Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lauten, verb.

lauten, verb.
sonare. ahd. hlûtên neben hlûtjan (vergl. unten läuten), altnfr. lûdôn: lûdôn sal tonabit gl. Lips. 655; mhd. lûten neben liuten, was sich im begriff nicht wesentlich unterscheidet; sonare luden, luten, lauten, helle luten o. thonen Dief. 542ᵃ; tonare luden, luten, lawten 587ᵇ; luten, schellen, donen oder hellen, sonare. voc. inc. theut. n 2ᵇ. das verbum folgt bezüglich seiner anwendung im allgemeinen dem subst. und adj. laut sp. 364 fg. Es steht
1)
von jedem weithin vernehmbaren tone: lauten, als ein brennender wald, sonare ut sylvae incendio Frisch 1, 588ᵇ; bei der nacht lautet alles stärker, omnis sonus per noctem auctior. ebenda; uns klingt das fremd, wir würden im erstern falle krachen oder prasseln, im letztern lieber tönen sagen, aber es ist dennoch der nachklang alter sprechweise:
weder krapphen noch daʒ smalz
von den werden mannen
selten lûte in der pfannen.
herzog Ernst 3550;
wan si diu sper zerstâchen
so vaste daʒ des bruches klac
lûte alsam ein donerslac
der spaltet daʒ geböume.
Engelhart 4816.
2)
häufiger schon vom klange musicalischer instrumente, wo aber auch heute tönen oder klingen gewöhnlicher ist: an welchem ort jr nu die posaunen lauten höret, da hin versamlet euch zu uns. Neh. 4, 20; helt sichs doch auch also in den dingen, die da lauten, und doch nicht leben. es sei eine pfeife oder eine harfe, wenn sie nicht unterschiedliche stimme von sich geben, wie kan man wissen, was gepfiffen oder geharfet ist? 1 Cor. 14, 7; wa aber das horn dem blaser versagt und nit lauten will. Frank weltb. 148ᵇ; man musz die seiten also stimmen dasz sie zusammen lauten. Lehmann 187;
wo wein gebricht
laut selten die sackpfeifen.
trinklied in Wackernagels leseb. 2, 134, 41;
und von den tönen selbst:
was auch, in irdscher luft und art,
für töne lauten,
die wollen alle herauf (ins paradies);
viele verklingen da unten zu hauf.
Göthe 5, 259.
mit näher bestimmendem adverb: pfeifen und harfen lauten wol, aber eine freundliche rede besser denn beide. Sir. 40, 21; wie die orgel so bedumpfet laute? Schuppius 48; die musik hat gar wol gelautet, musica amicum aliquid et dulce resonavit. Stieler 1093;
das frauenzimmer auch da stundt
in jhrer allerschönsten waht,
den emptern (hochamt) zugehöret hat,
der music und der orgl gethön.
das hat gelaudet also schön,
dasz ich frei daran war verstürzt.
J. Ayrer 140ᵇ (702, 31 Keller);
von einem lauten:
ich wil ein lied von gütigkeit erzwingen,
wie ganz gerecht dein recht ist frölich singen,
mein seitenspiel sol lauten für und für,
o herr, von dir.
Opitz psalm. s. 188.
3)
besonders auch von glocken (wo aber heute die schriftsprache läuten ausschlieszlich verwendet): lauten, klinglen, tinnire Maaler 265ᶜ; der gans lauten hiesz das läuten der glocken am Martinstage, 11. nov. Haltaus jahrzeitbuch 149;
der klocken lauten oder schlagen
wird deine träume nicht verjagen.
Gökingk 1, 138;
denn hörst du wohl? da lautet schon die glocke.
lieder zweier lieb. 82.
sprichwörtlich von einem der nicht das ganze einer sache übersieht, nicht genau in seinem urtheil ist, nicht ordentlich begreift oder versteht: der mann hat lauten hören, aber nicht zusammen schlagen. Lessing 8, 31; freilich hat er lauten hören: nur zusammenschlagen hat er nicht gehört. denn kurz: die deputation, welche das concilium, zufolge der 18ten session, zu untersuchung der verdächtigen bücher niedersetzte, hat er für das concilium selbst genommen. 11, 527; ein ausdruck, bereits alt (vergl. läuten 3) und hergenommen von einem kirchlichen gebrauch, dem zu folge zum hauptgottesdienst zunächst zweimal mit einer einzelnen glocke, und erst das dritte mal mit sämmtlichen glocken geläutet wird (dieses letztere heiszt zusammen läuten oder zusammen schlagen); so bezeichnet das sprichwort bildlich das kennen blosz eines einzelnen stückes, nicht aber auch ein erfassen des ganzen und eine einsicht in verhältnis und harmonie der theile.
4)
lauten, von lebenden wesen, durch die stimme kund geben: antwortet s. Petrus und bekennet, das sie leider allzu viel predigen, und spricht weiter, sie lauten von groszen dingen da doch nichts hinder ist. Luther 2, 125ᵃ (randglosse: reden stolze wort, da nichts hinden ist); nun lautet jedermann so ubel dazu, dasz ich keine hoffnung habe. br. 3, 484. transitiv, etwas lauten, bekannt geben, offenbaren: neque opus est adeo mutito, es ist nicht noth, dasz mans so gar heimlich hält, so gar nichts davon lautet. Faber thes. erud. 1686 1547ᵇ; lauten lassen: wie unser lieber brueder der kunig von Frankreich mit einer groszen macht in Italia gezogen, und durch ein gemein geschray lawten hab lassen, wie er ... krieg füeren wölle. urk. Max. no. 89, s. 83; wenn gott mit uns redet, und reichlich sein wort unter uns lauten lest. Luther 8, 327ᵇ. In der jägersprache: die hunde lauten, geben laut, bellen;
ich hœr nu keines mêr ûʒ allen hunden
nicht wann alleine Harren,
den hœr ich grob lûten understunden.
H. v. Laber 561.
5)
lauten dann auch von der stimme selbst, laut oder hörbar ausbrechen, erschallen, tönen: wenn ich das wort höre lauten, als von oben herab, so gleube ichs, ob ichs wol nicht kan fassen. Luther 6, 65ᵇ; dadurch ich mit einem solchen mordiogeschrei hinaus wischte, das natürlich lautete, wie dasjenige, das mich an denselben ort gebracht hatte. Simpl. 1, 116 Kurz. der infinitiv substantivisch (= laut):
hinter den verschränkten lauben
dieser zweige, dieser stauden
tönt ein menschenähnlichs lauten.
Göthe 41, 124.
die grammatischen laute einer sprache werden eingetheilt in selbstlautende und mitlautende: die abteihlung der teutschen buchstaben oder lettern geschiehet also, dasz etzliche genennet werden selblautende, und etzliche mitlautende ... es werden die vocales, so wir selblautende nennen, auch von andern genant stimmer. Schottel 185. vgl. auch die verben umlauten, ablauten.
6)
mit näher bestimmenden adverbialen zusätzen, dumpf, hell, wol, gleich u. s. w. lauten: du bist ein Galileer, und deine sprache lautet gleich also. Marc. 14, 70; sehet, disz laut den ketzern grell inn oren. Fischart bienk. 121ᵇ;
es laut zwar herrlich in den ohren,
zum herrscher von der welt gebohren,
und gröszer noch von würdigkeit!
Haller schweiz. ged. 12 (die spätern ausg. klingt).
vgl. auch wollautend, übellautend.
7)
hier gern auch in mehr innerlicher bedeutung, und auf sinn und gehalt des lautgemachten betonung legend; so bei worterklärungen: sol man aber die wort lassen gelten, was sie lauten nach der sprachen art, das brot brot heisze, leib leib heisze. Luther 3, 373ᵇ; hie müssen wir ebreisch lernen, und der sprachen gewonen, denn es laut im deudschen gar nichts, wenn ich spreche, gott erleuchte sein angesicht uber dir, und ist doch nicht wol anders zu geben, noch zu verdeudschen, und müssens also ebreisch nachreden, und bleiben lassen. 5, 481ᵇ;
comêtes ist ein sterne
dem namin im geberne
von coma, daʒ hâr lûtit,
sô man iʒ dûtsch bedutit.
Jeroschin 15579;
aber auch sonst: so ist sein wort freilich nicht ein nachwort, sondern ein machtwort, das da schaffet, was es lautet. Luther 3, 445ᵃ; also, wie lautet es (was hätte es für sinn), wenn ich einem ein stück brots gebe, und spreche, nim hin und isz, und in diesem darreichen und heiszen essen, flugs drauf folgete, und spreche, das ist ein pfund golts in meiner tasschen? 69ᵇ; das der tod uber uns gehet, das sehen wir alle wol für augen, aber das er daher kome, von einer geringen sünde wegen, das lautet zu seltzam, und ist ja ungleich, wenn mans solt mit worten ausstreichen und gegenander halten. 6, 232ᵃ; sonst fielen jm solche wort nicht zu, wo er eitel solcher gedanken vol steckete im herzen. darumb lauten sie auch in andern ohren, so nicht mit solchen gedanken umbgehen, gar undeutlich und fremde, als unverstendliche wort. 269ᵇ.
8)
mit folgendem auf, sich beziehen, deutung haben: das busze mehr laut auf unser werk, denn auf des herzen enderung. Luther 1, 55ᵃ; es musz warlich hie nicht ein tuto oder tatta, noch punct noch buchstaben dazwisschen komen, die einen unterschiedlichen und newen verstand anfahen, es laut zu gewaltig auf einander. 3, 69ᵇ; der feldwaibel antwortete: disz alles lautet zwar wol auf meinen schrot. Simpl. 1, 61 Kurz.
9)
lauten, von einer sich verbreitenden rede, einem gerücht: die menner von Coseba, Joas, Saraph, die hausveter worden in Moab, und Jasubi zu Lahem, wie die alte rede lautet. 1 chron. 4, 22; was lieblich, was wol lautet (griech. εὔφημα, lat. bonae famae, goth. vailamêr) ... dem denket nach. Phil. 4, 8; es lautet nicht wol, wenn junge leute faul sein, fama negligentiae adolescenti dedecori est. Stieler 1093. vgl. verlauten.
10)
lauten, in prägnantem sinne, wol lauten, und zwar in bezug auf das äuszere der stimme und rede, wie auch auf den sinn von etwas gesagtem (5—9): das laut, sprach jener knecht, das were doch einmal gut deudsch, das künd man verstehen. Luther 5, 84ᵇ; wer dolmetschen wil, mus groszen vorrat von worten haben, das er die walh könne haben, wo eins an allen orten nicht lauten wil. 143ᵃ; itzt soltu das allein merken, das sie rhümen, es sei der unsern bekentnis verlegt, womit? mit den heiligen evangelien (sagen sie). das hat gelaut (ironisch, das ist wol gesprochen). 290ᵃ; das die Jüden hie geifern, gott habe mit den engeln geredt, da er spricht, wir wollen menschen machen nach unserm bilde etc., das laut nicht, und helt nicht. 6, 544ᵇ; denn es laut nicht, das ein redener wolt sich und sein wort nennen 'wir'. 8, 24ᵇ; und laut nicht, das solcher groszer prophet zu falschen büchern weisen solt. 32ᵃ; es laut nicht, es taugt nicht, es gefällt gott nicht. br. 5, 477; schaue nun, wie sich dieses zu deiner meinung gar nicht reimen, und das jenige, was du wegen der einstimmung fürgebracht, gar nicht lauten wil. Hoffmannswaldau sterb. Socr. 80; greif mit disen worten nach seiner taschen und sang:
drumb beutel auf,   gelt mach den kauf!
herr wirt! das hört ir geren?
'ja, das laut! sagt der schäfer', antwort der wirt. Uhland volksl. 619.
11)
lauten endlich von kundgebungen und eröffnungen aller art, namentlich auch schriftlichen, wo es nur noch den inhalt derselben betont (vgl. laut no. 3 sp. 365), heutzutage noch die einzige allgemein gebliebene bedeutung des verbums: wie obgelut hat. Reuchlin augensp. 16ᵃ; und bracht den brief dem könige Israel, der laut also. 2 kön. 5, 6; es kam aber schrift zu jm von dem propheten Elia, die laut also. 2 chron. 21, 12; die wort, die sie zu jm sandten, lauten also. Esra 5, 7; und lieszen den bund auf messingtafel schreiben ,.. und lautet also. 1 Macc. 8, 22; dein rächnung laut anders dann meine, unsere rächnungen wöllend einanderen nit träffen, a meis rationibus discrepant tuae. Maaler 265ᶜ; oft noch mit ausdrücklichem bezug auf das mündliche kundgeben (vgl. laut a. a. o.): die worte der heiligen schrift lauten folgendermaszen, sagt der prediger bei verlesung des evangeliums auf der kanzel; wie lautet er ungefähr (ein nahme, der nicht einfallen will), quod ad exemplum est? Serz 87ᵇ; wie der name lautet, ut nomen cluet. Kirsch cornuc.; popolo ist ein mächtig und drohend lautender gesamtbegriff. Rumohr nov. 1, 201. — Mit näherer bestimmung durch ortsadverbien oder präpositionen: die summe, worüber die schuldverschreibung lautet; das urtheil lautete auf freisprechung; der wahrspruch der geschworenen lautet auf schuldig; war Wilhelm nach der stadt gekommen, wohin sein brief lautete. Göthe 21, 221.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 372, Z. 47.

lauten, verb.

lauten, verb.
die laute schlagen:
dem ohsen lüen, dem rosse zimt negen nâch der stimmen.
wie sol des esels lûten sîn, sô gouchen zimt dem gouche?
Frauenlop 54, 6
(wie soll es sache des esels sein, die laute zu schlagen? nach dem bekannten sprichworte, vgl. unter laute no. 2).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 375, Z. 22.

läuten, verb.

läuten, verb.
campanas pulsare; ahd. hlûtjan, hlûttan, liutan, mhd. liuten; das ahd. wort bezeichnet, neben dem selteneren hlûten noch jede art des lautmachens, wie auch das ags. hlŷdan clamare, reboare, vociferare, garrire übersetzt, und das niederl. luiden sowol unser lauten als unser läuten ausdrückt; indes schon das mhd. liuten hat meist jenen eingeschränkten sinn, der heute dem worte innewohnt. mundartlich haben sich starke präteritale formen festgesetzt, das part. gelitten ist schlesisch, sächsisch, düringisch, nürnbergisch (Grübel 3, 281ᵇ), es und ein prät. litt läutete stehen schon im 16. und 17. jahrh. nachzuweisen: als er für des schreibers in teutschen haus sein losament kahm, lit er an. Adrian mittheil. 311; ein mesz, ein metten, ein vesper wol an und eingelitten. Garg. 246ᵃ;
da man .. zur frümesz litt.
Birken Guelfis 74.
läuten wird gesagt
1)
vom hervorbringen der laute im grammatischen sinne (vgl. lauten 5):
ein thier schweigt oder schreit, es wiegert oder kräht,
doch aber kan es nie kein wort zusammen leuten,
und wann es gleich was lernt, so kann es doch nicht deuten,
noch antwort mächtig sein auf etwas das man sagt.
Opitz Hug. Grot. wahrh. 364,
jedenfalls unter einflusz des holländischen originals.
2)
sonst vom zusammenschlagen der glocken oder glockenähnlicher instrumente.
a)
transitiv, eine glocke läuten, für kirchliche und feierliche zwecke: mhd.
sît gewis, swenn ir uns komet, ir werdent hôh enpfangen.
ir sît wol wert daʒ wir die gloggen gegen iu liuten.
Walther 28, 14;
sich begunden über al
die glocken selbe liuten.
Gregor. 3587;
nhd. die klocken leuten, trahere, motare campanas, ut clangorem edant. Stieler 1093;
eine grabschrift ist von nöthen, nöthig das man glocken leute.
Logau 3, 206, 88;
die sturmglocke läuten: als die sturmglocke geläutet wurde, schien das ganze volk von schauer und erstaunen ergriffen. Göthe 24, 316; die hausglocke läuten, um eintritt in ein haus zu erlangen.
b)
mit der glocke läuten: mit den glocken zusammen läuten, omnia aera simul pulsare. Steinbach 1, 1002; mit einer schelle leuten, sonare nola et tintinnabulo Stieler 1094; als der könig die stadt betrat, läutete man mit allen glocken.
c)
mit unterdrücktem object: man läutet (nämlich die glocke, oder auch mit der glocke); es wird jetzt zum ersten male geläutet; so baldt man anfieng lüthen, schlich ich stil herab. F. Platter 311 Boos; vom getön der herdenglocken:
hier, wo die herde läutend
im blumengrase geht.
Matthisson ged. 62;
zu, in etwas läuten:
man lûte dâ ze dem münster   nâch gewoneheit.
Nib. 946, 1;
wenn man sunst in den rat lütet, der ein ratsherr ist, der verstot dabei, das er in den rat sol gon, wer ein frembder man, der da wiszt nit, was das lüten bedüte, er hörte die glocken wol. Keisersb. brösaml. 1, 44ᵃ; man hat zum erstenmal in die frükirche geleutet, primum signum auditum est precum matutinarum. Stieler 1094; wenn man dem würdigsten staatsbürger gewöhnlich nur einmal zu grabe läutet. Göthe 37, 14;
ir messner vil dik ze metti lüt.
teufels netz 4668;
einem läuten, mit der glocke ein zeichen geben (z. b. einem diener dasz er kommen soll): ich glaub auch dasz unser herr gott der frau baas in den sinn geben habe, mir hieher zu läuten (sagt eine dienerin zur herrin). Simpl. 2 (1684) 369 (bei Kurz 4, 39, wo aber hieher zu leiten); in Düringen heiszt es einem toten fort läuten, von hinnen läuten, wenn bei seinem begräbnis geläutet wird; in Hessen unter die linde läuten, zur gemeindeversammlung, die dort statt findet. Vilmar 268.
d)
die mette, none, vesper läuten: swenne man fruͤmesse leutet. Nürnb. pol.-ordn. 327;
wol dan, man liutet nône!
Neidhart 16, 37;
von der brûdere gebot
pflac er die metten lûten.
Marienleg. s. 70, 23;
so bald die frühe mette
geläutet ist, noch zwischen tag und nacht.
Wieland 21, 347;
die kirche, die messe einläuten, ausläuten, vgl. unter diesen wörtern; bergmännisch schicht läuten, den anfang und das ende einer schicht durch anschlagen an eine glocke anzeigen. Veith bergwb. 409.
e)
intransitiv: die glocke läutet; alsdann werden die glocken wider lebendig und leuten der fasten gen hymel. Frank weltb. 232ᵃ; die sturmglocken läuteten. Dahlmann gesch. der franz. revol. 446;
nichts hör ich als die fürchterliche glocke,
die uns zur trennung läutet.
Schiller Carlos 5, 11;
der infinitiv substantivisch:
ein halb verwehtes läuten
tönt vom fernen kloster her.
Matthisson der herbstabend.
3)
mannichfach erscheint läuten in bildern und sprichwörtlichen redensarten, in allen fügungen der vorigen bedeutung: hat hören läuten, aber nicht zusammen schlagen. Luther br. 2, 423, vgl. zur erklärung unter lauten 3; die armen heiden hatten wol leuten hören, aber nicht zusammen schlagen, darumb weil Thubal Cain der eltesten schmid einer war, machten sie der götter schmide drausz. Mathes. Sar. 9ᵃ; die guten leut haben wol leuten hören, aber nit zusammen schlagen. 164ᵃ; herr Grill hat läuten hören, aber nicht zusammenschlagen. Salzmann Conrad Kiefer 75; von dem deutschen kunstsinn und dem dortigen kunstleben kann man wohl sagen: man hört läuten, aber nicht zusammenklingen. Göthe 27, 265; er hat läuten gehört, ohne zu wissen, wo die glocken hängen, quasi per nebulam audivit. Serz 86ᵇ; wenigstens hat der, von welchem sich diese berichtigung herschreibt, .. nur läuten hören, ohne im geringsten zu wissen, wo die glocken hängen. Lessing 10, 281; (haben) die heidnische poëten vorgegeben, di Pallas sei aus dem haupte Jupiters gebohren: aus welchem getichte leicht abzunehmen, das diselben poëten von des Jafets lehre etwas leuten gehört. Butschky kanzl. 811; 'Sylvia ist übermaszen frölich'. sie hat nicht grosze ursach frölich zu sein, wo ich recht habe hören läuten. ich weisz wol, was ich heimlich vernommen habe. A. Gryphius 1698 1, 874; der liebe herr bürgermeister hat hören läuten, aber er weisz nicht in welchem dorfe. Chr. Weise kl. leute 209; bei so mädchen, die jeder wind herumdreht, kann kein mensch errathen, aus welchem dorfe sie eben wieder läuten zu hören meinen. Felder reich u. arm 426; er sihet eben als hab man im ghen himmel geleut. wie ein gestochens kalb. S. Frank sprichw. 2, 20ᵇ; wer vom drohen stirbt, den soll man mit eselsnüssen zu grabe läuten. Pistorius thes. par. 3, 56; während über sein zu ende gehendes zwanzigstes jahr die vesperglocke läutete (es schlosz). J. Paul Tit. 2, 90; freunde, der process hat lange genug gedauert, und euch viel ungelegenheit und kosten gemacht, ich will euch nicht noch mehre machen, und mein ausspruch ist: wer zuerst kommt, der läutet zuerst. Eichendorff Lucanor 83; einen bei der langen glocke läuten lassen, consolari spe inani et tenui. Serz 86ᵇ; mit der sauglocke läuten, verborum turpitudinem adhibere in rebus pudicis. ebenda; er hört gern mit der sauglocke läuten. Simrock sprichw. s. 473; schles. den lümmel läuten. Weinhold 55ᵇ; mit den tellern in der küche läuten. ehe eines mannes 213.
4)
läuten, in bezug auf glockenähnliche töne; bei thieren: über dem märzschnee in hoher luft tönt wie ein silberglöckchen ihr (der haidelerche) gejodel ... es ist entzückend, wenn an schönen märz- oder apriltagen die glöckchen mehrerer männchen zugleich läuten. didaskalia vom 27. juni 1872;
am sumpfe läuten unk und grillen.
A. v. Droste-Hülshoff (1873) 72;
vom gläserklang:
fröhlich hallte der pokale läuten.
Matthisson ged. 31;
unseren herrn bauchpfaffen mit kupfriger nase, den läuten
bald die pokale zu grab: er zecht mit meinem papa jetzt.
Voss 2, 135.
vom klingen des ohres: wenn einem das rechte ohr läutet, spricht man gutes, wenn das linke, schlechtes von ihm; schon wieder habt ihr mich hinter meinem rücken verhandelt, und das linke ohr hat mir geläutet, wartet nur! Uli, ist das schön, mich schon so zu verklagen, wenn ich nur einen augenblick den rücken kehre? J. Gotthelf Uli d. knecht s. 316; läuten des ohres als zeichen nahes todes:
das ohr klingt fort und läutet mir zu grabe,
und da ich überall viel todeszeichen habe,
so zagt dabei mein herz in ungemeiner pein.
Günther 701.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 375, Z. 28.

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„läuten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4uten>, abgerufen am 08.12.2021.

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