Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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land, n.

land, n.
terra, regio.
1)
das wort ist in allen germanischen sprachen, und von den ältesten zeiten her in der gleichen form, heimisch, bietet aber zu den verwandten sprachen keine innigen berührungspunkte (das ital. span. landa, franz. lande steppe geht auf keltisches lann, älter land, stachelichter strauch zurück, fuszt also auf einer ganz andern begriffsreihe, vergl. Diez wb. d. rom. spr. 1, 242). die annahme liegt in folge dessen nahe, dasz die ursprüngliche bedeutung von land eine nur auf spezielle germanische anschauungen zurückgehende sei. goth. land ist acker (land baúhta ἀγρὸν ἠγόρασα Luc. 14, 18), dann väterliches erbgut (qam in landa seinamma ἦλθεν εἰς τὴν πατρίδα αὐτοῦ Marc. 6, 1), und flur, gegend; und wenn als nächste vergleichbare wortreihe der urverwandten sprachen das russ. lad', böhm. lad, poln. lad, ordo, reihe, altslav. ladinŭ aequalis, ladino aequaliter (Miklosich lex. palaeoslav. 331ᵃ) auftritt, welche wieder mit sanskr. ardha, adj., halb, hälftig, und dem masc. ardha seite, theil, ort, platz, gegend (Böhtl.-Roth 1, 442) zusammenhängt, so erinnert man sich leicht der ältesten deutschen agrarverhältnisse, wie sie Cäsar beschreibt: neque quisquam agri modum certum aut fines habet proprios; sed magistratus ac principes in annos singulos gentibus cognationibusque hominum, qui una coierunt, quantum et quo loco visum est agri adtribuunt atque anno post alio transire cogunt. bell. gall. 6, 22 (vgl. auch Tac. Germ. 26) und wie sie, wenn auch sehr modificiert, noch in den späteren markgenossenschaften nachklingen (rechtsalt. 494 ff.), und man neigt sich zu dem schlusse, dasz land ursprünglich den theil oder die reihe ackerflächen bezeichnet haben werde, die jeder der markgenossen jährlich zur bebauung angewiesen erhielt.
2)
neben der alten pluralform land, die noch im 16. jh. lebt: alle land sind seiner ehren vol. Jes. 6, 3; also das jetz allein der geize der (gier nach) ehren, der land odder desz gelts kriegt. kriegbüchl. d. fr. 77; hat sich die den masculinformen analog gebildete lande entwickelt, die namentlich in Luthers sprache sehr bevorzugt erscheint, daneben kommt häufig auf das schon seit anfang des 14. jahrh. (Lexer handwb. 1, 1822) nachweisbare länder:
auf das ir drey mender (ehemänner)
handlen möchten aus freyem muet
mit kaufmanschafte aus in weite lender.
meisterl. fol. 23 no. 218.
ein unterschied in gebrauch oder bedeutung beider pluralformen tritt dabei zunächst nicht hervor, Luther verwendet beide formen unterschiedlos: wir werden vieleicht zerstrewet in alle lender. 1 Mos. 11, 4; es war aber kein brot in allen landen. 47, 13; sein gerüchte erschall in allen lendern, wie er zuneme und gros würde. Esth. 9, 4; das .. mein name verkündigt werde in allen landen. 2 Mos. 9, 16; aber die häufige verwendung des plur. lande in der bibel hat wol bewirkt, dasz dieser form ein edlerer klang innewohnt und dasz sie in gehobener sprache sich oft geltend macht, namentlich in der bedeutung 6, in welcher hier der plural am gewöhnlichsten gebraucht erscheint. Göthe verwendet lande mit einiger vorliebe: wie lange hast du uns nichts von fernen landen und reichen erzählt. 15, 103; indem es in unsern landen herkömmlich sei ... 29, 126; erleuchtung der Peterskirche und kuppel, welche so viel fremde aus allen landen herbeilockt und befriedigt. 229; die in allen landen aufgeführten gebäude solcher art. 39, 370; der augenblick .. dem ich selbst seit acht jahren, als so lange ich diesen landen angehöre, mit sehnsucht entgegensehe. 56, 173;
und das glückliche fest, in allen den landen begangen.
40, 243;
sonne sie sinket nun
allen den landen.
47, 83;
bin ich doch das mark der lande.
41, 25;
und nach ihm neuere:
ich sah wohl in die lande
und über die weite see.
Uhland ged. 246;
euch theil' ich meine lande.
383;
zum reiche wohl erkor sie mir
alle diese weiten lande.
385;
es stand in alten zeiten ein schlosz so hoch und hehr:
weit glänzt es über die lande bis an das blaue meer.
390;
sie herrscht nun über zwei land' (: pfand).
234;
und als ich so lange, so lange gesäumt,
in fremden landen geschwärmt und geträumt.
H. Heine 15, 103.
doch erscheint auch länder in poetischer sprache:
Neptun, der um die länder
seinen wogengürtel schlingt.
Schiller siegesfest v. 29;
solch ein thier (ross) bewältiget kein schah,
kein emir, und was sonst in jenen
östlichen ländern sich in fürstensätteln wiegt.
Freiligrath dicht. 1, 87;
das meer sollt ich befahren
und fremde länder schauen.
115.
Von diesem abgesehen, wird der plur. lande gern verwendet, wo es sich um landstriche handelt, die zu einem politischen ganzen vereinigt sind, wir sagen die Niederlande, die Rheinlande, die östreichischen erblande; diesem, wie seinem hohen hause und seinen landen. Göthe 60, 310;
kaisers alten landen
sind zwei geschlechter nur erstanden.
41, 15;
sagt, was ihr wohl in deutschen landen
von unsrer unternehmung hofft.
12, 9;
er sandte dich in diese lande,
um recht zu sprechen.
Schiller Tell 4, 3;
aber nicht ausschlieszlich: da .. seine übrigen entwürfe ihn nach den Rheinländern riefen. 8, 435 Kurz; so ungern der kurfürst (von Trier) seine länder in spanischen händen sah. 449; gegen: ein freier durchzug durch die trierischen lande. ebenda. Selten ist ein plur. lände: weil herzog Philippus wol wuste, das noch niemahln eine rechte geographische beschreibung der herzogthumbe und lände Pommern recht und genaw jemand unter die hand gegeben were. Micrälius a. Pommern 4, 68.
3)
land bedeutet zunächst (und hier, als collectivum, ohne plural) das dem fruchtbau dienende ausgebreitete erdreich, acker- oder urbare fläche: so wil ich euch regen geben zu seiner zeit, und das land sol sein gewechs geben. 3 Mos. 26, 4; das ewr land sein gewechs nicht gebe, und die bewme im land jre früchte nicht bringe. 20; der den regen aufs land gibt. Hiob 5, 10; das land gibt sein gewechs. ps. 67, 7; es heiszt fettes, mageres, nasses, trockenes, dürres, wüstes, fruchtbares, unfruchtbares land; ein stück, ein streifen, ein morgen, eine hufe landes; das land bauen, pflanzen, bestellen, pflügen, ackern, besäen; und was kein mensch, der der land bawete. 1 Mos. 2, 5; ich habe dir ein stück landes gegeben auszer deinen brüdern. 48, 22; sechs jar soltu dein land beseen, und seine früchte einsamlen, im siebenden jar soltu es rugen und ligen lassen. 2 Mos. 23, 10; sihe, es ist gut wonen in dieser stad, ... aber es ist böse wasser, und das land unfruchtbar. 2 kön. 2, 19; nu aber ist sie gepflanzt in der wüsten, in einem dürren, durstigen lande. Hes. 19, 13; das verwüste land sol wider gepflüget werden. 36, 34; und etlichs fiel auf gut land, und bracht frucht. Marc. 4, 8; diese sinds, die auf ein gut land geseet sind. 20;
wir pflügen und wir streuen
den samen auf das land.
Claudius;
edelkn. wohin denn? wohin,
mit dem rechen in der hand?
müllerin. auf des vaters land,
auf des vaters wiese.
Göthe 1, 205.
4)
auch das einzelne acker- oder gartenstück: alts. ên land van Medebikie (ist zinspflichtig). Freckenhorster heber. 340; nhd. ein land im garten. den garten in gewisse länder abtheilen. Adelung; ich wolte gern einen schönen garten anlegen, und befand, dasz der buchsbaum den ländern die feuchtigkeit benehme, als liesz ich mir einen ziegelofen machen, und bekam einen kerl, der mir kronen, welche man auf die kachelöfen in den stuben pflegt zu setzen, brennete und glasürete, und liesz damit die länder besetzen. das stunde sehr artig, hielte die länder zusammen, und benahm ihnen nichts an ihrer fettigkeit. Schuppius 119; neulich kam ein solcher jockel .. zu mir in meinem blumengarten, der eben mit seinen gewächsen in seiner allerbesten zierde brangete. er verwunderte sich beides, über die vilfärbige tullipanen und über die artliche ausztheilung der länder oder beth, darinn sie stunden. Simpl. 4, 384 Kurz; bair. ein bauer besitzt so und so viel länder. Schm. 1, 1485 Fromm. in zusammensetzungen, deren erstes glied das auf dem grundstück gebaute angiebt, kartoffelland, krautland; hatte einen armseligen bart, der stunde wie der armen leut korn in den gerstländern. Schuppius 609; wo grosze weitschichtige felder sind, gibt es eigene ruben und möhrenländer. Hohberg 2, 63ᵃ.
5)
von der bedeutung 3 aus wird land, seiner äuszern erscheinung nach, in gegensatz gebracht
a)
zu berg, gebirge, namentlich in den verbindungen ebenes, flaches, plattes land: da sie nu zogen gen morgen, funden sie ein eben land. 1 Mos. 11, 2; die strafe ist uber das eben land gegangen. Jer. 48, 21; Chaldea ein fast grosze provintz Sirie, weit und ebens landts. Frank weltb. 180ᵇ; der esel ist im gebirg kein so verächtlich thier, als im flachen lande. Göthe 21, 20; bair. das weite land das freie feld Schm. 1, 1483 Fromm.; aber auch ohne adjectiv im gleichen gegensatze: daʒ du daʒ wetter wendest und kherest das es uns zue land und zue gepürg khain schaden ninderst thue. wettersegen von 1591, ebenda; man geht von den bergen ins land, vom land in die berge. ebenda; nun durchstrich man (auf einem felspfade) abwechselndes gehölz und erblickte, nach dem lande zu, mancherlei dörfer, flecken, maiereien. Göthe 17, 84; die aussicht auf die teiche, nach der mühle, auf die höhen, in die gebirge, nach dem lande zu, ist auszerordentlich schön. 87; (ein gewitter) ging stürmisch an den bergen nieder, der regen zog nach dem lande, die sonne trat wieder in ihrem glanze hervor. 20, 3; ich eilte nach dem lande hinunter. 21, 31;
sie aber ist weggezogen,
und weit in das land hinaus.
hinaus in das land und weiter,
vielleicht gar über die see.
Göthe 1, 94. 95;
vom berg ins land, fluszab ans meer
verbreite dich, unüberwindlich heer!
13, 273.
aus der vorstellung des weit ausgebreiteten entwickelt land als erstes wort in zusammensetzungen die bedeutung des allgemeinern im gegensatze zu dem was blosz einzelne angeht, und erscheint auch im bair. sprachgebiete als anhängsel von schimpfnamen als eine art von verstärkung: landhex, landlueder, landlug u. s. w. Schm. 1, 1483 Fromm.; doch darf auch die entwickelung der bedeutung von unten 6 aus angenommen werden. vgl. auch unten landbescheiszer, landbetrüger, landhexe, landhure, landlügner u. a.
b)
zu der enggeschlossenen stadt: in stadt und land empfing man die schwedischen heere mit offenen armen. Schiller 924; so werden sie .. weniger üble wirthe auf dem lande, als in den städten finden. Göthe 19, 340; auch die freunde (städter) umgab der frieden, die alltägliche tüchtigkeit, die kleinen bilder des landes. Freytag handschr. 1, 120;
auf! das land ist preisz gegeben!
preisz die in den städten leben.
A. Gryphius 1698 2, 262;
wenn sie die königin
geheim zu sprechen wünschen, kann es nirgends
als in Aranjuez geschehn. die stille
des orts — des landes ungezwungne sitte
begünstigen ...
Schiller don Carlos 1, 2;
wenn ich doch so schön wär,
wie die mädchen auf dem land!
Göthe 1, 32;
auf dem lande wird (im gegensatz zu 6) gesagt, weil die vorstellung der begangenen weiten fläche lebendig ist; daher auch hier fügungen wie das flache, platte land: durchdrungen von diesen groszen wahrheiten sehe ich den verfeinerten theil der menschen an höfen und in städten .. als das blumenbeet der natur, das platte land hingegen als ihr kornfeld an. Möser patr. phant. 4, 43; auf dem lande sein, leben, sich aufhalten; aufs land gehen, ziehen; wir machten aus, bald zusammen aufs land zu gehen. Göthe 24, 264.
c)
zu haus, verstanden das haus in der befestigten stadt:
o we! o we! ach gott, wo will es doch hinausz! (im 30jähr. kriege),
zu land beraubt man uns, und schindt uns fast zu hausz.
Rompler 31.
6)
land, gewendet auf einen abgeschlossenen gröszern oder kleinern theil der erde: lant, provincia. voc. inc. theut. m 1ᵇ. es heiszt ein kleines, groszes, mächtiges, reiches, armes, schönes, fruchtbares, unfruchtbares, rauhes, wildes, bergichtes, warmes, kaltes u. s. w. land: ein edel land und lang verrümpt, terra antiqua Maaler 261ᶜ;
und weit umher, in milder sonne glanz,
ein grünend, fruchtbar land, gewundne thäler,
von strömen schimmernd.
Uhland ged. 188.
die geschlossenheit des begriffes tritt auch dadurch hervor, dasz (im gegensatz zu 5, b) mit verben des kommens und weilens die praep. in zum worte tritt (nicht auf):
wenn man hinunter steigt von unsern höhen,
und immer tiefer steigt den strömen nach,
gelangt man in ein groszes, ebnes land.
Schiller Tell 3, 3;
da die benennung nur auf einer geographischen vorstellung fuszt, so kann land ein politisches ganzes sein: weh dir land, des könig ein kind ist. pred. Sal. 10, 16, vgl. auch die formel land und leute unten unter d; einen des landes verweisen; übertragen:
der büttel der sprachreinigkeit
in Ober- und in Niedersachsen,
der alle worte lands verweist,
die nicht auf deutschem boden wachsen.
Lessing 5, 38;
oder auch nur theil eines solchen, und der plural des wortes deutet dann eine entsprechende politische vereinigung an, vergl. oben 2 gegen ende: weil ich hierauszen bin in landen. Luther 2, 455ᵇ; denn sie keine aufrhur in landen gedechten zu leiden. 3, 33ᵃ; auch tritt ein gegensatz zu reich hervor: der könig von Frankenreich schickt in ein merklich volk, alle stet und flecken (der Niederlande) zu besetzen, und wiewol kaiser und könig die leut gern lenger behalten, wolt doch das reich (das lant schlueg umb oder nit) nit lenger bleiben. Wilw. v. Schaumburg 82;
gleich ich dem strome, welcher, tief
in einem waldgebirg entsprungen,
durch länder und durch reiche lief,
und bis zum meere vorgedrungen?
Freiligrath dicht. 1, 21;
das land hiesz bei handwerksgesellen und pferdehändlern nach Adelung vorzugsweise Niederdeutschland, gegenüber dem reich, wobei die vorstellung 5, b einspielt. Gewisse feste wendungen erscheinen.
a)
mein land, das land meiner väter, das land in dem ich heimatgehörig bin: es ist nicht sitte in unserm lande, das man die jüngste ausgebe vor der eltesten. 1 Mos. 29, 26; las mich ziehen und reisen an meinen ort und in mein land. 30, 25; zeuch wider in deiner veter land, und zu deiner freundschaft. 31, 3;
ade, mein land Tyrol!
J. Mosen A. Hofer;
land meiner väter, du gesegnet land.
Uhland ged. 179.
b)
die benennung des landes wird in verschiedener weise beigegeben. durch ein adjectiv: da Jhesus geboren war zu Bethlehem, im jüdischen lande. Matth. 2, 1; und Jhesus gieng umb her im ganzen galileischen lande. 4, 21; durchwandelte nach einander das galatischland und Phrygian. ap. gesch. 18, 22; der best redner der in tütschem land wär. Keisersberg sünd. d. munds 23ᵃ;
und hab gehört von einer not
die ietz im tütschen land uf got.
Murner luth. narr 1714;
da traten in den saal
gesandte, die vom schwäbschen lande kamen.
Uhland ged. 188;
das gelobte, verheiszene land, das heilige land, Palästina, mhd. daʒ hêre lant:
allerêrst lebe ich mir werde
sît mîn sündic ouge siht
daʒ hêre lant und ouch die erde
der man vil der êren giht.
Walther 15, 1;
als kaiser Rothbart lobesam
zum heilgen land gezogen kam.
Uhland ged. 328;
durch einen beigesetzten namen: wonet im lande Nod. 1 Mos. 4, 16; zogen aus zu reisen in das land Canaan. 12, 5; durch einen possessiven genitiv: und war ein frembdling in der Philister lande lange zeit. 1 Mos. 21, 33; die ganze gegend Argob zum ganzen Basan, das heiszt der risen land. 5 Mos. 3, 13;
graf Eberhard im bart
vom Würtemberger land.
Uhland ged. 298;
daraus bilden sich composita: die mutter habe ihm achtzehen turnes gegeben, welches eine art geld gewesen im Hessen land. Schuppius 57; würd er Schweden im Schwedenland selbst suchen. 716;
wie es ergangen ist
neuliger zeit in Thuringerlandt.
Soltau 425 (v. 1567);
bei solchen namen wird aber land seit alten zeiten oft auch ausgelassen, vgl. gramm. 3, 420 fg. 4, 261. 290:
in dem land kan ich nicht meh bleiben,
der luft thut mich in Schlauraffen treiben.
Garg. 96ᵃ;
endlich durch zu:
die boten riten gæhes   ze Stürmen in daʒ lant.
Gudr. 232, 1;
er (Tilly) habe hiebevor gehöret, im land zu Hessen gebe es grosze schüsseln und wenig zu fressen. Schuppius 93; ist darauf eine anordnung im lande zu Hessen geschehen. 101.
c)
mit bloszem land kann auch das eigene, das heimatland gemeint sein: bleibe im lande und neere dich redlich. ps. 37, 3; zu lande daheim: willkommen zu land, salve in patria et domi. Frisch 1, 567ᵇ; dasz weder Carolus noch die andern edlen, die höf hetten, zu lant warent. d. städtechr. 3, 138, 5; auf ein zeit wasz er ausz einem speckkrieg wider zuͦland kummen. Wickram rollw. 69, 4 Kurz; er ist wieder zu land kommen, reversus est e locis peregrinis. Stieler 1062; das land reumen, recta pergere in exilium. ebenda;
er muoʒ mir diu lant rûmen,
ald ich geniete mich sîn.
minnes. frühl. 8, 7;
er musz aus dem land, in exilium ejicitur. Frisch 1, 567ᵇ; sich auszer landes begeben; auszer landes gehen.
d)
es heiszt hier zu lande, dort zu lande: ihr männer hier zu lande seid glückliche leute. Wieland 8, 258; wir sind das hier zu lande gar nicht gewohnt. Göthe 11, 18; auch hier des landes;
das ist des landes nicht der brauch.
12, 152.
in der frage: wes landes ist er?; wesz lands cujas? Frisch 1, 567ᵃ;
von wann seidt jr? ausz welches landts
seit jr geborn? und auch was standts?
J. Ayrer 92ᵃ (465, 17 Keller).
e)
dem eigenen ist das ferne, fremde land entgegengesetzt: ich rufe einem vogel von aufgang, und einem man der meinen anschlag thue, aus fernem lande. Jes. 46, 11;
musz ich mein geschick vollenden
fallend in dem fremden land.
Schiller Kassandra v. 120;
dasz du, von dieses fremden landes zauber
umstrickt, nicht deine wiege gar vergessest.
Uhland ged. 188;
du aber harrest nicht und machst dich auf,
den lockungen des fernen landes folgend.
189;
auch im plural, der die unbestimmte vorstellung mehr hervorhebt, die man von dem fern gelegenen hat: sie sind aus fernen landen zu mir komen von Babel. 2 kön. 20, 14; weil abends vorher zwischen ihnen von einigen seitenverwandten die rede gewesen, welche, theils unverheirathet, theils in fernen landen wohnhaft, .. auf reiche erbschaft hoffnung machten. Göthe 22, 50;
hier fahnen und gewehre fremder lande.
13, 189;
in diesem sinne auch der plural ohne jenes adjectiv:
des wegs (nach dem wege) fragt er mich in die lant
dar er von fürsten was gesant.
fastn. sp. 1305.
f)
formelhaft sind verbunden land und leute: alts.
that he alo-waldo alles wâri,
landes endi liudiô.
Heliand 2288;
mhd. ich teile ir liute unde lant.
Iwein 7715;
nhd. ich hab jn (den könig) in deine hand gegeben mit land und leuten. 4 Mos. 21, 34; Arphaxad der Meder könig, hatte viel land und leute unter sich bracht. Judith 1, 1; ein wüster könig verderbet land und leute. Sir. 10, 3;
darumb bin ich (Wilhelm von Nassau) vertrieben,
umb land und leut gebracht.
Soltau volksl. 431;
sie (frau Kritik) hat zwar weder leut noch land,
auch weder capital noch pfand.
Göthe 13, 48.
g)
ins land gehen, abgeblaszt von zeiten, wie vergehen, verstreichen: es giengen nicht drei tage ins land, als diese geschicht die ganze welt ausgeloffen. Jucundiss. 36; es liefen nicht vierzehn tage ins land, so fühlte sich der baron ... unmustern. Immermann Münchh. 2, 24; ins land kommen, herankommen: du sollst mich auch kennen lernen, ehe eine minute ins land kömmt. Weisze kom. opern 2, 48;
nun kam ein milder frühlingstag ins land.
Uhland ged. 173.
h)
über land, in verbindung mit verben des reisens, ziehens, gehens, heiszt eigentlich über das eigene heimische gebiet hinaus, in die ferne: dâ von ist eʒ gar tœrleich, wer über lant raist und iegleich waʒʒer versuocht. Megenberg 103, 29; ein mensch pflanzet einen weinberg .. und thet jn aus den weingartnern, und zoch uber land (ἀπεδήμησεν, goth. aflaiþ aljaþ). Marc. 12, 1; ein krebs wolt über land reisen. Schuppius 835; einer der eine pasquill verkauft, über land schickt und unter die leute bringt, ist eben so wol ein übelthäter, als der jenige der sie gemacht hat. 566; sprichwörtlich ein vogel in der hand, ist besser als zehen über land, praestant pauca certa multis incertis Frisch 1, 567ᵇ;
er vermeit alle strâʒe
und streich die wilde über lant.
Dietrichs flucht 5767;
das über land nun gienge,
das læg dar nider schiere.
Minnefalkner 89;
er bedarf wol geselleschaft
wer baissen will und über lant sol jagen.
169;
auch verblaszt, wie dahin, fort:
da fliegt, als wir im felde gehen,
ein sommerfaden über land.
Uhland ged. 28.
i)
biblisch und dichterisch das land der lebendigen, der träume, der schatten u. ähnl.: darumb wird dich gott auch ganz und gar zerstören .. und aus dem lande der lebendigen ausrotten. ps. 52, 7; um das land der liebe zu arrondiren mit einem neuen augarten. J. Paul jubelsen. 154; o, dank habe du vor allen, der du .. mich aus meiner brennenden wüste auf einige minuten in das kühle land des abendroths geführt. komet 3, 216;
wann Schweizers zauber bald den wonnetrunknen geist
hinüber in das land beglückter schatten reiszt.
Gotter 1, 417;
schon im lande der verklärten
wacht er auf.
Uhland ged. 271.
7)
land für landbewohner.
a)
nach land 5, b, im gegensatz zur stadt:
ihr nur werdet ausgedeutet,
die ihr stadt und land
einst durch gute that erfreutet.
Voss 5, 186.
b)
häufiger nach land 6, von den bewohnern eines bestimmten gebietes: waʒ der richter ûf daʒ lant nicht seczen mag âne des landes willen. Sachsensp. 3, 91 überschr.; hir is up to rechte funden van dem ganzen lande vor ein anwerde .. (von allen eingesessenen eines gerichtsbezirkes). weisth. 4, 687 (Hildesheim, von 1479); du solt deine töchter nicht zur hurerei halten, das nicht das land hurerei treibe. 3 Mos. 19, 29; und das land höret auf zu kriegen. Jos. 11, 23; da ward das land stil, vierzig jar. richt. 3, 11; und das ganze land furchte sich fur jm. Judith 2, 18; da würde umb groszer ursachen ein ganz land zusamen komen. Luther 3, 33ᵃ; da beschlossen sie einen raht, das man jn in der nacht heimlich müszte fangen und alsbald verbrennen, ehe das land innen würde. 33ᵇ; das er von dem ganzen lande verhöret würde. 35ᵃ; wie die länder bei dem bauernaufstand 1653 Bern und Luzern unterstützten. Niebuhr 2, 199.
c)
die ritterschaft eines bestimmten gebietes: und kamen vill widerwertig parteien dohin (auf das turnier nach Mainz), sonderlich her Martin Zollner ein ritter, den beklagt Adam von Schauburg vor den vier landen, Bayrn, Schwaben, Franken und Rheinländern. Wilw. v. Schaumburg 48 (nachher s. 50 unverborgenlich wer her Martin Zöllner vor der ritterschaft der vier lant offenlich beklagt); darumb welicher sich bedeucht, dem unrecht gescheen, der mocht sich des negst turnirs vor den vier landen beklagen. 51.
8)
land, im gegensatz zu wasser, flusz, see, meer:
er var lant oder mer.
klage 1484;
da zuvor wasser stund, sahe man trocken land erfur komen. weish. 19, 7; denn was auf dem lande zu sein pflegt, das war im wasser, und was im wasser zu sein pflegt, gieng aufm lande. 18; wehe euch schriftgelerten und phariseer, jr heuchler, die jr land und wasser umbziehet, das jr einen jüdenossen machet. Matth. 23, 15; alles volk stund auf dem lande am meer. Marc. 4, 1; und hies die da schwimmen kündten, sich zu erst in das meer lassen und entgehen an das land. ap. gesch. 27, 43; dieselbe wird dich über landt und see, durch wasser und waffen, in glück und widerwertigkeit begleiten. Opitz 2, 254; ich kann die stadt von land und wasser bestürmen. Schiller Fiesko 2, 18;
auf dem lande kampf und wunden,
auf dem meere wog und sturm.
Uhland ged. 250;
herr Titan fliehet durch den wald,
flieht über land und meer.
305;
lerchen sind wir, freie lerchen,
fliegen über land und fluth.
378;
die sonne, sie bleibet am himmel nicht stehn,
es treibt sie durch länder und meere zu gehn.
J. Kerner;
das feste land, continens Frisch 1, 567ᵃ; eine reise zu lande, im gegensatz einer solchen zu wasser; für zu land auch im land: von nidergang hat es (Asien) allein im land ausz Aphrica und Europa ein zuͦgang. Frank weltb. 139ᵇ; ein schiff stöszt vom lande; vom land faren, deducere classem Maaler 261ᵈ;
ewig stöszt der kahn vom lande,
doch nur schatten nimmt er ein.
Schiller klage der Ceres;
zu lande kommen: und also geschach es, das sie (bei einem schiffbruch) alle erhalten zu lande kamen. ap. gesch. 27, 44; ans land kommen, steigen, fahren, einen ans land setzen; ward jeder im schiff zur barmherzigkeit bewegt, maszen sie gleich ans land fuhren, sich zu unterreden, wie mir mögte zu helfen sein. Simpl. 1, 394 Kurz; beim zoll in Straszburg stiegen die meiste ans land. 395; dafür auch ohne artikel an land: der Rhein warf mich an land. 455; die Athenienser segelten nach Megara. hier stiegen sie an land. Heilman Thucyd. 885; sie waren mit der ganzen flotte bei dem s. g. Leon eingelaufen, hatten allda die völker an land gesetzt. 888. land! freudenruf der schiffer beim erblicken der küste: die seefahrer, die der brod- und wassermangel auf der ungewissen see siech und elend niedergeworfen hat, werden durch das einzige wort: land! .. halb gesund. Schiller 692ᵇ;
träumte der schlafende jung, und schrie, als säsz er im mastkorb,
land!
Voss 2, 224.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 90, Z. 70.

landern, verb.

landern, verb.
mit einem stangenzaun (lander) umgeben: bair. einländern, umländern einfrieden, umfrieden Schm. 1, 1486 Fromm.; (der wildbann enthält) das recht den wald ohne schaden des waldeigenthumsherrn einzulandern oder mit einem gehäge einzufangen. Heppe jagdlust (1784) 3, 768.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 105, Z. 71.

ländern, verb.

ländern, verb.
einen länder (sp. 104) tanzen, überhaupt tanzend springen:
sie trug ja jüngst so lust nach pfändern,
besonders von herrn Ferdinand;
vergasz darüber tanz und ländern.
J. F. Kind gedichte;
so, darum wars zu heisz zum ländern?
ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 105, Z. 76.

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Zitationshilfe
„ländern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ndern>, abgerufen am 17.10.2021.

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