Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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läser, m.

läser, m.
ein oberer kellner, der das bier in lasen aus dem keller zum verkauf überkommt, und es durch unterkellner glas- oder krugweise verschenken läszt: im jahre 1772 bestand das burgkellerpersonal (in Leipzig) aus zwei rathsdeputirten, drei kellerschreibern, einem kellerschenk, einem kellerböttcher, vier läsern, einem stubenaufwärter, vier weiszkitteln und acht bierschrötern. didaskalia vom 4. aug. 1872.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 212, Z. 22.

leser, m.

leser, m.
der da liest, ahd. lesâri, mhd. lesære.
1)
aufṡammler von früchten (lesen 1), vornehmlich der trauben bei der weinernte: lesare vindemiator Graff 2, 248; vindemiator leser Dief. 620ᵃ; herpster, läser, vindemiator, legulus Maaler 261ᵃ; wenn man den wein lieset, so gebe man den lesern und pressern balde frühe .. genug zu essen und zu trinken. Colerus hausb. 80; die leser, welche die trauben mit hippen von den stöcken schneiden. öcon. lex. (1731) 2635;
alt und jung, man und fraw, der leser groszer hauf (beim herbsten).
Weckherlin 772;
auch sammler von anderem, ährenleser, kartoffelleser; von eicheln: ain ieclicher man, der reht in den walt hat, der mac ainen leser wol haben in dem walde. Nürnb. pol.-ordn. 302.
2)
schriftleser (lesen 4), in mancherlei weise; der vorlesungen hält über philosophisches und theologisches, lesemeister (sp. 773): lector claustri leser Dief. 231ᵃ; leser lector. voc. inc. theut. m 3ᵇ; daher auch öffentlicher lehrer: offentlicher läser und leerer, professor. Maaler 261ᵃ; denn ich auch selbs lieber wollte einen guten prediger behalten weder einen guten leser. Luther br. 5, 710; vorleser: läser, der heiter und laut liszt, recitator. Maaler 261ᵃ; läser, ein knab oder diener der einem liszt, anagnostes. ebenda; im mhd. auch recitator eines gedichts, nach lesen 4, c sp. 778: ein solcher vortragender bricht im spannendsten theile einer erzählung ab, um erst einen trunk zu fordern,
nu lâgen si gevangen:
wie kâmen si von dannen?
daʒ enmac niemer ergân,
der leser muoʒ ein trinken hân.
Laurin 1218;
am häufigsten leser dem schriftsteller gegenüber, schon seit dem mhd., vergl. Haupts zeitschr. 8, 275; um .. noch einige leser zu gewinnen, legte sich der graf auf polemik und schrieb eine satire gegen berühmte schriftsteller. H. Heine 2, 279;
so mirs gehet wie ich wil,
wünsch ich leser nicht zu viel,
denn viel leser sind viel richter,
vielen aber taug kein tichter.
Logau 2, 178, 1;
und hier liebt es der schriftsteller sich mit jedem lesenden einzeln ins vernehmen zu setzen, durch angemessene anrede:
leser, wilt du hœren nû,
von mir berihtet bist dû.
Haupts zeitschr. 8, 297, 791;
ich mus aber hie den leser vermanen, das er sich nicht ergere uber diesem jamer. 2 Macc. 6, 12; als will ich anietzo .. dir, mir trefflich affectionirten und dich um meine wolfahrt höchst-bekümmerenden leser kürzlich .. anzeigen, wie es mir .. ergangen. Simpl. 2, 266 Kurz; günstiger und geehrter leser, wann du recht urtheilen wirst, so wirst du verhoffentlich dir diese schrift nicht zuwider sein lassen. Schuppius 134; der hausfreund redet zum dritten male den geneigten leser an, und wünscht ihm das neue jahr. Hebel 2, 236; hättest du, lieber leser, den ton gehört, .. womit diese worte gesprochen wurden. H. Heine 2, 8;
freundlicher lieber läser, merk
was ich dir sag von disem werk.
Amadis 460;
leser, wie gefall ich dir?
leser, wie gefellst du mir?
Logau 2, 212, 3;
auch sonst ist collective verwendung des singulars gewöhnlich: hievon will ich dem gutherzigen leser zum besten eine warhaftige, schröckliche historien setzen. L. Sandrub kurzweil 26; nur dieses musz ich erinnern, dasz einige verse ... dem leser misfallen werden. Cronegk 1, 277; die ingrimmigen anstrengungen, womit er die verse ausgearbeitet, entdeckt unser einer weit eher als der gewöhnliche leser. H. Heine 2, 281;
ist einst mein werk gedruckt, und ist kein meisterstück:
wie schmählt der leser nicht, wie schimpfet die critik!
Cronegk 2, 85.
3)
leser, ein beamter in der kammergerichts-kanzlei: item, an das cammergericht sollen geordnet werden zwen glaubige gerichtschreiber, und ein leser, der die gerichts händel verwahre, die sollen unser königlichen oder käiserlichen mayestat, oder dem cammerrichter an unser statt, geloben, ... jhren emptern getrewlich ob zu sein, mit aufschreiben, lesen und anderm: auch die brief und urkundt, die ins gericht bracht werden, getrewlich bei dem gericht zu bewahren. abschied des reichstags zu Worms 1535, eidesformeln I § 1; die beiden leser im reichs-kammergericht zu Wetzlar, welche die akten foliiren, übergeben und aufheben. J. Paul freih.-büchl. s. 68. vgl. dazu unten leserei 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 5 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 787, Z. 9.

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Zitationshilfe
„läser“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ser>, abgerufen am 16.10.2021.

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