Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

längst

längst,
in älteren quellen auch in unumgelauteter form langest, langst; einerlei bedeutung mit dem adv. langes sp. 172, aber der bildung nach völlig verschieden, jenes genitivform, längst nicht aus dieser entartet, sondern ein superlativ.
1)
einfaches längst, auf die vergangenheit weisend, vor oder seit langer zeit: langest, vor etlicher zeit, vor einer guͦten weil, pridem, jamdudum, dudum Maaler 262ᶜ; jr habt vorhin lengest nach David getrachtet, das er könig were uber euch. 2 Sam. 3, 17; er hat sein wort erfüllet, das er lengst zuvor geboten hat. klagel. 2, 17; Pilatus .. rief dem heubtman, und fragt jn, ob er lengest (πάλαι) gestorben were? Marc. 15, 44; darumb ich mir langest fürgenummen hab, ein guͦten frummen gesellen zuͦ nemmen. Wickram rollw. 75, 24 Kurz; das hatte ich längst gern gesehen, hoc diu in votis habui. Stieler 1066; ich habe schon längst nicht mehr erwartet, dasz der prinz mich zu brauchen geruhen werde. Lessing 2, 143; der bruder unsrer fürstin, der nicht längst gestorben ist. Klinger 9, 272;
dise schöne raisz hast du ..
schon langst angefangen.
Weckherlin 445;
das schon langst verlohren war.
Birken östl. lorberhain 86;
des mädchens bild
ist längst aus meiner seele; wenn es je
da war.
Lessing 2, 225;
längst sind über thal und hügel
alle freuden mir entflohn.
Bürger 62ᵇ;
staub, den hab ich längst entbehret
in dem stets umhüllten norden.
Göthe 5, 24;
doch schon längst, dasz liebe pforten
mir auf ihren angeln schwiegen!
ebenda;
ich hab mich längst ins feld gemacht
und habe schon dies lied erdacht.
Uhland ged. 58;
dort tauschen zwei beglückte,
bewegt von gleichem triebe,
was längst die herzen drückte,
das erste ja der liebe.
397.
2)
in der verbindung vor längst, die später zusammenrückt und da wol auch die betonung ändert (vórlängst gegen vor lä́ngst, vgl. an alphabetischer stelle): so hörestu den lebendigen Paulum, ob er wol vor lengest gestorben ist. Luther 8, 277ᵃ; mein herr und son ist ein solches vor langest wol gewar geworden. buch d. liebe 2ᶜ; mich deucht, als hätt ich vor längst davon geträumt. Klinger 4, 19;
Deutschland hat für längst geherrscht als ein haupt der christenheit,
aber deutscher sprache wehrt, lag in tiefer dienstbarkeit.
Logau 3, 105, 18;
von längst: dudum von langest Dief. 192. vgl. auch längsten, längstens.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 1 (1877), Bd. VI (1885), Sp. 182, Z. 13.

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Zitationshilfe
„längst“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ngst>, abgerufen am 08.12.2021.

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