Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lähmde, f.

lähmde, f.
lahmheit, mhd. lemede: lam oder lembde, mutilatio. voc. inc. theut. m 1ᵃ; tut man (einem fürsten oder hochgestellten) eine lemde, man bricht an im so viel alʒ an einem andern totslag begangin were. Magd. blume 1, 160; wein darinn chamillenblumen über nacht gebeitzet worden sein, stetig getrunken, kommet zu hülf den gliedsüchtigen, stärket die nerven, nimmt hinweg die lämmde, die vom parlysz herkommet, und kommt denen sonderlich zu hülf die contract worden sein von dem krimmen. Tabernaem. (1687) 62; seine (des balsams) euserliche einsalbung benähme die lähmbde und den krampf. Lohenstein Armin. 2, 308ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 74, Z. 59.

lahmen, verb.

lahmen, verb.
lahm sein; mhd. als lamen selten belegt (Lexer mhd. handwb. 1, 1816), nhd. vor dem vorigen jahrhundert in der einfachen form nur von Stieler erwähnt: lamen et verlamen est pedibus laedi, tractim, pedepressim, lente progredi, luxari pedibus. 1061; Steinbach 1, 964 führt es zwar auf, aber mit dem zeichen, dasz es einzig zum verständnis der ableitungen notiert sei, erst bei Klopstock kommt es mehrfach vor: Horst. du nimmst mich krüppel (er lahmt etwas mit dem einen fusze. er geht daher niemals ohne die lanze) doch mit? 10, 168 (Hermanns tod 1); ich will vor Stolberg herlahmen. 299; seit ihm häufiger:
(wenn doch) jetzt die freier umher in unserer wohnung
auch ihr haupt hinneigten, gebändiget, theils in dem vorhof,
theils inwendig im saal, und jeglichem lahmten die glieder:
wie nun Iros dort an der vorderen pforte des hauses
mit hintaumelndem haupt dasitzt, dem betrunkenen ähnlich,
und nicht grade vermag auf den füszen zu stehn, noch zu wandern
heimwärts dort, wo er haust, weil jegliches glied ihm gelähmt ist!
Odyss. 18, 238;
von thieren: nahm er wahr, dasz sein wäglein sich schneckenartig fortbewegte, weil das eine pferd stark lahmte. Immermann Münchh. 1, 224; der gaul lahmt, ist volksüblich in Meiszen, Düringen, der Wetterau. lahmen bildlich (vergl. lahm 3, b und hinken):
zwar lahmet die rüge,
doch nie stehet sie still.
Klopstock 7, 6;
er lahmt am griechenstab, und schleicht am römerstocke.
12, 186;
dasz also hier, wie sonst, die gleichheit lahmet.
189;
der seltene fall ... dasz fortsetzungen, die gewöhnlich zu lahmen pflegen, mit einem rascheren schritt vorwärts gingen. Göthe 45, 270;
gefesselt lahmt vernunft
durch machtgebot und zunft
der herscherling und seher.
Voss 5, 211;
in der kaufmännischen sprache: das geschäft in getreide lahmt vollständig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 75, Z. 26.

lähmen, verb.

lähmen, verb.
lahm machen, ahd. lemjan, mhd. lemen.
1)
im eigentlichen sinne, und in der umfassendern bedeutung des adj. lahm 2 (sp. 73): lemen mutilare. voc. inc. theut. m 1ᵃ; lämen, die lände abschlahen oder abbrechen, und unkreftig machen, delumbare. Maaler 260ᶜ; lähmen, debilitare Schottel 1354; lähmen, motum impedire, an lenden, delumbare, am fusz, clauditatem adferre, die nerven abschneiden, incidere nervos, subnervare, durch verrenken, luxare Frisch 1, 565ᵇ; und swer auch den ander lemt an vinger oder an cehen, der sol jenem geben, dem der schade ist geschehen, fünf pfunt. swer aber den andern lemt an der hant oder an dem fuͦʒe oder an dem arme oder an den augen, der sol jenem geben cehen pfunt ze peʒʒerunge. Nürnb. pol.-ordn. 36; alʒo sullin auch dy meister qwingin (zwingen) ire schulir, nicht sullin sy ir abir wider totin, noch lemen, noch blendin, noch mit messirin, noch mit knuttelin slahin. Magd. blume 2, 1, 68; der schrecken lähmt mir die glieder; furcht lähmte mir die zunge; der fürchterliche anblick hatte seine sinne gelähmt. Klinger 3, 290;
wird endlich denn der schlaf dir händ und füsze lähmen.
Gökingk 2, 106;
der tiefe schlaf,
der täglich drei- bis viermahl ihn zu lähmen
und zu betäuben pflegt, ist kein gemeiner schlaf.
Wieland 22, 108 (Oberon 3, 21),
erstaunen schien sie alle schier zu lähmen.
23, 155 (Oberon 9, 54);
im particip er liegt seit jahren gelähmt im bette; gelähmt an händen und füszen; reflexiv sich lähmen:
ergötzet dich das feld, und wandelst hin und wider,
so wirst du müd und öd. schläpt einer seine glider
bei frechem tanz herum, so lähmen sie sich fast.
Rompler 213;
im fluche:
das dich der teufel lem!
fastn. sp. 617, 1;
in bezug auf thiere: ob einr dem anderen ein vy lemte odir wonte odir tote, daʒ man essin mochte. Magdeb. blume 1, 141; ob ein man ein vy lemete an einem fuʒe odir in eim auge. 142; fasanen die flugel lämen, phasanis alas luxare. Stieler 1061. bei den pferden ist das lähmen oder die lähmung eine art des wallachens, da man ihnen die samenadern mit einem hölzernen hammer zerquetscht. Adelung.
2)
lähmen, bildlich (vgl. lahm 3, b):
hast dich der wissenschaft und weiszheit nie geschämt,
wie mancher, welcher meint, dasz kunst den adel lähmt.
Opitz 2, 24;
ich war in der gröszten sorge, rief Wilhelm, dasz vielleicht diese stelle wegbleiben müszte, und das ganze stück würde dadurch gelähmt werden. Göthe 19, 174; winsle! heule! lähme die zeit mit deinem gram! Schiller Fiesko 1, 13; so wurde der abscheu, welchen Viktor einige tage vorher gegen des evangelisten betragen empfunden hatte, in ihm zum lähmenden unvermögen, einige tage darauf im geringsten es zu kopieren. J. Paul Hesp. 3, 41;
ist diesz der talisman, mit dem du mich
entführst, gefangen hältst, der alle guten,
die sich zu hülfe mir bewegen, lähmt?
Göthe 9, 364;
ach, meines geistes schwingen sind gelähmt.
Schiller M. Stuart 3, 4;
was nützt der führer muth, der helden arm,
wenn bleiche furcht die heere lähmt?
jungfr. von Orleans, prolog, 3. auftr.
3)
lähmen für lahmen:
kristen geloube lemt doch sêre,
sît irdisch guot und werltlîch êre
jungen und alten sint sô wert,
daʒ êwiger freude niemant gert.
Renner 19841.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 75, Z. 62.

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Zitationshilfe
„lähmde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4hmde>, abgerufen am 28.10.2021.

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