Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

krume, f.

krume, f.
mica.
1)
formen, heimat, herkunft.
a)
seine heimat ist das md. gebiet, mhd. ist es nicht, wie noch jetzt nicht oberd.: frusta cujus rei, crumene, minutie. gl. Jun. 308 Nyerup, mittelrh. 11. jh., mit merkw. pl. md. 14. jh. krume: di welfer (jungen hunde) eʒʒent ouch von den krumen, di vallent von dem tische irer herren. Matth. 15, 27, Haupt 9, 275; ouch di welfer under dem tische eʒʒent von den krumen der kindere. Marc. 7, 28, das. 293, bei Luther das oberd. brosamlen, brosamen, wie schon in Beheims md. evang. brosmen (goth. drauhsna f.). am Mittelrhein z. b. bildet der Taunus die grenze der beiden wörter, nördl. davon gilt krume, südl. brusem (Kehrein Nassau 1, 248). aber auch der Schlesier Steinbach kennt es nicht, grum (s. u. d) ist ihm ein schwäbisches wort.
b)
aber schon in der ags. übersetzung der evang. crume f. (Ettm. 401), noch engl. crum, crumb brotkrume u. ä., altengl. crume, crumme, crome, cromme Stratm. 127; eigen schottisch crumch in Banffshire, 'diminutive of crum' (transact. of the phil. soc. 1866 2, 33), vgl. das rhein. krutch kleine kröte sp. 2415 (g). mit andrem vocal engl. dial. crim a small portion of anything, vgl. crimme to crumble bread (krümeln) Halliw. 280ᵃ.
c)
nd. kröme br. wb. 2, 878, Schütze 2, 352, ostfr. krööm Stürenb. 125ᵃ; aber auch ohne umlaut krôm Danneil 118ᵃ (neben krömen krümeln), kraume f. Schambach 111ᵇ, wie westf. Kuhns zeitschr. 2, 209. der umlaut könnte erst von krömen stammen; mnd. krome, croume mica Dief. n. gl. 253ᵃ, wie bei Chytr. krome (s. 2, a). Dagegen nl. kruim f. brotkrume, wie kruimel f. krümchen, bei Kil. kruyme medulla panis, mica, was auf vorgängiges crûme hinweist, wol unterschieden von dem altmd. krŭme, das dem nhd. krûme zu grunde liegt. Auch dän. krumme und krume, schwed. dial. krumme, kromme m., krumma f. Rietz 353ᵇ, der auch altschwed. kruma f., pl. krumona von brotkrumen belegt; aber das möchte doch entlehnt sein, es fehlt norw., isl., altn. (krumr saft ist verschieden, s. unter e, β).
d)
nebenformen. ein mrh. voc. gibt grumme mica (vgl.krümmele unter krümel 1, krümmeln unter krümeln 1) Dief. 360ᵇ, mehrere nrh. krome das., neben krume, vgl.kromeln (Lpz. 1501) unter krümeln 1; das -mm soll nur die festgehaltene kürze bezeichnen (wie in den nord. formen unter c), grume schreiben auch Henisch 516, Schmotther 2, 363, Rädlein, Wachter 618, Frisch 1, 378ᵃ, grum Steinb. 1, 648, brotgrümel Lessing 1, 330, man dachte an lat. grumus (s. Wachter)! auch krome erscheint bei schriftstellern: wann er nun vermeinte, dasz das brot gar genug, so ward die rinde .. davon genommen, die kromen aber also heisz, wie sie aus dem ofen kommen, in die grosze gläserne kolbe geworfen. Rist thorheit 246; s. auch krömichen gleich krümchen, krommen u. krumen 1, also auch kromme. noch livl. krome, pl. krömer Hupel 129, ob von einem neutr.? ein masc. kommt in Hessen vor (vgl. das schwed. m. unter c):
asz heut noch keinen krumen,
und, herr, mich hungert sehr.
Helmer prinz Rosa-Stramin 39,
s. aachenisch der grömel unter krümel 1.
e)
herkunft.
α)
das ags. scheint den weg zu weisen. schon Wachter 618 brachte aus Somner bei ags. acruman, acrymman friare (zerkrümeln, bei Dief. 247ᵃ zerbrosmen), und Ettm. 401 faszt jenes stark, âcrûman âcreám u. s. w., setzt auch crûman friare so an, woraus denn krume sich leicht ergäbe, besonders auch das mnl. crûme begreiflich würde. aber das acruman wird als âcrumman zu fassen sein, gleich dem âcrymman dabei (daher das engl. crimme u. b) aus âcrumjan geworden und erst von crume mica genommen. auch das ags. acrummen in micas fractus in Bensons ausg. des Somner reicht nicht aus, ein crûman zu beweisen.
β)
dafür wird es seinen anhalt finden bei dem stamme mit einfachem auslaute, der hinter krimmen (s. d. II, 2, c, vgl. Rietz 353ᵃ) versteckt ist und nord. sich noch verrät in isl. kraminn pressus, krami m., auch kröm f. pressio Biörn 1, 474ᵃ. 479ᵃ, zu altn. kremja pressen, schwed. krama. krume ist ursprünglich wahrscheinlich brotkrume, diese aber wird durch reiben und drücken gewonnen (für suppen z. b., vgl. γ). als bruderwort erweist sich so isländ. krumr m. cremor, flos rei, saft, saftiger kern Biörn 1, 479ᵇ (auch kraumr 474ᵇ), er wird auch durch drücken gewonnen (vergl. unter klamm 5, b, schwed. krama ut auspressen); dazu schwed. inkrom n. das saftige innere einer frucht, z. b. citrone, auch fülle, in der küchensprache (diesz auch kraͦm n.), was sich der brotkrume nähert in der bed. 2, b; vgl. auch ahd. chrimman u. ä., stopfen sp. 2308 (i), nordengl. crum Hall. 284ᵃ.
γ)
das nl. kruim, crûme weist doch auf andere vocalische ausgestaltung des stammes, vgl. das schwedische kraͦm vorhin. das schmalkald. kräumpel n. krümchen, kräumpelsuppe, mehlsuppe mit geriebenen mehlklümpchen Vilmar kurhess. id. 224 hat nur äu für ö, henneb. krömpele Reinw. 1, 90 (wie ruhlisch kraͦump für kromp krumm Regel 223), s. unter krumpen 1, a, vergl. unterkrümel 3.
2)
krume in seiner eigentlichen bedeutung.
a)
der sing. kommt der natur der sache nach anders kaum vor, als in nicht eine krume, z. b. im hause haben, nicht eine krume verloren gehn lassen u. ä., vgl.krümchen. aber im pl. brotkrumen, semmelkrumen u. ä., vgl. schon unter 1, a: den zustand eines armen schelms, der von brotkrumen und cisternenwasser lebt. Wieland 6, 133. auch in der folg. bed. im pl.: medulla panis, de kromen. Chytraeus cap. 99.
b)
die krume sg. heiszt auch kurzweg das ganze weiche innere des brotes im gegensatze zur kruste, rinde, der sing. collectivisch gebraucht wie bei stoffnamen (s. z. b. korn sp. 1814 unten): den alten dienet die krume, den jungen die kruste. Ludwig 1077, wie englisch crumb und crust; (sie buk stets so), dasz kenner ihre kruste und kennerinnen ihre krume vorzogen. J. Paul Siebenk. 1, 99; kruste .. voll schwer roher krume. anh. zum Tit. 2, 9; im .. zu schnell gebackenen brode trennte sich krume von rinde. Göthe 30, 94; der Franzos erschrickt vor jeder schwarzen krume. 72, was denn in den begriff brot überhaupt fast übertritt.
c)
so begreift sich krume als stück brotes überhaupt; wenigstens gibt Aler 1246ᵃ für krümgen, krümlein, wie Kirsch für krümlein auszer mica, micula auch crustula, d. h. ränftchen, stückchen brot (eig. rinde, wie eben ranft), und so wol im folgenden:
hier (am quell) trinkt der baum, hier trinkt die blume ...
hier trinkt der hirt bei seiner krume.
Voss ged. 1802 2, 230,
1825 3, 179 geändert mit entfernung von krume, das wol eben der anstosz war. so gibt für poln. kromka brotranft (russisch kroma runken brot, auch rand überhaupt, wie niederwendisch kschoma) das wb. von Lukaszewski deutsch brotkrume, krume, also in diesem sinne.
3)
in weiterer verwendung.
a)
auch krumen, krümchen salz u. ä., und wieder in dem zusammenfassenden sinne wie 2, b krume:
und wie den göttern wenig weihrauch gnügen mag
zum frommen opfer, also bleibt beim tafelfest
zuletzt des salzes krume, die man prüfend streut.
Göthe 11, 372 (prolog Halle 1811),
wie lat. mica salis.
b)
ackerkrume, die obere weiche und lockere erde, 'der humus', in landwirtschaftlichem gebrauche: der acker bestellte sich sehr klar und hatte für weizenland ungemein viele krume. Krünitz 54, 133; untergrundspflug, ja das ists, es musz neuer grund an die nährende oberfläche, der sogenannte wilde boden, der unter der schicht der ackerkrume liegt, musz bedachtsam aufgepflügt werden. Auerbach neues leben 2, 11 (1862 2, 5, bildlich von der nation);
lang
liegt Elis tempel in der erde krume.
Immermann Tristan 189.
und das ist alt, im westen wie im nordosten, obwol erst Krünitz, Adelung die bed. ins wörterb. einführten und nur mit einem 'es scheinet': dergl. haben auch die scheffen alle fruchtbarliche baume ... und alles was der kroemen entwachsen ... dem herrn abt als rechtem grundherre zugewiesen. weisth. 2, 314, von der Mosel, 15. 16. jh., d. h. alle bäume und ackerfrüchte; et scholen ôch de vorbenômede lûde tuê ôre ... van einen idtliken hâken krume tho gewen schuldich sîn. urkunde des bisch. v. Kurland v. 1341 (s. 4², 178), wie hâken landes (das.), das ackerland selbst krume, nach haken (d. i. pflügen, tagewerken) gemessen. das treffliche bild ist sicher von der brotkrume entnommen. da kommt denn die krume von der krume.
c)
einen befremdenden gebrauch geben Krünitz, Adelung aus 'der landwirtschaft des Kurkreises', von der jungen saat, die eben aufgeht: bei der kalten witterung wurde keine krume, viel weniger die geringste bestaudung bemerkt; man fand die in die krume gekommene kornsaat gelbspitzig; bei der ungewöhnlichen wärme im märz fieng die saat an zu leben, oder wie man es nennt, zu krumen. sie trennen es von krume mica, erinnern an grün (mhd. grüejen, niederd. gröjen grünen, wachsen). dennoch gibt vielleicht krume einen anhalt im nl. kruim, bildlich gleich kraft und saft, wie pit, eig. mark, vergl. fläm. kruim Schuerm. 303ᵇ; das läszt sich von der brotkrume auf den begriff mark, saft und kraft übertragen denken, es erinnert zugleich an das nord. krumr, inkrom unter 1, e, β. dem nl. kruim entsprechend ergibt sich vielleicht ein nd. kröme aus folg.: es ist ein schlechter gesell, hat aber viel krümen. Schottel 1143ᵇ (kröme verhochdeutscht), wol geld.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2438, Z. 47.

krumen, krümen, verbum

krumen, krümen, verbum
zu krume.
1)
gleich krümeln, selten, bei nordd. schriftstellern, s. unter einkrumen des Olearius einkrümen, nach nd. inkrömen, und des Waldis einkrommen, diesz nach kromme für krume (1, d). in vocc. des 15. jh. cromen, crumen, croemen sipare (s. unter krümeln 1) Dief. 537ᶜ, crumen nov. gl. 340ᵇ, nrh. oder zum nd. neigend. Aber nd. krömen überall und vor krömeln vorherschend, im gebrauch ziemlich entwickelt; es heiszt z. b. he hatt wat intokrömen (br. wb. int moos to krömen, Dähnert in de melk) Danneil 118ᵃ, von wolhabenden leuten, wie hd. er hat was einzubrocken (s. d.), in die milch zu brocken Brant 17, 29, während der arme die milch so essen musz. Auch engl. to crum, dial. crimme Hall. 280ᵃ, beide schon ags. in âcrumman und âcrymman friare (s. unter krume 1, e, α).
2)
von junger saat, krumen, s. unter krume 3, c.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2441, Z. 28.

krummt

krummt,
s.grummet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2466, Z. 45.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
krollkopf kröschen
Zitationshilfe
„krumen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/krumen>, abgerufen am 15.01.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)