Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lässig, adj.

lässig, adj.
1)
in der ältern sprache (nach lassen B, I, 3 und 4 sp. 216 fgde.), auslassend, von sich lassend: item in einem besonderen nebenkellerlein (wurden verwahrt) die schleckwein, und die essigfäszlein. dann eszig macht eszig (wortspielend, eszig = eszlustig, äszig theil 1, 590), und macht die schwere köpf läszig. Garg. 59ᵃ; von dem zapfen eines fasses: von zweien lässigen zapfen. auch sollen alle die jhenen, die do schenken und schenken wollen, eins yden tags oder nachts in einem keler, undter einem obtach von weinen, den er alsdann schenkt, nit mer dann einen lessigen zapfen haben, es were dann, das er roten wein hett, den möcht er auch dabei ungefärlich nach der statt gesetze schenken und geben. Nürnb. pol.-ordn. 253; es sol auch furbasz kein bierschenk noch bierschenkin hie in einem keler oder in einem haus nit mer dann einen lessigen zapfen haben. 267; læʒiger wîn, wein der ausgeschenkt wird, vom zapfen läuft Lexer handwb. 1, 1844.
2)
schweiz. lässig, läszig, von einem spiele, z. b. mit karten, welches man nicht halten kann. Stalder 2, 158; bair. laszig 'wird es im wirtshaus, wenn sich die gäste verlieren'. Schm. 1, 1506 Fromm.
3)
vgl. die compos. fahrlässig, hinlässig, nachlässig, unablässig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 241, Z. 63.

lässig, adj.

lässig, adj.
träge, unfleiszig, ein von dem vorigen der nächsten abstammung nach verschiedenes wort, von lasz, mhd. laʒ weiter gebildet, daher mhd. leʒʒic:
und ist uns menschen leʒʒic
ze wiʒʒen wie, wo, wenne (geheimnisse der gottheit).
Suchenwirt 41, 96;
wol aber, da lassen bald seinen langen vocal kürzt (sp. 213), in begriffliche beziehung zu diesem verbum gebracht, wenigstens scheint diesz schon im 15. jahrhundert der fall, wenn im voc. inc. theut. m 2ᵃ lassig, tepidus, lentus, piger, negligens (ohne umlaut) dicht hinter lassen linquere und lasser fleubotomator eingereiht wird. lässig ist ein selteneres und der gewählten sprache eigenes wort: lassus mud ader lassigk Dief. 319ᶜ; lässig, desidiosus, iners, otiosus Stieler 1074; als attribut: lessige hand macht arm, aber der vleiszigen hand macht reich. spr. Sal. 10, 4; faulheit bringt schlafen, und ein lessige seele wird hunger leiden. 19, 15; darumb richtet wider auf die lessigen hende und die müden knie. Hebr. 12, 12; wenn wir nach dem erwachen in einer lässigen und sanften zerstreuung liegen. Kant 10, 14; bald im lässigen schritt kam er (der reiter) heran. Bettine br. 1, 233;
die nächsten, die
oft unsern gram als wohlbekanntes übel
mit lässiger gewohnheit übersehn.
Göthe 9, 336;
Rüsteviel, rief er: lässiger wicht! du grober geselle!
solche speise verschmähst du?
40, 30
(o Rustevil, du slimme dwas,
du arme slumpe, grove wicht,
machstu solke spise nicht?
Reinecke fuchs 830);
in substantivem gebrauche: eim lessigen geret (geräth) sein handel nicht, aber ein vleisziger mensch wird reich. spr. Sal. 12, 27; haben hier funfzig lässige nöthig, durch einen wirksamen ermuntert zu sein. Göthe 33, 93;
und mählig schwellen orgelklänge
wie heroldsrufe an mein ohr:
knie nieder, lässiger, und dränge
auch deines herzens wunsch hervor!
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1873), 46;
in den formeln lässig sein, werden, einen lässig machen: lässig werden, torpescere Frisch 1, 577ᵃ; vleiszige hand wird herrschen, die aber lessig ist, wird müssen zinsen. spr. Sal. 12, 24; wenn wir lessig und faul sein wollen. Luther 4, 385ᵇ; ihre freunde werden lässig im lobe. Klinger 12, 281; wir werden dabei entweder stolz und lässig, oder niedergeschlagen und kleinmüthig. Göthe 20, 4; so fing ich an lässig zu werden und die geselligen pflichten der besuche und sonstigen attentionen zu versäumen. 25, 61; mein eignes unglück schlug mich nieder; machte mich ärgerlich, kurzsichtig, schüchtern, lässig. Lessing 1, 584;
unsre wirthin, seh ich, ist zu lässig
in ihrer pflicht.
Schiller Macbeth 3, 8;
als adverb: verflucht sei, der des herrn werk lessig thut. Jer. 48, 10; ich sehe wol, das sich könige und fürsten so leppisch und lessig stellen wider den Türken. Luther 4, 439ᵃ;
die nacht, die einsamkeit, der mondschein, die magie
verliebter schwärmerei, ihr eignes herz dem sie
nur lässig widersteht, wie vieles kommt zusammen,
das leichte blut der schönen zu entflammen!
Wieland 9, 97;
hingerissen
von eurer macht, natur und zärtlichkeit,
entwindt sie lässig nur sich seinen heiszen küssen.
335;
nun du mir lässiger dienst.
Göthe 1, 277;
ihre arme lehnt sie lässig
auf die rothe logenbrüstung.
Dingelstedt ged. 227.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 242, Z. 5.

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Zitationshilfe
„lässig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ssig>, abgerufen am 01.08.2021.

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