Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

läufig, adj.

läufig, adj.
zum lauf geschickt oder geneigt, laufen könnend: leuffig cursilis. voc. inc. theut. m 3ᵇ; neben läuftig (s. unten) in mancherlei anwendung.
1)
im eigentlichsten sinne, von der lauffähigkeit lebender wesen: behend und läufig wie ein kuh auf dem nuszbaum. disz sprüchwort braucht d. M. Luther im büchlein wider Hansz Worst. anm. weiszh. lustg. 369; und, im scherze auch von einem sessel, der oft zum tische kommt: jetzund kan ich nichts als aberwitzen und guckgucken und in den schnattergallen glückglucken, und den leufigen sessel zum tisch rucken. Garg. 154ᵇ. von einem beweglichen gliede: durch reden wird die zunge leufiger, exercitatio dicendi linguam acuit. Stieler 1082.
2)
übertragen, von einem menschen der 'bewandert', schlau, welterfahren ist: nun was der Aunsorg ain läufiger man und kund wol zuͦ dem rechten. d. städtechron. 4, 99, 11; dise drige worent vor antwerglüte und ammeistere gewesen, und worent gar wise und löufig noch der welte louf. 9, 783, 1; nun ist es nicht ohne, dasz ich einen uhrmacher bei mir habe, welcher seines handwerks ein feiner meister ist und ein sehr laufigen kopf hat. schreiben landgraf Wilhelms d. weisen von Hessen an kaiser Rudolf II, bei Rommel 5, 798; er ist der rechten leufig, exercitatissimus est in jure, in causis forensibus versatissimus est. Stieler 1082;
wan wer nüw sätz und list finden kan,
man spricht, er ist ain wisz loufig man,
menglich wil in zuom fürsprecher han.
teufels netz 8959.
3)
von thieren in der begattungszeit, vgl. lauf 2, b, sp. 307 und laufen II, 2, c, sp. 320: beren .. so die zu winterzeit leufig sind, und das weiblein schwanger wirt. S. Brant bei Steinhöwel 163ᵇ; die recht zeit der vierfüszigen thier, das sy leufig werden, ist vom anfang des brachmonats und die nächsten vierzig tag hernach. Herr feldbau 143ᵃ; leufig sein wie die hund, catulire, leufig sein, equire Dasyp.; da du dann warnimbst, das die hündin läufig sein will. Feyerabend jag- u. weidwerkbuch 8ᵇ; wann eine kuhe oft läufig wird und doch nicht trägt: nimm teschelkraut, machs zu pulver und giebs ein. Hohberg 2, 283ᵃ. in Kärnten lâfik sein von hunden. Fromm. 4, 160.
4)
von leblosen, mechanisch bewegten dingen (vergl. lauf 3 sp. 308):
wird die schütz euch leufig sein (das weberschifflein),
tragt ihr saubre faden ein.
A. Gryphius 1698 2, 73.
5)
vom flieszenden wasser (lauf 4, sp. 308):
härfliszend als queln leufig.
Melissus ps. G 6ᵃ.
6)
läufig, gebräuchlich, häufig vorkommend, von ereignissen und gegenständen (vgl. lauf 9, sp. 310): tödten, stelen, ehebrechen, und falsch zeugnis geben, wiewol sie auch leufig sind. Luther 4, 510ᵇ; wiltu unsern vorfarn, gemeinen leufigen sprichwörtern (so der welt evangelium seind, und ja nicht gewissers hat) nit glauben, so erfars. S. Frank sprichw. 2, 91ᵇ; disem laufigen sprichwort des gemeinen böfels. moriae encom. 3ᵇ; nun disz ist ein leüfige meinung fast aller Türken von yrem gesetz. Frank weltb. 106ᵇ; dann in maszen allda (in Westfalen) fürgeben wird, haben sie alte gepräuch und ordnungen von Carolo Magno her, in kraft welcher sie auf ein läufig geschrei (gerücht) und schlechte vermutungen den beschuldigten gleich des lebens abhelfen. Fischart Bodins daemonomania (1591) 244; wiewol ich die krankheiten nit alle ernennen mag: so vil aber jetzt läufig und verstendig (erkennbar) sind, so vil werden angezeigt. Paracelsus chir. schriften 184 A; die läufige mode unserer zeit. Simpl. 4, 362 Kurz; es seind ihrer vil, die nehmen unvermerkt sonderbare wörter und sprüch an sich, welche sie ihnen dermaszen angewehnen und in ihrem maul so läufig machen, dasz sie selbige endlich in allen ihren reden vorbringen. 395; hauptbuch der läufigen worte. Leibniz 462; es gehört mit unter die läufigen anmerkungen unserer heutigen philosophischen ökonomen. Möser patr. phant. 2, 414; vgl. dazu auch landläufig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 331, Z. 5.

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Zitationshilfe
„läufig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ufig>, abgerufen am 08.12.2021.

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