Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lächerlich, adj. und adv.

lächerlich, adj. und adv.,
mhd. lecherlîch.
1)
in der alten sprache ein lachen sehen lassend, lächelnd: risibilis lacherlich Dief. 499ᵃ;
der Nîthart sprach ûʒ lecherlîchem munde.
minnes. 3, 303ᵃ, 11 Hagen;
ain sô wolgezierte rôte enge spalt (der mund),
lächerlîch gestalt.
Wolkenstein 44, 2, 12.
2)
dann auch zum lachen gestimmt, in der sprache des gemeinen lebens, wofür Klopstock lacherhaft bildete (s. oben); in der formel mir ist lächerlich zu muthe, mir ist heute gar nicht lächerlich; Lis. ha! ha! ha! Valer. mir ist nicht lächerlich, Lisette. Lessing 1, 240; wenn nun Jery auf mich paszt und hofft und wartet, wird er mich auslachen, so wenig es ihm lächerlich ist. Göthe 11, 18. bei Adelung aber auch ein lächerliches gesicht machen, als wenn man lachen wollte; schweizerisch als subst. masc. ein lächerlich, einer der gern und leicht lacht: das lächerte mich zuweilen, und da fanden die kinder, dasz ich gar ein lächerlich sei und faszten zutrauen zu mir. J. Gotthelf schulmeist. (1848) 1, 108; bei Stalder glächerig, glächterig, wer gern und viel über kleinigkeiten lacht. 2, 149. vergl. oben lächerig 1.
3)
lächerlich am häufigsten zum lachen reizend, anlasz zum lachen oder verlachen gebend, von personen und dingen: ridiculosus lechlich, lecherlich Dief. 498ᵃ; lächerlich, ridiculus, ridicularis, ridibundus, jocularis Stieler 1052; lächerliche boszen machen, ridicularia fundere. ebenda; lächerlich ding, materies ad jocandum, jocularia, ridicularia vanitudo. ebenda; lächerlicher weise, ridicule, perridicule, joculariter, festive. ebenda; das im fürtrag der artikul unordnung fürgangen, .. und bisweilen darunder solch lächerlich und abenteurlich schimpfpossen mitlaufen dürfen lassen, dasz nun die ehhaftsrechten ganz verächtlich .. sein. weisth. 3, 666; es gebürt sich gar nicht der menschen hendel nach solchem leichtfertigen lecherlichen anschein zu schetzen. Garg. 21ᵃ; dasz sie in kindische betriegliche fünd, und lacherliche (so) affectiones gerahten sein. Schuppius 729; der kopf eines kindes in einer groszen staatsperücke ist ein lächerlicher gegenstand. Lessing 12, 53;
der Flora heiligthumb, die lächerliche lust,
desz volkes scherz und spiel war, Cato, dir bewust.
Opitz 2, 414,
nach Martial:
nosses jocosae dulce cum sacrum Florae,
festosque lusus, et licentiam vulgi;
das neutr. substantivisch: etwas lächerliches sagen, ridicule aliquid dicere. Stieler 1052; das wahre lächerliche ist nicht, das am lautesten lachen macht. Lessing 6, 370; seine fremdheit in den bekanntesten dingen setzte ihn zuweilen dem lächerlichen aus. Schiller 734ᵃ; seine bemühungen .. konnten sich eines in Paris so leicht erregten lächerlichen nicht erwehren. Göthe 36, 158; (Voltaire) griff den journalisten zugleich und alle dessen günstlinge an, und warf ihr lächerliches gehäuft auf den gönner zurück. 165; der erbfeind des erhabenen ist das lächerliche. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 137; vom erhabenen zum lächerlichen ist nur éin schritt;
und ists denn etwas lächerlich (was du sagst),
so schick der erst zum lachen dich.
grobian. (1568) A vᵇ (b. 1, cap. 2);
'was brachte dich zum lachen?' darnach fragst du?
das lächerliche, glaub ich; denn das macht
zu lachen. 'und wo war das lächerliche?
an euch? an mir?'
Lessing 2, 506.
es heiszt etwas scheint einem lächerlich, ist lächerlich: er spricht mit einer verachtung von meinem helden, die fast lächerlich ist. Lessing 2, 522; hab ich mich nicht an den ganz wahren ausdrücken der natur, die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich sie waren, selbst ergötzt? Göthe 16, 5;
jetzt denk ich an den zweig,
auf dem die älster sasz, die auf Menalkens pfeife
den unflath fallen liesz. wenn ich mein rohr ergreife,
so denk ich auch daran. es ist mir lächerlich.
Rost schäferged. 141;
auch einer ist, wird, scheint lächerlich: die tänzerin hat alles gethan, was man von ihr fordern konnte, und ich war lächerlich zu erwarten, dasz sie die idee ausführen sollte, die ich von einer Dafne in meiner fantasie habe. Wieland 1, 247 (207); dasz Lais selbst .. lächerlich sein würde, wenn sie sich einfallen lassen wollte, ihr den vorzug der liebenswürdigkeit streitig zu machen. 2, 206 (176); ich bin wohl lächerlich, lieber vater, dasz ich ihre laune für ernst aufnehme? Schiller kab. u. liebe 1, 7; man will lieber jemanden lasterhaft als lächerlich erscheinen. Göthe 16, 213; warum wird ein mensch mit einer an sich nicht lächerlichen eigenthümlichkeit, durch eine mimische, sogar nicht einmal travestierende, nachahmung und adopzion derselben doch lächerlich durch ab- oder nachdruck und nachspiel auf einem fremden gesicht? J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 148; daher kann niemand sich selber lächerlich im handeln vorkommen. 149;
Reineke verwirrte sich
in die ihm gelegten stricke,
und, wiewohl er selbst entwich,
liesz er doch den schwanz zurücke.
um nicht lächerlich zu sein,
predigt er den füchsen ein,
auch den ihren abzulegen.
Hagedorn 2, 32.
einen, etwas lächerlich machen, auch sich lächerlich machen: Sancho Pansa .. weisz sich mit reden und thaten gleich gut lächerlich zu machen. J. Paul vorsch. d. ästh. 1, 148; daher ist philosophie .. schwer lächerlich zu machen. 149;
ihr habt den menschenverstand
in die schule verwiesen, um ihn lächerlich machen zu können.
Lessing 2, 525.
lächerlich als adv.: indem der elend mensch sich an mir rechen wil, das ich auf seine schale zoten lecherlich geantwort. Luther 1, 58ᵇ; alsz er sahe jne (einen affen) sein doctorhäublein und uberparetlein vom nagel ziehen, und es so ordenlich wie der best dorfcalmäuser aufsetzen: und gewisz es sicht lächerlich, ich habs versucht. Garg. 13;
ein thor, ein thor allein verlanget lächerlich.
Dusch verm. werke 373.
in der heutigen umgangssprache bezeichnet lächerlich manchmal nur einen auffallend hohen grad: ein lächerlich billiger preis; das brot ist ja lächerlich klein; was sie verzehrten, war lächerlich wenig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 27, Z. 34.

löcherlich, adj.

löcherlich, adj.
wie löchericht: cavernosus holechtig, löcherlich Frisius bei Dief. 108ᵃ; löcherlich gefäsz, vas pertusum Stieler 1103.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1100, Z. 27.

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Zitationshilfe
„lächerlich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4cherlich>, abgerufen am 25.10.2021.

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