Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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kreuz, n.

kreuz, n.
crux, aus den cas. obl. des lat. wortes, ahd. chrûci, chriuzi, mhd. kriuce, kriuze; alts. crûci, mnl. mnd. crûce (Dief. 160ᵇ) und crûse (z. b. Haltaus 214. 215), nnd. krüze, krüz (merkwürdig nrh. krüx Fromm. 3, 272), nnl. aber kruis, wie ostfr. krüs, altfries. kriose; altn. kross m., schwed. dän. kors, aber auch nach dem deutschen schw. krys, dän. kryds; das engl. cross, altengl. croice, croyz ist aus franz. croix. Der pl., sonst kreuze, heiszt zuweilen kreuzer: dae inne wart dat heilige cruytz, der zweier scheker (schächer) cruytzer, dat sper ... funden. Harff pilg. 170, 29; tragen weisze kreuzer auf ihren kleidern. kloster 10, 1100; kreutzer auf grenzsteinen Haltaus 214;
(gott) der an dem creutz erblich und nichts denn creutzer giebt (leiden).
A. Gryphius 1, 154,
wenn er endlich drei kreuzer zum wahrzeichen mahlen kann (statt des namens). Möser phant. 1778 2, 312. Aber auch schwach kreuzen, mnd. crucen: trugen alle rothe creutzen auf der rechten schulter. Micrälius Pommern 2, 273. im Simpl. wird sogar zwischen kreuzen und kreuzer ein unterschied gemacht: wir fanden auch (auf der insel) .. die drei creutzen, welche sie .. am ufer des meers aufgerichtet hatten, wessentwegen dann unser schiffvolk den ort (vornemlich weil gleichsam an allen bäumen auch creutzer eingeschnitten stunden) die creutzinsul nannten. 2, 247 Kurz (1671 s. 743, 1685 1, 659).
1)
Das kreuz Christi, das heilige kreuz wie es gewöhnlich heiszt, denn davon ist wol hauptsächlich, wo nicht allein, das wort in gebrauch gekommen (goth. übrigens galga genannt, ags. rôd, noch engl. rood).
a)
im eigentlichen sinne: er hat sich lassen geislen von Pilato und an daʒ crütz henken. Keisersb. sünd. d. m. 16ᵃ; ward gehorsam bis zum tode, ja zum tode am creutz. Phil. 2, 8; die feinde des creutzes Christi. 3, 18.
b)
wie schon in der letzten bibelstelle, so wird kreuz vielfach sinnbildlich für den glauben an Christum selbst gebraucht, z. b.: ein zug brachte meine seele nach dem kreuze hin, an dem Jesus einst erblaszte. Göthe 19, 322; zum kreuze flichen, unterm kreuze trost suchen u. dgl.
c)
bildlich:
fällt ja die menschlichkeit, so wird ein creutz erhöht,
an dem des lästrers maul das ohr der unschuld plaget.
Günther 501,
er schlägt lästernd gleichsam den gefallenen ans kreuz.
d)
in geschäftlicher kürzung des ausdrucks das h. kreuz für eine kirche zum h. kreuz, z. b. am schlusse eines fl. bl.: gedruckt zuͦ Augspurg, bey Josiam Wörly, beym h. creutz, hinder dem predighaus. Körners hist. volksl. 250.
e)
die todesstrafe am kreuze (crux, σταυρός) war aber in der alten welt überhaupt heimisch:
ob er dafür ans kreuz gekommen,
wie Phaedrus schreibt, das weisz ich nicht.
Hagedorn 2, 142, vgl. die anm.;
das sollst du am kreuze bereuen.
Schiller 62ᵃ in der bürgschaft;
jetzt wird er ans kreuz geschlagen.
62ᵇ;
und sieht das kreuz schon erhöhet.
63ᵃ.
2)
Von Christi kreuze bildlich für leiden, unglück, plage, und zwar im genauen sinne von solchem leiden, das gott als prüfung schickt (daher gleich versuchung, s. Hahn unter d) oder als besserungsmittel, doch auch als strafe. aber auch abgeschwächt für ärger u. ä. (z. b. Weise unter e, Fischart unter d).
a)
der gebrauch wurzelt in der bibel: wer mir wil nachfolgen, der verleugne sich selbs und neme sein creutz auf sich (teglich ist Luc. 9, 23 zugesetzt) und folge mir nach. Marc. 8, 34; kom, folge mir nach und nim das creutz auf dich. 10, 21, vgl. Matth. 10, 38. 16, 24 (sein creutz).
b)
ebenso denn mhd.:
du solt dîn kriuze hân enbor,
als eʒ dir treit dîn schepher vor u. s. w.
Barl. 97, 27,
freudig mühsal und not auf dich nehmen; das ist mir ein sunder criuce, das dich (Christum) niut alle menschen minnent. Merswin 20; dis sint menschen, den alle crêatûren in der cît (d. i. alles weltliche) criuce sint gesîn und hânt si durchlitten. 115; dis criuce tragent dise menschen irme houbete Cristus nôch unce in iren dôt. 134;
und trag mir das kreuze nach,
das ist dasz er gedenk alle stunden
mein leiden und tiefe wunden.
klage Mariae bei Pichler drama in Tirol 138.
c)
nhd., oft noch mit klarer vorstellung des eigentlichen kreuzes, z. b.: das gottes volk alle zeit unter dem creutz gewesen und doch wunderbarlich erhalden und getrost worden. Melanchthon anricht. der lat. schul (Bonn 1543) c 2ᵃ, unter dem kreuze sein gleich es tragen müssen, man sah ja und sieht in kath. landen noch das kreuz wirklich tragen (um die kirche z. b.) von solchen, die das als busze auf sich nahmen oder auferlegt erhielten (vgl. kreuzträger 2), ein solches strafkreuz gehört oft zum kirchengeräte. daher auch folg.: gott, ein freünd und lieber der menschen, der uns aller creüz abhilft und (sie) nit auflegt. Frank parad. 1558 2ᵇ; unsere münch, welche doch das leiden nit hart haben (hat?) gebissen und das creütz am weichesten angriffen. Frank weltb. 237ᵃ, sichs beim tragen bequem gemacht; der teufel weisz wol ein holz zu finden, daraus er ein creutz macht, man solls ihm nicht zu hand schaffen. Lehmann flor. 1, 97; mancher schnitzt ihm selbst ein creutz und mag nicht erwarten, bis es ihm selbst zu haus kompt. das.; mir möchten manchmal die kniee zusammenbrechen, so schwer wird das kreuz, das man fast ganz allein trägt. Göthe an fr. v. St. 1, 321. noch jetzt ist folg. auch in protest. ländern geläufig: gott hat mir ein schweres kreuz aufgelegt! Göthe 16, 137; er hat ein schweres kreuz zu tragen u. ä.
d)
aber schon im 16. jahrh. (sicher schon früher, s. besonders Merswins durchleiden unter b) ist die vorstellung auch aus dem worte gewichen. das zeigt z. b. die verbindung mit in: ir wollet uns ausz ewerm haus in gröszere creutz verwerfen. Aimon g;
in disem kreütz geduld verleich.
Schmelzl hochz. 12ᵇ;
in allerlei creutz und trübsalen. Pierot 1, 191; mit weihwasser besprengte man die personen, die in creutz und anfechtung stunden. Hahns hist. (1721) 2, 128, hier gleich versuchung; s. auch einem ins kreuz helfen unter f, oder mit zu, z. b.: das er (Bonifaz VIII.) keiser Albrechten zukrönen wegert .... doch darnach krönt er ihne, dem könig Philippo in Frankreich zu crütz. Fischart bien. 1580 207ᵃ (1588 228ᵃ aber zu trotz, wie bei Marnix 220ᵃ te spijte), zum ärger.
e)
auch in folg. ist das bild mehr oder weniger verblichen oder ganz entwichen: solliche (fleischliche) gedenk bringent inen keinen lust, sunder sind inen ein creütz. Keisersberg irrig schaf (4°) G 5ᵃ; sie besorgen, sie müssen den andern ein überbein und krüz werden. seelenp. 85ᵇ; drumb thun uns geringer creutze mehr wehe denn Christus creutze. Luther 3, 289ᵃ; ein solch gewissen thut mordlich wehe und ist das gröszte creutz auf erden. 6, 62ᵇ;
trübsal, kreutz und laid.
Weckherlin 195,
diese letztere verbindung ist besonders beliebt, z. b.:
ich will ihn han, was wolt ihr mehr,
wanns (selbst wenns) euch ein creutz und leiden wer.
Spangenberg Mammons sold C 2ᵇ;
ein ritter sprach zu seiner gemahlin: was folgt auf kreuz und leid? sie erwiderte: geduld! Schmitz Eifel 2, 80;
ich weisz dasz keine last, kein creutz auf erden schwebt ...
das ich von übel nicht an dir und mir gesehen.
Opitz 1, 165 (Antig., eingang),
und zwar im munde der heidin und Griechin Antigone;
das creutze plagt den leib, und bessert doch den mut.
Logau 1, 2, 82;
o creutz (Christi), uns nicht ein creutz, an dem wir können haben
für creutz ergötzligkeit, für armuth reiche gaben u. s. w.
Fleming 14;
nein, sagte der alte (prediger), creuz, creuz, creuz, mein herr nachbar, fehlet euch. wenn euch das der liebe gott heimsenden wird, da werdet ihr erst ein mann werden. der wohlgeplagte priester (Lpz. u. Dr. 1691) 98; freilich ist mirs ein creutze (ärgert mich), dasz mir die lust verderbet wird. Weise Isaacs opf. 2, 20;
weil man auf dieser welt mehr kreutz als freud erlebt.
Wernike 9;
zur hypochondrie auch noch eine frau, das wäre zu viel kreuz. Gellert 5, 8, brieflich;
dann wollen wir für dich herr alles wagen!
kein kreuz nicht fürchten, keine schmach noch plagen!
Klopstock 7, 195;
ach schwester, die strafen des himmels, womit habe ich das kreuz verdient? mein einziges kind verläszt mich. Sturz 2, 256; mein armer sohn, versetzte sie. er kann sichs nicht vorstellen, wie ich mein kreuz mit ihm (dem manne) hab. Wagner kindermörderin 29, ganz wie 'meine not'.
f)
besonders für ehekreuz heiszt es auch oft kreuz schlechthin:
ach gott, ein creuz und weib (ein altes) hast geben mir.
Ambr. liederb. 206, 49;
nach dem ich und mein weib ihnen nun mit dieser feinen manier ins creutz (in die ehe) geholfen. Simpl. 2, 395 (4, 73 Kurz); s. auch Gellert unter e. doch mit folgender äuszerung Zinkgrefs werden auch die frauen zufrieden sein: dasz nach dem creuz Christi das liebe creuz im haus der beste schatz auf erden. Weidners Zinkgr. 3, 159. vgl. übrigens ehestandskreuz, hauskreuz, aber auch kinderkreuz, christenkreuz.
g)
aus der schulsprache dagegen stammt, vom lat. crux interpretum u. ä., folgendes: diese (homerischen beiwörter), das kreuz aller berühmten übersetzer und heldendichter. Herder volksl. 1778 2, 6 vorr.; jener zählungen, welche sonst für den, der das widersinnige ... nicht übersieht, ihres gleichen als kreuz in der ganzen alten geschichte kaum haben. Niebuhr 2, 78.
3)
Christi kreuz in betheuerungen, ausrufungen, flüchen.
a)
nein entruwen heilges crütz! Keisersb. bilg. 38ᵇ; heiliges krütz! 81ᶜ. 153ᶜ. 154ᵈ; hailiges creütz sprichstu, ich het nimmermer gemaint daʒ das mensch ausz ainem dorf wär gewesen! spinnerin (granatapf.) M 6ᵇ; sammer botz heiligen kreutz, bei allen heiligen im calender. Garg. 149ᵃ (274);
er fluecht und sappermentet: 'chrütz und stern'
und alli zeichen, asz der bode chracht.
Hebel 44.
b)
daher als verstärkend bei andern flüchen, wie kreuz sackerlot Schiller 325ᵃ, kreuz bataillon, kreuzdonnerwetter, kreuzschockschwerenot, u. a.; ich will euch in kreuz millionen stücken zerhauen. Lenz 1, 283. auch gemäszigt und versteckt in kraut, z. b. tirol. kotzkraut! krautsdunnerwetter! Schöpf 341.
c)
endlich als kraft- und nachdruckswort überhaupt, wie in kreuzbrav, kreuzdumm, kreuzfidel, kreuzalt (Kehrein Nassau 1, 246), oberd. kreuzgern, kreuzsauber u. s. w.; du kreuzluftvögelein (scheltend). Cronegk 1765 1, 379.
d)
zu a gehört auch einem ein kreuz schwören (schwören hiesz auch fluchen): nun du falscher Bruno, es sei dir ein creutze geschworen, der erste, der mir ansteht, soll dir zum trotze mein bräutigam sein. Chr. Weise polit. redner (1684) 321.
4)
Das kreuz als christliches wahrzeichen.
a)
so auf altären, kirchen, gräbern u. s. w.: wem aber in solichem aufruer was schadens geschach, wart nit vill frag nach getan oder stainen kreuz darumb gesetzt. Wilwolt von Schaumburg 26;
man pflanzt ein kreuz, mit flittergold
bekränzet, auf ihr grab.
Hölty (1858) 17;
mancher, dessen keimende talente
nie zur reife kamen,
ruht vielleicht hier unter diesen kreuzen.
225 (Schmids anthol. 3, 204);
von einem bettler .. erzählt man noch lang nach seinem tod, und einen rechten mann .. hat man vergessen, sobald man ihm das kreuz steckt (auf das grab). Felder Nümmamüllers 189, vergl. mhd. ein kriuze überʒ grap stôʒen Parz. 107, 10 ff. auch das crucifix (eigentlich der crucifix, s. unter kreuzigen, in Luxemburg das kreuzefex Gangler 253) heiszt schlechtweg kreuz (Stieler 1036), daher folgendes.
b)
'zum kreuze kriechen', d. i. eigentlich zum crucifix, reuig, demütig busze thun. die redensart ist offenbar ein rest von dem verfahren bei kirchenbusze (vgl. kreuzablasz).
α)
in kirchlichem, geistlichem sinne: zu Augsburg muszte ich mich auch demütigen, da meinete der cardinal, ich kröche zum creutze (mit widerrufen) und rief schon io triumph. Luther 3, 333ᵃ; hie werde ich aber müssen herhalten und hören meine richter .... 'kreuchestu nu zum creutz und suchest gnade?' 322ᵇ; 'wolan, der Luther kreucht zum creutze, (es) ist im leid'. 343ᵃ; sie schüldigen uns, als die zum creutz kriechen und widerrufen. 5, 78ᵃ; gott kann schwachheiten, ja auch grobe knollen (mängel) und feil leiden, wenn mans nur erkennet und wider zum creuz kreuchet, auch um gnade bittet und sich bessert. tischr. 1, 34; es freute ihn, dasz sein vater zu kreuz gekrochen und sich mit der bibel ausgesöhnt. Hippel lebensl. 4, 231; wirst du jetzt gleich zum kreuze kriechen und um gnade und schonung flehen ... Schiller 122ᵇ, der pater zu Karl Moor; ists ein wunder hernach, wann der Jud und der Türk zum kreuz krochen und auch katholisch worden seind? Buchners kinderlehre 49.
β)
auf weltliche verhältnisse übertragen, mit entsprechend erweiterter bed., sich vor einem als seinem obern oder meister oder sieger demütigen, und noch allgemeiner:
doch du umbschleuszest sie (Smolensk) und bringst den feind so weit,
dasz er, wie schwer es fällt, für sieg genade schreit.
er kreucht zum creutze hin ...
Opitz 1, 5;
dasz derjenige, so etwas verbrochen, besser thue, wenn er wie man sagt zum creutze kriechet und lieber um gnade bittet, als sich halsstarrig erweiset und denen obern widerstrebet. Frisius ceremonial-politica 327, da stehn die handwerksobern wie an der stelle der kirchenobern, man fühlt die entlehnung von der kirchenzucht;
er kröche traun! vor ihr zu kreuze,
wie kind und magd.
Gotter 1, 151,
der teufel vor einer bösen alten, d. h. er erkennte sie als seinen meister an; nichts kann in der that lustiger sein, als grosz und vornehm thun, wenn man sich bewuszt ist, dasz man bei der ersten sauern miene die der andere macht, unverzüglich zum kreuz kriechen musz. Wieland in Böttigers lit. zust. 2, 175 von der reichsdeputation zu Rastadt 1798; wie der bischof sah, er richt nichts aus und zieht immer den kürzern, kroch er zum kreuz und war geschäftig dasz der vergleich zu stand käm. Göthe 43, 6, gab klein zu; denn siehe, wenn er spürt dasz es ernst ist, kriecht sein theatralischer eifer wol zu kreuz. 10, 108. diesz zu für das urspr. zum, wie schon bei Gotter, zeigt recht wie die redensart ihren anschaulichen inhalt verloren hat.
γ)
ähnlich auch zum kreuze fliehen, gnadeflehend:
zu dem creutz fliehen
und wider gnad von Rom begern.
H. Sachs 5, 276ᵃ.
δ)
hierher passt auch am kreuze stehen, leiden, in groszer not sein. Stieler, Adelung, s. kreuzgericht. und dem entsprechend auch zum kreuz kriechen, not über sich ergehn lassen: es ist auf der welt gerade, als ob jeder mensch einmal zum kreuz kriechen müsse, mancher kommt dann sein lebtag nie mehr davon. aber dem alten müller hatten seine .. kinder wieder .. herausgeholfen aus mangel und noth. Felder Nümmamüllers 7.
ε)
auch vom kreuze fallen, auf sittliche irrwege geraten, sich auf die schlechte seite werfen, gehört wol in diesen bilderkreis:
das menge (manche) kompt in die ee frum
und felt etwa gar pald vom kreuz,
gumpet auf alle ort beseits.
histori wie ain junger gsell weiben sol, Herrigs archiv 41, 71.
c)
mit dem kreuze gehn, von kathol. bittgängen, mit vorgetragnem kreuze oder crucifixe.
α)
cum sacerdos in diebus rogationum cum reliquiis, vulgariter mit den creutzen profecturus esset (läszt sich die pfaffenköchin mit einem andern ein, wird aber vom pfaffen überrascht, und sagt) ei herr Enders, ich meinet ihr gienget mit den creutzen. de fide concub. 127, bei Zarncke 100, 7. 99, 24 aber im sing. mit dem crützen (also ein schwaches crütze?), 99, 23 gond ir mit dem crütz? es heiszt das kreuz geht aus, geht ein, die bittfahrt zieht aus, ein. Schm. 2, 400, das kreuz am ganzen als die hauptsache behandelt. s. auch kreuzgang 1.
β)
diesz kreuz aber auch für die einzelne rotte, die mit einem kreuze geht. S. Frank im weltb. 1534 60ᵃ erzählt aus Franken: die drei tag vor dem auffarttag, so man mit dem creütz geet, kummen etwan vil creütz in ein kirch zuͦsammen. da singen si nit miteinander, sunder ein iedes creütz sein lied ... Wackernagel leseb. 3, 1, 340; es ist wie fahne, fähnlein für die rotte die 'unter' ihr zieht (rotte, wie im kriegsgebrauch, nennt S. Frank den einzelnen kreuzhaufen ebend. 340, 28).
d)
kreuz crucifix als städtische grenzmark, weil man sie gern an den wegen auf die grenze setzte (s. auch 6, a); so alem.: wem ouch die stat zuͦ Friburg verbotten wird .. der sol ouch für alle krütze us und da uswendig beliben als lange das gebot ist. Schreibers urkundenb. d. stadt Freiburg im Br. 1, 393, v. j. 1349; alle die rehte, die er und sin vordern inwendig den krützen der stette ze Friburg het. s. 508; was guͦtere (gen.) ieman von Friburg .. het, vor den krützen in dem lande, oder in der stat. 509; inrehalp den krützen allen, die vor derselben stat umb und umb stant und gesetzet sint. 513 mit folgender beschreibung ihrer lage, es sind ihrer neunzehn, während im folg. nur vier auftreten, den himmelsgegenden entsprechend; alle güter die inwendig den vier crützen ze St. Gallen gelegen sind. Tschudi 1, 472; dasz sie solche übelthäter auch auszer ihren kreuzen annehmen möchten (festnehmen könnten). Stumpf Schweizerchron. 371ᵇ. dieses alemann. kreuz entspricht also dem md. nd. wîchbilde, d. h. heiliges bild, als städtische grenzmark, das inwendig den krüzen dem md. binnen wîchbilden (so z. b. Ssp. 3, 87, 2 in der Leipz. hs., gewöhnlich schon im sg.). noch jetzt heiszt schweiz. innert den kreuzen 'inner dem stadtbann' Stalder 2, 132. vgl. kreuzsäule, kreuzstein. Aber in der Schweiz heiszen daher auch grenzsteine und denkmale überhaupt kreuze, z. b. die denkmale der schlacht bei Näfels, kreuzfahrt die wallfahrt dahin (Stalder).
e)
ein kreuz als wegweiser: kreüz an den straszen, die den wäg zeigend ... cippi. Maaler 252ᵇ, nach Frisius 223ᵃ; cippus, creuz oder hand auf der straszen, den weg zu zeigen. Kirsch cornuc. 1, 215ᵇ, gleichfalls nach Frisius; vgl. Fischart unter kreuzstrasze. dieser gebrauch von kreuzen war schon mhd., denn damit erklärt sich Parz. 180, 3, wo der irrende held kriuze und stûden stric (verflechtung von buschzweigen, als wegweiser im walde) meidet.
f)
als zufluchtsstätte, asyl:
kann der arm kein rettend kreuz umarmen
in der höchsten letzten noth?
Körner leier u. schw. 75.
5)
Das bild des kreuzes.
a)
als abzeichen der 'kreuzfahrer', die ein bild von Christi kreuze ans gewand hefteten und zwar auf die linke schulter, weil da einst Christus sein kreuz zur richtstätte trug (nicht auf die brust, wie nachher bei Schiller, er dachte an die späteren ordenskreuze, s. b); ebenso besonders das abzeichen der für die bekämpfung der ungläubigen gestifteten ritterorden.
α)
es hiesz das kreuz nehmen, mhd. daʒ kriuze nemen, auch emphâhen, von den kreuzfahrern selbst, 'das kreuz ausgeben' oder geben (s. unter β) vom bischof oder wer sonst dazu die krieger warb und weihte; das kreuz (den kreuzzug) predigen, ausrufen u. a.: als unser h. vater der babst .. ein legaten .. schicket .. das creucz zu predigen und zu geben wider die Turken. Nürnb. chron. 3, 409, v. j. 1456; der (legat) ruͤft allenthalben ausz dasz creütz wider den Türken. Frank chron. 1536 254ᵇ; nam das creütz an wider die unglaubigen. 220ᵇ;
nach dem heilgen grab sie wallen,
auf der brust das kreuz.
Schiller 64ᵇ.
β)
die entsprechenden wendungen haben sich aus der zeit der kreuzzüge her lange fortgepflanzt als redensarten; z. b. noch im 16. jh. bei Murner, indem er über seine gegner klagt:
sie haben mir einen Karsthansen gmacht ...
das crütz auch wider mich uszgeben.
luth. narr, kloster 10, 8;
das crütz haben wider dich uszgeben,
als fürtestu des Türken leben.
22;
diesz ausgeben hatte seinen rechten sinn nur damals, als vom kreuzprediger kreuze zugleich ausgetheilt wurden, und diesz austheilen musz nach der redensart herschende sitte gewesen sein; dem entspricht ja auch das nemen, annemen, emphâhen des kreuzes. noch jetzt ist uns kreuzzug bildlich ganz geläufig, auch das kreuz predigen kommt noch vor: (er) wäre darum noch lange kein mensch, gegen welchen man das kreuz predigen müsse. Wieland (1853) 3, 258.
γ)
dazu dann kreuzer, kreuzbruder, kreuzfahrer, kreuzzug, kreuzfahrt, kreuzheer, s. auch kreuzprediger.
b)
aber auch das kreuz selbst lebte fort mit veränderter bedeutung und lebt eigentlich noch jetzt, freilich nicht mehr erkennbar.
α)
als soldatisches abzeichen überhaupt, sodasz jede beziehung auf den ursprünglichen zweck daraus gewichen ist: es soll auch ein jeder an seiner klaidung ein angeheft rot creütz und darzue auf seinem harnisch ein rote binden (die 'feldbinde') haben. kriegsartikel der landsknechte des kurf. von Cöln 1583, Mones anz. 8, 173 § 56. aus dem kreuze der kreuzfahrer war also allmälich eine art soldatischer mode geworden.
β)
als ordenskreuz, so z. b. beim drachenorden kaiser Sigismunds im anf. des 15. jh., s. Mencken scr. rer. germ. 1, 1137, Mones anz. 3, 6; die Zimmerische chronik 3, 269 erzählt von einem ritter, der in Italiam zogen, zum bapst und andern fursten Italiae kommen, alda hat er utrumque (?) ein creuz mit groszen renten .. bekommen, einen mit einkünften verknüpften orden;
nimm dieses kreuz, es ist der lohn
der demuth die sich selbst bezwungen.
Schiller 67ᵃ,
es ist das comthurkreuz; das eiserne kreuz von 1813. verdienstkreuz, ehrenkreuz:
da kömmt behende kreuz und band
und zieret rock und brust.
Göthe 1, 150.
vgl. groszkreuz, kleinkreuz, ritterkreuz.
γ)
dem nachgeahmt ist, denk ich mir, das kreuz als schmuck am halse bei frauen, goldnes kreuz, brillantkreuz u. ähnl., familienkreuz Schiller 190ᵇ; auch das diamantkreuz als geistlicher schmuck gehört hierher, zierde und abzeichen der kirche zugleich.
c)
als segens- und schutzzeichen; man glaubte mit der bloszen mathematischen figur von Christi kreuze die kraft gottes wohin zu ziehen und wirkend zu machen. als nachbildung von Christi kreuze hiesz denn das urspr. auch genau des kriuzes zeichen, wie lat. signum crucis (vgl. unter β), z. b. noch bei Jeroschin:
des heilegin crûzis zeichen
si mit andâcht vor sich schrenktin (d. h. kreuzweis machten)
und an die vînde sprenktin.
137ᵃ,
zur sache vgl. unter α. γ;
aber auch das blosze zeichen ward natürlich bald als das kreuz selbst bezeichnet, ja als der herrgott selber, s. Garg. 88ᵃ (152).
α)
gemaltes, geschriebenes kreuz u. dgl.: man soll kein creutz auf den erdboden machen, da man drauf tritt, so (und doch) machts man auf die wehr und in die becher, die einen umbbringen. Garg. 88ᵃ (152); machten auf schotisch ein creutz in sand und stelten den fusz drausz (so). 229ᵇ (430), zum schutze gegen den feind, es musz doch drauf heiszen; an den straszen, uber allen thoren und kirchen, auf wafen und wehrn, in blutfahnen und panern, auch auf dem gelt ... musz ein kreutz prangen. bienenk. 1588 195ᵃ.
β)
mit der hand ein kreuz schreiben, so thun als ob man es 'schreibe', zeichne, da geht also jene kraft gottes selbst auf die blosze andeutung des zeichens über; so beim taufen:
an daʒ houbet schrîb ich iu ein kriuz nach kristenlîchem louf,
und besprenge iuch mit dem waʒʒer, so habent ir den touf.
der grosze Wolfd. 1146.
als zeichen des segens, mit dem zeigefinger oder der hand auf den zu segnenden gegenstand oder auch nur darüber hin in die luft gemacht (segnen kommt eben daher, von 'signum' crucis), vgl. noch jetzt auch in nichtkatholischem munde 'sich kreuzigen und segnen' (s. auch kreuzsegnen):
swer sich welle mit trinken laben
oder mit eʒʒen, der gedenke
an unsern herren unde schrenke
ein kriuz mit andâht über die spîse
und überʒ trinken, den site ich prîse.
Renner 9695, vgl. 9671;
und tet mit sîner zeswen hant
über den wirt und sîniu kint
und über ieslich sîn rint
daʒ kriuce mê dan zehen stunt.
Strickers klein. ged. 5, 39,
ein dieb der im kuhstalle ertappt wird und um sich zu retten in die rolle des heil. Martin übertritt; auch Christus selbst bei der himmelfahrt
macht ein creuz mit seiner hand
und tet den segen über all lant.
Uhland volksl. 833,
wie es sonst heiszt daʒ kriuze tuon, der segen ist eben hier noch zugleich das kreuzeszeichen, signum. daher auch 'kreuz und segen': der student tritt mitten in die stuben, macht vil kribes kräbäs, vil creuz und segen, spricht wörter, die kein teufel in der höll verstanden. Bacchusia 137.
γ)
als schutzmittel gegen böse, teuflische einflüsse:
dô sprang sie (die heidin) von dem bette, eines zoubers sie began ...
wie balde Wolfdieterich daʒ kriuz dargegen schreib.
gr. Wolfdietr. 1167, 3;
er schreib daʒ kriuz dargegen, die tiufel zerstuben gar.
1231, 2;
tuotʒ kriuze für diu ôren,
wô man die bœsen nennet.
Hadamar 624;
ich vand an ir den widerkauf
und segent mich mit halbem crütz.
Hätzl. 279ᵇ;
man musz dem teufel das creutz ins angesicht schlahen. Luther 6, 4ᵇ; er musz sein lebtag dein man und du sein weib sein, da hilft kein kreuz für. Fischart ehz. 623 Sch.; ich machte das kreuz hinter und vor mir. Jucundiss. 210;
wer auf guten wegen geht,
und auf kreuze sich versteht,
darf vor spuk nicht zittern.
Voss (1825) 3, 104.
δ)
einem ein kreuz nachschlagen: doch wo gerathe ich hin? wohin der hr. pastor mir leichter ein kreuz nachschlagen kann, mir lieber einen fluch nachrufen wird, als mir folgen. Lessing 10, 148, einem fortgehenden nämlich, den man nicht zurückwünscht, schlägt man drei kreuze nach, als schützten die vor seiner rückkunft: 'fort, und drei kreuze hinterdrein!' man behandelt einen damit als einen bösen, es ist als sagte man damit geh zum teufel (wohin du gehörst). das ist denn mit entweichen des mittelalterlichen hintergrundes auch zu einem bloszen hohnzeichen geworden, wie es schon in dem halben kreuz bei der Hätzlerin vorhin erscheint.
ε)
im aberglauben lebt der gebrauch noch in allerlei formen, oft wunderlich genug, wie in einem kreuze aus pantoffeln:
die klagt, wie manche liebe nacht
ein schwerer alp sie stöhnen macht,
wenn rückwärts nicht gestellet war
mit kreuzen ihr pantoffelpaar.
Voss 1825 4, 151 (1802 s. 197).
eine reiche auswahl von weiterem bei Ad. Wuttke volksaberglaube im register unter kreuz.
d)
man warf sich sogar beim beten in kreuzform zur erde, mit ausgebreiteten armen, das hiesz an ein crütze vallen, z. b. bei Closener von den geislern (leseb. 1859 1067, 14), daher bei Frank weltb. 138ᵃ; mhd. auch in kriuzestal vallen, s. wb. 2², 558ᵃ, Haupt 8, 177, noch nhd. kreuzstall (s. d.), s. auch unter kreuzweis 2. das gebet in dieser weise hiesz kriuzevenje Schmidt gottesfreunde 67. nl. heiszt es einfacher een cruyce maeken hor. belg. 11, 10 str. 4.
6)
Dann vielfach in nichtkirchlichem gebrauch, als merkmal oder zeichen überhaupt, und davon wird manches über die christliche in die heidnische zeit zurück reichen, die das zeichen schon kannte, nicht blosz die germanische. in der runenschrift gibt es kreuzähnliche zeichen, wie ja auch die griech. und lat. schrift im alphabet (Χῖ, Χ) das zeichen haben; das runenkreuz scheint aber auch schon religiöse bedeutung gehabt zu haben, man hat vermutet als bild von Thors hammer, vgl. J. Grimm myth. 166, J. W. Wolf bei Haupt 7, 538, Rochholz Schweizersagen 2, 205, Dietrich im anz. des germ. mus. 1867 sp. 39.
a)
als grenzzeichen, und sonst in rechtsgebräuchen, s. J. Grimm rechtsalt. 172 ff. 287. 544 fg., auf grenzsteinen Haltaus 214, an grenzbäumen als liegendes kreuz, s. anz. des germ. mus. 1860 sp. 13; vgl. 4, d. ein aufgerichtetes kreuz als zeichen der marktfreiheit, s. Haltaus 214. auf ein lehngut, das gefrohnt, für den herrn mit beschlag belegt ward, wurde ein kreuz gesteckt, auch zum zeichen der vergantung, s. Haltaus 215; ähnlich bergmännisch das kreuz auf eine zeche stecken, die grube aufgeben, für todt erklären.
b)
als merkzeichen, merkmal überhaupt, wie z. b. schon das kriuze, das Kriemhilt in Siegfrieds gewand näht (Nib. 847, 2. 922, 2).
α)
als merkmal, um einen zu brandmarken:
ein kreuz mal ich im auf den rück,
dardurch man innen wirt seiner tück.
fastn. sp. 378, 21.
ein kreuz diente wol auch bei wirklicher brandmarkung.
β)
als denkzeichen. Wickram erzählt von den gartenden landsknechten: es haben aber gemelte lantzknecht ein gemerk. wo sie (in bauerhöfen) ire herbergen nachts haben, da malen sie an die stubentüre burgundische crütz mit östen (d. i. esten, ästen). rollw. 64, 8 Kurz. in einem handschr. reisebrevier für wallfahrer aus dem 15. jahrh. bezeichnet ein krüczlin die orte wo allgemeiner ablasz, ein ringlin wo ablasz auf 7 jahr ist, s. Haupts zeitschr. 11, 34 anm. im Elsasz e kryz ins kämin mache, als denkzeichen für ein auszerordentliches ereignis (scherzhaft), s. Arnold pfingstmontag 69. noch jetzt dient in büchern ein kreuz im texte als hinweis auf eine anmerkung (vgl. das griech. Χ als kritisches zeichen der grammatiker).
c)
als vertreter wirklicher schrift.
α)
so als handzeichen statt der handschrift:
Terzky. ein kreuz steht hier. Tiefenbach. das kreuz bin ich.
Isolani. er kann nicht schreiben, doch sein kreuz ist gut
und wird ihm honorirt von jud' und christ.
Schiller 354ᵇ.
so befiehlt z. b. die allgemeine gerichtsordnung für die preusz. staaten, dasz ein zeuge das protokoll unterschreibe oder mit drei kreuzen unterzeichne (Hugo civilist. magazin 6, 141). das ist ein nachklang des alten handgemahls und damit der runenschrift; auch in dem kreuze mit ästen vorhin liegt offenbar ein solches handgemahl vor.
β)
drei kreuze noch anders, z. b. im kalender als denkzeichen: Richard. was bedeuten die drei kreuze? ... ich habe es euch allen gesagt, was die drei kreuze bedeuten und habe euch befohlen, mich fleiszig an die drei kreuze zu erinnern (eins rät auf vorzunehmenden aderlasz) ... die drei kreuze bedeuten, dasz morgen der dritte termin ist. Lessing 2, 529. 530, doch zugleich nach 5, c.
γ)
beim rechnen dient ein kreuz als pluszeichen, liegend (×) aber als multiplicationszeichen.
δ)
mit einem kreuze wird aber auch ausgestrichen, was daher engl. kurz to cross, kreuzen heiszt, franz. croiser: dem armen seine schuld zu schenken und dem reichen ... ein kreuz über die rechnung zu streichen. Stilling häusliches leben (1789) 114; das ist aus, darüber mach denn ein kreuz. Gutzkow ritt. 8, 166, bildlich.
d)
in der alten zahlenschrift ist ein kreuz gleich zehn, decussis + Stieler 1037 (vgl. kerbstock a. e., kerbholz 1, a): ein kreuz bier, d. i. zehn masz. Schmeller 2, 400;
die ringlin an der wand geschriben (im wirtshaus),
die crutz sind all uf borg beliben.
Murner narrenbeschw. x 1ᵃ,
was ist das ringlein? und ist das kreuz die röm. X oder nicht?
e)
auf münzen, wie auf den silberpfennigen von Hall in Schwaben, den 'hellern' (s. Renner 209ᵃ), daher kreuzer (vgl. kreuzdreier, kreuzgroschen, kreuzpfenning, kreuzthaler, kreuzducaten): setzen .. wir, daʒ in den vier steten Auchsbürg, Nuͤremberg, Ulm und Halle haller geslagen werden mit kreutzen und henden, und niendert anderswo. münzgesetz k. Wenzels v. 1385, städtechron. 1, 240; weder crütz noch muntz. Reuchlin augensp. 40ᵃ; nl. kruys oft (oder) munte werpen Kil., avers oder revers, das ist ein spiel mit aufwerfen einer münze (vgl. Rochholz kinderl. 424), nd. crucemunten genannt (Bockholter stadtordn., bei Möser phant. 2, 317); Kil. gibt geradezu kruys für avers der münze überhaupt, gewiss galt auch hd. kreuz so. dasselbe spiel könnte 'kreuz oder blättlin' Garg. 165ᵇ (Sch. 306ᵇ) sein, doch in der groszm. 577 Sch. 'kreuz oder blättel, ruck oder schneid?' wird es mit einem messer gemacht; die erwähnte hand auf der andern seite der Haller pfennige sieht übrigens einem blatte ähnlich und der ausruf könnte als allgemein geworden auch beim messer gebraucht gewesen sein, mit dem die kinder noch ein ähnliches hazardspiel üben.
7)
Von der bloszen form des kreuzes.
a)
kreuz allein.
α)
nit wie unser landsknecht, hauptleüt und junkern, spaciern ein creütz täglich durch die stat. S. Frank chron. 1531 115ᵇ, machen spazierend ein kreuz, vgl. 217ᵇ spacieren müszig in der statt creutzweis umb, 'durchkreuzen' sie der länge und breite nach; für die langeweile von einem hause zum andern schwanziren oder ein creutze durch die stad rennen. F. Roth hausmütter abc J 2ᵇ.
β)
ins kreuz, im kreuz von zwei dingen die in kreuzform zusammen gelegt werden: das zeichen zwoer ins kreuz gelegter ruthen. Möser phant. 1778 1, 180; die arme auf die brust ins kreuz gefaltet. Wieland (1853) 20, 118; dasz man den acker, wie man sagt, im kreuz hakt (mit dem hakenpflug ackert). landwirtsch. zeitung 1855 362ᵃ. Und bildlich: multiplicir im creutz. Ad. Ryse rechn. C 1ᵇ; dividir im creutz. C 2ᵃ.
γ)
gewöhnlich jetzt übers kreuz (man beachte den bestimmten art.), diesz über ist von den dingen die übereinander gelegt werden, in die redensart übergesprungen, ein zeichen dasz das urspr. bild darin dem sprachgefühl verloren gieng: die arme oder beine übers kreuz legen; übers kreuz nähen, mit 'kreuzstichen'. Auch diesz dann bildlich: übers kreuz das fernste zu verknüpfen gewohnt. Göthe 6, 104; dieses vereinigen gleichsam übers kreuz. 17, 55 (wahlverwandtsch.); zwei väter die sich hassen, söhne und töchter aus diesen getrennten familien leidenschaftlich übers kreuz verliebt. 27, 124. mit einem übers kreuz sein, entzweit: das verdarb ihm von neuem seine stimmung, und bald war er mit der Stigerin wieder übers kreuz. Felder reich u. arm 383.
b)
gern aber 'kreuz und quer', von bewegungen die sich wiederholen, in verschiedenen richtungen kreuzen:
hier schleppt ein pfäfflein kreuz und quer
den ablasztrödelkarrn umher.
Matthisson (1811) 2, 306;
Thüringen kreuz und quer durchwandernd. Göthe 32, 131;
und bei dem senden kreuz und quer
was bleibt uns denn? verdorbnes!
3, 127;
er gab die sporen kreuz und quer
und ritt auf alle seiten.
10, 250;
indesz zerfiel das reich in anarchie,
wo grosz und klein sich kreuz und quer befehdeten.
41, 260;
bei tisch war eine menge menschen, die kreuz und quer schwatzten und mir viel zu denken gaben. an fr. v. Stein 1, 227; wenns kreuz und quer schneite. Bettine br. 1, ix. dann auch beide getrennt:
mich treibt umher mein wilder sinn,
er treibet mich kreuz, er treibet mich quer.
Fr. Stolberg 1, 133.
kreuz ist da nach quer als adverbium behandelt, was das entsprechende engl. cross völlig geworden ist, und adj.
c)
aber auch die kreuz und quer, das vorige 'kreuz und quer' wie éin wort behandelt und zum subst. erhoben, nach 'die quere'.
α)
mit in und folg. accus. (vgl. ins kreuz unter a, β):
wir reiten in die kreuz' und quer'
nach freuden und geschäften.
Göthe 2, 219;
und wuselt emsig hin und her
beschäftigt in die kreuz und quer.
41, 56;
über diesen strittigen punkt .. werde ich mich mit meinem andächtigen leser in die länge und breite, höhe und tiefe, kreuz und die queere kurz und gut unterhalten. Hamann 7, 20.
β)
aber auch mit bloszem acc. (dem acc. der bewegung):
und nicht etwa die kreuz' und quer
irrlichtelire hin und her.
Göthe 12, 95;
und selbst mit doppeltem artikel, wo dann der schein vollständig wird, als gäbe es ein subst. die kreuze: die kreuz und die qvere Stieler 2657;
so irren die kreuz und die quer
durch alle zonen der erde die armen hin und her.
Wieland 4, 217 (Amadis 11, 6).
kreuz tritt dabei zurück in seinen schein eines adverbiums in folg. wendung: reitet wie ein unsinniger im land herum, kreuz und die queer. Fr. Müller 3, 340.
γ)
auch mit dem adverbia bildenden genetiv: auf ihren reisen der kreuz und quer'. Klinger 1, 390; reisen wieder! hin und her, der kreuz und quer. 1, 441. und wieder mit doppelt gesetztem artikel: es geht einem ehrlichen kutscher bitter ein, wenn er von hinten her zusehen soll, wie vorn alles der kreuz und der quere geht. Thümmel 5, 160.
d)
aber auch ein adjectivum machte sich nötig zu diesem vielgebrauchten 'kreuz und quer', z. b.: zum kreuz und queren nachschlagen und blättern. Ernst Wagners sämmtl. werke Lpz. 1828 10, 17. und mit einer besondern adjectivendung versehen: dasz, wenn er noch lebte, er allen ihren kreuz- und querigen bestrebungen zunge und begeistertes wort leihen würde. Tieck nov. 1, 112.
e)
gewöhnlich hilft man sich mit zusammensetzung: die sämmtlichen irrgänge seiner kreuz- und querbewegungen in bezug auf jenes frauenzimmer. Göthe 26, 251; nun stellten sie kreuz- und querfahrten an. 22, 130; auf dieser wunderlichen kreuz- und queerreise. Bettine br. 1, 274. so kreuz und querstriche, kreuz und quersprünge, kreuz und querfragen u. a., man sieht es diesem ganzen kreuz und quer recht an, dasz es in lebendiger rede entstanden ist, ohne unsere ewige rücksicht auf buch und schreibung, die es in verlegenheit bringt.
8)
kreuz mannigfach auf kreuzähnliche dinge angewandt.
a)
am körper das unterste ende des rückgrates Frisch 1, 176ᵃ, vgl. kreuzbein, das den gebrauch herbeigeführt haben mag.
α)
im genauen sinne: wie bin ich auf mein creutze gefallen! Weise Isaacs opf. 3, 11; das kreuz that mir so weh (vom reiten), als wenn ich oben auf einem baum gesessen hätte. Hermes Soph. r. 5, 153. beim pferde wie kruppe:
dein angenehmes pferd (ein wartendes postpferd),
das brust und creutz erhebt (vor ungeduld und mut).
Günther 664;
der ganze hintertheil ... kreuz und lenden waren fort und wie rein abgeschnitten (vom fallgatter). Münchhausens reis. 46.
β)
man sagt es aber auch für rückgrat überhaupt (Steinbach 1, 936, vergl. kreuzschmerz):
o weh! o weh! nun ists vorbei.
die last bricht mir das kreuz entzwei.
Göthe 41, 285;
um mitternacht
musz Görgen oft hier fahren.
dann fällt ihm ein, wies ihm so kalt
hier übers kreuz gelaufen.
Schmidt v. Wern., alm. 1798 s. 71.
daher wol auch für nacken, genick, so in Luserna in Wälschtirol (Zingerle lusern. wb. 39ᵃ).
γ)
aber auch schonend für den after (so wol bei Weise vorhin) und für die gegend der schamtheile. in letzterm sinne auch kreuz an den beinkleidern: die hosen sind im kreuz zu eng; der junge hat sich (durch springen, klettern) das hosenkreuz zersprengt; doch ist nun auch die schonende kraft dieses kreuz schon wieder abgebraucht, denn die Leipziger schneider z. b. sagen neuerdings der schritt, im schritt dafür.
δ)
bei den jägern heiszt das kreuz ein knöchlein am hirsche, s. Flemming teutscher jäger 94ᵇ, Frisch 1, 176ᵃ: es hat ein hirsch unter andern seinen edlen gliedmaszen .. auch dasjenige, welches ihme mitten in dem herzen sitzet und des hirsches kreutze daher genannt wird, weiln selbiges, wenn das wildpret davon herunter kömmt, fast einem kreutze gleichet. Göchhausen notabilia venatoris (1741) 23.
b)
technisch: fensterkreuz (auch vom ganzen rahmen), nl. kruys Kil., kreuz in der thüre (s. kreuzthüre), und sonst in der baukunst; bergmännisch von gängen die sich kreuzen, unterschieden schar- und winkel- oder Andreaskreuz, s. auch göpelkreuz; im maschinenbau in verschiedner weise, vgl. haspelkreuz, hauptkreuz; im hüttenwesen der kleine kranz des treibherdes; ankerkreuz, der theil des ankerschafts wo die schenkel sich abzweigen; beim buchdrucker, buchbinder eine krücke zum aufhängen der nassen bogen, ein Antoniuskreuz (T); degenkreuz, der theil zwischen griff und stichblatt, gehäuse, schon bei Rothe rittersp. 1240: ob er nicht darumb einen degen mit einem groszen kreuz oder maulkorb trage, damit die faust gegen den stosz .. möge verwahret sein? Philander 1650 2, 244. ähnlich das creuz der krücke Fischart flöhh. 825 Sch. kreuz am weinlager, woran das fasz 'gesperrt' wird, s. Haupts zeitschr. 3, 27. in der musikschrift das zeichen zur erhöhung einer note (♯), doppelkreuz zur nochmaligen erhöhung.
c)
eine stelle, wo sich straszen krouzen, heiszt kurz das kreuz, sowol in städten (z. b. in Jena) wie im felde; es stand oft dort ein kreuz.
d)
nach einer der verwendungen unter b bildlich: da doch Plato .. von einem hölzernen kreuze der systematischen darstellung noch keinen begriff hatte. Danzel Lessing 2, 2, 108, als rahmen, über den der philosophische stoff geschlagen wird.
e)
das kreuz in der nusz, kreuzform welche das fleisch der welschen nusz nach den querwänden bildet. Baumgarten s. 74 in dem unter kniehöhe angeführten buche.
f)
im kartenspiel gleich treff.
g)
was ist einem mädchen beim umarmen ein spanisch creutze drücken? Picander 1, 350, beim pfänderspiel 442.
9)
von dingen mit dem kreuze bezeichnet, so im hüttenwesen die stärkste sorte blech, kreuzblech. s. auch groszkreuz, kleinkreuz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1870), Bd. V (1873), Sp. 2176, Z. 65.

kreuzen

kreuzen,
1)
ans kreuz schlagen, mhd. kriuzen, ahd. krûzôn, nl. kruyssen Kil., dän. krydse, nhd. von kreuzigen verdrängt:
das man Jhesum crützen (so die hs.) wil.
Mone schausp. d. m. 2, 307,
in der regel schon crützgen ebenda;
dasz sie den, der gecreutzt, zum herren auszerkiest.
Opitz 4, 309, nach H. Grotius.
2)
mit christlichem kreuze heimsuchen, zu kreuz 2, in folg.: das inwendige leiden, das die heiligen von irer sünde wegen tragen .... das verfolgen der andern umb desselben gecreutzeten lebens willen. Luther 1, 36ᵃ, ausleg. des 5. buszpsalms. vgl. lat. cruciare, das auch schon aus der bed. ans kreuz schlagen in die von peinigen übergieng.
3)
vocabb. des 15. jh. geben alare, alas vel brachia ad modum alarum extendere, krutzen, kreutzen die flugel, s. Dief. 20ᵇ; im voc. 1482 b 5ᵇ ankreutzen als die vogel, alare, alas extendere. so weit sich das auf die vögel bezieht, geht es wol auf das anschlagen der raubvögel an thorwege in kreuzform; von menschen gebraucht (vgl. auch alare, arm ausrecken Dief. nov. gl. 14ᵃ und die gemma s. v. alare) kann es sich auf eine kirchenstrafe beziehen, vermöge deren einer mit ausgestreckten armen an ein kreuz treten muszte, wofür beispiele, freilich aus weit älterer zeit, bei Schilter 190ᵃ, s. auch Scherz 830, besonders Ducange s. v. crux, adstare ad crucem (ebenda belege, dasz diesz stehen am kreuze als gottesgericht gebraucht war, der überführte war der welcher zuerst ermüdete).
4)
mit einem kreuze bezeichnen, z. b. mhd. gekriuzter ritter Parz. 72, 13, mystisch im welschen gast 11625 ff.; gekreuzter brief N. Manuel 311, vorher der was mit eim groszen kreuz verzeichnet (bezeichnet). 310.
5)
ein kreuz schlagen (s. u. kreuz sp. 2182), mhd. kriuzen.
a)
bloszes kreuzen, kriuzen:
dâ sol man kriuzen vür den hagel
und segenen vür den gæhen tôt.
Tristan 379, 22;
er (der messpriester) criuzet hin er criuzet her, ein criuze ob dem kelche ein criuze vor dem kelche, lange criuze kurze criuze. Berthold bei Mone schausp. d. mitt. 2, 356;
weiwasserwurz, geweichts (geweihtes) wachs mit,
do man nechtlich mit creuzt und ficht.
Folz von hausrat, bei H. Sachs 4, 159 Göz,
zum schutze des wiegenkindes gegen böse einflüsse;
dann kreuz' und segn' ich: Adam du!
bleib doch in deinem grabe!
musenalm. von Voss 1778 s. 57;
da kreuzt' und rief ich: lieber tod,
willst du nun endlich kommen?
59.
b)
trans., wie sonst bekreuzen: eine hostie kreuzen und segnen. Hippel 8, 162. einen kreuzen, heldenwitz für schwerthiebe im kampfe (vgl. kreuzhieb, kreuzstreich):
wo man si chreuzet mit dem swert,
da sein si chainer eren wert.
Liliencron hist. volksl. 1, 370ᵇ,
wie es kurz vorher heiszt:
wo man ir darf (bedarf) in sturm und streit,
da tuͦn si des segens nit enpeiten (warten).
c)
meist sich kreuzen:
die alten mütter kreuzten sich.
Gellert (1785) 1, 155;
was auszerordentlich scheint und worüber sich alle kreuzen und segnen. Hippel; der pöbelhaufe, der uns in der wolke kaum sah, und sich kreuzte, dasz ein mensch da durch wollte. Herder; entsetzlich! ich muszte mich kreutzen und mein perfer! rufen (vor dem ungeziefer). E. M. Arndt erinn. 173.
6)
kreuzweis legen u. ä.: die beine, die arme (über die brust) kreuzen;
neigen dreimal alle sich vor Assad
händ und arme kreuzend.
Platen 325;
ein pferd kreuzt (die vorderbeine), setzt sie kreuzweis vor einander. fechtende kreuzen die degen gegen einander, die degen kreuzen sich.
7)
kreuzweis, kreuz und quer sich bewegen.
a)
z. b.: die schwalben kreuzten hin zu dem baumörtel. Arnim 2, 212; eine vorbeikreuzende schwalbe. J. Paul Tit. 1, 142, von ihrem flug im zickzack; freudig löste sich das gebundene leben unter dem kreuzen der blitze und dem rollen der donner. Bettine br. 2, 313. von einem betrunkenen: er kreuzt (geht im zickzack). Lichtenberg 3, 75.
b)
so besonders von schiffen, kreuzern, die eine küste bewachen, den feind belauern u. dgl., besonders von kapern; zuerst bei Rädlein 180ᵇ i. j. 1711 (der das ganze wort unter den wbb. zuerst hat und nur so, wie nach ihm Ludwig i. j. 1716), nl. kruisen, (daher wol) engl. cruise, frz. croiser, dän. krydse: seine schiffe kreuzeten auf allen seiten und laureten auf die Phönicier. Breitinger forts. d. crit. dichtk. 185; eben fällt mir bei, graf, sie lassen ja gegen die Türken kreuzen? Schiller 167ᵃ; auch für lavieren: den flusz hinauf kreuzen.
c)
diesz dann bildlich:
durch euer (des brautpaars) beispiel angereizt
bekehre sich, wer schon allmälich an der küste
des hagestolzeneilands kreuzt.
Gotter 1, 177;
der reisemarschall .. wollte nach dem reisetage so gern recht bequem im holden luftigen und duftigen Liebenau ruhen und kreuzen nach schönen gesichtern. J. Paul komet 3, 36; ich hätte gar zu gern noch ein paar tage hier herumgekreuzt (statt abzureisen). Bettine br. 1, 277.
8)
im kreuze durchschneiden, kreuzweis schneiden, vgl. durchkreuzen.
a)
eigentlich.
α)
transitiv:
da kreuzt ein fischernachen
des mondstrals reges blank.
Voss 5, 152 (4, 17);
unser pfad kreuzte die landstrasze.
β)
bes. reciproc: zwei sich kreuzende linien, richtungen;
der donner rollt, schon kreuzen sich die blitze.
Göthe 13, 226;
auf einem der hügel .. die mit der schönsten mannichfaltigkeit sich kreuzen und die lieblichsten thäler bilden. 16, 7; in einer stadt wie Frankfurt befindet man sich in einer wunderlichen lage. immer sich kreuzende fremde deuten nach allen weltgegenden hin und erwecken reiselust. 48, 93 (91);
wann erst durchs ganze land sich eisenbahnen kreuzen.
Rückert weish. d. br. (1843) 337.
am waldsaum, wo der Weisziger weg sich mit dem Hermsdorfer waldweg kreuzt. Droysen Yorks leben 2, 193. zwei briefe kreuzen sich oder der eine kreuzt sich mit dem andern, wenn zwei correspondenten zugleich an einander schreiben; noch mehrere gespräche kreuzten sich. Göthe 43, 278.
γ)
das sich bleibt gern aus beim part. und inf., aber hinzugedacht:
kreuzende gänge (im park).
Kleist frühl. 1754 s. 26;
(gärtchen) ländlich umzäunt
von kreuzenden stäben.
Salis (1793) 72;
Lutetiens kreuzende gassen.
81;
bleiben dem (sich) kreuzenden feuer von allen seiten ausgesetzt. Göthe 29, 256; den mittel-, schwer- und brennpunkt dieser kreuzenden linien und strahlen. J. Paul 36, 55; es entstand (bei ungeordnetem aufmarschieren) allerlei kreuzen der truppen und aufenthalt. Droysen Yorks leben 2, 266.
δ)
aber es steht auch wirklich zuweilen intr.: zwei exemplare der 'wanderjahre' hatten zwischen zwei freundinnen gekreuzt. Göthe 4, 190; als wir so vor einander vorbei kreuzten (beim tanzen). 16, 33, uns kreuzend bewegten.
b)
bildl.: von den tausenderlei gedanken, die sich in seiner seele kreuzten. Göthe 18, 321; und doch kreuzen sich, indem ich schlieszen will, nochmals tausend gedanken, wünsche, hoffnungen und vorsätze. 21, 12, regen sich einander widersprechend; der du die widersprüche nicht vereinigen kannst die sich in deiner seele kreuzen. 39, 348.
c)
bildlich mit dem begriffe des störens, wie frz. croiser, engl. cross auch: jemandes pläne, vorhaben kreuzen;
ja mit dem besten willen leisten wir
so wenig, weil uns tausend willen kreuzen.
Göthe 9, 268;
um Frankreichs gefährliche entwürfe zu kreuzen. Dahlmann engl. rev. 344. ebenso volksmäszig 'einem der quere kommen'. vgl. durchkreuzen.
d)
dagegen in der thierzucht, racen kreuzen, übers kreuz paaren, wie franz., engl.
9)
technisch, besonders in der weberei, mit mindestens vier tritten und schäften weben, eine art kepern, gekreuzter sammet u. dgl., franz. étoffe croisée, du croisé. s. Krünitz 49, 369.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1870), Bd. V (1873), Sp. 2188, Z. 29.

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j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
krankenkost kreuzranken
Zitationshilfe
„kreuzen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kreuzen>, abgerufen am 28.01.2022.

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