kröte f
Fundstelle: Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2414, Z. 47
rana bufo.
1)
die formen.
a)
ahd. in zwei formen, chrota und chreta rubeta, bufo, rana Graff 4, 593, beide mit gebrochnem vocal, sodasz im stamme ablautung u und i vorhanden war. dazu gesellt sich, den dreiklang vollendend, mhd. krate, oberrh. 14. jh. Mones anz. 8, 501, md. im spiel von den zehn jungfrauen s. 27 (Germ. 11, 151); im letzteren kommt zwar auch sonst a für o vor (Germ. 11, 142, vgl. unter krot 1, c), aber das alem. krate stützt die echtheit des a; noch jetzt rhein. in Bonn krat (Müller u. Weitz Aach. mundart 130), wie in einem rhein. oder md. voc. des 15. jh. krade Dief. 83ᶜ, nrh. crade im Teuth. 58ᵇ; s. auch u. krötenstein 2, krötenfusz. vgl. ahd. hnol und hnel Graff 4, 1131, und u. klein oben sp. 1088 und funke, fanke, vinc 4, 594.
b)
die gewöhnliche mhd. form ist krote f. (wb. 1, 889ᵃ), und so nhd. lange vorherschend (s. die beisp., vgl. noch jetzt schildkrot): krot voc. inc. teut., voc. 1482 r 5ᵃ, Melber, Straszb. gemma, Dief. 83ᶜ, krott Dasypodius 368ᵈ, Maaler 254ᵇ, krot Schönsleder g 7ᵇ, und noch jetzt krott schweiz. Stald. 2, 135, Tobler 120ᵇ, auch mrh. Kehrein 246, elsäss. Arnold 194, Fromm. 4, 471, schwäb. Schmid 328, bair. Schm. 2, 399, östr. Höfer 2, 175, kärnt. kroute f. (demin. krötel) Lexer 168. auch jenseit des gebirges in den sog. cimbr. gemeinden krota Schmeller 139ᵇ, in Luserna krôt (krôter m. grosze kröte) Zingerle 39ᵃ; daher auch nordital. in der an jene gränzenden vicent. mundart crote (Diez wb. 2, 57), friaul. crote f. und crott m. frosch (vgl. 2, a), südtirol. crot m. kröte Schneller roman. volksmund. in Südtirol 1, 231. selbst in wbb. des 18. jahrh. erscheint noch krotte Aler 1245ᵇ (dagegen kröte zungengeschwür, s. 5), Denzler Basel 1716 krott (kröte wie Aler), ja noch Frisch, der in den beispielen zwar nur kröte braucht, setzt als stichwort krote oder kröte 1, 550ᶜ (Stieler 1043 kröte und krotte). eigen auch krut, rheinisch Dief. 83ᶜ, n. gl. 58ᵃ, fränk. krût Frisch 1, 551ᵃ, vgl.krutch u. g.
c)
blosz kröte setzen erst die obersächs. wbb. an, Rädlein, Ludwig, Schmotther, dann auch M. Kramer Nürnb. 1719, Kirsch Nürnb. 1723, der Schlesier Steinbach (schon bei Henisch 468, 31 krötte), es ist die in ostmd. mundarten herschende form, auch thür.; schon im Leipz. voc. opt. 1501. 1508 bufo, ein kroet D 6ᵃ (oe gleich ö, s.bloecken mugire D 5ᵃ), während Trochus J ijᵃ gleichfalls krote gibt, wie der Leipz. druck von Bracks voc. rer. 1491 43ᵇ krot, aber jener hat keine type für ö, ü (oe, ue dienen ihm für ô, û), dieser folgt überhaupt seiner oberd. vorlage auch im mundartlichen; bei Luther, H. Sachs kröte, s. 2, b und e am ende. auch bei Dief. 83ᶜ in einem md. voc. cröt, in einem rhein. kroͤte (in einem jenem nah verwandten daneben krot), vgl. hess. krötenbalsche krötenbglsam Vilmar 228. aber auch mhd. schon kröte, bei Konrad v. Würzburg:
den (pîn) schuofen im sîn appetgöte (abgötter),
zerblæjet wart er als ein kröte.
troj. kr. 27274 Keller, vgl. 2, e.
so musz doch eine urspr. nebenform krotia dahinterliegen, die gerade in ostmd. landen sich hielt und um sich griff, um im 18. jahrh. die herschaft zu erringen.
d)
auch als nd. gibt Chytraeus nomencl. cap. 86 (Hamb. 1594 sp. 344) bufo, eine kroͤte, mit auffallendem t, ob nach Luthers bibel? doch auch brandenb. kräöt Danneil 115ᵇ, vgl. K. Schiller zum mekl. thier- u. kräuterb. 1, 4ᵃ. 4ᵇ. sonst mnd. crode Dief. 83ᶜ, krode nov. gl. 61ᵇ, Theoph. 351 (s. unter 4), es scheint nur vereinzelt vorzukommen; herschend ist nnd. ütze (s. u.auke), mnd. utze Dief. 83ᶜ, ütze, pedde n. gl. 313ᵃ, nl. padde, ostfries. pudde, ütze Stürenb. 124ᵇ (vgl. 3, e). nl. krodde doch auch bei Kil., fläm. krod Schuermans 297ᵇ. während das wort sonst auf das deutsche gebiet beschränkt ist, erscheint doch sehr merkw. schwed. groda f. frosch, norw. gro f. kröte Aasen 147ᵇ (dänisch padde, tudse), zeichen eines alten reichen vorlebens; zur sache vgl. 2, a.
e)
auch die zweite ahd. form, chrëta, erhielt sich, besonders mrh., so in den gl. des Jun. 'bufo vrosch, rana creda, sed vulgo contraria sentiunt' Nyerup 270, bufo creda Germ. 9, 29, credda rubeta bei der heil. Hildegard (von Bingen, s. MSH. 3, 468ʰ), s. Dief. n. gl. 321ᵃ; dann in dem mrh. voc. ex quo von 1469 krede (Weigand 1, 643), auch in einem andern krede, kreyde bufo Dief. 83ᶜ, in einem merkw. bubo krede neben bufo krot nov. gl. 60ᵇ. 61ᵇ; daher noch westerw. kree (rheingauisch krott) Kehrein Nassau 1, 246. ebenso hessisch bei Herbort 8364 crëte. und dasselbe ist ostmd. kräte, z. b. schles. neben kröte Weinhold 48ᵇ, in Posen Bernd 146, livl. Hupel 124, auch nordthür.; eigen wetterauisch krott, aber plur. kräten, vergl. des Alberus krettendill unter krötendill.
f)
auch ein masc. findet sich: elsäss. der krotten Kaisersberg lebkuch. 50ᵇ, wie noch im Sundgau (Stöber bei Fromm. 4, 471); siebenb. (also rhein.) als m. krade, kradele und krader (vgl. krôter u. b), der gemeine wasserfrosch Haltrich plan 65ᵇ. vgl. die nordital. masc. unter b.
g)
erwähnenswert ein demin. krutch f., an der Mosel (Aach. mundart 130), westerw. (neben krutt, krott) Schmidt 94, wie mrh. hutch f. kröte ders. 75, Kehrein 206, für urspr. krutche, hutche. diesem entspricht mnd. hutzke rana hor. belg. 7, 27ᵇ, sächs. hutschche (nur noch von bösen kindern, s. 3, d); in der Oberlausitz, jenem rhein. krutch entsprechend, mit merkwürdiger häufung im auslaut 'krochzie' f. (l. krochzche), böses, giftiges geschöpf Anton 9, 12; wegen dieses demin. -che s. gramm. 3, 677, vgl. ahniche, fülche. demin. auch krodel fem. Aachener mundart 130, vgl. das siebenb. kradele vorhin.
h)
der ursprung ist dunkel.
α)
wenn der anlaut des schwed. groda, norw. gro (s. d) der ursprüngliche wäre, liesze sich bei goth. usgrudja träge, schlaff ein anhalt suchen, da die kröte, dem hüpfenden frosche gegenüber, mit dem sie jeder vergleicht kriechend und lauernd träge erscheint; diesz kennzeichen wird nicht selten erwähnt, s. Herbort 8364, H. Sachs unter 2, b (vgl. frz. sauter comme un crapaud, sich umsonst anstrengen lebhaft zu sein). usgrudja passt mit grids schritt zusammen und hiesz vielleicht urspr. 'der nicht mehr schreiten kann', beide deuten ein starkes gridan graþ grudans an mit der bed. schreiten, verwandt mit ahd. scrîtan schreiten (lat. gradi), nhd. nachlebend in griten, greiten (s. mhd. wb. 1, 577ᵇ, Lexer mhd. hdwb. 1, 1090), gespreizt und mühsam gehen, kriechen u. ä., grätschen. die kröte, die nicht hüpft wie der frosch, wäre als die grätschende passend bezeichnet (vgl. franz. crapaud mit kräpeln sp. 2062); die stufe des anlauts könnte hd. nd. gesteigert sein (vgl. u. krimmen II, 1, b), wie er in scrîtan wirklich erscheint, der ablaut in chrota, chrëta, crade stimmt zu der goth. spur.
β)
erwähnenswert ist doch auch ein anklang mit wechselndem anlaut: rana rufa, krott vel trote Engelhusen Mones anz. 7, 301ᵇ (Diefenb. 483ᶜ), und bair. protz kröte Nemnich 4, 1123, broz m. und broze f. Schm. 1, 274. an letzteres lehnt sich ahd. pretta, preita rubeta Graff 3, 364 und nd. bretworm bufo Dief. 84ᵃ, n. gl. 61ᵇ, nrh. breedworm Teuth. 189ᵃ, breydworm 39ᵇ. diesz krote : trote : protz, pretta erscheint fast wie bei kibiz nd. kîvit : tîvit : pîvit (sp. 658, vgl. unter K 6). über trote (drude) gleich krote s. besonders u. krötenfusz. übrigens erinnert trote zugleich an engl. toad kröte, dän. tudse, wie brotz ital. botta kröte neben sich hat (s.brotz a. e.), altfranz. boterel Nemnich.
2)
kröte als thier.
a)
die verwechselung oder vermischung der kröten und der frösche, die dem nichtkenner noch jetzt begegnet, drückt sich seit lange auch in der sprache aus (vgl. schon unter frosch 4, 250); s. unter 1, e die umgekehrte alte angabe aus den gl. bei Nyerup mit dem berichtigenden zusatze sed vulgo contraria sentiunt, vgl. ahd. bufo frosc (neben bufones chrotun) Mones anz. 7, 597, umgekehrt siebenb. krade rosch unter 1, f, wie schwed. groda frosch neben norw. gro kröte (1, d), im 15. jh. 'rana krot oder frosch' (bufo erdekrott) Brack Lpz. 1491 42ᵇ, wie schon ahd. 'rana frosc vel creta' Haupt 3, 378ᵇ. Heinrich von Mügeln wechselt geradezu mit beiden, von fröschen redend:
eʒ sâʒen frosche zinses frî und vorchte lêr,
die bâten lange umb einen konig ern Jûpiter ...
der kroten schare rîf und schrei daʒ ander mâl.
Bartsch liederd. des 12.—14. jh. s. 282.
die verwechselung ist um so begreiflicher, da es arten gibt, die schwer unterscheidbar einen übergang von frosch zur kröte darstellen, wie die knoblauchskröte, feuerkröte (unke), der krötenfrosch. dem vermuteten ursprunge von kröte (1, h) steht das nicht im wege, da auch der frosch grätschend gesehen wird.
b)
kröte in Luthers bibelübersetzung (s. 1, c): diese sollen euch auch unrein sein unter den thieren, die auf erden kriechen, die wisel, die maus, die kröte. 3 Mos. 11, 29 (vulg. crocodilus, das hebr. wort bezeichnet eine eidechsenart, vgl. unter kiefer sp. 670); da er unzifer unter sie schickt die sie fraszen, und kröten die sie verderbeten. ps. 78, 45; ir land wimmelte kröten eraus. 105, 30, beide male mit der var. frösche, wie hebr., LXX, vulg., auch Luther selbst in der entsprechenden erzählung 2 Mos. 8 (vgl. oben 4, 250), sodasz auch er an dem schwanken zwischen kröte und frosch theilnahm. auch bei H. Sachs kröt:
nach dem watschlet daher die kröt (: nöt)
und wolt auch mit dem fuchsen gan.
der sprach: niemand dich füllen kan,
des ganzen erdrichs will dir zrinnen (mhd. zerinnen) ...
du sparst das gut (gute) und frist das arg.
1, 482ᵇ, 1590 362ᵇ.
c)
dasz sie erde fresse, war ein stück des alten aberglaubens, mit dem das thier reichlich umgeben war und ist:
diu krote getar der erden niht
sat werden (sich satt fressen), wan si sich versiht (fürchtet),
daʒ ir der zerinne (dasz sie ihm alle werde).
Renner 4861,
im vergleiche mit dem geizigen, wie bei H. Sachs, der diese Rennerstelle vielleicht in gedanken hatte;
die geitikait mag man wol (wol sîn?) gelich
der kroten, die lebt allzeit des ertrich,
durch vorcht, die sie an ir hat,
dʒ si des ertreich nit müg werden sat,
wann sie erfüllet sich mit essen nicht.
alle kroten seind geitig mit irem gesicht.
Vintler b. Haupt 9, 73, vgl. zeitschr. f. myth. 1, 362;
(besser wärs, du) freszest erd wie ein krott, die sorgt die erd werd ihr entgehn, und meint sie hab die erd im sündflut in ihrem bauch erhalten (für die nachwelt gerettet) und wölls noch thun. Garg. 213ᵃ, Sch. 397, zu einem peinlich ängstlichen gesagt; wie die kroth gleichwol (zwar) die erde frist, aber doch mit einer masz, dann sie förchtet, es werde ihr die erde mängeln, derwegen isset sie under tags mehrers nicht als wie sie in linken fusz fassen kan. Albertinus der welt tummel- u. schawplatz Münch. 1612 361, wo mehr des aberglaubens von ihr (den heutigen s. bei Wuttke volksabergl., bes. § 155). sie werden sogar aus erde (nach Albertinus 361 aus dem aschen der verbrennten krothen):
wie krotten ausz der erden (werden),
die maden ausz den faulen käsen.
Garg. vorr. 9;
daher wol mit ertkrot bufo Dief. 83ᶜ, erdekrott Brack unter a (vgl.ertfrosch Mones anz. 7, 597). anders von ihrer nahrung:
ein dotenbein,
daran würm, schlangen, krotten nagen.
Brant 85, 133;
was schlurfst aus dumpfem moos und triefendem gestein
wie eine kröte nahrung ein?
Göthe 12, 172.
d)
ihr saft gilt für giftig, vgl. von ihrem eiter, das die katze von ihr leckt Berthold 402, 28 ff. 405, 17 ff.: ob wol die kroth vergift (d. h. giftig) ist, jedoch wann sie zu aschen verbrent ist worden, verlieret sie di kraft des gifts und wird arzneiisch. Albertinus 361; als wenn alles gift nur aus einer und derselben kröte spritzte. Schiller 150ᵇ (Fiesco 1, 10);
kröte du, die nacht und tag
unterm kalten steine lag,
monatlanges gift sog ein.
572ᵇ (Macb. 4, 2);
das sie sich (vor angst) wie die krotten beseichten. Garg. 139ᵇ (Sch. 255); vor kröten speit man aus. Lessing 1, 342.
e)
noch anderes von der kröte. sie schwillt unter umständen: er geschwal (von dem kraute) wie ein krot. Aimon r 1;
und rempt mir des angesichts mit der faust,
das mirs maul geschwall als ainr kröten (: nöten).
fastn. sp. 331, 28;
da sie (Xanthippe) merkt wie sie ward verspott,
pleht sie sich auf gleich wie ein krot.
Scheit grob. H 3ᵃ,
vor bosheit, 'gift und galle', vgl. mhd. unter 1, c zerblæjet wart er als ein kröte. von dem anlasz ihres schwellens bis zum zerplatzen erzählt Albertinus 360: wie die kroth von natur kalt ist (s.kalt 3) und alsbald sie angerührt wirt, aufschwilt, und wann derwegen die spinn auf sie steigt und sticht, sie aber seiner nicht los werden noch auch sich rechen kan, so geschwilt sie dermaszen, dasz sie letstlich mitten von einander zerspringt; doch könnte dort die fabel vom frosche, der so platzt (Boner. nr. 46), mit einwirken. An quälereien, denen man sie unterwirft, auch aus abergläubischen gründen (vgl. Wuttke § 155, zeitschr. f. myth. 1, 16) erinnert folgendes: secht da, wie meisterlos zerspert sich die krot auf der hechel? Fischart bien. 1588 142ᵃ; zuvor, eh er (Alexander d. gr.) sein plut sah, sperrt er sich wie ein krot auf der hechel, meint gänzlich, wie ine seine schmeichler beredten, er wer vom himmel gefallen. podagr. trostb. 1577 E 8ᵃ (Kl. 10, 688), s. aber dazu unter krötenfusz 2. sprichw. er tritt daher wie eine kröte im mondschein, lächerlich stolz und plump (oben 2, 683). als zimmergesell der gefangenen: wann ihr mich nicht hören wolt, so bringt mich wieder zu den krotten in das gefängnus. Weidner apophth. 3, 389. ebenso in der hölle, wie noch auf bildern in Höllenbreughels art:
kein diep, kein morder soltu sîn ...
unt daʒ dich meineitswer niht gebe den krotten (: abgotten).
Frauenlob spr. 361, 10.
vergleichung mit den teufeln: mus mans doch an der wand greifen, das der teufel daselbs (in Münster) leibhaftig haushelt und gewislich ein teufel auf dem andern wie die kröten sitzen. Luther 6, 316ᵇ. vgl. krodenteufel.
f)
in manchem aberglauben verbirgt sich eine uralte religiöse bedeutung der kröten. wie sie vorhin als teufel erschienen, so haben sie eine nahe beziehung zu den hexen, s. dazu 3, a kröte gleich hexe und besonders krötenfusz 2. sie spielen bei den hexenprocessen und allerlei zauber eine grosze rolle (Wuttke § 155). bei den nächtlichen festen z. b. musz eine junge unerfahrene hexe mit einem weiszen stabe kröten hüten (Grimm myth. 1025); sie zeigen schätze an und sind selbst schatzhüter (Zingerle in Wolfs zeitschr. f. myth. 1, 9); kröten, die an Walpurgis zum vorschein kommen, sind selbst hexen. in märchen erscheinen verwunschene fräulein als kröten (z. f. myth. 1, 10), in sagen und im volksglauben katholischer lande, z. b. Tirols, gelten gewisse kröten als arme seelen, die erlösung suchen (das. 7 ff.); s. auch Rochholz Schweizersagen 1, 341 ff. vgl. 3, a.
g)
bildlich: nun sog sich die kröte der eifersucht, die im lebendigen brunn lebt und wächst ohne sichtbaren eingang und ausgang, in seinem warmen herzen fest. J. Paul Tit. 2, 205 (sie ziehen das gift aus den brunnen, s. Wuttke § 100. 155). tirol. krotn fuszeisen Schöpf 348. eigen ist folgendes, ein mann straft seine frau lügen, die ihm sein wirtshausleben vorwirft:
es tut dir sust in der kroten we,
das ich herein zu mein freunten ge.
fastn. sp. 55, 34,
es ärgert dich aus einem andern grunde (sust); krote für bärmutter, die als krankheit krötenähnlich dargestellt wird (in wachs ex voto, s. Schm. 1, 188 und Haupt 13, 176), hier aber als gebärmutter nicht ärztlich gemeint ist.
3)
kröte von menschen (und thieren).
a)
nach 2, f begreift sich, wie frauen als kröten bezeichnet, gescholten werden. schon mhd.:
ein wîp ich heime lie,
diu ist ein tœrschiu krot,
die überredet vil lîhte ein ander man.
Neidhart 103, 4,
also nur von sinnlicher schwäche, wie auch 19, 6 krot im munde einer mutter von der tochter die den burschen nachläuft; verliebte kröte gilt in Berlin. bei der Hätzl. LXVIIIᵃ inhitzige krotensack, wol nach dem schwellen unter 2, e. geradezu für hexe: drauf hab ich bald den besenstiel wider recht gstellt, dasz die krot hat wider reuten künen. Schwabe tintenfäszl B 7ᵇ. sonst zur bezeichnung von bosheit u. ähnl. (vgl.krötteln Stalder 2, 135):
noch ist die verheit krot so gar unbescheiden.
fastn. sp. 55, 3. 333, 24;
ein durchtriebne kroth. Schwabe tint. 57;
du kröte! ich gethan!
Göthe 7, 84 (mitschuld., der wirt zu Sophien).
aber auch ohne schelten, du schwarzäugig krot beginnt rühmend ein schwäb. volkslied (die kröten haben schöne leuchtende augen). gr. φρύνη kröte galt auch als frauenname, wie φρῦνος kröte als mannsname. verstärkt blitzkröte (2, 134), ein mädchen das unglaubliches möglich macht, vergl. donnerkröte, wetterkröte (Bernd Posen 146) und blitzkerl sp. 588 (kröte- selbst als verstärkend s. Tobler bei Fromm. 5, 19), auch schweiz. chröttli unter krötlein. dem blitzkröte ähnlich auch von einem manne, zur bezeichnung wunderliches wesens: das (der Franzos) war eine schnurrige kröte! in einem augenblicke konnte er sich siebenmal auf dem absatze herum drehen und dazu pfeifen. Lessing 1, 412, doch zugleich nach c.
b)
auch sonst doch einzeln von männern oder knaben (vgl. c) und als allgemeines schimpfwort: eine lose unnütze kröte aus der stad kumpt einmal .. für den hof. Pape bettel- u. garteteufel P 6ᵃ, ein junge, wie blitzkröte (2, 134) gleichfalls; klettrichte kröte: wir wollen dem könige unser masz zuschicken. 'aber wer wird eine so klettrichte kröte sein, dasz er so einer hohen excell. das masz nehmen kan?' Chr. Weise neue prob. 183; alles das könnte freilich schon unter c gehören. von elender feigheit: in den koth mit euch, ihr memmen, ihr kröten! Schiller 108ᵃ. von neid und bosheit giftige kröte. als starkes schimpfwort überhaupt: o diese verdammte französische kröte! Schiller 1087ᵇ (aus dem franz.);
nun ist es zeit zu wachen (um 1690),
eh Deutschlands freiheit stirbt
und in dem weiten rachen
des crocodils verdirbt.
herbei, dasz man die krötten,
die unsern Rhein betretten (Straszburg!),
mit aller macht zurücke
zur Son' und Seine schicke.
v. Abschatz ged. 1704 59 (Gödeke 11 bücher d. d. 1, 463).
so als schelte schon mhd. krotolf, oucholf (ouche kröte) s. Haupts Neidhart 150.
c)
vorzugsweis aber von kleinen menschen, meist wol mit einem anflug von schelte oder verachtung, aber nicht notwendig:
der henker hole, mein lämmchen ist fort!
ich suche hier, ich suche dort!
allein die kleine kröt' ist fort!
Weisze kom. op. 1, 159,
von seinem mädchen, es ist etwas von der blitzkröte (s. a) drin, schelmerei mit bezeichnet;
wenn mirs der kleine Görge thäte,
so spräch ich: pack dich, kleine kröte!
2, 172;
ditm. schitkrät m., ein kleiner kerl der sich mausig macht. Groth Quickb. 317; jene verfluchten kleinen kröten. Göthe 14, 97 (die vögel), hier mehr feindselig gemeint, Treufreund sagt es von den vögeln. auch wirklich von thieren: man weisz wohl, was die pohlnischen klöpper vor kröten sein, wie sie durchgehen. Weise erzn. 196, wie sie laufen können, vgl. unter katze 4, a; ähnlich von hunden, die kleine kröte, giftige kröte.
d)
besonders von kindern, hauptsächlich unartigen, aber auch ohne das: hier ist ein laxiertrank .. den ich sie der landbaumeisterin zu geben bitte für ihre kleine kröten. J. Paul Tit. 2, 47; eben waren die maikinder ... angelangt und begannen ihren spruch, als der dorfschütz .. laut rief: sind still, ihr krotten! Auerbach dorfg. 1846 1, 135 (1848 113); mag die kleine kröte noch so durchtrieben sein, mit mir meint sies doch vielleicht gut. Holtei Lammfell 1, 122 das geht wol durch alle mundarten, z. b. luxemb. krott, auch kratz f. krabbe, kleine kröte, ungezogenes kind Gangler 257, mrh. krott ein reizbares kind, auch ein solcher junger hund Kehrein 248, u. s. w.
e)
ganz bestimmt tritt aber auch der begriff des nicht ausgewachsenen hervor. so bair. krott nicht nur als zärtliche benennung eines mädchens von kleinem wuchse, auch von jedem unter seinesgleichen besonders klein gebliebenen geschöpfe, menschen oder thiere, dazu verkrottet gleich verbuttet, im wachsthum zurückgeblieben, s. Schm. 2, 399, tirol. Schöpf 348; mrh. bei Darmstadt kleine krott von einem kurzgewachsenen frauenzimmer, vgl. luxemb. mit masc. bildung krottert, auch krotteger kièrl knirps Gangler 257, franz. crapoussin, ebenso an crapaud kröte anklingend. Aber man wird da irre, ob mans noch mit kröte, nicht mit einem andern worte zu thun hat, das sich in jenes einmischte, zumal es vorkommt, wo die kröte ganz anders heiszt. so ist mekelnb. krät fast nur als scheltwort üblich, oll krät! lütt krät! krätending K. Schiller 1, 4ᵇ. ostfries. kröte (ö zwischen ö und ä, wie oft nd.) ein kleines keckes persönchen, während die kröte pudde, üze heiszt Stürenburg 124ᵇ. nl. een klein krot ron kindern u. ä. Halma 350ᵇ, nicht kröte; fläm. krut, krutje, kruitje kindchen Schuermans 305ᵇ, krod, kroddel, kreudde, kreuddel knirps, von menschen, thieren und pflanzen 298ᵃ. jenes berührt sich unverkennbar mit krotze knirps (s. d.), nordengl. crut, schott. croot knirps, s. dazu sp. 1929 unten, vergl. kropf 5, c. 8, a; aber schott. auch cradden a dwarf, an krade u. 1, a erinnernd. auch das luxemb. kratz unter d findet wol einen anhalt in schwed. kratta f. kleines elendes pferd Rietz 350ᵇ.
4)
eigen ist kröten pl. von geld, münzen, volksthümlich in Thüringen, Sachsen, Schlesien u. a. (zuweilen, wie thür., kräten im untersch. von kröte, s. 1, e): hat die letzten kröten aus der kasse verschlungen. Holtei Lammfell 1, 8; wenn ich ein paar kröten in der tasche hatte, wurden sie verspielt. Benedix dram. w. 1, 151. das läszt sich schon erkennen in mnd. krode im Theophilus, der über den verlust von amt und pfründe klagt:
wat den duvel sal de belevet (am leben),
dei eine kroden nicht en hevet!
351,
vom herausg. in graden (fischgräte) verändert, gemeint ist: 'nicht einmal éine kröte', s. über diesz éin .. nicht unter kein 4, e; hiesz eine geläufige münze einst kröte?
5)
als krankheit: kröte, zungengeschwür, rana Aler 1245ᵇ (neben krotte bufo); krodt im hals, ist ein gewächs von fleisch, also (d. h. wie eine krot) anzusehen. Pinter pferdeschatz 388; (ein mittel) für die krott unter der zungen. Hohberg 1, 272ᵇ; welchen auch die zung hoch auflaufet und eine beschwerung bekommen, welche die rossarzt auf lateinisch ranam und auf deutsch die kröte nennen. Zechendorfer 1, 26, rana schon altlat., wie griech. βάτραχος, also eig. frosch (s. dazu 2, 1); so erklärt sich denn krättig, krettig sp. 2071 von vieh und pferden, wie kratt f. sp. 2070 als halskrankheit, es ist eine rhein. nebenform zu krot kröte (s. 1, a); vgl. kröttig von einem pferde im anlaster (Mones anz. 3, 176). siebenb. ist krôt f. bräune bei schweinen, büffeln Haltrich plan 114. auch ein geschwür an der fessel der pferde heiszt kröte, franz. crapaudine, beim rindvieh herzkröte oder innerliche kröte und äuszerliche kröte, gleichfalls anschwellungen (Krünitz).
Zitationshilfe
„kröte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kr%C3%B6te>, abgerufen am 16.10.2019.

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