krummstab m
Fundstelle: Lfg. 11 (1871), Bd. V (1873), Sp. 2465, Z. 64
zusammengeschoben aus krummer stab, stab mit krücke (s. d. II, 1, d).
1)
hauptsächlich der stab, 'hirtenstab' des bischofs oder abtes, als zeichen ihrer gewalt, wie der stab überhaupt das zeichen der amtsgewalt war, s. Grimm rechtsalt. 134 ff. 761 fg., daher jener auch der geistliche stab hiesz Haltaus 1135; auch als richterstab kommt ein oben gekrümmter stab vor (RA. 762, Homeyer richtst. landr. 429). den ersten krummstab soll der heil. Petrus geführt haben, der noch in Trier vorhanden ist. Mhd. noch krumber stap, z. b.:
welt ir (Mainz und Köln) mit iuwern krumben steben
des rîches schaden (dat.) geleite geben.
Reinmar von Zweter MSH. 2, 218ᵇ,
mit eurer geistlichen gewalt die reichsfeinde unterstützen, schützen; he enphîng ouch .. alle lêhen, stete unde sloʒ unde .. waʒ zu lêhen gîng ... von dem krummen stabe. Ködiz 30, 20, s. mehr mhd. wb. 2², 593ᵃ, wo auch krumbe stäbe kurzweg für bischöfe (wie ähnlich spieʒe für speerträger Virginal 177, 8, Berl. heldenb. 5, 35ᵃ). Nhd. krummstab: unterm krummstab ist gut wohnen, sprichw. (vergl. Krünitz 54, 144 fg.), worin denn die krümmung des bischofstabes als über die ganze diöcese reichend gedacht ist;
wo Deutschland, in und mit sich selbst entzweit,
verworren wogte, zepter, krummstab, schwert
feindselig eins dem andern zugekehrt.
Göthe 4, 49;
sonst ist es eins, ob zepter oder flegel,
ob krummstab oder speer das reich despotisiert.
Pfeffel (1802) 4, 12;
dadurch aber entsteht (bei der esche) die wundersam regelmäszige gestaltung eines bischöflichen krummstabes. Göthe 58, 160. 161.
2)
krummstab in anderm gebrauch.
a)
der hirte trug einen krummen stab: di herte sal ôch volge mit sîner kûlin (keule) unde mit sîme crummin stabe unde sal daʒ vî lâʒe stê (bei dem hilferufe). Mühlhäuser rechtsb., Stephan stofflief. 1, 31. so hiesz krücke nicht nur der bischofsstab, auch der hirtenstab, s. dort II, 1 am ende. aus Waldeck gibt Curtze volksüberl. 480ᵃ krümmel hirtenstab.
b)
altrömisch: die (echtheit) von Romulus krummstab. Niebuhr 2, 648, lat. lituus, das in den wbb. mit krummstab der augurn erklärt wird.
c)
als krummer stab überhaupt: indem er sich mit seinem aufgehobenen krummstabe zu wehren trachtet. Göthe 44, 222, vom Actaeon;
art läszt nimmer von art. wann schattete grade der krummstab?
Voss Luise 2, 380,
warf ein krummer stab einen geraden schatten.
Zitationshilfe
„krummstab“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/krummstab>, abgerufen am 12.12.2019.

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