Deutsches Wörterbuch (¹DWB)

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krampe, f.

krampe f
fibula Stieler 1045, uncus Frisch, haken zum festhalten, klammer.
I.
Bedeutung und gebrauch.
1)
die krampe an der thür, in verschiednem sinne.
a)
der kloben in den der riegel greift, riegelhaken (frz. cramponnet), in den das vorlegeschlosz oder über den die klampe gelegt wird (vgl. Adelung), auch der schlieszhaken, in den die klinke greift (Frisch):
Priamus sechsthor'ge stadt,
..... mit mächtgen krampen (staples)
und wolausfüllend schwer gewichtgen riegeln.
Shaksp. Troil. u. Cress. prol.
b)
ein wirbel zum schlieszen der thüre, so wol in folg.:
lockte den treuen monarch (hund) mit geburtstagsbrocken zum backhaus
fern an den garten hinab und schlosz mit der krampe den kerker.
Voss siebz. geburtst. 150.
so westf. thürriegel von holz, mit zwei armen, um eine achse sich drehend. ein wirbel wird nach dem lat. worte auch folg. sein: vertinella, krampe van der dor (mnd.) hor. belg. 7, 29ᵃ (vgl. unter dem folg. krampe 5). es gibt solche thürwirbel die zugleich klammerform haben, vielleicht erklärt sich daher die übertragung.
c)
aber auch die thürangel, so gibt Schröer 73ᵃ bestimmt aus dem nordungr. berglande, und so wol schon altnrh.: he steisz de duire usz den krampen. der seele trost, Fromm. 2, 442ᵃ. sie hat hakenform.
2)
klammer, im bauwesen: die aus quadern festgebaute, mit eisernen krampen zusammengehaltene mauer. Schlosser weltg. 9, 101. als eiserne klammer beschreibt z. b. Ludwig 1065 die krampe, 'einen haken oder strick zu halten'.
3)
haken zum schlieszen (Schröer 73ᵃ).
a)
an kleidern: in alten vorzeiten haben die jungfrauen an ihren leibchen zwei oder drei silberne krampen getragen, um selbige damit zuzumachen. J. Buchel bei Schmitz Eifel 1, 69. krampe am hut, 'agraffe' (s. unter krapfe), dänisch krampe, s. krampring.
b)
ähnlich an büchern, schliesze, clausur, gesperre ( Adelung): ein buch ... in messingene ecken und krampen gebunden. Lichtenberg (1800) 1, 75. vgl.krampen 3.
c)
an koffern: der koffer ist offen! ... da ist die krampe losgegangen! Benedix haustheater 183 (hochzeitsreise 1, 2).
4)
bei den nadlern ein klotz mit einer krampe, einem halben ringe am ende, den draht zu den nadelköpfen dadurch auf die kopfspindel zu spinnen, franz. porte.
5)
an einigen orten dürfen .. die schweine nicht anders als gekrampet auf die gemeine weide kommen, und ist die krampe ein drat der ihnen durch den rüssel gezogen wird und einen schmerz erregt, wenn sie wühlen wollen. es ist dieses vermuthlich ein sehr alter gebrauch, weil die Römer sich dieser krampe unter dem namen fibula .. bedienten. Möser phant. 3, 219 (208). so nl. kram f., 'kramp' M. Kramer 1719 1, 161ᵃ. das verbum bringt Möser auch mit hd. pf: wenn diese (die markgenossen) ihm dahin zu recht weisen, dasz er sein schwein krampfen soll. 1, 299 (300. 301). 2, 21.
6)
im deichwesen wie kramme, s. d.
7)
an der weinrebe, s. das folg. krampe 4.
II.
Heimat, verbreitung, verwandtschaft.
a)
das aufgeführte ist nur md. oder nd.; mnd. krampe tenaculum Dief. 111ᶜ, nl. kramp f. haken, klammer, auch dänisch krampe, schwed. krampa f., norw. aber krampe m. haken, klammer Aasen 235ᵇ. unsicher im geschlecht engl. cramp, gewöhnlich cramp-iron.
b)
für hohes alter bürgt franz. crampon haken, klammer, kloben, das vielleicht unmittelbar auf ein altfränkisches crampo m. zurückgeht und so mehr zum folg. stimmt. ebenso it. sgramfo, das Adelung vergleicht, darin steckt wol ein langob. bruder des hd. krampf, haken (wegen des s- s. sp. 1199). entlehnt lettisch krampis krampe, ehstn. kramp.
c)
krampe steht als nd. md. form zwischen kramme und hd. krampf haken, klammer, wie md. nd. klampe zwischen klamme und klampfe; beide reihen, mit kr- und kl- sind aber urspr. eins, jene die ältere (s. unter krampf spasmus).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2005, Z. 54.

krämpe, krempe, m.

krämpe, krempe m
höker.
1)
zeugnisse: brachten sie bei ein alt zerlumptes .. zedelein mit einer elenden schrift .. welches anderst als für eines käszkremppen handschrift nicht mochte gehalten werden. Philander 2, 823 (1650 846); gremp, hok Golius onom. 216, kaufleute und grempen Kaisersb. post. 109 (Frisch), lauter elsäss. belege, noch jetzt kremb 'fastenspeishändler' Arnold pfingstm. (vgl.krämpeln). dazu ein tirol. fem. gramp hökerin, trödlerin Fromm. 5, 439, für grampe.
2)
das deutet zurück auf ein ahd. krampio, krempo und krampia, krampa und gehört zusammen mit krämpel m. trödelkram u. s. w.; beide aber haben mit kram (krâm) nichts zu thun noch mit it. comprare, crompare (Frisch 1, 371ᵇ, Schmeller 2, 110. 385), sondern weisen auf ein verlornes kramp m. ausschusz, wegwurf, gerümpel, das nach den unter kracke II, 1 aufgeführten kramp, krempe, krapf, krappen und verwandten mit ähnlicher bedeutung angenommen werden darf. in wurzel und bedeutung ganz nahe liegt ahd. chrampf adj. krumm, das gerümpel ist wol eig. benannt als verborgnes, verkrüppeltes, unbrauchbar gewordenes gerät.
3)
der krämpe heiszt übrigens schweiz. krämper 'krämer' Stald. 2, 128, gremper höker Dasyp., das ist wol nur eine erneuerung der alten form, wie bäcker von becke, käufer von ahd. choufo (s. unter käufel), höker von höke m.; und wie käufel kaufmann, so auch grempel m. höker (Frisch 1, 371ᵇ). sehr merkw. ist die ahd. glosse 'kramp xenia, dona' Graff 4, 608, Schm. 2, 385.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2007, Z. 43.

krämpe, krempe, f.

krämpe, krempe f
1)
der aufgeschlagene rand am hute, stülpe Rädlein, krämpe und grempe Frisch, krempe M. Kramer 1787: hefteten ihm hasenohren an die krempe (als neckerei). Weise erzn. 40 (c. 3);
der erste, der mit kluger hand
der männer schmuck, den hut erfand,
trug seinen hut unaufgeschlagen;
die krempen hiengen flach herab ...
(der erbe) wagts, zwo krempen aufzusteifen u. s. w.
Gellert 1784 1, 9;
weisen sie mir den hut, vielleicht steckt es (das loos) zwischen einer krempe. 3, 321; wird eine krempe (von den dreien am dreieckigen hute) herunter geschlagen, wie gewöhnlich im sommer geschieht, so entsteht daraus schutz und zierde. Lichtenberg (1800) 5, 274. s. auch krämpen.
2)
es ist von nd. ursprung, noch Frisch 1, 371ᵇ bezeichnet es als 'niedersächs.' und im 17. jahrh. erscheint es mit nd. demin. endung: einen breiten hut mit einem krempken und einer clappe (vgl.klapphut). herrl. triumphwagen 19, hier eigner weise als zeichen eines hahnreis; einen groszen huet mit einem kleinen krempken. das. 20; mit hütken klein von krempken 12. aber seltsam als m.: einen krempken an unsern breiten huet. 7. aus dem Göttingischen gibt Schamb. 112ᵃ fem. krempige, hutrand. übrigens ist es im nd. nicht auf den hut beschränkt, Richey 138 gibt krempe als 'aufschlag, aufschlitz' überhaupt, z. b. am ärmel ( Adelung), wofür Dähnert 254ᵃ die plural. demin. form krempels hat, ermelkrempels, aber hôdkrempe.
3)
es ist eine alte nebenform zu krampe f. (wie klempe neben klampe), Stieler 1045 führt auch die allgemeine bed. fibula noch an, dabei 'krempe auf dem hut, spinther', die agraffe an der krempe, für die M. Kramer 1787 kremphake m. angibt; vgl. unter dem fem. krampe 3.
4)
aber auch hier, wie bei krampe, eine gut oberd. form, in Kärnten krempe f. gleich krumpf, bug, krümmung, s. Fromm. 3, 121.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2007, Z. 8.

krampe, m.

krampe m
das oberd. seitenstück zu vorigem, bair. krampen (und krämpel m. und n.) Schm. 2, 386 in der bed. haken, kralle, hacke; also ahd. chrampo? vgl. das zweite krämpe und krampf haken. das hd. p neben dem in nd. krampe ist wie in hd. klamper klammer neben nd. klampe, s. sp. 943. übrigens kommt auch hier fem. vor, s. unter 2. 3.
1)
haken, klammer Rädlein: einen krampen einschlagen, mit einem krampen fest machen. M. Kramer 1719 1, 160ᶜ. so mrh. Kehrein 244. auch slov. kramp.
2)
kralle, vgl.krämpel m.; auch kärnt., als m. und f., hier und bei 1 u. 3; vgl.kramme klaue, und krape a. e.
3)
spitzhaue, pickel, östr. grampn Castelli 148: man musz die bettlein (beete) mit kleinen hauen und krampen umhacken. Hohberg 2, 412ᵇ; krampen, schaufeln und hacken, die dächse auszugraben. 2, 611ᵃ; statt des zapfens (am fasse) den krampen (zur harten arbeit) in die hand nehmen. Abr. a s. Clara. tirol. grampe dreizackige haue Fromm. 5, 439, aber als fem., wie ital. grampa. diesz ist aber sonst kralle, klaue, wie 2, doch in aggrampare mit einem haken erfassen, häkeln tritt auch die bed. 1 auf, wodurch ein etwa langob. fem. krampa in aussicht gestellt wird; ein burgund. se crampir sich anklammern (Diez 1, 223) weist aber auf ein subst. für haken oder klaue, finger.
4)
an der weinrebe, krampe (auch krampf), clavicula, capreolus Stieler 1045 (er hat es aber mit unter dem fem. krampe), womit sie sich wie mit haken anhängt; am Rhein, z. b. in Caub krampe m. Kehrein Nassau 1, 244. schweiz. krambe pl.: die krambe oder zwicklein sind die etwas stärkern fäden der gewächse, mit denen sie sich an die bäume oder stangen (rickel oder scheine) herum schwingen und verwickeln. Muralt eidg l. s. 13, das mb für mp erscheint ebenso in dem nahverwandten klambe klammer gleich klampe (spalte 934 unten) und klamber gleich klamper sp. 943. zur sache vgl.kramm 2. franz. heiszt es crampon (vgl. das vor. krampe II, b), zugleich in der botanik der allgemeine ausdruck.
5)
ob auch krampe m. an der thür? da das mrh. krampe unter 1 masc. ist, mag auch vertinellum, ein dorekramp Dief. nov. gl. 379ᵇ, aus zwei wie es scheint rhein. voc., masc. sein (s. das vorige krampe 1, b), wenn nicht kramp mit echtem auslaut sich zu hd. krampf haken stellt, s. dort das kramp.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1869), Bd. V (1873), Sp. 2006, Z. 47.

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