Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

längde, f.

längde, f.
länge, ags. lengđ: und sal iglich benk in der lengede habin virtzehen schuw, und an der breide ein schuw, und an der hohe anderthalbin schuch. weisth. 1, 522 (Maingegend, 15. jh.); und solt niemandts eines schaltbaums längdte nah darbei fahren. 2, 82 (Saar, von 1561); die negelein haben allenthalben zwei bletter an einem ästlein geparth, die aus einem stiel und schlupf herfür kommen, ganz gleich den blettern am knoblauch, doch ohne die längde. abentheuer von allerhand mineralien, wurzeln, kräutern (Frankf. 1656) 607.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 161, Z. 74.

lange, lang, adv.

lange, lang, adv.
nur in temporaler bedeutung, von der adjectivform auch in der jetzigen sprache noch geschieden (vgl. sp. 153). für die comparativform länger findet sich auch läng (wie alts. ags. leng länger):
(der wuchrer) sprach: sack, ich fahr hin meine straszen,
musz dich mit all dein gülden lassen,
und kan mein sach nit leng verhelen.
B. Waldis Esop 3, 26, 9.
lange bedeutet:
1)
eine grosze zeitdauer hindurch, mit verben des dauerns, bestehens, bleibens, lebens, zögerns:
lango, liobo druhtin mîn,
lâʒ imo thie dagâ sîn.
Otfrid widmung an Ludwig 35;
da (in unserm lande) ist wünne vil:
lange müeʒe ich leben dar inne!
Walther 57, 14;
sag im, er hâts iemer danc,
und daʒ eʒ im lange vrumt,
ob er morgen wider kumt.
Iwein 2139;
du solt deinen vater und deine mutter ehren, auf das du lang lebest im lande. 2 Mos. 20, 12; auf das dirs wolgehe, und lange lebest. 5 Mos. 22, 7; ich wil lieber der thür hüten in meines gottes hause, denn lange wonen in der gottlosen hütten. ps. 84, 11; so verkündige ich euch heute, das jr umbkomen werdet, und nicht lange in dem lande bleiben. 5 Mos. 30, 18; das jr nicht lenger hie bleibet. 2 Mos. 9, 28; es ist beschlossen, wie lang es wehren sol. Dan. 11, 36; die falsche zunge bestehet nicht lange. spr. Sal. 12, 19; wenn ich gleich lange harre. Hiob 17, 13; eine lange dauernde nahrungsquelle. Klinger 11, 143; wollen wir was thun, so lasz uns nicht lang warten. H. J. v. Braunschweig 59; dasz er dich hier trift, wo du noch lange verziehest. Lessing 2, 131; wenn ich länger bliebe. 134; nun ist meines bleibens hier nicht länger. Kotzebue pagenstreiche 4, 13; ehrlich währt am längsten;
herrengunst und vogelsang
klinget wol und währt nicht lang.
sprichwort;
(Fatme) war eine aus der zahl
der lange blühenden gestalten,
die nicht so leicht verwittern noch veralten.
Wieland 23, 127 (Oberon 9, 4);
(wir) bleiben lange, lange!
auf ewig so gesellt.
Göthe 1, 131;
und lest mir eine jägermess!
die dauert nicht zu lang.
Uhland ged. 357;
ich bin bis daher bei Laban lange auszen gewest. 1 Mos. 32, 4; er ist lange fort gewesen; er bleibt lange fort; in kurzer fassung lange sein für lange auszen sein, wegbleiben, bei obersächsischen dichtern: er wird nicht lange sein. Gellert 3, 6;
mein sinn ist ungestüm, und machet grosze wellen,
vom trauren aufgereizt, vom trauren, das selbst ihr,
dieweil ihr noch nicht kommt, verursacht habt in mir.
wie lange seid ihr doch?
P. Fleming 64;
es wird lange dauern, ehe ich ihn wieder sehe; es dauerte nicht lange, so kam sie an; es währte nicht lange, so hört ich .. den namen ihrer tochter. Lessing 2, 136; in den laubgewölben .. verlier ich sie bald aus dem gesicht, und es wird lange, bis sie wieder erscheinen. Schiller 745, welche letzteren beispiele doch an unten 9 anrühren.
2)
mit andern verben einer anhaltenden oder dauernd wiederholten thätigkeit: ain grôʒer pach, der wehset sô lang, unz daʒ er suocht seinen auʒganch auʒ dem geperg. Megenberg 102, 34; da er jn sahe, fiel er umb seinen hals, und weinet lange an seinem halse. 1 Mos. 46, 29; wie lange wegert jr euch, zu halten mein gebot und gesetz? 2 Mos. 16, 28; erfrewe uns nu wider, nach dem du uns so lange plagest, nach dem wir so lange unglück leiden. ps. 90, 15; von wegen des kriegs, den er nu lange füret. 1 Macc. 3, 29; da aber Jacob sahe, das getreide in Egypten veil war, sprach er zu seinen sönen, was sehet jr euch lang umb? 1 Mos. 42, 1; lange geborget, ist nicht geschenkt. Schottel 1120ᵃ; ich bin lange genug um das haus herumgegangen, dich zu sprechen. Lessing 2, 130; sich lange gedulden; lange üben; sich lange besinnen, überlegen; lange an sich halten; da kund sich Joseph nicht lenger enthalten. 1 Mos. 45, 1;
länger hält die mutter nicht das zürnen.
Göthe 1, 248;
was macht gewinnen?
nicht lange besinnen!
5, 67;
nicht länger spotte dieser eidvergeszne than
von Cawdor unsers fürstlichen vertrauens!
Schiller Macbeth 1, 3;
heil uns! er ists, der könig ists,
den wir erharrt so lange.
Uhland ged. 387;
er fühlet, dasz die zeit erschien,
die er so lang ersehnet.
389.
in einer reihe abweisender wendungen des täglichen lebens: du kannst lange reden, ehe mir ein wort gefällt; er kann lange fragen, bevor ich antworte; der kann lange warten!; sitze nur! du kannst lange sitzen, bis ich dich hole; was fragst du lange?
3)
eindringlich in der verbindung lange und lange: der die wârheit ie vant lange und lange vor gotes gebürte. Eckhart 130, 17;
das hab ich lang und lang verschwigen.
fastn. sp. 709, 22;
ich hatts ihm geschworen schon lang und lang.
Schiller Macbeth 1, 4.
4)
das ende der durch lange bezeichneten zeitdauer wird in der formel so lange bis angegeben; er quälte mich so lange, bis ichs that; dafür älter bis so lange: denn die pallast werden verlassen sein .. bis so lange, das uber uns ausgegossen werde der geist aus der höhe. Jes. 32, 15; (leute die) nirgend trost und raht finden können, bis so lange jnen gott eraus hilft. Luther 5, 531ᵃ; weitere beispiele unter bis theil 2, 45.
5)
die verbindung so lange leitet vorder- oder nachsätze ein:
giskerit ist thiu hieruuist
sô lango sô uuili Krist.
Ludwigslied;
pflege deines vaters im alter, und betrübe jn ja nicht, so lange er lebet. Sir. 3, 14; so lange du jm nütz bist, brauchet er dein. 13, 5; sie sind frölich so lange sie geschenk nemen. 40, 14; man wird dich fürchten, so lange die sonne und der mond weret. ps. 72, 5; wie können die hochzeitleute leide tragen, so lange der breutgam bei jnen ist? Matth. 9, 14;
die ratte die raschle so lange sie mag!
Göthe 1, 196;
denn so lange verzehren dir gut und habe die freier,
als sie bei jenem sinne beharrt, den die himmlischen jetzo
ihr in die seele gelegt!
Odyss. 2, 124.
dafür wie lange: wie lange ich auch wartete, er kam nicht; vgl. mhd.
er lâʒ im nû wesen gâch,
unde ruowe dar nâch
swie lange sô er welle.
Iwein 2145;
als lange (vgl. dazu unter als I, 5, theil 1, 251):
ists wieder zu bekommen,
was euch kein biedermann
genommen,
so komm, als lang ihr dessen harrt,
kein messer über meinen bart!
Wieland 18, 303.
6)
ein kurzes nicht lange vertritt einen ganzen vordersatz es währte nicht lange: nicht lange, so hörten wir jemand an die pforte kommen. Wieland 27, 295; nicht lange, so gesellte sich der sohn zum vater. Göthe 22, 59.
7)
zeitdauer bezeichnet lange auch in verbindung mit adverbien oder praepositionen: und weil sie lebete, und dazu lang hernach, thurste niemand Israel uberziehen. Judith 16, 30; so würde ich zu einem, von so langeher ausgezeichneten, wunderthätigen mann, allerdings .. vertrauen gewonnen haben. Lessing 10, 34; das projekt über welches wir von lange her negoziren. Klinger 1, 389; das war mein gedanke von lange her. theater 2, 351; der wohlstand der länder ist auf lange hinaus vernichtet; er ist auf lange hin unschädlich gemacht; zusammengerückt: rücksichtslosigkeiten, wie man sie an der unbesonnenen und zuchtlosen umgebung des grafen langeher gewohnt war. Gervinus gesch. d. 19. jahrh. 1, 58; denn die juden bekümmerten sich langehin nur für ihr bedürfnis um die natur. Strausz d. alte u. d. neue glaube 100;
ich weisz nicht, wie es so geschah,
seit lange küss ich sie.
Uhland ged. 23.
8)
der comparativ länger in verbindung mit je: je länger ich hier bin, je weniger gefällt es mir; die thewrung ward je lenger je gröszer. 1 Mos. 41, 56; mit den bösen menschen aber und verfürischen, wirds je lenger je erger. 2 Tim. 3, 13;
ie länger ich sie hab gesehen an,
ie mer kam mich ein grausen an.
Schade sat. u. pasqu. 1, 65, 349;
namentlich in der formel je länger je lieber; auch als pflanzenname, vgl. theil 4², 2299, ebenso als personenname:
wie si hieʒe, des vrâgte ich.
dô jach si balde schône,
sie seite: Sô ie lenger sô ie lieber.
minnes. 2, 168ᵇ Hagen;
ich weisz nicht welche gevatterin
gab mir den nahmen Je länger je lieber
bei meiner geburt.
Wieland 21, 44.
9)
lange, auf eine gröszere zeitentfernung, nach rückwärts oder nach vorwärts deutend.
a)
in die vergangenheit: das sie kemen passah zu halten dem herrn, .. denn es war lang nicht gehalten. 2 chron. 30, 5; Susanna. gedenkestu nicht daran, wie grewlich gott mit der sindfluth die hurerei und ehebruch gestrafet hat. Midian. das ist schon lange, es kömpt auch nun keine sindfluth mehr. H. Jul. v. Braunschweig 63; Sus. wers doch nicht wunder, das das fewer welches Sodoma und Gomorra verzehret hat, jtzunder vom himel fiele, und verzehret euch beide alte buben zusehendts. Simeon. hoho das feuer ist lange verleschet. ebenda; es ist also lang, das man nichts mer davon weiszt, oder nit mer in gedächtnusz ist, vetustate abiit memoria. Maaler 262ᵇ; suchtest du den Götz? der ist lang hin (zu grunde gerichtet). Göthe 8, 162; ich habe das schon lange bedacht; das ist mir schon lange klar; er weisz es lange;
ja schwestern, es ist nicht so lang,
dasz jhr so köstlich seit gezieret.
Weckherlin 340.
mit näher bestimmenden zusätzen: hastu aber nicht gehöret, das ich solchs lange zuvor gethan habe? 2 kön. 19, 25; lang aber hernach, nach dem tod Salmanassar, .. gieng Tobias teglich zu allen Israeliten. Tob. 1, 18; nicht lange aber darnach erhub sich .. eine windsbraut. ap. gesch. 27, 14; die worte des Berengarius selbst .. scheinen nicht von der art, dasz sie von einem noch lebenden kardinale gesagt werden .., ich denke, nur von einem todten spricht man in diesem lange nachher erzehlenden und freimüthigem tone. Lessing 8, 346; der auftrag ist nur ein wenig von lange her. 2, 116; sie (die wechsel) sind noch nicht von lange datirt. Klinger 1, 155; das ist schon lange her; zusammengerückt: eine gewisse spannkraft des herzens, von der ich schon langeher keinen begriff mehr hatte. Thümmel 3, 21;
er sah doch ganz wie ihr, der gute herr,
als er vor jahren hier beim jagen war.
auch dünkt es mir nicht gar so lange her.
Uhland ged. 159.
b)
in die zukunft: der böse knecht wird in seinem herzen sagen, mein herr kompt noch lange nicht. Matth. 24, 48; jr aber solt mit dem heiligem geiste getauft werden, nicht lange nach diesen tagen. ap. gesch. 1, 5; das gesicht, das dieser sihet, da ist noch lange hin, und weiszaget auf die zeit, so noch ferne ist. Hes. 12, 27.
10)
lange in verblaszter bedeutung.
a)
in positiven sätzen, wie genügend, ausreichend: nun wohl: so hat Hieronymus, aus welchem ich das testament Johannis genommen, eben so wenig von dieser liebe gehabt, als ich; und ich bin lange zufrieden, dasz ich deren doch eben so viel habe, als Hieronymus. Lessing 10, 232; in der sprache des gemeinen lebens: das ist lange gut für den nothbehelf.
b)
in der ältern sprache auch nur hervorhebend, wie selbst, schon: wenn ich lange hingehe, licet me eo conferam. Steinbach 1, 969; wenn ich schon lange schreibe, si vel maxime scriberem. ebenda.
c)
auch so in verbindung mit negationen, und das entferntsein von dem im folgenden angegebenen betonend: hüte dich, sagt die muttermaus (zu dem mäuslein) fürn schleichern, die rauscher thun dir lang nichts. Mathesius Luther 94ᵇ; im sinne von bei weitem, mit dem es in den folgenden beispielen tauschen könnte: dasz ich damal vom trunk erhitzt und noch lang nicht durch den schlaf wiederum zu meiner rechten vernunft gelangt war. Simpl. 3, 415 Kurz; mit diesem allem wars euch noch lang nicht genug. 4, 18; du bist noch lange nicht der, vor den du dich einbildest, non es is, qui videri vis. Steinbach 1, 969; derjenige bürger zu Athen, welcher mit den handthierungen seiner knechte wucherte, war noch lange kein vornehmer bürger. Lessing 6, 293; ich werde es zuverlässig besser machen, und doch lange kein Corneille sein, und doch lange noch kein meisterstück gemacht haben. 7, 455; befürchten sie von mir nur nicht, dasz ich die gränzen der wiedervergeltung überschreiten werde. ich werde diese gränzen noch lange nicht berühren, wenn ich von ihnen auch noch so höhnend ... schreibe. 10, 177; man erinnert sich vielleicht noch, dasz Agathon schon bei seiner erscheinung am hofe zu Syrakus lange nicht mehr so erhaben von der menschlichen natur dachte, als zu Delfi. Wieland 3, 128; schon hat man diese noch lange nicht erwiesene verwandtschaft zu ihrem vortheil mit in anschlag gebracht. Göthe 14, 246; so muste sich das scepter zweier reiche in zwei händen vereinigen, die noch lange nicht geschickt waren, sich selbst zu regieren. Schiller 1046.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 162, Z. 8.

länge, f.

länge, f.
longitudo; goth. laggei, ahd. langî, mhd. lenge. nach den verschiedenen bedeutungen des adjectivs lang.
I.
Örtlich.
1)
eine grosze ausdehnung nach der linie (vgl. lang I, 1), von strecken und flächen: die länge einer linie; die länge eines weges; die flur erstreckt sich mehr in die länge, als in die breite; ein wald der sich in die länge zieht, saltus in longinquitatem productus. Steinbach 1, 970; ein land von unermäszlicher länge, regio immensae prolixitatis. ebenda; sô der môn aufgêt in etsleichem reich oder in etsleicher wonung, dâ ein mêr ist, sô wirft er seinen schein schelchs auf daʒ mer, dâ von derhebt der schein den irdischen dunst und wirmt in, daʒ er daʒ waʒʒer mit im aufhebt gegen der praiten des mers, und sô der môn kümt an die miteln stat des himels, sô wirft er seinen schein gerichtes auf daʒ mer und zerstrewet die erdischen dünst nâch der lengen des mers. Megenberg 102, 3 (bei erklärung von ebbe und flut); es geschicht, sprach der mönch, ausz treyen, das ein ort natürlich allzeit kül und frisch besteht. primo, das das wasser fein nach der leng ablauft. Garg. 242ᵃ; alle brücken über den Lech hatte man abgeworfen, die ganze länge des stroms bis Augsburg durch starke besatzungen vertheidigt. Schiller 8, 45 1 Kurz. in der astronomie länge eines planetens oder sternes, ein bogen der ecliptik vom anfange des widders bis zu seinem ort in der ecliptik nach der ordnung der zeichen, das ist ein theil der ecliptik, so zwischen dem anfange des widders und dem cirkel der breite eines sternes enthalten ist. mathemat. lex. 1, 777; in der geographie länge eines ortes; die länge des meers, die länge des ortes zur see, wo sich das schiff befindet. 779. 780; gieszende länge, heiszt es der seefahrer, wenn er die länge des orts auf der see nur nach mutmaszung ungefähr nimmt. Jacobsson 2, 557.
2)
von der menschlichen und thierischen gestalt (vgl. lang I, 2): man liset da das er (Christus) were adelicher geschepphede, an lengi mitteler maʒe. Haupts zeitschr. 4, 574; alles volk das wir drinnen (im lande) sahen sind leute von groszer lenge. 4 Mos. 13, 33; deine leng ist gleich einem palmbawm. hohel. 7, 7; wer ist unter euch, der seiner lenge eine elle zusetzen müge, ob er gleich darumb sorget? Matth. 6, 27; ein mann von sonderbarer länge, vir proceritatis eximiae. Steinbach 1, 970; wer ist sie, die in so schlanker länge den hügel hereingeht? Geszner (1789) 3, 171; wechselnd mit grösze: auch weichet die grösze unserer heutigen leute, der grösze der alten ganz und gar nicht, deren länge insgemein 4 elen. Schuppius 777. in den messenden formeln die länge, nach der länge, die länge lang, vgl. zu letzterem lang I, 8, c: nach aller länge daliegen, porrecto corpore jacere Frisch 1, 575ᶜ; da streckt sie (die schlange) sich die länge aus. Schuppius 835;
sein werk war, tage lang, mit halbgeschlosznen augen,
am ofen, auf die streu, der länge nach gestreckt,
an seinen kurzen fingern saugen.
Wieland 18, 130;
von körpertheilen: die länge des armes; die länge seiner nase.
3)
von gegenständen (lang I, 5): die länge eines balken, trabis proceritas Steinbach 1, 970; die länge eines steges; ein rock von angemessener länge; die mittelste lenge (eines kleidungsstückes, d. h. länge eines solchen für eine mittelgrosze person). neue mittheil. des dür.-sächs. vereins 11, 462 (v. 1579); die lengste lenge. 468; di kürzeste lenge. 472; die länge eines tuches, einer leinwand; die lenge eines teppichs war acht und zwanzig ellen, und die breit vier ellen. 2 Mos. 36, 9; und er mas die lenge des gebews, mit allem was dran hieng, von einer ecken bis zur andern. Hes. 41, 15; er risz das papier der länge nach entzwei; ein holz seiner länge nach spalten; in die länge spalten, in longitudinem diffindere Frisch 1, 575ᵇ; die länge eines briefes beschreiben, prolixitatem epistolae describere. Steinbach 1, 970;
so dir der gürtel ist zu eng,
so lös in auf nach guter leng.
grobian. 1568 F 8ᵇ (b. 2, cap. 3).
4)
länge, in der technischen sprache, geht mehrfach in den begriff eines langen gegenstandes über.
a)
in der schiffahrt bezeichnet länge kabels eine lange leine von 120 klafter; länger ist kein kabel. Jacobsson 2, 557ᵃ.
b)
länge eine gewirks, gewirk von einer bestimmten länge: eines kragen runzeln sollen nicht über 12 längen halten. Rostockische kleiderordn. bei Frisch 1, 575ᶜ.
c)
länge, bei den pfefferküchlern der teig, so auf einmal mit dem längeholze gearbeitet wird. Steinbach 1, 970.
d)
beim pferderennen ist länge der leib des pferdes seiner erstreckung nach als masz genommen: es siegte die braune vollblutstute des herrn M. mit mehreren längen.
5)
länge formelhaft mit andern ausdehnungsbegriffen verbunden (vgl. lang I, 9). länge und breite: zeuch durch das land, in die lenge und breite. 1 Mos. 13, 17;
er ändert oft den platz, wirft bald auf diese seite,
auf jene bald sich hin, der breite,
der länge nach.
Wieland 17, 213 (Idris 4, 4);
auf eises läng und breite,
da blüht der winter schön!
Göthe 1, 25.
abstract, wo auch die zeitliche bedeutung (unten II, 3) anrührt: Durandus hat dasselb nach der länge und breite erzehlt. Fischart bienk. 74ᵇ; (ich habe) der länge und breite überleget, auf was weise es anzugreifen sei. Plesse 3, 33; vgl. auch breite 4, theil 2, 358. länge und quere:
umb den lagen nach leng und zwerg
der todten haufen gleich als berg.
mückenkr. 3, 301;
Rubella streicht den ganzen tag umher,
wo nur ein markt, sie lauft die läng und quer,
und kauft doch gar nichts ein.
A. Gryphius 1698 2, 472;
was willst du? schreit er ihr, sich kreuzend in die quer
und in die läng, im exorcistenton entgegen.
Wieland 18, 94;
so bettelt nun zwei jahre lang und mehr
der treue unverdroszne alte
sich durch die welt, die länge und die quer.
23, 134 (Oberon 9, 16);
die lichtlein ferne weichen;
irr führen ihn, die quer und läng,
trepp auf, trepp ab durch enge gäng.
Göthe 1, 182.
II.
Zeitlich.
1)
von der gröszeren ausdehnung der zeit oder der zeitabschnitte: die länge des tages beträgt 24 stunden; die länge einer winternacht; die länge der zeit; die länge der tage, dierum longitudo. Steinbach 1, 970; die länge der zeit kan alles zu weege bringen, temporis longinquitas omnia efficere potest. ebenda; ein gebäude fällt von der länge der zeit ein, aedificium diurnitate ruit. ebenda;
so, ihr lieben musen, betrogt ihr wieder die länge
dieser weile, die mich von der geliebten getrennt.
Göthe 1, 283.
länge, auch ohne zusatz = lange zeit: ich leb kein lenge me. Keisersb. bilg. 113ᶜ; solches continuiret sie mit öftern widerholen ein zimliche länge. Simpl. 3, 347 Kurz;
es wird die nachwelt ihm noch ehren-tempel bauen,
die mit dem weltgebäu in gleiche länge stehn (gleich lange zeit).
ehrengedicht vor der vorr. in Olearius reisebeschr.;
eine lange länge, lange zeit (vgl. lang II, 1):
küsten eine lange länge.
Logau 3, 100;
so gieng es vor und um mich lange längen.
Rückert 167;
etwas zieht sich in die länge, in lange zeit hinaus: die bewegung zog sich in die länge, man fuhr zu spät ab. Göthe 23, 146; die sache zieht sich in die länge hinaus, lente procedit hoc negotium. Frisch 1, 575ᶜ; in die länge spielen, producere, moram rei afferre. ebenda; in der formel die länge die ferne, je länger je mehr: und wenn die buchdrücker nit auch böse ketzerische schand und lesterbücher gedruckt hetten, so köndte niemand dises schöne werk gnugsam preisen. doch danken wir armen gesellen unserm gott, der disen schatz uns Teutschen geben, und seiner kirchen hiemit gedienet, und so viel guter bücher in allerlei sprachen so fleiszig hat drücken lassen, es wil nun schier von nöten sein, dasz die drucker auch die leng die fern gute schreiber und leser drückten. Mathesius Sar. (1578) 106ᵃ; der entgegengesetzte sinn aber in folgendem:
wirth. stiel nicht mehr! Söller. die länge bringt die ferne!
Göthe 7, 114,
mit der länge der zeit kommt die entfernung von diesem laster.
2)
accusativverbindungen, um die zeiterstreckung zu bezeichnen.
a)
die länge, auf die dauer:
swer dienest dar die lenge tuot,
dâ man im niht gelônen kan,
der ist ein gar unwîser man.
frauendienst 413, 29;
was schadet es, ein fürst neme ein bürgerin? .. widerumb, ein edle magd neme auch einen bürger. es wirds doch die lenge nicht tragen, eitel adel mit adel heiraten. Luther 2, 141ᵃ; dieser geist solte uns noch wol die lenge wehren, das wir keinen namen mehr dürften nennen. 3, 52ᵇ; ich habe den Hesekiel beigelegt, nicht allein aus schwacheit meines heubts, sondern auch, das ich die lenge verdrossen drüber werde. 5, 121ᵃ; warumb wiltu unser so gar vergessen, und uns die lenge so gar verlassen? klagel. Jer. 5, 20; aber sie werdens die lenge nicht treiben. 2 Tim. 3, 9; sie mögen die leng nit besteen. Aimon bog. f iij; dieser vermocht die leng nicht zu bestehen. Kirchhof wendunm. 120ᵇ; solches hatte aber die länge keinen bestand. Simpl. 2, 182 Kurz;
des habt die leng mir nit fur ark (arg).
fastn. sp. 388, 24;
und das gott nye die leng vertrüg
das man jn an ein backen schlüg.
narrensch. 14, 17;
wölch reich mit täiling ist bethört,
das bleibt dj leng nit unzerstört.
Schwarzenb. 146ᵃ;
(die sonne) stach auf jn mit scharpfen strahlin,
das er sich dleng nicht kundt erholen.
B. Waldis Esop 1, 89, 22.
b)
in die länge: in die länge ansehen. Felsenb. 1, 399; dieses mitleid dauert nicht in die länge. Lessing 6, 397; ich denke nicht, mein freund, dasz man eine schanze darum sogleich aufgiebt, weil man voraussieht, dasz sie in die länge doch nicht zu behaupten sei. 8, 117; aber ihre einbildungskraft konnte doch in die länge nicht müszig bleiben. Wieland 8, 201; wodurch er ohnehin überhoben wird, diesen auszerordentlichen aufwand in die länge fortzuführen. Schiller 736;
die tochter nach der weiber sitt,
der in die leng ist beständig nit,
volgt jhres vatters lehren.
Adrian mittheil. 381 (flugblatt von 1604);
was vor ehrlich wird erkannt,
kann die welt nicht in die länge leiden.
Gersdorff bei A. Gryphius 1698 2, 498;
so schlieszen wir, dasz in die läng
euch nicht die ohren gellen.
Göthe 2, 267;
dafür dativisch: aber in der länge, Carlos, man wird der weiber gar bald satt. 10, 52.
c)
auf die länge: Ricc. so komm ich hohlen rekruten .. fräul. auf die länge dürften die rekruten fehlen. Lessing 1, 569; jeder künstler bildet sich in sein kunstwerk hinein, und so musz auf die länge (und wer wird sich nicht gern aufs längste seines talents erfreuen wollen?) es musz zuletzt eine gewisse eintönigkeit entstehen. Göthe 45, 99.
3)
länge, in bezug auf zustände und handlungen: die länge einer reise; die länge und ferne machen verdrossen. Henisch 1071, 10; die länge des friedens, pacis diuturnitas. Steinbach 1, 970; wer wird aber seines lebens lenge ausreden? ap. gesch. 8, 33; namentlich von reden, beschreibungen, darlegungen: was aber groszer wirden und ehern dem kaiser, seinen fürsten und den iren zu Rom geschehen, brecht grosze leng zu schreiben. Wilw. v. Schaumb. 9; die länge der erzählung ist (beim drama) sorgfältig zu überwachen, eine zeile zu viel .. kann ermüdung verursachen. Freytag technik des dramas (3. aufl.) s. 64; der erste schauspieler hält eine kleine rede, der andere antwortet in gegenrede von ähnlicher, zuweilen von genau derselben länge. s. 124; diese momente der handlung sind an länge sehr ungleich, sie mögen aus wenigen sätzen bestehen, sie mögen mehre seiten eines textbuches umfassen. 183. in der formel nach der länge, ausführlich: nach der lenge, mit vil worten, verbose Maaler 268ᵇ; so bleiben wir in im, und er in uns, das wir alle in eines an einander hangen, davon droben nach der lenge gehandelt ist. Luther 6, 205ᵃ; sie haben wol gezweivelt, ob dis ein recht concilium doch sei oder nicht, wie das nach der lenge möchte erzelet werden. Eck ebenda 1, 159ᵃ; hie nach lenge widerzuͦholen verdrüszlich und unnützlich (ist). Frank weltb., vorrede; doben nach lenge erzölt. 219ᵃ; erzehlt jhm nach der leng, was er gethan und gesehen. Garg. 263ᵇ; es verlohnet der mühe, sie nach der länge selbst zu hören. Lessing 8, 337;
al gründt erzälen nach der leng,
geprauchet wort ain grosze mäng.
J. v. Schwarzenberg 154ᶜ;
sagt mir wurümb es also sei,
das tugent stee in groszer sträng,
als ich berürt han nach der läng.
157ᶜ;
uns dunkt, du seist nun alt von jarn,
geübt und unglücks wol erfahrn,
viel ghört und gsehen nach der leng,
was in der welt ist geb und geng.
B. Waldis Esop 4, 99, 151;
auch bei der länge: und sagt es dem hauptmann bei der leng, wie sich die red hat zuͦgetragen. Wickram rollw. 30, 6 Kurz. Grammatisch die länge der silben.
4)
der plur. längen ein kunstwort, lange, die künstlerische wirkung beeinträchtigende stellen in einem poetischen kunstwerke bezeichnend: das drama, dieses gedicht, diese erzählung hat einige längen; die scene wird ein conglomerat von reden und gegenreden ohne genügende organisation, sie hat ermüdende längen. Freytag technik des dramas, 3. aufl., s. 188; namentlich verwahrte ich mich gegen den vorwurf, dasz das stück an einigen schleppenden längen leide. P. Lindau wie ein lustspiel entsteht u. vergeht (1876) s. 31; im dritten (act) sind noch immer einige längen. s. 42.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 165, Z. 10.

länge, lange, m.

länge, lange, m.
ein seefisch des nördlichen oceans, gadus molva, auch leng; holländ. leng, norweg. lange, schwed. länga, engl. ling. Nemnich 3, 6.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 168, Z. 14.

langen, verb.

langen, verb.,
in mehrfacher bedeutung.
1)
lang werden, von tag und nacht gebraucht:
nu ist der küele winder gar zergangen;
diu naht ist kurz, der tac beginnet langen.
Neidhart 24, 14;
eʒ tuot sanfte ein lieplîch umbevâhen
zwein gelieben, sît diu naht sô langet.
G. v. Neifen 14, 27,
to paeschen (zu ostern) geit die vasten ausz,
so langen uns die tage.
Uhland volksl. 86;
eben dieses ist die ursache, warum die kälte erst gegen den hornung kommet, wenn der tag schon wieder zunimmet und die sonne wärmer zu scheinen beginnet, so dasz man auch schon vor alten zeiten diesen reim gemacht:
wenn der tag beginnt zu langen,
kommt die kälte herbei gegangen.
Chr. Wolff vernünft. ged. von d. würkungen der natur 321.
2)
sich erstrecken, reichen, räumlich: der paum wirt gar hôch und langet über ander paum. Megenberg 314, 1; deine macht ist gros, und reicht an den himel, und deine gewalt langet bis an der welt ende. Dan. 4, 19; der dritte (heerhaufe) wand sich auf die strasze, die da langet an das tal Zeboim. 1 Sam. 13, 18; bisz an etwas langen, ruͤren und anstoszen, pertinere. Maaler 362ᵈ; es langt von dem kopfe bis zum hintern, a capite ad podicem pertingit. Steinbach 1, 972; oder zeitlich: denn Agar heiszet in Arabia der berg Sina, und langet bis gen Jerusalem, das zu dieser zeit ist (συστοιχεῖ δὲ τῇ νῦν Ἱερουσαλήμ). Gal. 4, 25; meine offenbarung langet bis in die 3 königreiche. J. Böhme Aurora (Stuttg. 1835) 104; hier auch vergleichend: Jacob sprach zu Pharao (auf die frage nach seinem alter), die zeit meiner walfart ist hundert und dreiszig jar, wenig und böse ist die zeit meines lebens, und langet nicht an die zeit meiner veter in jrer walfart. 1 Mos. 47, 9.
3)
abstract, von dingen, die zu einer person in beziehung kommen (wofür in der modernen sprache gelangen; vergl. auch unten no. 5): alle werk geschehen durch gott, wie sie aber an uns langen, dasselbige zu erforschen, ist uns befohlen. Paracelsus opp. 1, 86 C; namentlich auch von bitten und fragen, die jemand vorgelegt werden: alsdann soll der hauptmann samt den räthen des gezirks, darinn die obgemeldten handlungen und vollstreckungen geschehen solten, solches anfänglich an unser regiment, cammergericht .. langen lassen. erklärung des landfriedens zu Nürnberg 1522, art. 23; an eine gemeine reichsversammlung langen .. lassen. ebenda; so sich begeben, dasz merkliche sachen fürfallen würden, das heil. reich höchlich betreffend, dasz alsdann ein käyserl. statthalter, samt den regimentsräthen, römischer käyserl. mayestät .. solchs verkündigen, und nicht destminder an die sechs churfürsten .. langen lassen sollen. reichsabsch. zu Eszlingen 1526, eingang; dictator der öberst magistrat, an den all sach langet und sich endet. Frank weltb. 75ᵃ;
gar oft langt an jn mein beger,
das er mich lies zuͦ schuͦlen gon.
Wickram pilger L 3, bl. 39;
dann auch von personen, die solche bitte vorlegen: Friderich mir deine krankheit zu wissen thet, .. mit groszem bitten an mich langend, dʒ ich dich in deiner schweren krankheit heimsuchen und trösten wolt. Galmy 34; wo aber Galmy der ritter etwas der unehren an mich muten oder langen wolt. buch d. liebe 46ᵇ.
4)
ferner von dingen, die sich nach einem ziele hin erstrecken, gereichen: weil denn solcher narren wüten langet zur vertilgung christlichs glaubens. Luther 2, 190ᵇ; alles was Christus in seinem reich wirkt, langet dahin, das er die leute rechtschaffen mache. 4, 88ᵃ; denn es langet dem heiligen evangelio und uns allen zu groszer schmach. br. 2, 439; weil es i. f. g. allerseits zum besten langete. Schweinichen 2, 58; und sie begriffen jetzt, wohin es langen könne, dasz sie ihre aussage wieder hatten bestätigen müssen. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. (Trogen 1831) 2, 131.
5)
langen, von personen, an ein ziel kommen, gelangen; rein örtlich: vom müller geführt langten Charlotte und der hauptmann auf einem bequemern pfade herunter. Göthe 17, 84; bildlich:
der will ist zwar ein reisemann, der da und dort hin wil:
spannt ihm nicht für gelegenheit, so langt er nicht ans ziel.
Logau 2, 223, 75.
6)
langen, nach etwas die arme ausstrecken, greifen; mit verschiedenen praepositionen: nach dem püpple (der mutterbrust) langen oder greifen. Maaler 262ᶜ; das thut mir herzlich leid, mein herr, erwiederte sie und langte nach ihrem nadelküssen. Thümmel 3, 371;
dern darf deheine sorge haben,
daʒ in der hagen iht ange,
so er nâch den bluomen lange.
Trist. 453, 36;
vil schu fielln jhn von den stangen,
darnach mochten sie nit mehr langen,
dann zu fliehen ward jhn sehr jach.
J. Ayrer 426ᵈ (2143, 17 Keller);
(eine rose) die man mit lust an nas und lippen preszt,
doch bald, indem der busch mit zwanzig frischern pranget,
sie fallen läszt und nach der nächsten langet.
Wieland 21, 165;
nach sonnen langt ich und nach sternen,
die ich erschuf in meinem traum.
Rückert ges. ged. 1, 340;
auf etwas langen:
denn nichts ist, drauf nicht der, von welchem alles hanget,
mit seiner gegenwart und augenmerkung langet.
Opitz Grotius' wahrh. s. 298;
in etwas langen: in die schissel langen, manum admovere patinae Steinbach 1, 972;
mit eines baumes ast, als einer langen stangen,
mit welcher er gar weit kunt in das wasser langen.
D. v. d. Werder Ariost 1, 25, 2;
mit personificiertem subject:
an des mondes stillem leuchten
aus dem feuchten
thränenduft,
soll sie sehn, wie meine bangen
wünsche langen
in die luft.
Rückert ges. ged. 1, 405;
an etwas langen: er langte an die mütze, bereit sie abzuziehen. Auerbach dorfgesch. 1, 152.
7)
langen, transitiv gebraucht, etwas was im bereiche des ausgestreckten armes liegt, sich herzu holen:
diu schif so nâhen wâren,   daʒ sis mit der hant
mit scheften mohten langen   bî in an dem grieʒe.
Gudrun 859, 3;
nach solchem gebet, trat sie zu der seulen oben am bette, und langet das schwert, das daran hieng. Judith 13, 7; wann sie auf der leiter ein büchsen langet. Garg. 77ᵇ; wenn ich meinen hut von der wand gelangt hatte. Thümmel 6, 420;
die deck (vom bette) ist mir entgangen,
ich wolt sie gern wider langen.
Ambras. liederb. no. 112, 24;
lange den tiegel vom bord, und, Hedewig, reiche die butter.
Voss 1, 166;
sie nun langte die mühle herab vom gesimse des schornsteins.
2, 281;
wer faul ist, gras zu mähn,
soll uns und ihnen schön
das heu mit gabelstangen
zur bodenluke langen.
305;
kann sie (die sandalen) nicht langen,
kann sie nicht holen.
Rückert 286;
und langt mit ihrer weiszen hand
die harfe von der felsenwand.
Zedlitz waldfräulein.
auch allgemeiner sich herzu holen, ohne dasz man dabei an den ausgestreckten arm denkt: langet aus seinem secklin ein stücklin von der lebbern. Tob. 8, 2; zuletzt er (vermeinend die malzeit wer all geschehen) sein messer besteckt, und wie der hauszknecht ein essen krebs auftruge, wider langte. Kirchhof wendunm. 187ᵇ; sie solten absteigen, die kalte küche und flaschenfutter hervorlangen. Schuppius 314; meine abwesenheit konnte nicht lange gedauert haben, denn ich hatte nicht einmal nöthig, mein licht zu putzen, als ich es aus dem kamin langte. Thümmel 3, 160; das fräulein .. geht und langt geld aus ihrer schatulle. Lessing 1, 568;
langt die pasteten, bringt die fladen,
wolt jhr gest zu holzöpfeln laden? (schreit der gast).
so musz der herr mit schand bestehn,
und was er guts hat, holen gehn.
grobianus (1568) F 2ᵃ (b. 2, cap. 1);
in vielen fügungen aber nicht mehr wie reichen, geben:
ir habet eʒ umbe sus entphangen,
umbe sus sult ir eʒ langen.
st. Ulrichs leben 767 (= gratis accepistis, gratis date);
dasz ich es (das dorf Bora) gen. Nicoln von Geiszla und dessen mennlichen rechten ... erben verleihen, langen und reichen wolte. Haltaus 1193 (von 1587); das sie .. jm ein frisch hemb lange. Garg. 73ᵇ; als er einmahl einem armen ein allmosen langet. Zinkgref apophth. 2, 22; zu diesem geschäft .. liesz der obrist leutenant wein und confect langen, weil er ein trefflicher zechbruder und es ohn das nach dem nachtessen war. Simpl. 1, 332 Kurz; einem die hand langen, manum alicui porrigere, er langt dir die bücher, libros tibi praebet Steinbach 1, 972; lang den richtwein,
die richter haben sich gesetzt,
wer den andern hat verletzt,
lang dem andern das detzlin,
und bring jhm drei gesetzlin.
Garg. 94ᵇ;
Bonna hat zu allen schlössern, schlüssel an dem gürtel hangen,
nur zu dem, dasz jhr am nützten, musz der nachbar einen langen.
Logau 2, 219, 54;
eins langen, in derber rede für einen schlag versetzen: der (edelmann) verstehts unrecht, und langt mir eines mit seinem säbel über den rechten arm. Chr. Weise erzn. 73; die hand langen, die hand reichen zur unterstützung, einem helfen, vergl. das zusammengerückte handlangen theil 4², 400: unser gott hat seine creaturen gleich als in ein heerspitzen verordnet, das jmmer eine der andern die hand langen und jre kraft mehren oder schwechen könne. Mathesius Sar. 119ᵃ; etwas zur hand langen, etwas unterstützend reichen: gleich tagelöhnern die materialien herbeizuschaffen, und sie den arbeitern zur hand zu langen. Göthe 29, 199. mit unterdrücktem object: lang her für tausent teufel, lang her (nämlich wein). Garg. 85ᵇ; es gehe wie es wolle so heiszt es bawer lang heraus. Lehmann 57; der wirth musz zu essen langen, hospitem decet cibum apponere hospiti. Steinbach 1, 972. — Schweizerisch (im Baselbiet) heiszt langen überhaupt holen. Stalder 2, 156; im düringischen wird es selbst verhüllend für stehlen gebraucht: er hat dem bauren seine schweine gelangt, rustici porcos clam abstulit. Stieler 1067; oder für gewaltsam fortnehmen: sihe, da ich die wort schreib, kam mir botschaft von Salza, wie das volk den amptman herzog Jörgens vom schlos langen wollen, umb des willen, das er drei hab wollen heimlich umbbringen. Luther 3, 133ᵃ.
8)
unpersönliches es langt, reicht aus, ist genug, in der rede des täglichen lebens häufig, während auslangen (theil 1, 901) mehr der gewählteren eigen ist, schlieszt sich zunächst an die oben 5 gegebene bedeutung an: das geld langte nicht, pecunia non sufficiebat. Steinbach 1, 972; die unkosten langen nicht zu einem so groszen bau, hi sumtus non sufficiunt ad tantam molem. ebenda; denn μεν blosz durch zwar gegeben, will nicht langen. Lessing 10, 64; auch persönlich:
und dann — liegt auch so viel nicht dran, wie weit
wir damit langen bei den generalen.
Schiller Piccol. 3, 1.
die angegebene berührung mit der bedeutung 5 oben zeigt sich in einigen verbindungen besonders deutlich: keiner langet dahin, dasz er den zu machenden aufwand belohne. Heyne briefe an J. v. Müller 68 (= reicht so weit aus); er liesz hier die pädagogischen kunstgärtner so lange mit gieszkannen, inokuliermessern und gartenscheeren um ihn laufen, bis sie an den hohen schlanken palmbaum voll sagomark und schirmstacheln mit ihren kannen und scheeren nicht mehr langen konnten. J. Paul Tit. 1, 3 (= zureichen).
9)
langen, im sinne von verlangen, von dem sinnlichen begriffe des armausstreckens, greifens (oben 6) ausgehend: ich will nach dem altfränkischen sprüchwort sagen: wer hangt, der langt! Simpl. 4, 15, vgl. unter hangen II, 5, g, theil 4², 447;
freudvoll
und leidvoll,
gedankenvoll sein;
langen
und bangen
in schwebender pein.
Göthe 8, 232.
10)
die ganz unbestimmte vorstellung der längenerstreckung, die in langen liegt, läszt schon in der älteren sprache das wort lieber mit näher bestimmenden präfixen erscheinen: ahd. gilt einfaches langên (wie alts. langôn, ags. langian, engl. long, altnord. langa) nur für verlangen, sich sehnen, die sinnlichere bedeutung erscheint in galangôn sich erstrecken, reichen, woneben auch bilangên verlangen ausdrückt (Graff 2, 223. 224); mhd. sind die präfigierten belangen, erlangen, gelangen, verlangen häufiger als das einfache verbum; nhd. haben sich zu den angeführten festen verbindungen noch eine reihe losere gesellt, die alle beliebter sind als bloszes langen, weil sie die richtung des begriffes schärfer fassen; vgl. ablangen, anlangen, auflangen, auslangen, einlangen, herlangen, hinlangen, hervorlangen, zulangen u. a.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 168, Z. 47.

längen, verb.

längen, verb.
lang machen, ahd. lengan (gilengan, arlengan), mhd. lengen.
1)
im örtlichen sinne:
sîn (gottes) hœhe diu ist dir ze hôch,
sîn wîte ze breit, sîn grunt ze tief, sîn lenge sich dir lenget.
minnes. 2, 236ᵃ, 2 Hagen;
die pindarische ode nennet man, wann der ersten strophen, oder dem ersten reimschlusse (welchen man ordnen, längen und kürzen kan nach belieben) folgen musz eine andere ganz gleiche strofe oder reimschlusz. Schottel 978;
auf, rege dich, Prometheus, länge dir
die fesseln.
Herder z. litt. 6, 155.
in der technischen sprache manigfach: längen, beim bäcker, den teig mit dem längeholz walzen und in die länge ausdehnen; beim metallarbeiter, das metall mit dem hammer in die länge strecken; in der landwirtschaft in Düringen, einen acker in die länge theilen, was seitens der anstöszer geschieht, wenn keine grenzsteine vorhanden sind; in der schifffahrt, das tauwerk, wenn es angezogen ist, los lassen. Jacobsson 2, 557ᵇ; im bergbau längen, auch ausfahren, auslängen, zum zweck der herstellung eines in mehr oder weniger horizontaler richtung geführten grubenbaues (eines stollens, einer strecke) das gestein auf eine gewisse länge aushauen, herausschlagen, auch überhaupt einen derartigen bau herstellen, ihn weiter führen, forttreiben; ferner behufs untersuchung einer lagerstätte, eines feldes in denselben eine strecke, einen stollen treiben. Veith bergwb. 319. 30; in der küche, die brühe längen, sie dünner machen.
2)
zeitlich: êre vater und mûter, sô lengest du dîn leben ûf der erde. Schwabensp. 16, 5; des zweiten montags nach dem geschwornen montag sol man das jargedinge zu Rumersheim besitzen, die hern mogen ine kurzen oder lengen nach irem gevallen. weisth. 3, 830 (von 1550); ihr scheffen und höfer seid fort gefragt, ob der hobsherr nicht macht habe das gericht zu lengen und zu kurzen nach wolgefallen. 6, 605 (17. jahrh.);
wie lustic und wie lobesam
er dô dar inne wære,
daʒ wære sagebære,
wan daʒ ab ichʒ niht lengen wil.
der rede würde al ze vil ..
Trist. 166, 11.
reflexiv: während der winterlichen zeit, wo die abende und nächte sich bei den Hyperboräern fast zu sehr längen. Arndt leben 48.
3)
längen für intransitives langen (no. 1); von den tagen: bis die sonne höher stieg, die tage längeten. Gotthelf schuldenb. 158;
wenn die tage längen,
fangen sie an zu strengen.
Simrock sprichw. 546;
von der zeitdauer überhaupt:
erdenbaw kan übel längen,
drein sich wind und wasser mengen.
Logau 3, 146, 56.
In Kärnten steht lengin auch für langen 7: leng mer's holz her! Lexer 172; auch in der Schweiz.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 171, Z. 42.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
lumpenleute lügengeist
Zitationshilfe
„längen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ngen>, abgerufen am 28.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)