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kramen

kramen
für krammen, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 1996, Z. 73.

kramen

kramen
1)
von kram 1. 2, kramhandel treiben, nundinari Brack bei Dief. 385ᵇ, gewiss schon mhd. (krâmen), und mnl. nach Kilians kraemen mercari, nundinari. nhd. noch bei Frisius ('markten'), Maaler, Kirsch ('auf der mess handeln') für nundinari, obwol das auch einkaufen bedeutet, aber deutlich bei Stieler mercaturam facere, Steinbach, Frisch negotiari. ein kramendes handwerk, womit ein kram, handel verbunden ist. ein sprichwort der markt lehrt kramen faszt noch Adelung so auf, wie Frisch:
der mark der wird sie kramen lehrn.
Ayrer 151ᵇ;
nun der mark wird wol kramen lehrn.
79ᵃ;
der markt wird dich schon lernen kramen. Simpl. 3, 221, obwol auch das vom käufer als handeln oder einkaufen zu verstehn ist. vgl.krämer, ↗verkramen verkaufen, auf und auskramen ausverkaufen (Stieler 1024). auch nd. mit einem geschäfte haben oder machen, zu verhandeln haben. Schambach.
2)
vom käufer, einkaufen, mhd. krâmen, wol auch mnl.; nhd. mercari Frisius, Maaler, Stieler, s. einkramen, erkramen.
a)
erkaufen überhaupt, auch bildlich: wiewol er (der papst, bei seiner wahl) die verwilligung und stimmen ... der cardinalen mit ducaten und etlichen tunnen kronen .. gekromet. Luther 6, 329ᵃ; ohnnöthig ists sich seinem liebsten zugefallen mit theuren holländischen spitzen zuzieren ... siehet er dich aber gleichwol gern darinn zu seiner augenweid, so mag er dir solche selbst kramen. Simpl. 3, 127 (161);
demuth heiszt er mit namen,
ein edles perlein gut.
du magst es wolfeil kramen.
geistl. lied 17. jh., Ditfurth fränk. volksl. 1, 150.
b)
hauptsächlich einem ein geschenk kaufen, vom jahrmarkt o. a. mitbringen (vgl.kram 4): warum kromestu jetz in der mess des mannes frowen ein krömlin? allein das du sie dir geneigt machest zu der unkeuscheit, und kromest dem man auch. Keisersberg brös. 1, 90ᵃ; so musz er ir ein blasbalk kaufen, so kramet sie im ein abbrechen (lichtputze). 95ᵇ;
ach lieber herr, nun kromen mir,
die Frankfurter mess kumpt ouch harfür.
schenkt mir dis, ach gebt mir das.
Murner geuchm. 945 Sch.;
ehe mir auch auf diesem messtag gekrompt und ich des ablasz theilhaftig werd. Hugo Schapler 34; unser furen abwägen zwen gan Frankfurt (zur messe), so wolten den die wiber, man solt vill kramen. die wolt hüpsche küsse (küssen), die zinin gschir, ich kouf(t) isin häven (töpfe), brachten ettlich mal ein ganz vasz voll krampt ding, aber gelt wenig. Th. Platter 90; wer einen kindelen will, musz eim auch kramen. Garg. 152ᵃ, s. kindeln 3; wer je stands halber wie ich (sagt Coryphaea) gehalten zu sein meint, ein florhauben, spitzen, bendel und dergleichen galanterien zu tragen, der mag es entweder am maul ersparen, oder wanns eins von jungen kerlen nicht gekramet bekommen kann, mit einer andern leichten arbeit à part erobern. Simpl. 3, 137; schenkst dem meitschi nicht ein, tanzest nicht mit ihm, kramest ihm nicht. Gotthelf 8, 190 und oft; hast mir denn gar nichts gekrohmt? Auerbach dorfg. 1, 247. noch allg. schweiz., schwäb., bair., auch dim. krämeln, besonders von naschwerk, sein geld verkrämeln.
c)
dasselbe bildlich, in üblem sinne:
was gilts, man wir (l. wird) im kramen drumb
dermasz, bisz der umbs leben kumb.
trag. Joh. F 6.
3)
mit den waaren, dem kram hantieren: kramen, kram auslegen, merces explicare. Kirsch, ebenso nl. Kilian. gewöhnlich auskramen und einkramen, aus und ein legen, auch abkramen (Frisch). schwed. kräma kleinhandel treiben, hausieren Rietz 349ᵇ, nach krämare krämer.
4)
danach mit dingen hantieren wie der krämer mit seinem kram thut; auch bei kram (5. 6) stellte sich die entsprechende allgemeinere bed. ein. diesz kramen hat zuerst Adelung: er musz immer etwas zu kramen haben, in ordnung zu stellen, im hause herum kramen, bei den büchern kramen; aber nd. schon früher Richey 137 (ümkrahmen, in andere ordnung bringen), das brem. wb., z. b. mit dem gelde, bi den bökern herum kramen, im gelde wühlen, die bücher umstellen. es ist schriftdeutsch (und md.) die einzige bed., die heutzutage gilt.
a)
intrans.: helfe dem alten, dasz er fertig wird, dasz er nicht ewig kramt. Göthe 11, 116, er schafft fische aus dem netze in den fischkasten;
mutter, ihr kramtet so lange, die alten stücke zu suchen.
40, 245;
man kochte die seife selbst, genug, man hatte immer etwas zu thun und zu kramen. 29, 99, allg. von thätigkeit, in vielen und kleinen dingen; ich habe viel zu kramen. an fr. v. Stein 1, 285;
Hans, nachtwandelnder schalk, was kramest du?
Voss Luise (l. h.) 2, 360;
da mir eben beim kramen der erste entwurf (des liedes) durch die finger läuft, so sende auch dieses mit. Zelter an Göthe 3, 432. man nimmt gern ein malendes herum hinzu: ich schreibe dir auf meinem zimmerchen im weinberg, über mir höre ich unsere lieben weiberchen herumkramen in häuslichen geschäften. Schiller briefl. 13. sept. 1785 (an Körner 1, 53).
b)
genauer bezeichnend mit in, mit, unter u. ä.: er (Werther) kramte den abend noch viel in seinen papieren. Göthe 16, 187, ordnung machend, sichtend, besonders auch vom wühlenden suchen, wie lat. scrutari von scruta gerümpel; er .. kramte (sichtend) unter seinen papieren, und rüstete sich zur abreise. 18, 48; vielleicht fällt ihnen beim kramen in ihren papieren noch irgend etwas für die horen oder für den almanach in die hände. Schiller an Göthe 16. mai 1797; darauf kramte er eifrig in seinem schubsack und zog endlich unter allerlei plunder eine alte zerfetzte landkarte hervor. Eichendorf taugen. 112;
was kramt ihr in dem kaiserschatz?
Göthe 41, 286.
c)
ins geringschätzige übergehend, wie kram selbst (s. d. 5, b. c):
(dasz ich) schau alle wirkenskraft und samen
und thu nicht mehr in worten kramen.
Göthe 12, 30;
das ganze Newtonische farbenwesen ist nur ein wortkram, mit dem sich deshalb so gut kramen läszt, weil man vor lauter kram die natur nicht mehr sieht. 59, 285;
was, sprachreiniger, kramst du mit rein deutschklingendem machwerk?
Voss (1825) 4, 195;
mit dem etruskischen habe ich auch gekramt und meine ansicht von der gänzlichen fremdartigkeit dieser sprache zur höchsten gewissheit gebracht. Niebuhr leben 2, 374.
d)
ungewöhnlich transitiv: laszt ihn antworten und nicht immer andere dinge kramen. Claudius 5, 79, wol für auskramen. es wird aber richtig trans. so: die art den scheersack aus und einzukramen. Göthe 15, 60; wir fanden ... manches gute an gemälden und kupfern, aber alles durcheinander gekramt, eben eine hagestolzenwirthschaft. an frau v. Stein 1, 243; des abends aber fällt der nachttisch von selbst weg, indem (beim auskleiden) keine tausend nadeln auszuziehen, und keine hundert kostbare kleinigkeiten wegzukramen sind. Möser phant. 1, 5;
er trippelt ängstlich durch das haus ...
und kramt zusammen seinen wust.
W. Müller ged. 1, 229.
so ab, auf, aus, durch, ein, fort, hervor, um, umher, vor, verkramen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 1995, Z. 21.
Zitationshilfe
„kramen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kramen>, abgerufen am 24.02.2020.

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