Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

kram, m.

kram m
taberna, merx.
I.
Formen und verwandtschaft
a)
dem nhd. kram entsprechend ist mhd. krâm m., ahd. chrâm; mnl. craem, nnl. nd. kraam; entlehnt ist, wie die beschränkung auf die spätere bed. 3 zeigt, altn. isl. kram n., dän. norw. schwed. kram n. (zu dem n. s. c, β zuletzt), auch poln. kram, böhm. krám, illyr. krama, wend. klamy pl., litt. krómas. die entlehnung spiegelt den einflusz der deutschen kaufleute nach norden und osten.
b)
der stamm ist dunkel, man wird ihn von der bed. zeltdach ausgehend zu suchen haben (s. II, 1). ob eine urverwandtschaft vorliegt in altsl. gramŭ m. καπηλεῖον, caupona Mikl. 142ᵃ ? vgl. gromĭnica caupona 144ᵇ
c)
nebenformen sind oder waren
α)
eine schwache form, mhd. nhd., wahrscheinlich schon ahd.: in der gaʒʒen .. dâ man in den zwein vrîen jârmärkten aller leie gewant unde krâmen veile hât. stadtrecht von Meran, Haupt 6, 428 § 19; auch geladen mit rîchen krâmen (: kâmen) Lanz. 8479 mag hieher gehören, da der gewöhnliche starke pl. kræme ist (s. II, 1, d, γ). Noch nhd.: aigne cramen aufschlagen. Schmeller 2, 385 aus bair. landtagsverh. v. 1612, vgl. das. aus Ingolstadt v. j. 1380 vier kromen, und Olearius sp. 1988, auch 1990 aus Soltau; auch im sg. taberna kramen Diefenb. 571ᵃ. Dagegen krame, krome instita Dief. 302ᵃ, taberna krome n. gl. 218ᵃ (ô aus â, vergl. sp. 409), krame Alberus b 4ᵃ sind eher ungenau für kram, als schwachformig.
β)
ein fem. mhd. krâme wb. 1, 873ᵇ (wahrsch. schon ahd.), noch bair. Schm. 2, 385 die kram (mit dem masc. daneben), s. dazu sp. 1988 u. ε; es scheint früh in der bed. beschränkt; dasz aber die beschränkung nicht ursprünglich war, zeigt Romplers fem. unter II, 3. aber auch das neutr. fehlt nicht (vgl. sp. 1928), wenigstens nd. gibt Schambach 111ᵃ dat krâm neben dem m., doch nur in der heutigen bed., und auch flämisch kraam bei Schuerm. 285ᵇ ist n. (nl. fem.); so erklärt sich wol das nordische neutr. unter a aus nd. einflusz, aus den seestädten.
γ)
endlich mit umlaut ein fem. im rheinischen gebiete, die kräm, doch mit besonderer bed., s. sp. 1988 (ζ). merkwürdig aber auch ein m. mit umlaut, wenn kein druckf. vorliegt: nim allerlei gute wurz ausz dem kremm. küchenmeisterei d iiij.
II.
Bedeutung und gebrauch.
1)
als die älteste erreichbare bed. erweist sich: zeltdecke, ausgespanntes tuch oder ähnliches dach als wetterschutz; so in einem rhein. gloss. des 12. jh.: tentorium gezelt, papilio cram. Nyerup symb. 297, vgl. die noch geltende ostfries. unterscheidung telt eine gröszere, krâm eine kleinere marktbude Fromm. 4, 360. der kram ward denn auch 'aufgeschlagen', wie das zelt:
der walt hât sîne krâme
gein dem Meien ûf geslagen.
Neidhart 9, 25,
nû hât Sumer sîn gezelt
ûf geslagen.
ⅩⅩⅠⅤ, 19,
beide male noch eigentlich, das neue laubdach des waldes, als umbehanc gedacht. ganz scharf ist die urspr. bed. ausgesprochen noch im 15. jahrh. im Teuthonista 58ᵇ, wo auf die gewöhnliche bed. 'crame merx' folgt 'crame, gardyn, cortina, cortinula, insita (l. instita), lectica, anabatrum, peripetasma', also auch in form eines vorhangs, und durchaus ohne beschränkung auf kramhandel. auch in einem dem nrh. zuneigenden nd. voc. v. 1420 cortina en craem Dief. 153ᵇ. genauer
a)
kram auf dem schiffe, noch im 15. jh.:
do sasz sie (d. h. setzte sie sich) in des schiffes krom
und fur do wider heim gen Rom.
Rosenblüt in Kellers fastn. 1146,
wahrscheinlich ein verschlag, wetterschutz für reisende.
b)
noch heute im bergbau, gleich kaue, huthaus, bei Gätzschmann 47 als östr., ein kleines behältnis zum aufbewahren der gerätschaften (zeugkram), der erze (erzkram), des roheisens (flossenkram) Scheuchenstuel 146; s. auch den kohlkram der köhler.
c)
auch eine eigene nd. nrh. nl. bed. erklärt sich hieraus und bestätigt die angenommene grundbed.: nl. kraam f., wochenbett, nd. krâm m. z. b. aus Hamburg bei Richey 136 (als nl. einflusz), westf. Fromm. 4, 271, nrh. z. b. in Aachen krôme niederkommen Müller u. Weitz 130, schon im Teuthonista 58ᵇ crame, kyndelbedde, puerperium (altfries. kraem Richth. 878ᵃ); daher auch siebenb. krôm m. wochenbett und 'hie und da auch die spanische wand am wochenbett' Schuller beitr. 35 — da bricht noch die urspr. bed. durch: verschlag oder vorhang als schutz. es heiszt nl. in de kraam komen, 'nieder kommen' (d. h. ins bett k.), das bett hiesz auch vollständiger kraambed, bett mit verschlag. Davon dann nl. kramen niederkommen, kraamvrouw wöchnerin u. s. w., hamb. miskrâm unzeitige niederkunft Richey 136. s. auch kramkindelbett.
d)
es beschränkte sich aber hochd. auf die krambude.
α)
auch hier leuchtet doch noch länger die urspr. bed. durch. wie noch jetzt auf jahrmärkten erst eine bedachung mit leinwand den kramstand zu einem kram erhebt gegenüber den offenen ständen, so tritt diesz leinendach früh als das wesentliche eines krams auf. in der Straszb. gemma von 1518 heiszt velarium ein verdeckt krom, der krämer ist nach seinem velum benannt: velaris ein kremer, venditor minutorum comestibilium in locis velatis; ebenso in der Cölner gemma 1507 (Dief. 609ᵇ) und im Leipz. voc. opt. v. 1501, das letztere hier mit dem zusatze in den kramen, in der Cölner gemma in die kramen, auf dem krammarkte (s. u.γ). ein mlat. cadurcum ist kram Dief. 87ᶜ, eig. aber zeltartige decke, dann krämerstand, bude, s. Junius nom. 183ᵇ, bei Alberus b 4ᵃ cadurcum, kremerdeck, krame. ganz klar ist die grundbedeutung mhd. z. b. bei Wolfram:
er vant den krâmære,
unt des krâm niht lære ...
der krâm was ein samît (stück sammt),
vierecke, hôch unde wît.
waʒ dar inne veiles læge? u. s. w.
Parz. 563, 1,
vierecke, d. h. nicht rund wie ein zelt, und hôch, die decke gieng wol an beiden seiten zur erde nieder, wie noch die leinwand eines kramstandes. s. auchkramdecke, ↗kramumhang, vgl. kramspiel.
β)
nachher der ganze kramstand, ein einfacher 'stand' oder eine künstlichere bude u. s. w.; schon ahd. auch taberna Graff 4, 608, 'taberna lad (laden) vel kramen' Dief. 571ᵃ 16. jh.:
ein diep sich durch ein venster want
in einen krâm, in dem er vant
eins nahts vil dinges u. s. w.
Renner 243ᵃ,
wie es scheint, schon ein laden im hause; swenne ein man oder ein frowe durch die kræme gênt unde sehent von einem (krame) zuo dem andern, unde wartent (blicken) ouch in ieglîchen krâm durch (wegen) die gezierde und durch die schœne. Berthold 482, 12. Noch nhd. blieb diese bed. lange klar, während sie jetzt über 2 und 3 vergessen oder verächtlich ist: dʒ wann zu Wien oder zu Prag in processionen nur ein kram oder stul (offener stand) umbfallt, sie (die jesuiten) gleich Rom und reich anrufen. Fischart bien. 1588 22ᵇ; so hat die purpurkremerin zu Philippen ihren kram bei den bergkleuten aufgeschlagen. Mathes. Sar. 6ᵃ, vgl. unter 1; der zu Frankfurt in der judengasse wolte einen kram aufschlagen und schinken .. verkaufen. Schuppius 333; mancher ist mehr geschmückt als ein ganzer kram. Lehmann flor. 1, 457;
die welt ist wie ein kram, hat wahren ganze haufen,
um arbeit stehn sie feil und sind durch fleisz zu kaufen.
Logau 3, 9, 1.
noch Ludwig im jahre 1716 stellt voran kram, kramladen, bude, gewölbe, worinnen etwas in kleinigkeiten (en détail) verkauft wird, noch bei Frisch einen kram aufschlagen, 'tabernam' erigere in foro 1, 542ᶜ, bei Adelung seinen kram aufmachen (die bude öffnen), zumachen, im krame sitzen, doch als 'nur noch zuweilen im gemeinen leben'. Daher offener kram, geöffnete krambude: zu offnem cram und markt sitzen (d. h. in der marktbude) Schmeller 2, 385 v. j. 1588; so die hausfrau in offenem kram sitzt, kauft ... verkauft. v. d. Nahmer handb. des rhein. part. rechts 2, 930; mhd. ze krâme stân Augsb. stadtb. bei Walch beitr. 4, 62. vor dem krame steht der käufer, liegen die probestücke: ein krämer kan bald sehen, was er vor ein kaufman (d. i. käufer) vorm kram hat. Lehman flor. 1, 91; heszliche wahr liegt immer vorm kram (aus). 169;
man hat es grosz und klein, und wers zu kaufe trägt,
der hat es vor den kram zur schau heraus gelegt.
Weise überfl. ged. (1701) 375
in einem rätsel von weiblichen brüsten.
γ)
der pl. hiesz kräme, die krambuden zusammen (noch bei Stieler, Steinbach, Frisch):
dô stuonden rîche kræme,
dâ gie der werde rîtter în.
troj. kr. 19628;
als der (wie wenn einer) durch die kræme gêt, dâ vil kræme bî einander stênt ... unde ie in einem schœner krâmschatz ist danne in dem andern. Berthold 482, 4; es brantent ouch (in dem jahre) die kreme vor Sant Martin. Closener 76, in Straszburg. die städte hatten solche kräme stehend an kirchen, auf brücken, plätzen (vgl. die Krämerbrücke in Erfurt): Herman Ebner unter den kremen (wohnend, auf der krämergasse). Nürnb. chron. 1, 86, 21; in derselben jarzal .. auf der purg da warf der kunig Wenzelawb die krem umb und reit in zoren von hinnen. 1, 356, vergl. 3, 294; s. auch aus Augsburg u. δ. oder sie wurden vorübergehend aufgeschlagen: das der foid (voigt) und die foidinnen haben von den kremen zwei par hentschen. weisth. 2, 77, als abgabe, zur kirchweih (von der Saar); so soll der stat paumeister .. bestellen, das man den schönen prunnen (in Nürnberg) zu dem newen jar .. mit kremen nit versetzen losz .. des ist ein nottorft, und auch ein zire. Tucher baumeisterb. 259, 6; das man kein kremer auf der langen verdeckten prucken losz kreme auf machen. 259, 26;
do ich nun auf die kirchweih kam,
da sah ich gar mannichen kram (in bed. 3),
mit leckuchen (lebkuchen) und brändtewein,
kölchte haarband und schlötterlein (s. u. klemperlein),
mit gürtel, beutel, nestel, taschen ....
pfeifen, schabhüt, würfel und karten,
lange messer und spitzbarten ....
ich gieng in (in'n) krämen hin und her ....
H. Sachs 1, 529ᶜ (1590 396ᶜ).
öfter mit laden zusammen: welche läden oder chräm anders gepauen. Westenrieder 6, 130, v. j. 1489; auch ward gen Rom verkündigt, wie etliche kräme und läden bei dem markt vom donner geschlagen weren. Rihels Livius 545.
δ)
aber auch kramen pl.: es haben die Indianer ihre buden und kramen neben den Persern auf dem markte. Olearius pers. reise 294, s. das schwache der krame u. I, c, α. unsicher (s.ε) im dat.:
der (deren) decke was ein baldekîn,
sô er beste mochte sîn (zu kaufen)
zu Ovene (Ofen) in den krâmen.
heil. Elis. 339;
hern Rudigers des Langemantels under den cramen tohterman. Augsb. chron. 1, 138, 39, s. aus Nürnberg unter γ; wenn der mann dasselbe (das linnen) alles mit baarem gelde aus den kramen holen und kaufen lassen sol, da gehet zumal viel auf. Roth aller christl. hausmütter abc F 7ᵃ; da die seltzamsten zeuge fast in allen krahmen zu finden sein. Hoffmannswaldau heldenbr. (1680) vorrede.
ε)
es gab nämlich auch ein fem. krame, das mhd. gerade für die krambude galt (s. I, c, β), und noch nhd.: kauf in einer kram ein messings fingerhuͤtlen. Seuter 137, vgl. Rompler unter 3.
ζ)
merkw. ein fem. kräm, im rhein. gebiete: der weg nach der neuen stadt durch 'die neue kräm' (in Frankfurt). Göthe 24, 23, eine strasze; do sollt er ä mol die hübsche sache betrochte, die an der kräm ausgeleht warn. Firmenich 2, 7, Kehrein Nassau 2, 11, bei einem jahrmarkte. niederrh. ist die kriem krämerstrasze, unterschieden vom pl. kröm krambuden (Aachner mundart 129), sodasz ein alter sg. f. kræme anzunehmen sein möchte. oder wäre es erst aus dem pl. die kräme misverständlich gemacht? bei Firmenich a. a. o. heiszt es vorher s. 7 (s. 9 Kehrein) hun se meich uf de mork gefihrt, wo se eewe dran worn, die kräme und butike .. ufzeschlahe. folgendes kräm ist zweifelhaft: die hausirer oder störer, so ihre kräm am hals tragen, wie die seumer. Garzoni (1651) 630, vergl. einer der seinen kram am halse herum trägt (tabuletkrämer) Ludwig 1064.
2)
kram, geschäft, kleiner handel, wobei der begriff vom raume übergieng auf den betrieb darin: mercatura, kauf vel kram. voc. 15. jh. Dief. 357ᵃ; er stellte ihm vor, an diesen dreiszig und einem halben groschen hange seines weibes und seiner kinder leben, er müsse seinen kleinen kram damit unterhalten. Lessing 3, 303, von einem hökergeschäfte; andere hätten einen kleinen kram mit schwefelfaden u. dgl. so erweitert und veredelt, dasz sie nun als reiche kauf- und handelsmänner erschienen. Göthe 24, 275, es gilt fast nur noch so 'kleiner kram', krämchen, handel mit kleinen, geringen dingen, einen kram anfangen, der kram geht nicht, einem den kram verbieten. Adelung;
von der groszmutter (erbt er) einen kram und laden.
'pfui, wer handelt mit schwefelfaden!'
Schiller 323ᵇ.
gewandkram, leinwand- oder weiszkram, brillenkram, bücherkram, gewürzkram, käsekram, heringskram, gemüsekram, obstkram, 'alter eisenkram' Stieler 1024, mit altem eisen, ferner trödelkram, lumpenkram, ablaszkram, bendelkrämerkrom Simpl. 3, 137, s. weiter bildlich 6, b.
3)
kram, die waare, auch schon mhd. (doch vgl.kramschatz), in dieser bed. ohne plur. als collectivbegriff:
und krâm allerhande
von aller welte lande (findet man da).
Lanz. 2679;
aller leie gewant unde krâmen. Meraner stadtr., s. u. I, c, α;
frau wirtin, meinen kram schaut allen.
fastn. sp. 477, 18;
heb auf dein kram und leg wider ein.
291, 18;
kram, krämerzeug, merx, kram der kein kauf nit hat (nicht abgeht). Maaler 250ᵈ, er hat nur diese bed.; sein kram auszlegen das., mhd. ûʒ legen Teichner 170 Kar.; einlegen, auspacken, einpacken Adelung; wolt ihr (eine spitzenkrämerin) uns nicht euren kram sehen lassen? A. Gryphius 1, 780; einen vollkommenen krahm, sowohl von allerhand nützlichen sachen als kindereien und spielwerk auslegen. Felsenb. 1, 106; mache mir doch einen weg mit deinem krame zu ihm. Lessing 2, 394. schlechter, elender kram, verlegner kram. s. weiter 6, c. auch hier als fem. (s. I, c, β):
es ist die ronde wält ein glücktopf wol zu nennen,
in dessen schöner kram wir uns vergaffen können.
Rompler 221.
4)
das im krame gekaufte.
a)
ein gekauftes einzelnes stück Schmeller 2, 385, ganz wie messe auch das auf der messe gekaufte bezeichnet, kirchweih ein geschenk von der kirchweih (sp. 831 mitte). sicher schon mhd. nach folg.
b)
bes. gekauftes geschenk (wie messe gleichfalls), schon mhd.:
(diʒ cleit) daʒ sante si Jâsône dar ...
ze krâme und ze einer minne (denkzeichen)
solte eʒ sîn âmîe hân.
Konrad troj. kr. 11306;
letzekrâm abschiedsgeschenk, s. Tobler 121ᵇ; dem. kræmel,
(richter) die sich lâʒent valten (beugen)
mit gâbe und och mit kræmel
und sitzent uf die schæmel (s. Germ. 9, 59),
der gîtekeit gestüeles.
Martina 47, 93.
auch dieses ohne plur.: so fragt sie (den heimgekehrten mann) nach dem kram. Garg. 73ᵃ (124); sie (die liebhaber) einem getrewen kaufman die brief uberantworten, mit etlichen schönen kleinotern so sie ihren jungfrawen zu eim kram schickten. buch d. liebe 250ᵈ; die jungfrau, die der hauptman der frauen zum krom het geschenkt. Bolz Terenz 64ᵇ; indessen legte ich meinen krahm aus. Felsenb. 1, 43, mitgebrachte geschenke.
c)
so noch schwäb., schweiz.: ein mitbring von der reise heiszt krohm. Auerbach dorfg. 1, 247; wie sie kämen und was sie brächten an kram und neuigkeiten. Gotthelf 13, 180; er brachte seiner Therese den kram des Mareieli selber. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 48. es heiszt so das hochzeitgeschenk des bräutigams an die braut, oder was man vom jahrmarkt, von der kirchweih mitbringt, marktkrom, chilbichrom, vgl.messkram xenium Dief. 633ᵃ, Grimmelshausens stolzer Melcher wird der teutschen jugend zum messkram verehret (4, 323 Kurz). s. auch kramen 2, kramet, krämsel, kramschatz.
5)
die bed. 3 angewandt auf allerlei 'zeug', besonders mit dem begriff des manigfaltigen, wie es eben ein wirklicher kram zeigt.
a)
in geschäftlichem ernste. diebe z. b. nennen ihr diebsgut ihren kram: sie wusten aber kein sicher ort im dorf, dahin si iren kram, so si nächtlicher weilen überkamen, tragen möchten. Wickram rollw. 105, 9, nachher ebenso wahr 17, vorher kaufmanschatz 2. schles. hochzeitkram, brautkram, die ausstattung der braut. Weinhold 46ᵇ. von einer kartenschlägerin: mit den gewöhnlichen vorbereitungen und ceremonien legte sie nun ihren kram aus. Göthe 25, 278, auch das auslegen bleibt im bilde der krambude.
b)
jetzt meist geringschätzig, in zorniger, widerwilliger oder doch verdrieszlicher stimmung gebraucht: was kostet der ganze kram? fragt ein käufer halb geringschätzig; packt euren kram zusammen, die mutter zu den kindern, auch spielkram, wie spielzeug; der kram kostet mich geld genug, etwa von ausstattung einer wohnung, reisegerät u. a.; der kram nimmt doch kein ende klagt einer der aufzuräumen hat oder beim auszug.
c)
genauer heiszt im hause das kleine zeug oder gerät der kram (wie der kram eines krämers aus hundert kleinigkeiten besteht), oder diesz meint geradezu plunder (hübsch unkrâm Richey 136, wie unrat): der kram ist ja nicht das aufheben wert, daher die kramkammer wie rumpelkammer (für gerümpel); nur nichts überflüssiges im hause! nur nicht zu viel möbeln, geräthschaften .... es ist mir nichts unerträglicher als so ein alter kram von besitzthum. Göthe 19, 146. s. auch kinderkram, weiberkram, modekram, kleinkram.
d)
verächtlich dann von allem möglichen, als zusammenfassendes kraftwort wie das leben sie liebt; z. b. von unkraut: wat dat krâm inwörtelt! Schambach 111ᵃ.
e)
auch als mittel collectiva zu bilden, wie zeug gleichfalls, z. b. ganz ernst blumenkram Spee trutzn. 286, sternenkram 80. so noch verächtlich, z. b. bücherkram, kleiderkram.
6)
dann überhaupt in allerlei bildlicher anwendung.
a)
nach 1, kram gleich krambude:
do (indem sie einen burzelbaum schlägt) enpfert ir ein wort, des reucht von wurzen
ausz einem kram, heiszt quatterloch.
fastn. sp. 382, 2,
wie geruch aus einem gewürzkram, zu quatterloch (dreckloch) vgl. quattrich unter koth I, g, dasselbe bild mnl.: hem crakede die taverne Rein. 1291, pepedit;
zwei kräme (die brüste), wo man hold und freundligkeit ausleget,
und wo ein rother mund nur kan der kaufmann (käufer) sein.
Hoffmannswaldaus und and. ged. 2, 3;
und (der geld suchende freier) kriegt, wie er verdient, die wolgeborne dame
mit einer welken brust und ausgeleertem krame.
Günther 542;
manche liebe lange nacht ..
wenn wir auf dem fasse schliefen,
oder auch, nach dem es kam,
in den kram
artger mägdgen liefen.
913;
aet mi eens in u (eurem) craemken spelen.
hor. belg. 11, 288, obsc.
die (ideale) welt heiszt 'gottes kram', gott als verkäufer: in gottes kram sind alle wahren um arbeit und fleisz feil. Lehman flor. 1, 45. eigen von einer einbildung: Catilina, Lentulus .. die gaben für und schlugen in selbs ein kram im herzen auf, Sibylla hetts geweissagt, dasz sie herrn zu Rom werden solten. Aventin 110ᵃ. merkwürdig mhd. die krâmen (zu I, c, α) vom himmel, von der ewigen seligkeit Haupt 8, 297.
b)
nach 2, wie handel, geschäft, früher kauf, die ebenso vielfach anwendung haben auf allerlei angelegenheiten:
wir müssen allesamen
noch besser an den kramen (zu I, c, α),
eh mans noch kriget ein.
Soltau 2, 359,
im munde der belagerer Stralsunds 1628, wie 'daran' müssen, an die arbeit, not;
gut dasz die erste frau verbundne blicke trägt,
sie hätte, säh sie disz (das küssen), gewiss den kram gelegt.
Günther 401,
wie einem das geschäft legen, hindernd eingreifen; wir wurden in wenig tagen des ganzen krahms einig. Felsenb. 1, 74, des 'handels', von einem liebesverständnis; heraus mit der sprache! sonst flattere ich gleich zu ihm und verrathe ihm den ganzen kram. Weisze briefw. d. fam. des kinderfr. 9, 175; das verdirbt mir den ganzen kram, ich würde den ganzen kram verrathen, das ist ein böser kram. Adelung, ein böser 'handel', 'geschichte' oder 'sache'; da ich mit allerlei kram meine zeit hinbringe und meine liebe vor tische nicht sehen kann, soll ihr dies zettelchen einen grusz tragen. Göthe an fr. v. Stein 3, 39, kleinliche geschäfte; ich habe den ganzen kram satt, kann mich nicht in den kram finden, angelegenheit.
c)
nach 3, von gegenständen, verhältnissen, als kramwaare gedacht: sie sind mit inen selbs nicht eins, sie sind irr in irem kram. Luther tischr. 267ᵃ, doch wie öfter mit ineinanderflieszen der verwandten bedeutungen;
der sich rümet (rühmte) ein herr zu sein
auf erd und mehr, musz legen ein
sein kram und bald auszreiszen.
Weller 30jähr. kr. 181,
von Wallenstein vor Stralsund, wie einpacken, zugleich noch eigentlich vom belagerungszeug (vasa colligere); und ihr könnet den handel verderben, ehe der kram ausgelegt ist. Pierot 1, 82, die angelegenheit eingefädelt; ihr unverschämten weibsbilder, die ihr so gern alle euren kram an den tag leget und damit gleichsam eure ehre und zucht öffentlich feil bietet. Gerber sünden 995;
fällt dich (schöne) ein kleines fieber an,
so ist dir in den crahm gethan,
so müssen die verwelkten falten
der schönheit leichenpredigt halten.
Picander 3, 511,
etwas was 'den kram verdirbt'; was die fabeln der heiden von ihren göttern und göttinnen anlanget, so ist dieses gleichfals ein verlegener kram, der zu nichts dienet. Gottsched vernünft. tadl. 1, 93, wie 'verlegne waare';
ich lasz euch euren markt und kram,
laszt mich in meiner hütt' alleine!
Immermann ged. (1822) 162.
d)
nach 5, 'zeug', geringschätzig:
und als die frau in Engelland kam
mit ihrem jungen landsknechtkhram,
sehr übel wards empfangen.
Weller 30jähr. kr. 119,
von der gemahlin des winterkönigs mit ihren kindern; da sind wol die gedächtnisznarren die vornemsten. unter allen tieren machen sich keine unnützer als diese, welche mit einem schwären kram ungeheürer gelehrsamkeit beladen sind und solchen auszer zeit und ordnung und mit groszem geschrei verschütten. Spreng zu Drollinger 191, heute allgemein gedächtniszkram; der ganze kram frommer observanzen. Kant 6, 363;
mein liebes kind, sprach er, man musz vor allen dingen
den ganzen dunklen kram in zwo drei fragen bringen.
Zachariä schnupftuch 1, 239,
logisch fassen und abwickeln, auch nach b zu verstehn; der verfasser (der krit. wälder) sei indes wer er wolle, so ist er doch der einzige, um den es mir der mühe lohnt mit meinem krame ganz an den tag zu kommen. Lessing 12, 229, briefl. von der fortsetzung des Laokoon;
geweiht sei dieses taschenbuch
dem groszen kram von kleinigkeiten,
die sich um dein gedächtniss streiten.
Gotter 1, 231;
ich hab nie was von der hölle geglaubt und alle dem kram. Lenz 1, 141; das ganze Newtonische farbenwesen ist nur ein wortkram, mit dem sich deshalb so gut kramen läszt, weil man vor lauter kram die natur nicht mehr sieht. Göthe 59, 285;
das war ein ganz verdammtes ding
für monsieur Bonapart.
der ganze kram verloren ging,
das hatt er nicht erwart.
Soltau 1, 608, v. j. 1815.
so wortkram, wörterkram (Lessing 1, 177), ideenkram, phrasenkram, rätselkram, notizenkram, gelehrtenkram, dichterkram (Günther 388), pfaffenkram u. a. in freier neubildung; besonders von dem womit sich einer als liebhaberei kleinlich beschäftigt, er hat für nichts sinn als für seinen kram, vergl.krämer 2. so abstract übrigens schon mhd.:
die unsêligen girekeit,
die mit valsche ûf ir treit
allen suntlichen krâm.
pass. K. 251, 9.
e)
auf alle drei eig. bedeutungen beziehbar in folg.: das die röm. kirch sich sehr fein mit der ketzer muscheln schmucken und ausz iren lehren das jenig saugen kan, was ir in irem kram und binenkorb am besten anstehet. Fischart bienk. 1588 53ᵃ; ausz dem er leicht abnehmen konte, dasz diese (leute) nicht seines krams wären. Philander 1650 2, 208, nicht zu ihm, 'in seinen kram' passten; was dir nicht in deinen kromen dient, lasz auszen. Henisch 696; allein das taugte nicht in meinen kram. Pierot 1, 9; auf gleiche art schaften sie noch verschiedene andere, die nicht in ihren kram dieneten, heimlich bei seite. Heilman Thucyd. 1106; die gemeine meinung hierüber taugte in ihren kram ganz und gar nicht. Lessing 8, 337; umsonst zu stehlen schlug nicht in meinen kram. Michaelis 4, 44; lehre, die mehr in ihren kram gehört. Claudius 4, 102; was den fürsten in ihren kram dient, da sind sie hinter her. Göthe 8, 31. 42, 273;
unser meister das all ersicht
und freut sich dessen wundersam,
denn es dient sehr in seinen kram.
13, 128;
und was sich sonst drin (in der bibel) hätte finden lassen, aber in ihren kram nicht passte, ward wie gift behandelt. Danzel Lessing 284. daher auch so: schlauköpfe, die .. jedem glauben, der ihnen in den kram zu reden weisz. Gotthelf 19, 232, wie es ihnen zusagt, vgl. einem in den beutel reden; kein kaufman rath ihm ausz seinem beutel oder kram (sich zum nachtheil), ad suum quaestum quemque callidum esse oportet. Weidner apophth. 3, 58.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 1985, Z. 59.

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