Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

länderei, f.

länderei, f.
1)
zusammenhängendes wirtschaftsland. das wort scheint vor dem 16. jh. nicht aufgekommen (der älteste hier zu gebende beleg ist aus der Frankfurter reformation von 1578), und noch Schottel verzeichnet es unter den zahlreichen beispielen auf -ei, die er s. 329 gibt, nicht. der ursprüngliche sinn kann, der eben genannten ableitungssilbe und ihrer nebenform -rei (vgl. gramm. 2, 97) entsprechend, zunächst nur der des ländlichen wirtschaftsbetriebes gewesen sein, und in der that giebt Stieler, der erste lexicograph der das wort aufführt, die bedeutung agrorum cultura 1063; aber sogleich schlägt es in den örtlichen sinn um (vgl. ähnliche übergänge bei jägerei theil 4², 2220, bäckerei bäckergewerbe und bäckerhaus, stuterei, stüterei stutenzucht und ort dazu, u. a.) und bezeichnet ager continuus, tractus terrae, einer der viel länderei hat, dives agris Stieler a. a. o. doch ist der sing. selten im gebrauch:
jener greisz, der abgott unsers landes,
auf dessen ja und nein so manche wohlfarth ruht,
durch dessen länderei man tagereisen thut,
auf den der reichthum schneit.
Caniz 91.
gewöhnlich der plur. (wie auch der niederl. sing. landerije gegen den plur. landerijen ganz zurücktritt): wolt jemant in sonderheit seine lendereien mässen lassen. Frankf. reform. 9, 3, 13; ein despot, dessen städte ohne einwohner sind und dessen ländereien brach liegen und verwildern. Wieland 7, 64; sie gewinnen auf einer seite dabei, dasz sie ihre ländereien und früchte theuer ausbringen können. Möser patr. phant. 2, 13; wohin man die augen richtete, zeigte dieses unglückliche land (Böhmen) spuren der traurigsten veränderung. ganze ländereien hatten ihre besitzer gewechselt. Schiller 8, 458 Kurz (30 jähr. krieg, 2. th., 3. buch); bildlich: diese gesellschaft (der Arkadier) bestand, wie ich nach Rom gelangte, so eben hundert jahr, .. und man liesz nicht leicht einigermaszen bedeutende fremde in Rom verweilen, ohne dieselben zur aufnahme anzulocken, um so mehr, als der hüter dieser poetischen ländereien blosz dadurch sich bei einem mäszigen einkommen erhalten konnte. Göthe 29, 224; so dasz jeder in dem materiellen seiner sprache eigne ländereien, felder und blumenbeete hat. Herder z. litt. 1, 40. ungewöhnlich ist länderei im sinne von land 6, sp. 93: der könig risz seine ländereien wieder aus den händen der feinde. Hirzel bei Campe.
2)
anders länderei in compositen mit ländernamen, wo es von -länder (s. oben) ausgeht, und das gebahren eines -länders mit strafendem oder tadelndem nebensinne ausdrückt, vgl. ausländerei theil 1, sp. 900; engländerei, anglomanie; deutschländerei (J. Paul friedenpr. 15), deutschthümelei; fremdländerei u. ä.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 104, Z. 67.

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Zitationshilfe
„länderei“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4nderei>, abgerufen am 24.10.2021.

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