Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

lamm, n.

lamm, n.
agnus; in der älteren form, die übereinstimmend im goth. alts. ags. altnord., ahd. mhd. und auch noch im heutigen engl. und schwed. sich zeigt, lamb, wogegen im dän. wie im niederl. lam der auslaut geschwunden ist. während das wort über alle deutsche dialekte verbreitet ist, entbehrt es sicherer bezüge zu den urverwandten sprachen. das finnische lammas, gen. lampaan schaf ist ein lehnwort (Thomsen, einflusz der germ. spr. auf die finnisch-lappischen 1870, s. 71). lamm bezeichnet
1)
das junge eines schafes; man unterscheidet ein heuriges, jähriges, saugendes, abgesetztes lamm: heürigs lamb, hornus agnus, saugend und unentwendt lamb, subrumus, lactens agna Maaler 261ᵇ; ein lamm absetzen, von der mutter thun, depellere agnum, disjungere a mamma Frisch 1, 566ᵇ; sol sie ein jerig lamb bringen zum brandopfer. 3 Mos. 12, 6; zarte lämmer mit rothen bändchen und silberglocken. Gutzkow ritter v. geist 4, 38; das lamb kan über ein jahr ein schaaf werden, und wieder ein lamb bringen. Schuppius 246; das lamm springt, hüpft, blökt, schreit: jr berge, das jr hüpfetet wie die lemmer, jr hügel, wie die jungen schafe. ps. 114, 6; wenn das schaf sein lamm nicht hören will, das da bä schreit. Shakesp. viel lärmen um nichts 3, 3 (the ewe that will not hear her lamb when it baes);
nicht blökt und trottelt wie ein lamm.
Göthe 13, 61;
die muntern lämmer springen.
Uhland ged. 375;
seine geduld und schüchternheit werden betont: da er gestraft und gemartert ward, thet er seinen mund nicht auf, wie ein lamb das zur schlachtbank gefurt wird. Jes. 53, 7;
keinem that ich was zu leide,
und war schüchtern wie ein lamm.
Joseph in Egypten;
fromme lämmer seh ich grasen.
H. Heine 15, 72;
namentlich auch die wehrlosigkeit gegenüber seinem feinde, dem wolfe: sihe, ich sende euch, als die lemmer mitten unter die wolfe. Luc. 10, 3; die begierde des wolfes nach dem lamm zeichnet sich im sprichworte: wer sich zum lamm macht, den fressen die wölfe. Simrock sprichw. 326; es grüszt kein wolf ein lamm. 642; der wolf schnappt nach dem lamm noch, wenn ihm die seele ausgeht. ebenda; dem wolfe das lamm abjagen wollen (schwere oder vergebene arbeit thun). Schottel 1113ᵃ; lamb, lamb, ist des wolfs vesperglock. S. Frank sprichw. 50ᵃ; das beweiszt er (der mensch) mit seinem suͦchen und begeren, das er nicht sat ist, weil er immer zuͦ wie ein wolf, lamb, lamb schreyet, mer her. paradoxa 122ᵃ;
dô der meister den wolf ersach,
hœrent, wie er dô sprach.
'hœrstu, lieber Îsengrîn?
du solt ze lernen flîʒic sîn.
sprich mir nâch: â.'
'meister, stêt niht lember dâ
an dem buche geschriben?'
Wackernagel leseb. (1873) 821, 26 (vgl. dazu auch Haupts zeitschr. 6, 285 ff.);
sie (die wölfe) singen nur lamp lampe
geleich heuer als fert.
H. Sachs dicht. 1, 42, 53 Gödeke;
(der wolf) sahe sich weit umb und rief: lamb! lamb!
ach het ich, das ich jetzt möcht essen.
B. Waldis Esop 4, 3, 72.
ungewöhnlich ist lamm in bezug auf das junge von ziegen: dasz er mich .. für ein ziegenlamm hätte halten sollen. Immermann Münchh. 2, 65.
2)
lamm auch von einem erwachsenen schafe: es sei ein ochs oder lamb, so sol mans nicht mit seinem jungen auf einen tag schlachten. 3 Mos. 22, 28 (septuag. πρόβατον). bair. die lampen, mutterschaft, im gegensatz zu das lämplein, lamm. Schm. 1, 1474 Fromm.
3)
lamm, von dem für die menschheit leidenden und geopferten Christus (vgl.opferlamm): des andern tages, sihet Johannes Jhesum zu jm komen, und spricht, sihe, das ist gottes lamb, welchs der welt sünde tregt. Joh. 1, 29; knechte und freien werden (am jüngsten tage) zu den bergen und felsen sagen: fallet auf uns, und bedecket uns, für dem angesicht dessen der auf dem stul sitzt, und für dem zorn des lambs. Schuppius 323;
o lamm gottes, unschuldig
für uns am kreuze erwürget.
symbolisch für das christenthum: war er in den frühen, buntgemischten ursprungszeiten des christenthums und sah die götter im streite mit dem lamme. lamm und Olymp kämpften um die seelen der gottverworrenen menschen. Immermann Münchh. 3, 201.
4)
die gemeine Christi wird unter dem bilde von lämmern gefaszt: spricht Jhesus zu Simon Petro .. weide meine lemmer. Joh. 21, 15. vgl. herde (no. 4, theil 4², 1078), schaf.
5)
lamm, von einem sanften, geduldigen menschen: nun ist das grosz von nöthen, dasz ein arzt ein lamb sei. Paracelsus opp. 1, 226 A; verwilde zum tiger, sanftmüthiges lamm, und jede faser recke sich auf zu grimm und verderben! Schiller räub. 1, 2; ich gestehe es, ich habe manchen gekratzt, manchen gebissen, und war kein lamm. aber glaubt mir, jene gepriesenen lämmer der sanftmuth würden sich minder frömmig gebärden, besäszen sie die zähne und die tatzen des tigers. H. Heine 18, 9; von einem sanften, unschuldigen mädchen: vergebs ihnen gott, baron! was hat dieses lamm gethan, dasz sie es würgen? Schiller kab. u. liebe 2, 5; liebkosende bezeichnung:
und wie ich nun als bräutigam
ihr eben itzt den gürtel lösen wollte,
da kam der wehrwolf, nahm sie untern arm und trollte
vor meinen augen weg mit meinem holden lamm.
Wieland 22, 100 (Oberon 3, 6);
vgl. lämmchen.
6)
scythisches lamm, name eines farrenkrautes, aspidium.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 83, Z. 35.

lämmern, verb.

lämmern, verb.,
vom schafe, junge werfen: tirol. lämpern, lempern. Fromm. 3, 463. 6, 437; die andern (schafe) welche schon gelämmert haben. M. Sebiz feldb. 139. vgl. lammen, zu welchem lämmern sich verhält wie kälbern zu kalben (th. 5, 54. 56).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 85, Z. 48.

lämmern, verb.

lämmern, verb.,
vergl. unter lampen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 85, Z. 52.

lämmern, adj.

lämmern, adj.
von lämmern oder vom lamme: das lämmerne fleisch. Hohberg 1, 210ᵇ; lämmern fleisch caro agnina Stieler 748.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 85, Z. 53.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
lumpenleute lügengeist
Zitationshilfe
„lämmern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4mmern>, abgerufen am 01.08.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)