Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lauge, f.

lauge, f.
lixivia. ahd. louga, mhd. louge, nd. loge, niederl. looghe, lixivium, lixivia, caustica spuma, spuma Batava Kilian; engl. lie, älter lye, was auf ags. leágh zurückweist; es entspricht auszerdem noch altnord. laug, warmes bad, lauga baden. dem worte scheint der begriff des brennenden zu grunde zu liegen und die nächste verwandtschaft mit lauch und lohe stattzufinden; vgl. auch das folgende lauge. lauge bedeutet
1)
eine ätzende, mit salzauflösung bereitete flüssigkeit überhaupt: lauge, wasser, das mit salz geschwängert, als alaun-, vitriol-, salpeter-, aschlauge u. s. w. Jacobsson 2, 569ᵇ; bei den gewerken in mancherlei bereitung: beim färber heiszt lauge die brühe der blauküpe; beim gerber eine brühe zum beizen des saffianleders, das gefärbt werden soll; lauge bei kupferstechern, in messing- und hüttenwerken. ebenda; lauge für das haar: ich will laugen machen für mein har, das yetzund sein farb zuͦ verlieren angefangen hat. Wirsung Calixstus (1520) R iijᵃ; lauge auch die salzlache, pfütze: lacunar, lacunarium lauge Dief. 315ᶜ.
2)
lauge für den urin, vgl. kammerlauge:
ich waisz ain frauen, die tut fegen
mit irer laugen, die sie macht,
in funf tagen und in funf nacht,
pisz die laugen gewint farb und smack.
wem sie domit zwecht kopf und nack,
dem macht sie gel und kraus sein har.
fastn. sp. 95, 7.
3)
am gewöhnlichsten ist lauge das über asche gestandene wasser, im hausgebrauch für bad und wäsche: lixivium loͮge, lauge, laug, laugk, lau Dief. 334ᶜ; lixivium lauwe nov. gloss. 238ᵃ; loug lixivium. voc. inc. theut. n 2ᵃ; die laugen, lixivium, lixivia Maaler 265ᵇ; das wasser werde so lang durch die äsche geseiet und durchgegossen, bisz gar laugen darausz werde. Zinkgref apophth. 1, 220; ein kupferen wannen czu laugen mitsampt einem schopferlen (kleinem schöpffasz). Anton Tuchers haushaltbuch 1507 -1517 s. 79; es heiszt eine lauge machen, ansetzen, gieszen: aus asche eine lauge machen, lixivium ex cineribus facere Steinbach 1, 1000; eine lauge ansetzen, lauge gieszen, lauge machen, facere lixivium. Frisch 1, 587ᵇ; scharfe lauge acre et eradens lixivium. ebenda; mit lauge waschen, baden: und wenn du dich gleich mit laugen wüschest, und nemest viel seifen dazu. Jer. 2, 22;
so mocht si wol ain masen gesæhen,
die si nimer möcht usweschen
mit loug noch mit eschen,
recht als ain schön wisz tuoh.
teufels netz 6821;
die sêle ne phlegent ce bade seifen noh louge,
sie ne zierent ouh vingerlîn, ringe noh bouge.
Haupts zeitschr. 8, 183, 285;
das sie den (badschemel) hielten fur die augen,
das sie im pad nit piesz die laugen.
fastn. sp. 213, 34;
do plies si mir ain staub under die augen,
das mir kaum klegkt ein kübel voll laugen,
pis ich des geschmachs ain wenig ward frei.
331, 13.
4)
in bildern und sprichwörtlichen redensarten, die meist von den verrichtungen des baders hergenommen sind: einen solchen unverschempten bösen wurm hette ich e. cardinalische heiligkeit nicht gehalten, das sie der armen leute ... dazu noch hönisch solt spotten. gott gebe gnade e. c. h., das sie mir auch einmal solchen oder dergleichen brief oder botschaft lasse zukomen, der mich betreffe, so solt e. c. h. bad und lauge kriegen. Luther 6, 361ᵃ; dʒ ihr widder die lutherische schreiben wolt, dʒ wolt ich euch nit raten, dan sie werden euch mit scharfer laugen zwagen. Alberus widder Witzeln L 1ᵇ; der jud aber hat solcher schlappen nit mer warten wöllen, dann er sorget, jm möcht erst recht gezwagen werden; auch wasz jm die laugen schon bereit. Wickram rollw. 87, 22 Kurz; mit was vor einer laugen ich dir gezwaget. Simpl. 3, 121 Kurz; ich bin wol ehe mit solcher laugen gewaschen. Schottel 1118ᵃ; wie diesem tapfern mann der kopf mit so mancher scharfen laug gewaschen sei. Schuppius 262; dem setzte aber die alte den kopf zurecht und wusch ihm denselben mit scharfer lauge, dasz Uli begriff, was waschen heiszt. J. Gotthelf Uli der pächter 168;
hast du unsern herrn erschlagen,
mit gleicher laug wöll wir dir zwagen.
J. Ayrer 303ᵈ (1517, 5 Keller);
gedacht er Moysem in der letzten schrift mit einer sehr scharpfen laugen abzugieszen und inen folgendts auszzubaden. Ayrer proc. 3, 4; ach, gedachte ich, ihr liebe leut, wann ihr wüstet, was euch vor eine lauge gegossen und übergehengt worden, so solte euch der kützel wol vergehen. Simpl. 3, 367 Kurz; der geust in tischreden den juristen und advocaten noch eine scharfe lauge übern kopf. Schuppius 304;
mit einer ganzen lauge
von witz und reimerei
euch weidlich übergieszen.
Gökingk 2, 252;
auf einen grindigen kopf gehöret scharfe laug. Schottel 1142ᵇ; auf einen eselskopf sind laugen umsonst. Simrock sprichw. s. 116; ich bereite ihm aber eine andere und schärfere lauge zu, die desto besser wirken wird, weil sie ihm ganz unversehens über den kopf kommen soll. Wieland 20, 85;
nimm einen isop-pusch, entsündige mein leben.
du kannst alleine mir die rechte lauge geben,
die seel und leib beglänzt.
Fleming 21;
(der pastor) mit scharfem messer die feder spitzt,
und alle psalmen wo David flucht,
den ganzen Jeremias durchsucht,
mit bitterm herz und gierigem auge
zu finden den text zur tüchtigen lauge.
Usteri in Wackernagels leseb. 2 (1876) 1288;
prügel sind hagebüechîn louge. Lexer mhd. handwb. 1, 1969; thränen sind die lauge der augen:
das warme wasser man do spart:
das flosz in usz den augen,
das was in ze einer laugen.
Liliencron volksl. 1, 40, 2058;
ich regne für und für mit scharfer thränen laugen.
Fleming 602.
lauge, verächtlich für ein getränk, einen aufgusz: mich dünkt, die mode, eine schwarze lauge zu trinken (kaffe), hat lange genug gewährt. Möser patr. phant. 1, 118.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 338, Z. 36.

lauge, f.

lauge, f.
im Göttingischen, die lohe, helle flamme: kaffe musz auf kohlen gekocht werden, man darf ihn nicht an die lauge kommen lassen. bei Schambach 119ᵇ laue und lâe. vgl. lauch und lohe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 339, Z. 66.

lauge, laugen, f., m.

lauge, laugen, f. m.
der fisch cyprinus alburnus und leuciscus, neben laube, lauben sp. 293. vgl. auch unten lauke.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 339, Z. 70.

lauge, laugen, f., m.

lauge, laugen, f. m.
der fisch cyprinus alburnus und leuciscus, neben laube, lauben sp. 293. vgl. auch unten lauke.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 339, Z. 70.

laugen, läugen, verb.

laugen, läugen, verb.
1)
lauge bereiten: laugen, lixivium e cineribus colare Stieler 1103; läugen, lixare, percolare aquam per cinerem, excolare lixivium Frisch 1, 587ᵇ.
2)
mit lauge behandeln: die wäsche laugen, einlaugen. Adelung; dafür auch blosz laugen, läugen, bairisch läugnen, laugen, wäsche in lauge legen. Schm. 1, 1454 Fromm.; wiewol sie (eine waschbank) die mülnerin do nit geren hat, so wil sie ein erberger rat haben, das die leute do waschen, doch das niemant do leugen oder fewer schüre, das ist dem pfenter und leben bevolhen zu weren. Tucher baumeisterb. 201, 8; den kopf laugen, perfundere caput lixivio. Stieler 1103; bildlich:
der fromme könig sagt:
laszt eure augenlieder
vom weinen ruhn;
den schönen augen
möchts schaden thun
sie so zu laugen!
Wieland 18, 303;
der treue alte sieht dem prinzen in die augen,
wiegt seinen grauen kopf, und nähme gar zu gern
die freiheit, seinen jungen herrn
mit etwas scharfem salz für diese list zu laugen.
23, 7 (Oberon 7, 5).
3)
die salzigen theile mit wasser ausziehen: das salz aus der asche, den alaun aus dem schiefer laugen. Adelung, s. auslaugen. ohne object: man sagt ein fasz lauge, wenn sein inhalt nach dem frischen holze schmeckt. ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 339, Z. 72.

laugen, verb.

laugen, verb.
für läugnen, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 340, Z. 16.

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Zitationshilfe
„läugen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4ugen>, abgerufen am 28.10.2021.

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