Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lauter, m.

lauter, m.
in der grammatischen kunstsprache der durch einen buchstaben bezeichnete laut, zunächst der vocal: und diese fünfe a, e, i, o, u, sind die wahre und ächte teutsche lauter oder selbstlauter. Stieler hochteutsche sprachkunst 5; dann auch der consonant, vgl. die zusammensetzungen doppellauter, halblauter, mitlauter, selbstlauter.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 378, Z. 52.

lauter, adj. und adv.

lauter, adj. und adv.
clarus, purus; pure, mere.
1)
goth. hlutrs oder hlûtrs ἁγνός mit hlutrei und hlutriþa εἰλικρίνεια; alts. altnfr. hluttar luttar, niederd. luter; ags. hlûtor hluttor (im englischen ausgestorben); fries. hlutter; ahd. hlûtar lûtar und hluttar luttar, mhd. lûter, ohne eine bezeugte nebenform mit kurzem stammvocal, die aber in mitteldeutschen dialekten vorhanden war: limpidus lutter (neben lawter, lawtter) Dief. 330ᵇ, wie denn noch heute das von ihr gebildete verbum lüttern läutern, klären (die wäsche) in Düringen lebt. im altnordischen fehlt das wort, das schwed. dän. lutter lauter, rein, nichts als, scheint vom niederdeutschen her entlehnt, das holländ. louter (louter gout, louter zilver, de loutere waarheit) vom hochdeutschen. die verwandtschaft von lauter zu griech. κλύζω für κλυδ-jω spüle, lat. cluere reinigen, clôaca, lit. szluͦju, szloviaú, szluͦti wischen, fegen, wird allseitig anerkannt (vergl. Fick², 354).
2)
lauter bezeichnet das durchsichtig reine, klare, in bezug auf luft und feuer, sowie auf wasser und flüssigkeiten überhaupt. wie es ags. durch splendidus, clarus glossiert wird (Haupts zeitschr. 9, 418ᵃ), ahd. durch clarus, lucidus, liquidus (Graff 4, 1105), und ebenso mhd., nhd.: limpidus lutter o. durchsechtig Dief. 330ᵇ; lauter wie ein brunn, limpidus Maaler 265ᶜ, vgl. auch brunnlauter theil 2, 437, so verbindet es sich gern, seinen begriff verstärkend, mit adjectiven ähnlicher bedeutung, vergl. reinlauter, tirol. pûrlauter Fromm. 6, 443; auch in den formeln lauter und rein, lauter und klar, in eigentlichem, wie in übertragenem sinne: auf das sie bewerd, rein und lauter werden. Dan. 11, 35; es wäre nur zu wünschen, dasz wir ihn (den Donat) lauter und rein hätten. Lessing 11, 263;
(so müssen wir bei nacht) unser gutes recht
uns holen, das doch lauter ist und klar
gleichwie der glanzvoll offne schosz des tages.
Schiller Tell 2, 2;
denn klar lauter folget, das die bawern .. nicht mügen ungehorsam ... genennet werden. Luther 3, 111ᵃ; und sage in summa, dasz alles menschliches leben nichts anders ist, dann ein pur lauters gezänke. Petr. 109ᵇ. — Es steht
a)
mit substantiven des tages, lichtes, feuers: hlûttrôr leohte (luce clarius). Isidor 9, 23 Weinhold; daʒ luttere fiur. Haupts zeitschr. 8, 106ᵃ; ain ieglich tier fräut sich des liehten lautern luftes mêr denn des trüeben. Megenberg 207, 22; diu spinn webt, so daʒ weder lauter ist, niht wen eʒ trüeb ist. 295, 2; da sahen sie die ganze insel ein lauter haupthell feuwer. buch d. liebe 185ᶜ; ags.
þonne ic sinc wege
þurh hlutterne däg, hondweorc smiđa,
gold ofer geardas.
rätsel 21, 7.
in einem bilde: denn die weisheit ist das aller behendest, sie feret und gehet durch alles, so gar lauter ist sie. denn sie ist das hauchen der göttlichen kraft, und ein stral der herrligkeit des allmechtigen. weish. Sal. 7, 24.
b)
häufig vom wasser: alts.
hêt im water dragan
hluttar te handun.
Heliand 4506;
ahd. sô drinkist thu io mit uuillen   thes lûtteren brunnen.
Otfrid 2, 9, 68;
samo die tûbon in den lûteren uuaʒʒeron kunnon praevidere adventum accipitris unte sih vore imo beuuaran. Williram 47, 20; mhd.
eʒ (das schwein) lât den lûtern brunnen
und leit sich in den trüeben pfuol.
minnes. frühl. 29, 31;
nhd. ein lauterer brunne, liquidus fons Dasyp.; alsdenn wil ich jre wasser lauter machen. Hes. 32, 14; er zeiget mir einen lautern strom des lebendigen wassers. offenb. 22, 1; und ward von jm gesant schön luter wasser zu holen. S. Brant bei Steinhöwel 149; sie (die quelle) flieszt lauter aus dem felsen. Stolberg 7, 172;
ein lautrer flusz, der auen und gefilde
befruchtend ziert.
Hagedorn 1, 69,
vergl. dazu ortsnamen wie Lauterbach, Lauterbrunn; bildlich: die quelle, aus der er seine nachricht geschöpft hat, war keine lautere; von andern flüssigkeiten: uuir sculen daʒ pidenchin, daʒ der uuîn unte daʒ ole niemir liutter noh guot ni uuerdunt, ê dei peri kitretan unte kipressit uuerdunt. Müllenhoff u. Scherer¹ no. 86, 5, 32 s. 213; gebeut den kindern Israel, das sie zu dir bringen das allerreinest lauter öle vom olebawmen gestoszen zur leuchten. 2 Mos. 27, 20; faim dy pru und mach sy lauter als ein pru von eynem wasser. kuchenmeisterei b 4; thu darauf ein lauter schmalcz. ebenda; so hastu eine feine lautere sulczen. b 6; lauter honig. Megenberg 320, 5; lauterer wein, ein lauterer trank, im gegensatz zu trübem, vgl. auch unten lautertrank; da man uns nicht lauter trank einschenkt. Ayrer proc. 1, 11; in substantiver stellung und bildlichem gebrauch:
heur trug man mir ain wittwe an,
die sprach, sie hett vor gehabt ain man,
der het kain naht an ir gefeirt,
er het ains oder zwai rab gleirt.
da gedacht ich: hastu den geprechen,
so will ich kain solchs vas an stechen,
darausz das lauter als ist hinwek.
fastn. sp. 701, 25;
metonymisch ein lauteres fasz, fasz mit lauterm inhalt:
und tut im (ihren buhlen) auf ein lautersz fasz
und geit irem man ein trube neig.
fastn. sp. 167, 22.
von rossen: der lauter stall ist anderst nichts, als wann das pferdt das wasser gleicher gestalt, wie es das getrunken, wieder lauter harnet. Seuter rossarzn. 105. vgl. unten lauterstall.
3)
dann auch das klare, reine, glänzende fester gegenstände, in der alten sprache namentlich gern vom glas, wo es noch in die bedeutung 2 eingreift:
sehs glas lanc lûter wolgetân,
dar inne balsam der wol bran.
Parz. 236, 3;
alsô daʒ er wol valsches was
lûter sam ein spiegelglas.
Erec 4642;
daʒ ietweder dem andern was
durhlûter als ein spiegelglas.
Trist. 295, 12;
ähnlich: da stuonden inne steine,
daʒ waren alle gemeine
kristallen lûter als ein îs.
Amis 1003;
von metallglänzenden gegenständen:
der treit ûf sîme houbte   einen helmen glanz,
lûter unde herte,   starc unde ganz.
Nib. 1779, 2;
(das schwert) ist lûter unde stæte   hêrlich unde guot.
2122, 3;
dann aber auch gern vom menschlichen angesichte mit reiner weiszer haut, welches auch sonst als licht und glänzend hervorgehoben wird:
nâch den kom diu künegîn.
ir antlütze gap den schîn,
si wânden alle eʒ wolde tagen.
Parz. 235, 15;
wer sein antlütz clâr und lauter well machen, der schol eʒ waschen mit hong und mit waʒʒer. Megenberg 293, 26; macht daʒ antlütz weiʒ und lauter. 372, 28; ein köstliches wasser, womit ihme das frauenzimmer ein lauteres angesicht machen kan. Nürnberger kochbuch von 1727 s. 746;
diu stirne (der jungfrau) was ir sinwel.
eben und lûter was ir vel,
von rôsenvarwe wîʒe
getempert mit flîʒe.
Wigalois 27, 8;
auch vom glänzenden auge, das dadurch zugleich scharfe sehkraft anzeigt: ahd. oba thîn ouga uuirdit lûttar, thanne ist al thîn lîhhamo liohter; oba thîn ouga aruuertit uuirdit, thanne ist al thîn lîhhamo finstar. Tat. 36, 3; nhd. es ist ein sprichwort, wan sich einer stoszet an ein schinbein, so spricht man, das macht lauter augen (d. h. das macht künftig vorsichtig). Keisersb. brösaml. 1, 26ᵇ; endlich von glänzendem fell und gefieder: flog er auf mit seinen lauteren flügeln bisz zu dem neszte. Steinhöwel (1487) 65ᵇ; der (Luther) ist der lauter schwan, darvon Husz zuvor vor 100 jaren geweiszaget. Mathes. Sar. 93ᵃ;
(da wurde) gegeben hermîn unde grâ:
lûter vêch gap man dâ.
Dietrichs flucht 734.
4)
lauteres gold, lauteres silber bezeichnet nicht nur das glänzende, sondern auch das von schlacken gereinigte, von unedeln beimischungen freie: diu divina eloquia, diu der also lûter sint, samo daʒ gebranta silber, uuanta an in nieman nevindet ieuuet unrehtes, ieuuet scantlîches, ieuuet bôslîches. Williram 26, 16;
wan sibenmahl das silber wird geläuttert,
kan es doch nicht so pur und lautter sein
als gottes wort.
Weckherlin 45;
beide jro kneufe und röhren sollen aus jm (dem leuchter) gehen alles ein ticht lauter gold. 2 Mos. 25, 36; schalen, schüssel, becken, leffel, und pfannen von lauterm golde. 1 kön. 7, 50; (gold in körnern), lustig zu sehen, lauter als sey es förtig und durch des goldtschmids hand aller ding gangen. Frank weltb. 222ᵇ; zehen mark lautern goldts. Aimon bog. J 4; denn es (das geld) an lauterem golde war. Schweinichen 1, 240;
dem wil man ainn jering esel schenken
und tausent silbrein schellen dran henken,
do iezliche an der schweren hot
an lauterm silber zehen lot.
fastn. sp. 765, 20;
fünfhundert gülden also bar
an ducatengold lauter klar.
H. Sachs 3, 1, 145ᵇ;
da zu töpfen, schaufeln, krewel, und alle jre gefesz macht Huram Abif dem könige Salomo zum hause des herrn aus lauterm erz. 2 chron. 4, 16.
5)
lauterer wein ist der unvermischte: lauter oder ganzer wein, darein kein wasser ist, vinum merum Maaler 265ᶜ; merum, ungewässerter wein, stark wein, lauter wein Dasyp.; ob auch im folgenden, ist ungewis, es scheint eher der lautertrank (s. d.) gemeint: denn sol er iro ietwederm selb ander geben ein guet mal von dryen essen, des ersten reben und fleisch und rotten win, des andern essens rueben und fleisch und lutern win, und zue dem dritten essen pfeffer, fleisch und Elsesser. weisth. 4, 287 (Zürich, 15. jh.), ebenso 322. lautere milch: seid girig nach der vernünftigen lautern milch (ἄδολον γάλα), als die jtzt gebornen kindlin. 1 Petr. 2, 2, variante unverfelschten.
6)
lauter, vom getreide, rein, gut: zwainzig metzen lauters waizes. Lexer mhd. handwb. 1, 1996;
ik selƀo bium that thâr sâiu,   endi sind thesa sâliga man
that hluttra hrênkorni.
Heliand 2584;
wie gebt ir des reis ein metzen?
sagt mir, ist es Venedigreis?
'Venedigreis wil ich sein wern (garantieren),
wann es ist lauter und weisz am kern'.
fastn. sp. 368, 19;
wird den lautern weizen,
den ihr gesät, das unkraut endlich nicht
ersticken?
Lessing 2, 343.
vom flachs, rein, ohne scheben: sahe ich dʒ er (der flachs) ganz lauter gelochen und gehächelt was .. und also clar und rain an die hend (zum verarbeiten) berait. Keisersberg geistl. spinn. L 6ᶜ; (flachs) ganz lauter und clar on alle knöpf. L 3ᵃ.
7)
lauter, rein, selbst vom gehör: (weil noch niemand sprichwörter) in unserer muttersprach (als darin sie gleichsam gequollen, und gemeinlich einen bessern natürlichern geschmack, lieblichern und lauterern nachklang, und mehrere wichtigkeit haben, als wann sie in frembde sprachen ubergesetzt, gleichsam als durch einen ablauf geschwächet werden) auszgehen lassen. Zinkgref apophth. 1, vorr. b 3ᵃ;
mein flehen, all mein innigstes verlangen
hat ihm (dem geigeninstrumente) noch keinen lautern ton entlockt.
Uhland ged. 166.
8)
häufig übertragen auf das innenleben des menschen, seine gesinnung, handlungen, reden, thaten, wo es das reine, fleckenlose bezeichnet: alts.
sôhtun that barn godes
mit hluttru hugi.
Heliand 546;
ahd. thaʒ wir thârana uuerkôn   mit uuacherên githankon,
ioh uuir thaʒ io ahtôn   mit lûterên gitrahton.
Otfrid 2, 24, 36;
mhd. so soltûʒ (die furcht gottes unter dem bilde eines daches) denne behenken
mit lûteren gedenken.
altd. bl. 1, 345;
waʒ sol uns grôʒ guot âne lûtere sinne.
Renner 15189;
nhd. dis ist die ander epistel, die ich euch schreibe, jr lieben, in welcher ich erwecke und erinnere ewern lautern sinn. 2 Petr. 3, 1; seine gesinnungen waren edel, seine absichten lauter. Göthe 19, 141; die einfältige und lautere weisheit des christenthums. Wieland 6, 263; um religion lauter und zugleich kraftvoll zu machen. Kant 6, 404; welches von beiden die lautere natur und welches erdichtung ist. 10, 76;
schmähn euch jene, die zum guten
lautern antrieb nie vermuthen.
Uhland ged. 91;
die rede des herrn ist lauter, wie durchleutert silber im erdenen tigel. ps. 12, 7; die gebot des herrn sind lauter, und erleuchten die augen. 19, 9; 'es ist die lauter wahrheit'. die wahrheit ist für sich selbs lauter und rein und bedarf keins schmucks oder mantels. Agricola sprichw. no. 629; die lautere wahrheit zu sagen. Philander 2 (1643) 340; Adelh. was sagtet ihr von mir? Liebetr. die lautre wahrheit. Göthe 8, 60;
drumb soll wir herzlich bitten
und schreyen zu unserm got,
das er uns wolle schicken
sein reines und lauther wort.
Soltau volksl. 278 (16. jahrh.);
es komme wer recht thut,
und das vaterland liebt, und spricht, was lauter und wahr ist!
Klopstock 4, 27;
aber, o sage mir jetzt, und verkündige lautere wahrheit.
Odyssee 1, 170. 225;
adverbial: dasz du einfeltig, vernemlich, lauter und rein predigest und lehrest. Luther tischr. 194ᵃ.
9)
lautere sühne, aufrichtige:
ein suone lûter und ein vride
wart gemachet under in:
ir zweiger vîntschaft was dahin.
K. v. Würzburg Otte 726,
und danach: ihr zweier feindschaft war dahin und eine lautere sühne gemachet. Grimm deutsche sagen no. 477, th. 2 (1866) s. 145.
10)
lauter auch vom menschen selbst mit reiner gesinnung (oben 8): die ander crone (des kaisers) ist silberin, die bedütet das er sol luter und gereht sin. d. städtechr. 8, 406, 16; eine luter juncfrowe. 9, 514, 7; und was (der papst) küsche, daʒ men meinet, er stürbe luter maget. 592, 20; du sprichst, meine rede ist rein, und lauter bin ich fur deinen augen. Hiob 11, 4; (die weisheit) gehet durch alle geister, wie verstendig, lauter, scharf sie sind. weish. Sal. 7, 23; das ir prüfen müget, was das beste sei, auf das ir seid lauter und unanstöszig bis auf den tag Christi. Phil. 1, 10;
so wurd die welt fein lauter, new;
frumbkeit, einfalt, glaub, lieb und trew,
die kemen alle wider gleich.
B. Waldis Esop 4, 100, 123.
11)
aus dem begriff des reinen in den des sündefreien umschlagend, mit entsprechendem beisatz: alts.
that gi thurh mîn handgiwerk   hluttra werđan
lêđarô gilêstô.
Heliand 885;
mhd. alsô daʒ er valsches was
lûter sam ein spiegelglas.
Erec 4643;
doch ist vil lûter vor valsche ir der lîp.
minnes. frühl. 122, 14;
nhd. wer kan sagen, ich bin rein in meim herzen? und lauter von meiner sünde? spr. Sal. 20, 9.
12)
auch sonst entsteht aus der vorstellung des durchsichtigen und reinen die des leeren: dem metzer wolt die zeit (des prozesses) zu lange und der seckel lauter werden. Kirchhof wendunm. 128ᵃ; dame. und alle (goldenen eier) massiv? Papageno. bis auf einige die lauter waren (leer, hohl). Göthe 11, 220. vgl. dazu unten läutern 1, e.
13)
aber auch andererseits des klaren und deutlichen, besonders in bezug auf mündlich und schriftlich geäuszertes: ob etwas .. von mir uszgangen gefunden würde das ainem der es list nitt ganz lauter syn wölt. Reuchlin verst. Bᵇ; dieweil aus seinem unchristlichen liegen und falschem schweren lauter ist, aus was meinung und geist er geschrieben hat. Luther 1, 369ᵃ; sy alsdann jrer provision auch bezalet und von yedem ain lawtere quittung nemet. urk. Max. no. 148 s. 162; nun hat Mose einen lautern befelh. Mathesius Sar. 43ᵇ; eine stelle (eines gesetzes, einer schrift) ist lauter, klar, deutlich. Schm. 1, 1531 Fromm.; adverbial: wann nun die recht lauter sagten, daʒ sich ein yeder man auf dem seinen wol befriden möcht. d. städtechr. 2, 388 anm. 2; so aber ich in e. kays. mt. urbarpuch zu Stainach lauter find, wie etlich nachpawren auf Obernberg .. huener und ayr inn das vorberuert ambt alle jar ze geben und ze raichen schuldig sein. urk. Max. no. 228 s. 306; wil ich nachvolgend ein mans haupt leutrer dann vor beschreiben und aufreiszen. A. Dürer vier bücher von menschl. proport. D 6ᵇ; dasz kein gelehrter anderst als lauter und deitlich schreiben soll. Rompler vorrede s. 17;
wiltu .. jhm dein tochter abschlagen,
will ich dirs jetzt lauter sagen,
dasz er sie dir mit gwalt wird nemen.
J. Ayrer 209ᵃ (1040, 32 Keller);
gewisz, die kunst steckt nicht in dem gezwungnen schreiben
und trüber heimlichkeit. wer lauter schreiben kan,
der gehet allen für, den liebet iederman.
J. Küefer bei Rompler 233.
14)
lauter, den sinn rein, blosz, bar, nichts als, annehmend: do wurdent die orgeln gemaht von meister Clawes Karlen, der waʒ ein zimberman und ein luterre leye. d. städtechron. 8, 133, 17; wenn man heutes tags den Jüden zugebe, dasz Christus ein lauter mensch were. Luther 3, 36ᵃ; welchs ist ein lauter freveler mutwille. 69ᵃ; (Carlstadt) füret keinen grund noch schrift, noch ursache, das sich kein gewissen kan darauf stönen oder verlassen, es wölt denn sich lassen auf lautere wort d. Carlstads. 77ᵇ; da were der bawren aufrhur ein lauter scherz und spiel gewest. Luther 4, 538ᵃ; die euszerliche gesetze und bepstliche werk .. die ein lauter unflat sind gegen die werk der zehen gebot. 5, 219ᵃ; des guts ist bei uns doch so viel, das solche güter ein lauter kot dagegen sind. 301ᵃ; aber das es eine lauter hülsen sei, sihet man dabei, das sie nicht denken darnach zu leben. 6, 52ᵇ; so wird es gewislich nichts sein, sondern ein lauter falscher traum vom glauben. ebenda; aus deinen eigen worten höret man, das du ein lauter narr bist. 6, 256ᵃ; das ist nu nicht mehr eines schwachen, oder lautern natürlichen menschen werk. 8, 285ᵇ; disz leben ist doch ein lauter schmeiszhaus. tischr. 411ᵇ; wie du mit jnen umbgangen bist, aus lauterm hasz. Hes. 35, 11; aber glück, das selten etwas in lautern freuden zergehen läszt, warf des leids samen unter dise ding. Livius von Schöfferlin 9; und er (Witzel) der sach zu mal ganz gar ein lauter kind und elender narr ist. Alberus widder Witzeln G 8ᵇ; ist ein lauters kindt. Katziporus R 8ᵃ; des papsts, der ja kein lauterer mensch, sondern gott auf erden ist. Fischart bienk. 136ᵇ; welche ausz lauterer barmherzigkeit und genad gottes, umb Christi Jesu willen vergebung jhrer sünden erlangt haben. 107ᵇ; wie werden solche studenteneid, von manchem liederlichen bürschlein, vor ein lauter affenwerk und kinderspiel gehalten. Schuppius 265; soffen sie sich so voll, als die birstenbinder, und wurden von lauterer opinion (der meinung guten wein zu trinken) vol und tol. 543; (leute die) allerhand stücklein erdichten, welche solche reiche Hansen vor lautere oracula und warhaftige dinge halten. 548; daselbsten zween hohe lautere steinfelsen gerade und schnurstrack über sich gegen einander stehen. anm. weiszh. lustg. 437; aus einem lauterem bloszen steinfelsen wachse eine grosze starke linde, daran man kein erde spüret. ebenda; die leut möchten sonst vermeinen, die fräulein Rosamunda wär ein lautere hur. (Abr. a S. Clara) hundert ausbündiger närrinnen (Wien 1713) s. 8; nim dir für einem jden zu beantworten, der sich bemühet hat, dir zu sreiben. gröszeren beantworten, ist einer genötigte sache; einen gleiches standes, ein freier wille; der wenigern aber, lautere tugend. Butschky kanzl. 61;
die glerten sagen jetzundt frei,
das nur ein lauter fürwitz sei,
das man gen Rom, sanct Jacob lauft.
B. Waldis Esop 4, 1, 104;
auch ein seltzamer grillenreiser,
im grund ein lauter bawrnbescheiszer.
H. Sachs 4, 3, 83ᵇ;
die augen sperrt er auf gar starr
nicht anders als ein lauter narr.
G. Mauricius comöd v. schulwesen (1606) A 7ᵇ;
so hat der, welcher liebt, der sinnen gar kein zeichen,
und ist ein lauter kind.
Opitz 2, 231;
es sei aus lauterm neid, dasz er sie also schmäht.
D. v. d. Werder Ariost 7, 17, 7;
um schutz der könige buhlt nicht die gute sache.
und lautre groszmuth ists, dasz ich den todesraub
dir weih, Aegisth.
Gotter 2, 99 (70).
15)
dieses lauter wird seit dem 16. jahrh. ein flexionsloser, in der nominativform erstarrter collectivbegriff, der auch so in verbindung mit pluralen substantiven steht (im gegensatz zu theil 3, 387 ff. darf lauter hier wol nicht als adverbialform aufgefaszt werden, wie eine vergleichung der folgenden belege mit denen von no. 14 lehrt). Es findet sich:
a)
nach präpositionen, mit substantiven im singular: ich hab dich je und je geliebet, darumb hab ich dich zu mir gezogen, aus lauter güte. Jer. 31, 3; aus lauter gnade und barmherzigkeit. pers. rosenth. 8, 4;
auch kundt ich nit gnug sehen mir
desz neuen schönen messen brunnen (zu Augsburg),
den sie neulich gebaut jetzunnen,
der so vil schöns springwassers geit
von lauter wasserkunst bereit.
J. Ayrer 103ᶜ (522, 3 Keller);
zwar es gebührt die zier der angenehmen tage,
dasz man von lauter lust und schönem wesen sage.
P. Fleming 121;
sich in lauter dunst auflösen. Kant 2, 330; natur, die ihre kinder auf dem kürzesten wege zu jenem glücklichleben führt, wohin wir aufgeklärten leute vor lauter menge der wege die dahin führen, so selten gelangen können. Wieland 24, 63; dieses (volk) weisz niemals für lauter wollen, was es will. Göthe 23, 258; dem schnarren einer groszen orgelpfeife, die vor lauter umfang keinen entschiedenen ton von sich gibt. 9; langsam ging er vor lauter schlaf vorbei. J. Paul Hesp. 1, 276;
(das) dort, belohnt mit lauter gott,
(das) hier, bezahlt mit lauter tod.
Logau 1, 56, 26.
mit substantiven im plural: die gesellschaft war aus lauter solchen personen zusammengesetzt, welche die vorrechte des vertrautesten umgangs in diesem hause genossen. Wieland 1, 200; mitten unter lauter hirten und ackerleuten. 7, 112; zwischen frohen sonntagen in lauter blumen und bei geliebten gesichtern. J. Paul Hesp. 1, 46;
es macht poetisch tichten
dasz alles bleibt im liechten,
sonst fiel in lauter nächte
was herz und witz verbrächte.
Logau 3, 102;
die herren dieser art blendt oft zu vieles licht;
sie sehn den wald vor lauter bäumen nicht.
Wieland 9, 52.
b)
im nom. und acc., mit folgendem singular: fanden auch das er nicht lauter unwahrheit sagte. Schütz Preuszen 110; lauter klugheit. Göthe 14, 273;
dein thun ist lauter segen,
dein gang ist lauter licht.
P. Gerhard s. 186 Gödeke;
der freunde gegenwart, die sonst pflegt lieb zu sein,
ist lauter gall und gift.
Opitz 2, 179;
mit folgendem plural: hier giebt es fast lauter wolhabende leute; dieses städtchen hat lauter ackerbürger; die nichts haben, denn lauter kleine stück. Klopstock 12, 117; lauter ausdrücke, deren sich hr. Eberhard selbst bedient. Kant 3, 358; es sind lauter lügen. Göthe 14, 274; lauter abschätzige sklaven zu seinen füszen, lauter schändliche der schamröthe unfähige schmeichler an seinem ohr! Wieland 7, 102.
c)
häufig von menschen in formelhaften verbindungen mit dem verbum des seins: er ist lauter gemüth, alles andere an ihm tritt gegen das gemüt zurück; ein mensch, der lauter seele ist. Wieland 1, 185; wenn wir am besten gespielt haben, hat uns niemand zugehört; alles war lauter parteilichkeit. Göthe 19, 19;
wir wurden alle lauter sieg,
und lachten ihrer (der feinde) zahl.
Gleim 4, 32;
wenn ich, augenlust zu finden,
unter schatticht kühlen linden
schielend auf und nieder gehe,
und ein schönes mädchen sehe,
möcht ich lauter auge sein.
Lessing 1, 53;
o Zevs, ruft er entzückt,
o lasz mich ewig hier wie eine säule stehen,
und, lauter auge, nichts als diesen anblick sehen!
Wieland 10, 179;
denn, lasz die Seladons so viel sie wollen sagen,
wer liebt sei lauter herz; man hat auch einen magen!
17, 190 (Idris 3, 107);
beim eintritt in den hof erwarten ihn zwei reihen
von nymfen, alle jung und lauter lieblichkeit.
277 (Idris 5, 42);
die schöne Klelia war eine von den seelen
der fosforischen art, die lauter flamme sind
wie Amor sie berührt.
21, 205.
d)
in ungewöhnlicher fügung:
ich bet hinan und lobgesang
ist lauter mein gebet.
Göthe 2, 184,
statt lauter lobgesang ist mein gebet.
16)
nahe zu den vorigen bedeutungen (14. 15) steht die bedeutung völlig, durchaus, gänzlich, seltener als adjectiv: zu lauter eigen lassen. Ayrer proc. 1, 1; eine lautere unmöglichkeit. Schm. 1, 1531 Fromm.; die ebene wird manchmal ein lauterer see. ebenda (neben noch andern belegen);
die luft ward lauter see (vom regen).
Opitz 2, 282;
Wilhelmus ist der namen mein
und das hausz ist mein lauter eigen.
J. Ayrer 403ᶜ (2026, 20 Keller).
häufig als adverb in der ältern sprache: (die straszen) lauter offen und unversperrt (zu erhalten). d. städtechron. 2, 399, 8; an den kere ich mich lauter nichts. Luther 3, 169ᵃ; denn der rechte, einige, warhaftige gott ist der, .. der seine gnade und güte lauter umb sonst, on werk und verdienst, gibt, und schenkt. 205ᵃ; das sie gnade und barmherzigkeit, und alles gut von gott haben, lauter umb sonst, on allen verdienst. 5, 132ᵇ; ich frage lauter nichts nach der gaukelei. 147ᵃ; so hilft mich mein lesen in der schrift zur seligkeit lauter nichts. 8, 259ᵇ; dasz sie lauter kein nütze für gott sein. br. 2, 344; denn der heiden götter sind lauter nichts. Jer. 10, 3; darumb so wöll er ihme auch solches remedium lauter vorbehalten und keineswegs begeben. Ayrer proc. 2, 4; (die) durchausz nichts von mir nehmen, sondern mich lauter umbsonst so wol diese als noch wol andere vortreffliche stück lehren wolten. Simpl. 4, 153 Kurz;
Johannes in (Christum) verkündet schon ..
mit fingern auf in zéigen tet,
das wer an in den glauben het,
solt ewiglichen selig sein;
die jüdisch schar sprach lauter nein,
und wolten in annemen nicht.
B. Krüger, schausp. aus d. 16. jahrh. 2, 12, 36 Tittmann;
dasz ich lauter sorg, er werd sterbn.
J. Ayrer 142ᵈ (715, 11 Keller);
solt er lection aufsagen,
wust er lauter nichts davon.
Opitz 2, 196;
ist liebe lauter nichts, wie dasz sie mich entzündet?
223.
in der verbindung lauter und ganz: (dasz er sich) zu recht lauter und ganz heilsam versehen (möchte). Ayrer proc. 2, 2.
17)
in derselben adverbialen stellung auch einzig, blosz: denn ich nicht wil auf mein weisheit, frömkeit, warheit, als sie leren und thun, sondern lauter auf dich und deine gnade mein trost setzen. Luther 1, 29ᵃ; sol jemand lauter und blos gleuben auf gottes wort, so mus es der heilige geist schaffen und wirken im herzen. 3, 260ᵇ; ohn unser verdienst, thun, odder gedenken, lauter aus gnaden. br. 3, 79.
18)
in Tirol und Kärnten heiszt lauter auch flüssig, weich, z. b. vom brei; lautere suppe, suppe in der wenig brocken sind; gib mir e lauters, gib mir flüssiges, brühe ohne brocken. Fromm. 6, 443. Lexer 174.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 378, Z. 58.

läuter, m.

läuter, m.
der die glocken läutet.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 2 (1878), Bd. VI (1885), Sp. 384, Z. 82.

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Zitationshilfe
„läuter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4uter>, abgerufen am 02.12.2021.

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