kuppeln
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2778, Z. 56
zu kuppel als kuppeldach, nur in gekuppelt, hochgekuppelt u. ähnl.; doch von dem strahle eines springbrunnens: steigt ein mächtiger wasserstrahl sich höher und höher kuppelnd .. empor. H. König, könig Jerômes carneval 1, 353, aber der Hesse scheint da zugleich an sein heimisches kuppeln, sich wälzend überstürzen (sp. 2776) gedacht zu haben, vielleicht auch an kuppe, das auch mit kuppel sich mischt (sp. 2775), denn eine eigentliche kuppel bildet der wasserstrahl nicht.
kuppeln
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2776, Z. 62
copulare, s. dazukoppeln.
1)
im eigentlichen sinne: aneinanderen kupplen, adjugare. Maaler 258ᶜ.
a)
jagdhunde kuppeln, schon mhd. (vergl.koppeln), franz. coupler: wann sie (die jungen hunde) des jägerhaus gewohnet, sol man ihnen knüttel an hals legen und ie par und par zusammen kuppeln, damit sie gewohnen fein bei einander zu bleiben. Feierabends jag- und weidwerkbuch 12ᵃ; nebeneinander gekuppelt, s. Heppe unter kuppel 2, a.
b)
ebenso pferde kuppeln Ludwig, gekuppelte pferde Aler 1257ᵇ, kuppelpferde, franz. chevaux couplés. auch rinder, s.koppeln 1, c, und anders, z. b. erlegte vögel: nachdem ich dieselbe mit einem durch den schnabel gezogenen drath aneinander gekuppelt ... Pierot 2, 193.
c)
menschen, verbrecher oder gefangene o. ä.: (die plünderer) knipften und kuppelten mägd und knecht, jungfrawen und junge knaben zusamen und tribens vor ihnen her. Garg. 201ᵇ (Sch. 374), wie vieh, zugleich aber mit höhnender anspielung auf die bed. 3; dasz wir ... als (wie) gefangene übelthater in grosze gebund zusammen gekuppelt worden. Simpl. 2, 177 Kz., der hanf erzählt es.
d)
von den pferden übertragen auf wagen, eisenbahnwagen, s.koppeln 1, e und kuppelstange.
e)
auch von unsinnlichem, doch sinnlich gedacht, z. b.:
tiefe verblendung seh ich gekuppelt an tiefe gemeinheit.
Platen 144.
schon mhd., z. b. du kuppelst mîne sinne unter kuppel 1, c, fesselst sie wie ein jagdhund gefesselt ist.
2)
auch sonst in mancherlei weise übertragen, z. b. gekuppelte säulen, zwei dicht stehende säulen, deren füsze und knäufe sich berühren ( Adelung), gekuppelte bildsäulen, die éine basis haben o. ä. (ders.), gekuppelte fenster, an eisenbahnwagen gekuppelte räder, franz. roues couplées. vergl.koppeln 3, auch kuppel 1, e. mehrfach auch im gewerbs- und maschinenwesen von verbindung zweier glieder, theile, kräfte zu gemeinsamer wirkung, auch verkuppeln.
3)
besonders aber von mann und weib in bezug auf liebe. auch dafür galt ursprünglich die doppelform koppeln (s. d. 4) und kuppeln, aber letzteres ist schon länger dafür ausschlieszlich in gebrauch (wie denn Adelung kuppeln nur in dieser und der vorigen bed. anführt), während koppeln in der bed. 1 den vorzug erhielt, sodasz beide nun wie verschiedene worte erscheinen.
a)
ausgegangen ist wol auch das von dem kuppeln der jagdhunde. ein geläufiges bild war mhd. der minnen seil, stric, bant u. ä., die höfische welt aber sah kaum ein seil öfter als das der jagdhunde, so lag ihr die vergleichung eines solchen an einander gefesselten paares mit liebespaar und liebesbanden nahe genug. von solchen paaren in einer gesellschaft wird noch im 15. jahrh. gesagt:
ie zwei und aber zwei
sint gekupelt an der minnen seil.
Kellers erzähl. 647, 21.
Das franz. wort hat übrigens diese bed. nicht entwickelt, obwol der ansatz dazu da ist z. b. in couple m. von einem liebes- oder ehepaar, auch couple charnel, fleischliche vereinigung (s. Littré 1, 849ᶜ). aber nl. koppelen, auch dän. koble, schwed. koppla. bei uns kam ihm ein anklingendes heimisches wort entgegen, s. b am ende.
b)
die bed. ist von haus aus keine schlimme, auch eheleute werden gekuppelt oder zusammengekuppelt, zusammengebracht durch einen vermittler, werber, freier, wie ja auch die ehe als band vorgestellt wird: kuppeln, freien, pulen, sponsiern, biten, procari. voc. 1482 r 7ᵃ (procus freier, im 15. jahrh. bitel Dief. 462ᵃ, schon mhd., ahd.); lustige hochzeitgäste z. b. singen:
so kuppeln wir bei dieser breut (hochzeit, s. bräute)
zusamen noch zwei junge leut,
so kommen wir wider auf die hochzeit.
Garg. 50ᵇ (Sch. 80),
vergl. 'beilag und ehkoppel' (beilager) Garg. 64ᵇ, Sch. 107 und copula, verbintenis zur ee Dief. 149ᶜ, copulare, zu der ee binden 150ᵃ, beides allerdings schon in den röm. rechtsbüchern, vgl.copulieren. Und so bis heute kuppeln ('theils nur in der niedrigen sprechart theils nur im verächtlichen verstande' Adelung): ich will freiersmann sein. was krieg ich, wenn ich sie dir kupple? Göthe 11, 14, in Jery und Bätely, wie ebenda dasz ich immer nur für mich gekuppelt habe 22, für mein kuppeln 36, in bauernmunde; auf ehre, mein schatz, das war ein schelm .. der sie dem Fiesco kuppelte. Schiller 155ᵃ, Julia sagt es zu Leonoren, als verächtliches kraftwort. ebenso nl. koppelen, neben folg. bed.; s. auchkuppelpelz, und kuppelig. Wahrscheinlich ist gerade daran das dritte, heimische kuppeln stark betheiligt, zumal die eheschlieszung vor alters ausdrücktich als ein kaufen galt (sp. 328); eine solche betheiligung ist aber auch beim folg. möglich, vgl.kaufen 4, b (engl. cope futuere bei Shaksp.).
c)
vorherschend ist doch 'kuppeln, lenocinari' voc. 1482 r 6ᵇ: bruͦder Cuͤnzelin der kuppeler het dise stat .. versworn (ist verbannt worden) .. umbe daʒ er kuppelte zuͦ den frowencloͤstern und ouch mengelichen kuppelte. Straszb. chron. 1021, sowol für nonnen wie im allgemeinen das geschäft trieb;
Eva mein magd ist recht darzu,
die kupelt und nimpt drumb ihr gelt.
Ayrer fastn. 1ᵈ (2341, 17);
Görge. da sagt er zu Rösen im vorbeigehen: guten abend, Röse! wie ihr doch allen leuten in die augen stecht! .... der fremde .. hat euch recht gelobt. wollt ihr ihn .. besuchen? ... er wohnt in der langen strasze numero 636. Märten. das heiszt man ja kuppeln. Göthe 14, 274; Serlo konnte ohne eine kleine liebschaft nicht leben. Elmire .. hatte schon lange seine aufmerksamkeit erregt, und Philine war klug genug, diese leidenschaft .. zu begünstigen. man musz sich, pflegte sie zu sagen, bei zeiten aufs kuppeln legen, es bleibt uns doch nichts weiter übrig wenn wir alt werden. 19, 242;
doch denke dir nur die töchter im hause,
die mir der kuppelnde dichter mit allem bösen bekannt macht.
1, 341 (epist. 2).
d)
bei genauerer bezeichnung tritt auszer dem acc. auch ein dat. der person hinzu (s. schon unter b aus Göthe, Schiller), im acc. steht regelrecht das weib, im dat. der mann: einem kupplen, copiam afficere alicui ad aliquam amicam. Maaler 258ᶜ; gab ihr ein paar gulden auf die sach, das sie ihm die junge fraw solt kuppeln. Pauli sch. u. ernst 48ᵇ; bestalt ein alt weib und verhiesz ir vil geld, sie solt sie im kuplen. ders. Augsb. 1546 cap. 76; meine tochter, mein armes kind! fluch über den verführer! fluch über das weib, das sie ihm kuppelte! Schiller 193ᵃ.
e)
die bed. weicht auch nach andern, nahe liegenden seiten aus. für werben: Cupido kuppelt dem Hymen. Fr. Müller 2, 114. ähnlich für gewinnen durch kuppelei: willkommen mit dieser schwägerschaft. du bist ein guter soldat. das soll mir deinen arm zu Dorias untergang kuppeln! Schiller 159ᵇ (Fiesco 2, 16). im folg. scheint es gleich reizen, sinnlich anspornen: unkuscheit .. die hund kuppelt si zu scharpfen bissen. Cyrill. 82ᵇ.
4)
nur dem lat. copulare nachgebildet:
weiland war das hände dupeln
also viel als herzen einen:
nunmehr, wann sich hände kupeln,
bleibt es auch bei duplem meinen.
Logau 3, 5, 51,
mit der überschr. die rechte hand. so lat. copulare dextras. es kann haupts. an das copulieren unter 3, b gedacht sein.
5)
aber auch von kämpfern an einander kuppeln; zwei ritter kämpfen auf leben und tod um eine jungfrau, die sie an einander gehetzt und zusamenen gefügt hatte, ein dritter fragt dieselbe nach der ursache des kampfes: gewisslich, antwort sie, kan ich es billich wol wissen, dieweil ich sie (wie ihr sehet) eben so fein an einander gekuppelt, dasz jetzt ich vergnüget (zufrieden gestellt) werden musz, also dasz unmüglich, dasz nicht der eine todt bleibe. Amadis 250 (1, 23). wie das an einander hetzen vorher auch an hunde erinnert, könnte diesz kuppeln gleichfalls aus der weidmännischen sprache stammen. ähnlich ist der doppelsinn von ein paar, das sowol liebes- oder eheleute bezeichnet, als auch zwei die 'an einander geraten' in zank und streit.
6)
was ist folg. sich kuplen? S. Frank schildert die Franken u. a.: es ist ein hochtragend volk, welches über andere nationen sich erhebt, jha sich auch hönet und kuplet. weltb. 1534 50ᵃ (Wack. les. 3¹, 336).
kuppeln
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2776, Z. 55
rollend abwärts fallen, hessisch Vilm. 233 ('gleichsam kopfüber'), z. b. kinder kuppeln den berg herab, auch ein groszer stein, ein baumstamm. auch sich überkuppeln, sich überstürzen, 'häuptlings dahinrollen', wie katzen, hasen, nordfränkisch Schm.² 1, 1272. es musz frequentative form zu kuppen gleich kippen sein, s.kuppe 2. ebenso köppeln zu koppe, käupeln zu kaupe spitze.
kuppeln
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2778, Z. 50
heimlich tauschen, markten u. ä., ein mundartliches, heimisches wort, auch koppeln, verwandt mit kaufen (s. u.kaupeln und koppelei), aber es schlieszt sich an das fremde kuppeln nahe an, wie bei Schiller dort u. 3, e daran gedacht sein könnte. ältere bezeugung s. unterkuppeltheil, ↗koppelei, besonders auch kuppler 2, b.
küppeln
Fundstelle: Lfg. 12 (1873), Bd. V (1873), Sp. 2778, Z. 64
s. kippeln 4.
Zitationshilfe
„kuppeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/kuppeln>, abgerufen am 17.10.2019.

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