kuppe f
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2771, Z. 14
wesentlich gleich koppe (s. d.), ein md. wort.
1)
cacumen Stieler 1012, extrema vel superior pars Steinbach 1, 950.
a)
bergkuppe, bes. in rundlicher bildung (Bernd Posen 151).
α)
schon im 14. jh. hessisch bezeugt, bei Herm. v. Fritzlar: under der kuppen des berges. myst. 1, 207, 18. dann (auszer Stielers allgemeinem cacumen) erst im 18. jh. und zwar zuerst als vulgär, d. h. aus den md. mundarten auftauchend: 'koppe oder vulg. kuppe eines bergs' Frisch 1, 537ᶜ, wie Steinbach das ganze wort nur als vox Silesiaca et quidem plebeja gibt, dazu die Schneekuppe (vergl. unter koppe 1); ebenso als bergname in Thüringen, z. b. Sonnenkuppe, in Hessen z. b. Rosskuppe; auch auf dem fränk. grenzgebiete, in Henneberg: kuppe, die spitze eines hohen bergs oder felsens. Reinwald 1, 91, nordfränkisch auch bei Schmeller² 1, 1272.
β)
anderseits auch im nd. grenzgebiete, wenigstens in dem demin. küppel, aber als masc., kegelförmiger berg, kuppe Schambach 116ᵇ, wie hess. küppel (kippel) m. hügel Vilmar 233, auch in Nassau Kehrein 224. das m. auch in der siebenb., also urspr. rhein. form: kûpen m., kuppe, bergkuppe Fromm. 4, 408 fg. 402ᵃ (kûpen pl.), eig. kuppe m.? s. dazu sp. 1768 unter kopf, berg. s. auch kupse.
γ)
als schriftfähig erscheint das md. volkswort erst gegen das ende des 18. jahrh., ist aber nun nicht zu entbehren auch neben gipfel:
jetzo fanden sie Zeus, der entfernt von anderen göttern
oben sasz auf der kuppe des vielgezackten Olympos.
Voss Il. 5, 754 u. ö. (felskuppe 3, 10);
des Blocksbergs kuppe furchtbar drönt.
Matthisson (1797) 122;
ferner kommen die besondern gestalten (gestaltungen), als einzelne kuppen ... dem basalt nicht ausschlieszlich zu. Göthe 51, 134, als kunstausdruck von gewissen bergbildungen; die kuppe des berges. 60, 138; die burg ... liegt auf runder kurzbegraster kuppe. Bettine tageb. 167;
frostige nebel steigen, welche
berg und kuppe trüb umziehn.
Platen 5 (1847 1, 18);
der Stoffler berg ragt .. mit seinen drei basaltkuppen .. ins land hinaus. Scheffel Ekkehard (1855) 224.
b)
fingerkuppe, nagelkuppe, nadelkuppe ( Adelung), die rundliche 'spitze' der finger, der kopf der nägel (Stieler 1013) und stecknadeln, im md., z. b. sächs., schles. der feste ausdruck (vgl.koppe 3): man braucht vier finger zum griff (beim säen des rübsens) und nimmt nur so viel darein, als man unten in die kuppen fassen mag. öcon. lex. Leipzig 1731 sp. 2082. gewisse grosze nägel mit groszen kuppen, z. b. die radnägel, heiszen danach kuppnägel, auch kurz kuppen, radekuppen ( Adelung), da die kuppen aus den radreifen hervorstehn; s. auchkuppennadel. kuppe von der nasenspitze J. G. Haas. Auch kubbe (s. dazu 5, a), im 17. jahrh., von der kuppe der gewürznelken: dieses ist des nägleins kopf oder kubbe. Zesen des hd. helik. nägleinthales dritter .. vorber. 5.
c)
im gebrauche sonst noch manigfaltig, z. b. kuppe des hutes: mannspersonen trugen breiträndrige hüte mit niederer kuppe. Schmitz sitten u. sagen des Eifler volkes 1, 68. ebenso luxemb. huttkopp f., der boden eines hutes Gangler 249, fläm. kobbe (s.koppe 5, c), bair. aber gupf m., huetgupf Schmeller 2, 59. ähnlich luxemb. kopp f. einer glocke, der obere theil, die haube, auch der helm des brennkolbens, ja der menschliche kopf selber.
d)
mit kuppel vermischt gibt Ludwig 1090 'kuppe oder kuppel, ein rundes dach' (auch frz. coupe neben coupole), anders aber 'die kuppe an einer kirche, the shaft, spire or dome of a church', die thurmspitze, und das wird grund haben, denn wie vorhin bair. gupf gleich kuppe, so erscheint mhd. für thurmspitze eins turnes gupfen (acc.) Parz. 161, 24, mit var. gupf und chuphen, also kupfe f.
e)
auch kuppe des baumes gibt Bernd aus Posen 151, freilich nur mit einem 'wol', aber gestützt durch einen baum kuppen, abkuppen das. (auch Stieler 1012); vgl.koppe 2 als baumgipfel (bair. und m.), und kopf selbst so sp. 1768 (3, a).
2)
anderseits von der spitze rein begrifflich, sächs. auf der kuppe stehn, wie sonst und öfter auf der kippe (auch kappe), man soll ein glas nicht auf die kuppe setzen, auch an der mittlern Saale, am Harz, im Braunschw. bekannt, wie ebend. kuppen gleich kippen, überkippen, umkippen; s. dazu das erste kuppeln und küppen.
3)
abweichend und doch mit anschlusz ans vorige kuppe federbüschel den vögel auf dem kopfe haben (J. G. Haas): seine kuppe auf dem kopfe kan er (der wendehals) in die höhe recken als wie ein nuszheeger. Göchhausen notab. ven. 109; die kuppmeise ... hat eine braune kuppe aufm kopfe. 119; demin. küpplein: auszer dasz das goldhänichen .. auf dem kopfe ein goldgelbes küpplein hat. 124. ebenso wieder koppe 4, koppmeise, s. auch kaupe.
4)
noch anders, auch noch weiter oder völlig abweichend, und nicht blosz mitteldeutsch.
a)
im 16. jahrh. rhein. als flurbezeichnung: sie weisen auch den weitganck in der kuppen den lehnmennern .. zu. weisth. 2, 701; uf den kuppen. 700. das letztere mögen höhen, das erstere musz eine weideflur sein.
b)
heukuppe heuhaufe, im osten, wenigstens erklärt Šumavský im böhm.-deutschen wb. 178ᵇ chup mit heukuppe, wetterhaufen (nach Jungmann, s. sp. 1566), auch Šuleks deutsch-kroat. wb. 1, 675ᵃ hat heukuppe. und obwol da durch den anklang des slavischen wortes herbeigezogen, ist es doch gestützt durch luxemb. kop m. (pl. kep) haufe, z. b. an e kop falen über den haufen fallen Gangler 249, auch 'heustock, kornstock auf speichern, in schoppen', wie kâscht (s.kasten 8, b) das. und s. 229, unterschieden von kopf, das dort. fem. ist, kopp, pl. koppen, scheitel, kopf 249. s. auch schles. kaupel, wetterhaufe von heu, sp. 360 unten und kupse.
c)
kuppe als trinkgeschirr gibt M. Kramer 1719 2, 129ᶜ, es ist da herbeigeführt durch nl. kop, d. i. kopf; aber schon im 15. jh. in zwei voc. ex quo kuppe, kupp fictile (krug u. ä.) Dief. 233ᵇ, und Schmeller 2, 318 belegt es aus dem 15. jh., gut bair.: der underkheufl sol den span (von einem zu vergantenden hause) in einer khuppen öffenlichen fail tragen, s. auch in der 2. ausg. aus Ulr. Füetrer ein groszen cuppen vol. noch jetzt in den sette comuni kuppa f. napf, schüssel, becher Schm. 140ᵇ, überein mit ital. coppa; auch in Luserna kuppa f. napf, hölzerne schüssel Zing. 39ᵇ. vgl. luxemb. 'kopp f., die kuppe, der becher, la coupe' Gangler 249.
d)
auch mitteld. als gefäsz, im fischhandel in einem Leipziger ratsgutachten von 1464, wonach gewisse fische verkauft werden sollen bei ganzen kuppen, wie andere bei ganzen tonnen. Leipz. urkundenb. 1, 315; jenes sind ausländische fische (z. b. bergerfisch, aus Bergen), aus den seestädten eingeführt, die kuppe wird also kleiner sein als die tonne, vermutlich mit der waare vom norden gekommen, vgl. hd. kopf, nd. kop als handelsmasz sp. 1745 unten, altn. koppari böttcher, koppr gefäsz. Anderseits als gerät zum fischen, an der Saar i. j. 1606, jeder 'hausmann' soll fischen dürfen mit kuppen und mit kleinen rüsen, und nit mit andern gezauwen. weisth. 2, 26 anm., wol auch gefäszartig.
e)
endlich wieder anders mhd. helmkuppen Berl. heldenb. 5, 19ᵃ (Hagens heldenb. 2, 139), die im kampfe unter Dietrichs hieben brechen, bersten, helmes kupfen ebenso Wolfd. 2205 H., helmgupfe sg. Rol. 155, 15, hier deutlich auf oder an dem helme, der durch das treffen der gupfe in stücke geht, sodasz die sonstige erklärung 'bedeckung unter dem helm' (W. Grimm zu Rol. 330) da nicht ausreicht, wie auch für gupfe Lohengr. 5765, vgl. die var. im heldenb. des helmes nieten. Sonst ist allerdings kuppe Trist. 9406. 7056 (var. guppe, guphe), kupfe Lanz. 4208 u. ö., goufe Wh. 92, 12 (var. coufe, goyfe) etwas auszer, unter dem helme und schlieszt sich durch die formen goyfe, coyphe deutlich an das franz. coife, coiphe, mütze unter dem helm an (J. Grimm b. Haupt 1, 137). Aber kuppe, kupfe, gupfe müssen heimisch sein, wenn auch an das franz. angelehnt, schon ahd. kuppa, kuppha mitra, s. u. kippe mütze sp. 782 (nd. kip cuculla Dief. n. gl. 122ᵇ), in dem nebst kappe sich der ablaut dafür abrundet, stimmt doch zu gupfe ebenso ahd. gapfa mitra.
5)
zur weitern beurtheilung des wortes.
a)
nebenform ist auszer koppe (und kaupe) das kubbe u. 1, b bei dem Anhalter Zesen, das man wol als nd. ansprechen darf, gestützt durch fläm. kobbe, engl. cob (s.koppe 5, c); diesem gegenüber würde das p der md. form als hd. stufe erscheinen, vgl. das oberd. koppe 2 bis 4. wie aber bei koppe (5, b) das p auch als nd., alts., ags. gesichert ist, so entspricht ihm hd. das mhd. kupfe thurmspitze u. 1, d a. e., das wort hatte eben bewegung in den lautstufen, wie denn auch die dritte stufe nicht fehlt in nl. kuif f. gleich kuppe 2, nrh. kuffe, md. kûbe (s. u.kaupe 1), die zugleich ablautsbewegung im vocal verraten.
b)
auch der anlaut zeigt diese bewegung, denn die kuppe des berges heiszt hd. gupf m., alem. um 1500 (Lexer 1, 1124), wie die thurmspitze mhd. gupfe u. 1, d, die kuppe des hutes bair. gupf m. u. 1, c (das m. wie rhein., hess. u. 1, a, β); und wieder auch mit ablaut, wie in kuppe, kippe, kappe unter 2: gipf m. bergspitze H. Sachs 1, 285ᶜ, vgl. schweiz. gapf Tobler 90ᵇ (und kapf oben), schriftdeutsch geworden in gipfel, mit andrer stufe in giebel. in weiterer ferne kommt auch haube in frage, mit kaupe, kûbe sachlich völlig gleich, s.kaupe 1. bei dem allen ist an ein fremdwort offenbar nicht zu denken, s. sp. 1768.
c)
anders bei den letzten bed. 4, b ff.
α)
die heukuppe schlieszt sich an ein östliches, bes. slav. wort an, kupa haufe, bes. von heu, getreide, s. u. kappe 9, e. und dennoch hat es zugleich heimischen anhalt genug in eben diesem kappe, dazu mit gleichem ablaut in dem erwähnten lux. kop m., engl. cop, schwed. kopa heuhaufe, s. u. kocke heuhaufe 3, a. und auch die bed. steht dem kuppe von bergen, hügeln nahe genug.
β)
anderseits hat kuppe als gefäsz romanischen anschlusz, und doch fehlt auch ihm heimischer rückhalt nicht bis ins ags., altn. hinauf, s. u. kopf gefäsz sp. 1744 ff. bes. unter 5, dazu kufe I, e. und auch in der bed. fehlt die verbindung mit kuppe cacumen nicht, vermittelt durch kopf in seiner doppelbed. als gefäsz und haupt, das selber keineswegs reines fremdwort ist.
γ)
bei der helmkuppe endlich fällt vor allem auf die manigfaltigkeit von kuppe (guppe), kupfe, gupfe, völlig wie u. a und b; ist es etwa urspr. der scheitel, mit der kopfnaht, dann auch diese selbst (Trist. 7056)? und nachher auf den helm übertragen? dieser bestand in alter zeit aus zwei stücken, deren eins das gesicht deckte (altn. grîma), das andere den kopf, genauer den hinterkopf, der zuerst kopf genannt ward (sp. 1747 mitte); vgl. die 'niete' des helmes für kuppe 4, e und hirngupfe gleich hirnkopf, hirnschale unter kopf I, c.
Zitationshilfe
„kuppe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kuppe>, abgerufen am 21.10.2019.

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