Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

läppisch, adj.

läppisch, adj.,
kürzer auch läppsch.
1)
nach lappen schlaff hangen, schlaff: ich sehe wol, das sich könige und fürsten so leppisch und lessig stellen wider den Türken. Luther 4, 439ᵃ; läppische ohren, aures marcidae, lappische glieder, membra flaccida Stieler 1071. wetterauisch ist läppsch, läppisch, auf geschmack und körperliches befinden bezogen, geschmacklos, kraftlos: das wasser schmeckt läppsch; es ist mir so läppsch. Kehrein 256.
2)
gewöhnlich, direkt an lappe narr angelehnt, wie ein junger lappe sich geberdend, kindisch, unreif; von menschen: läppisch, ineptus Maaler 260ᵈ; läppisch, stolidus, fatuus Frisch 1, 577ᵇ; die aberwitzigen leppischen leut. Aventin. 106; die geborne doctor werden (im mai) fast läppisch sein, wiewol es den gemachten oft auch nicht fehlet. Fischart groszm. (1607) F 5ᵃ (631 Scheible); ein läppscher mensch, homo ineptus, ein läppsches frauenzimmer, inepta et graecula foemina Steinbach 1, 976; halten wir uns nicht mit dem geplapper eines läppischen mädchens auf, das noch nicht weisz was es sagt! Wieland 19, 162; Pulcinelle (täppisch, fast läppisch). Göthe 41, 29;
ich wil wenen, du solst sie (deine frau) weisen und leren,
so wilt du ie lenger, ie leppischer weren.
fastn. sp. 42, 19;
ich han ein pulen der ist junk,
der hat noch freies gemüts genuk,
den das er noch zu leppisch ist.
520, 15, vgl. 732, 2;
nicht leichtfertig fürwitz und leppisch
wankelmütig gschwetzig und deppisch.
H. Sachs 1, 48ᵈ;
ein läppisch gemüth hat gefallen an überflüssigen ceremonien. Lehmann 131; vom denken und thun: ein närrische und läppische entschuldigung, die gar kein form noch gstalt hat, causa inepta Maaler 260ᵈ; im grund war es eitel leppisch, effisch und kindisch narnwerk. Alberus widder Witzeln G 8ᵃ; die will ich nur verlachen, welche frembde sprachen mehr als die, so sie von ihrer mutter gelernet, lieben und verehren, und durch solche läppische affection sich allerdings stellen, als wann sie ihr herkommen verleugnen ... wolten. Simpl. 4, 387 Kurz; eine neigung, die ... indem sie ohne haltung und ohne grundsätze ist, läppisch wird. Kant 7, 391; Athens bürger schicken durch ihr läppisches lob den Alexander an das ende der welt. 10, 10; läppischer einwurf! Schiller kab. u. liebe 4, 7; diese läppische schulweisheit. Arnim 1, 132; das thymiänchen (als wort in einem gedichte) hatte etwas läppisches. Bürger 132ᵃ; und endlich hatte er diesmal (Gleim bei der abfassung seiner kriegslieder) seine läppische weichlichkeit überwunden. Danzel Lessing (1850) 1, 337;
derhalben dasz man gott zu schmoch
solch läppisch ding (calenderprophezeiungen) nicht halt zu hoch.
Fischart groszm. 142.
adverbial: unter allen teutschen namhaften stätten aber bedunkt mich keine läppischer teutsch reden als das sonst majestätische Cöln, deren sprach sonst niemand besser anstehet als dem weibervolk, doch nur denen, die sonst auch schön sein. Simpl. 4, 403 Kurz; sich läppisch stellen. Lehmann 32; läppsch verfahren, inepte agere. Steinbach 1, 976;
er ist äin gpawr in meinem muot,
der unrecht lept (lebt) und läppisch tuot,
nicht einer, der auʒ weisem gfert
sich mit trewer arbäit nert.
ring 1ᵈ, 6;
und tappt auch gleich recht läppisch drein.
Göthe 2, 218;
der freut sich traun so läppisch.
8, 113;
in die bedeutung ungeschickt übergreifend:
ich weis (lies enweiʒ), wie er so leppisch stach,
das er dem pfaffen ein adern draf.
Keller erzähl. aus altdeutsch. handschr. 112, 11;
in der adverbialform läppischen: lappischen, fatue, inerter. voc. inc. theut. m 1ᵇ;
wie thut ir neur als leppischen?
fastn. sp. 657, 4.
substantivisch in der form läppisch und läppsch, narr: das müssen läppsche sein, die sich um mädchen quälen. die bunte reihe oder eine handvoll lustig satyr. gespräche zwischen Leipziger neugier. junggesellen u. politischen mädchen, Scherzfeld 1764;
dasz sie sich ganz gewisz oft gnug zusammen schleichen
und dieser läpsch alsdenn, was er nur sucht, gleich findt.
Lohenstein Arm. 2, 1486ᵃ;
ein junger läppisch, ganz milchbärtig,
sehr aufgeblasen und hoffärtig.
Tieck 1, 254.
vgl. läppschen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 200, Z. 21.

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Zitationshilfe
„läppisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ppisch>, abgerufen am 17.10.2021.

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