staatsact. 158.
c)
bildlich: zur zeit der interimistischen krätze (des interims) Hamelmann dedic. des chron. Erdmannianum 1564.
2)
im hüttenwesen und bei metallarbeitern, der abgang vom bearbeiteten metall, besonders von silber, ramentum Stieler 1028, Frisch 1, 545ᶜ. ursprünglich war es wol abfall, abschabsel überhaupt, daher lat. im 16. jh. ramentum genannt (s. Lessing 11, 456).
a)
als fem., wie bei Stieler, Frisch: der goldschmied schmelzt die gewaschene krätze wieder. Steinbach 1, 929, vgl. krätzbereiter; 'âschrot, krätze bein münzschlagen'. Schmeller 3, 521. bildlich: gelehrte kretze. Lessing 11, 455 (11, 2, 27 Maltz.). s. auch darrkrätze, kirchenkrätze.
b)
aber auch krätz neutr.: (kein bürger soll) keinerlei kupfer, kurnts, test, kretz oder weinstein nicht schmelzen noch abtreiben, ausgenommen in der stat gemeinen schmelzhutten. Baaders Nürnb. polizeiordn. 150 v. j. 1483; test oder kretz .. das durch ine ... gemacht were. 151; ist ein salz .. wird in den glashütten den goltschmieden zum flusz des kretzes und der anfeilung verkauft. Thurneisser alch. 2, 29. auch folg. kretz kann n. sein: das übrige silber bleibt im abstrich, kretz und schlacken. L. Erker 105ᵃ; von dem frischen, dem seigern und dem darren fält eine blesische unart ab, die man krätz nennt. Cancrinus bergw. 18. auch schwed. krats n. vgl. das gleichbed. gekrätz n. und krätzich.
c)
bildlich in die krätze gehn, in den abfall kommen, verloren gehn (bei Frisch 1, 546ᵃ ins krätze, Schmotther 2, 391 ins kretz gehn, nd. in de kretse br. wb. 2, 871): ich wollte nicht gern, dasz ein tröpflein in die krätze ginge. Bodes Tristr. Schandi 3, 91; meine anmerkungen über den Falco ... die werden wol in die krätze gehen. Lessing 12, 358. auch bei Zelter an Göthe 6, 312. man findet auch in die kratze g.
3)
krätze f. gleich kratze 1, rutrum metallicorum Stieler 1028, auch bei M. Kramer 1787 als sandschaufel, bagger u. ä.; wol zu krätzen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2072, Z. 75.

kratze, f.

kratze f
1)
werkzeug zum kratzen, scharren.
a)
z. b. zum entfernen von schmutz: wiewol die zolner unter iedem thore ir ieder ein hawen, ein schaufel und ein kratzen hat (das pflaster zu reinigen). Tucher baum. 256, 28, so nd. krâsche Schamb. 111ᵇ. erzgeb. mistkratze zum reinigen des stalles (Spiesz 63), luxemb. das scharreisen des kaminfegers.
b)
bei den bergleuten, mit stiel, in krückenform, schon mhd. Pf. Germ. 1, 348ᵃ, schwachf.: zu gleicher weis haben auch die kratze und schaufel von den gemeinen kein underscheid, mit den einen scharren sie die erd und kies zusammen, mit den andern werfen sie diese ding in die gefäsz. Bechius Agricolae bergwerk 114, auch reutkratze (Dief. 505ᶜ); vgl.kräuel, der auch kratze heiszt. ähnlich bei den minierern, auch krücke genannt. in den zinnhütten rautkratze, die schlacken wegzuscharren. entlehnt böhm. krace (kratce), poln. graca.
c)
ligo, kratzce Trochus Q 5ᵇ (Dief. 329ᵇ), also karst, krauthacke u. ä.; ebenso wieder poln. graca, böhm. krace, dazu als verb. gracować, kraciti, die erde hacken, karsten, nicht auch deutsch kratzen? schwed. gibt es kratta f. harke, während das entlehnte krats kratzeisen masc. ist.
d)
bei wollarbeitern gleich krämpel, kratzkamm, gewiss auch alt (böhm. kracinka), schles. kratzel n. drahtkamm für werch, böhmisch kracle, dazu kracluju krämpeln, den flachs kämmen, gewiss also auch hd. kratzeln. ähnlich in baumwollenspinnereien (vorkratze und feinkratze) Karmarsch 1, 122. 830, auch bei hutmachern, zur lockerung des haars 2, 282.
e)
grob für finger, nägel: mit denen schwarzen kirschen (beim essen) must du deine kratzen und saurüssel wol befärben. L. Tölpels baurenmoral 39.
2)
abgekratztes, abgeschabtes, kratz (aber als fem.) M. Kramer 1787; die breikruste in topf und tiegel, bodenscharre Schmidt westerw. id. 88, franz. gratin. vgl. henneb. ôkratze (wäre mhd. âkratze) werch, vürkratze schlechtes werch Fromm. 3, 137. 140. vgl.krätze 2.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2072, Z. 41.

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