Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lände, f.

lände, f.
wo etwas landet, landungsplatz. Schm. 1, 1486 Fromm. (in der bair. form die lend); in den compositen anlände (theil 1, 389), schifflände, holzlände: ist die holzlände .. bald erreicht? didaskalia vom 27. dec. 1872.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 101, Z. 4.

landen, verb.

landen, verb.
1)
ans land kommen; gleichbedeutend mit dem unten folgenden länden 3, aber, während dieses ausschlieszlich oberdeutsch ist, eine zunächst niederländische und niederdeutsche form, die Kilian verzeichnet: landen, aen-comen te landen, potiri terra, potiri arena, petere portum, appellere; und die im 17. jahrh. in die schriftsprache eindringt, nach und nach jenes länden verdrängend: landen, appellere navem, terram cum navibus attingere Stieler 1063 (doch sei anländen häufiger); ich lande appello navem, accedo navi, sie landen bei der stadt, ad urbem excensionem faciunt Steinbach 1, 968; an, auf einer küste landen, vor einer stadt landen; auf einer küste landen. Klinger 1, 321; der zweig, den ich in den waldbach werfe, könnte füglich zu ihr hinabschwimmen, könnte in wenigen tagen vor ihrem garten landen. Göthe 21, 10; nach kurzer überlegung fuhren die gewandten männer einem kiesweidicht zu, das sich mitten im flusz gebildet hatte. landen, den körper ans ufer heben, ausziehen und abtrocknen war eins. 23, 236;
herrschend blickt er (der schiffer) auf die grimme tiefe,
und vertrauet, scheiternd oder landend,
seinen göttern.
2, 76.
es heiszt ich habe gelandet und ich bin gelandet; die schiffer, von denen Asphelion sagte, haben wirklich gelandet. Geszner 2 (1789) 158; seid ihr nicht mit dem fürsten aus Zirta hieher gekommen, der gestern an unserm ufer gelandet hat. 162; ein algierischer corsar habe vorigen tages an dieser küste gelandet. Schiller 727;
apulscher boden, freudig sei gegrüszt!
o erde, die du dem gelandeten
noch unterm fusze wankst, ich fasse dich
inbrünstig, wie der bräutigam die braut.
Uhland ged. 179.
im engern sinne heiszt landen mit schiffen an ein feindliches land fahren und soldaten und seevolk zu einem feindlichen unternehmen aussetzen. Jacobsson 2, 554ᵃ; landen, exponere exercitum in terram Frisch 1, 567ᵇ; freier, vom berühren der erde bei einem sprunge: ich war begierig zu sehen, wie Blondin von seiner luftreise (dem riesensprunge am pendeltau) landen würde. ausland 1862 no. 23 s. 543; und sonst bildlich: dasselbe (das hinterstübchen) war gleichsam des hauses ohr, jeder schall aus kammern und ställen .. schien dort landen zu müssen. J. Gotthelf 3, 12; noch sieben male kehrten sie ein, ehe sie an dem ort waren, wo sie das pferd stehen hatten. .. als sie endlich bei ihrem scharbank (wagen) landeten, war es Hans Joggi wie einem vögelein, das flück geworden. schuldenbauer 279.
2)
landen, transitiv, ans land bringen: das schiff landet seine reisenden; die reisenden, die güter werden gelandet; der feldherr landet seine truppen.
3)
niederdeutsch landen, sich in land verwandeln: der teich landet zu. Schottel 566; (de Bremer döpe) is averst nu kein sump edder dobbe mehr, sondern all tho gelandet. Brem. wb. 1, 230.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 101, Z. 55.

länden, verb.

länden, verb.,
nach verschiedener bedeutung des subst. land entwickelt, ahd. lantjan, lentan, mhd. lenden, altnord. lenda; der modernen schriftsprache durchaus fremd geworden.
1)
nach land 4, sp. 92 als einzelnes ackerland bezeichnen: länden, limitibus definire, das ist die felder und äcker stöcken und steinen. Frisch 1, 567ᵇ (als oberrheinisch, mit anführung der Solmischen landordnung § 6); von einem jeden veldtmorgen zu lenden oder zu mässen, gebürt den geschwornen .. sechsz heller. Frankfurter reform. 9, 3 § 6; wolt jemant in sonderheit seine lendereien mässen lassen, das mag er .. wol thun, doch auf seinen selbst kosten, da sich aber die benachbarten verglichen, in gemein mit einander lenden und steinen zu lassen, so sol es alsdann auf gemeinen kosten geschehen. § 13.
2)
nach land 8 sp. 96 etwas aus dem wasser ans land bringen: donoch von ungeschiht ging do für des küniges dohter, die lendete das ledelin (worin Moses lag) und vant das kint do inne weinende. d. städtechron. 8, 261, 3; schwumme der hund hinein und unterstunde sich mit allem fleisz, ob er denselbigen (seinen herrn) lenden und auszbringen möchte. Plinius von Heyden (1584) 173; wetterauisch noch jetzt eine leiche länden, ans land bringen; auch am Oberrhein: schiffer haben einen leichnam aus dem Rhein geländet.
3)
gewöhnlich aber intransitiv, ans land fahren, welche bedeutung aus der vorigen durch unterdrückung des objectes (schiff u. ähnl.) erklärt wird, vgl. unter anlanden theil 1, 389:
dô hieʒ ich balde lenden
in eine habe (hafen).
g. Gerh. 2644;
unser vrouwe hat gelendet
ze dem himelischen stade.
Mariä himmelfahrt bei Haupt 8, 200, 1110;
lenden, zuͦ land faren, petere portum, appellere, potiri arena Maaler 268ᵃ; zuo letst kamen sie zuo einer (insel) ... und do lenten sie. S. Münster in Wackernagels leseb. 3, 1, 404, 28; letzlich ländeten sie zu Parisz. Garg. 148ᵃ; eine schaar cilicischer seeräuber, welche, um frisches wasser einzunehmen, bei nächtlicher weile an dieser küste geländet. Wieland 1, 34 (Agathon 1, 3, auch in der ersten ausg. des Agathon Leipzig 1773 s. 49; in der klein-octavausgabe der sämmtl. werke 1, s. 39 aber steht schon gelandet);
zuletst, da sie (die fischer) nun wolten lenden.
B. Waldis Esop 3, 52, 10;
die spanierschiffe lenden
zu langsam bei mir an.
Opitz 2, 51;
dasz er (beim schiffbruch) ein stück von holz erfasset,
und hältt sich so ergrimmt daran,
dasz keine flutt ihn trennen kan,
bis ihn das wetter länden lasset.
Rompler 177;
die frome gottes-kirch ist einem schiff zu gleichen,
so durch das wält-mer fährt, reiszt durch die flutt der zeit,
bis dasz es länden kan.
206;
so wird er (der port) immerzu wasz gröser im gesicht,
je mehr man zu ihm komt, bis dasz man gar kan länden.
210;
es steht in deinen händen,
prinz aller prinzen fürst: ach! hilf uns selig länden.
sol mein zubrochen schiff der wellen opfer sein,
so rett und führe nur die seel ins leben ein.
A. Gryphius 1698 1, 281;
hier, spricht die dame, lasz uns länden (: pfänden).
Wieland 18, 161;
die heilige, die ihn mit unsichtbaren händen
zu leiten würdigt, liesz, nach einer langen fahrt,
frisch und gesund ihn zu Kairo länden.
21, 355.
noch heute bair. lenden, von schiffern, flössern, landen Schm. 1, 1486 Fromm. in freierer bildlicher anwendung:
ja soll für meinem end ich (die vertriebene Germania) noch zu pforte (Lappenberg bessert porte) lenden,
und meine kinder sehn, so müszt ihr alle stehn
mit räuch- und opferwerk und aufgehabnen händen.
Fleming 120.
4)
länden in der ältern sprache häufig bildlich, zu einem ziele wenden, lenken. die anlehnung an die schiffahrt zeigt sich in manchen beispielen:
keine mutter, die ihr kind
über see hat ausgesendet,
ist so froh, wann guter wind
seinen mast nach hause lendet.
Opitz 3, 77;
darnach beleit sie der könig
mit hundert guten mannen,
bis dasz sie zu dem schiff eingieng,
also lend sie von dannen.
Ambraser liederb. no. 225, 386.
In verschiedenen fügungen.
a)
transitiv, einen oder etwas länden: aber er (Daniel) malet denselben (Antiochus) also, das er seine wort endlich dahin lendet, das er unter der person Antiochi, den endechrist beschreibet. Luther vorr. über den proph. Daniel (Bindseil 7, 370); (die ganerben sollen sich erklären) ob sie das angebotten antheil samptlich, oder einer allein ausz jnen, umb das benennt gelt, an sich lenden wöllen oder nicht. Frankf. reform. 2, 5 § 1; das gemüth .. hab ich zu erkantnus der wissenschaft der thorheit und des verstands gelendet. Schuppius 708;
dan nichts zirt aine stat so sehr,
als ehrlich künst und gute lehr,
diweil sie weislich führen, lenden
die jugend fein in allen ständen.
Fischart glückh. schiff v. 913;
drum das si unterstunden sich
uf dich, kunig, zu lenden
args unt bös mancher enden.
Melissus ps. H 5ᵃ;
du kannst mit deinen händen
der menschen stärk und kraft nach deinem willen lenden.
Opitz 2, 222;
mich hat zu dir getragen
die stille neigung selbst, die die gemühter lendt
und gleiche regungen in gleiche seelen sendt.
Fleming 107.
b)
reflexiv, sich länden: dweill .. unsers gnedigen herren bischove zu Augspurg weltlichen rät vermaint und ungegrundt fürhalten und anzaigen sich daher lendet und streckt, das Ulrich Schmid solhen todschlag ausz rettung und zu schutz und schirm seines leibs und lebens getan. urk. Max. no. 283 s. 421; das beste were, das man sich zu dem evangelio lendete, nehete und sich ubete in christlichen hendeln mit den gütern. Luther 1, 197ᵇ; und wil zuerst den grund und meinung, dahin sich alle sein toben lendet, ausstreichen. 3, 60ᵃ; wie alle exempel und historien, ja die ganze schrift durch und durch, sich dahin lenden, das man Christum erkenne. 4, 1ᵇ; das dieselbe grenze sich lende von mittag hin auf gen Akrabbim .. und lende sich von Azmon an den bach Egypti. 4 Mos. 34, 4. 5; mein vornemen aber sol sich eigentlich dahin lenden, das ich ... Mathes. Sar. 27ᵃ; praejudicium, ein spruch, darausz man merkt das sich das urteil dahin lenden werde. Alberus ss 1ᵃ; wir haben nur mehr die erbachischen sachen gehört, nun will die ordnung erfordern, uf unser schwebische handlungen uns wider zu lenden. Zimm. chron. 2, 280, 2; damit ich widerumb uf die zimbrischen sachen mich lende. 3, 291, 11; an allen orten, da sich dann der anridt oder abzug hin länden und treffen würdt. Fronsperger kriegsb. 3, 13ᵃ; wie die superficies inn circulmäsigen dingen von jnen selbs sich nicht wenden noch lenden. Fischart ehz. 18;
ich will, bisz dasz die hitze weicht,
und ihre brunst uns nicht erreicht,
mich zu dem myrrenberge lenden.
Opitz 3, 16;
dein zeugnis, herr, besitz ich immerdar,
es ist die lust dahin ich ganz mich lende.
psalmen s. 234.
c)
intransitiv, an, auf, in, zu einem oder etwas länden: nimpst für, gottes wort zu handeln, und weiszest nicht was sein art ist, wo es hin lendet oder dienet. Luther 1, 365ᵇ; hierauf so bin ich zwungen mich an kein schreiben zu kehren, sondern allein zu lenden in dʒ liecht der natur. Paracelsus opp. 1, 152 C; so last mich auch in der zahl sein deren, die euch lernen, dann ich lende in die gesundheit der kranken. 225 B; dasz jhr entweders die krankheit nicht versteht im grund, oder das jhr lendent zu betriegen denselbigen. 718 A;
sin (Christi) liden tet sich enden
an einem crüz so hoch,
zum vatter tet er lenden,
gen himmel was im gach.
Uhland volksl. 868;
dar umb er dan gen Rom zu lent (sich wendete).
H. Folz bei Haupt 8, 518, 27;
uff kunftig ding man yetz vast lendt,
was das gestirn und firmament
und der planeten louf uns sag.
Brant narrensch. 65, 7;
wir all nit wend
gedenken, wo ein yeder lend (wo es mit ihm hinaus will).
107, 44;
wenn sie (ein versoffenes weib) von der trenk heim thut lenden.
H. Sachs 5, 382ᶜ;
es sei nicht recht also zu leren,
das man die heiligen müg ehren
zu jeder zeit, an allen enden,
sondern man musz auch zu jn lenden.
B. Waldis d. päpst. reich 3, 14;
ob schwarz jm glicklich sei und blaw
zu unglick oder glick jm lendt.
Thurneiszer erklärung der archidoxen (1575) 96;
unt wer zur lugen lend.
Melissus ps. R 4ᵃ.
5)
ein länden für land bewohnen:
Schlesier, Holstein, Türken, Wenden
und die noch viel weiter länden,
wohnen all im stankgemach (es ist von käsesorten die rede).
zeitvertreiber (1668) 457.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 102, Z. 26.

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Zitationshilfe
„länden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4nden>, abgerufen am 17.10.2021.

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