Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lautern, verb.

lautern, verb.
lauter, rein werden: keine stunde verging, war alles an seinem orte, menschlich sah es wieder aus, und nach hergestellter ordnung war es wirklich sichtbar, dasz die kleinen leute was geschafft und nichts unnützes, denn es hatte überall gelautert. J. Gotthelf schuldenb. 199.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 386, Z. 46.

läutern, verb.

läutern, verb.
lauter machen. ahd. hlûtaran, hlûttran, hluttran, mhd. liutern; daneben ahd. hlûtarôn (purgatam gelûterôteʒ Prud. glosse in Graffs Diutiska 2, 317ᵃ), mitteld. lûtern, ags. hluttrian, eine form, der ein seltenes nhd. unumgelautetes lautern entspricht: clarificare lutern Dief. 125ᶜ; defecare luterin, luteren, lutern, lautern (neben leutern) 169ᶜ; lavendil oft in die nasen gehalten und daran gerochen, lautert die augen und sterkt sie wol. Tallat arzneibuchlein der kreutter (Erfurt 1532) bl. 23. Das verbum steht, dem adj. lauter entsprechend,
1)
transitiv oder reflexiv, in sinnlicher bedeutung.
a)
von der luft, von durchsichtigen flüssigkeiten (vgl. lauter 2): das oel wird von dem oelgärtner aus den oliven (oelbeeren) ausgepresset, darnach ofters abgeseiget, abgegossen und geläutert. Comenius sprachenth. von Docemius § 383; trübes wasser läutern, aquam turbidam deliquare Steinbach 1, 1003; der wein wird damit geläutert, vinum isthoc defaecatur. ebenda; er läutert den saft, succum eliquat. ebenda; zu eben der zeit, da sich droben der himmel läutert und sondert, siehe! sondert und läutert sich nieden die erde. Herder bei Campe (s. v. nieden);
wir sehn das güldne liecht der sonnen besser blinken (nun du fürstin zurückgekommen bist),
den sanften westwind gehn, die sternen auf dich winken:
dir grünet berg und thal, dir läutert sich die luft.
Opitz 2, 8;
der himmel läutert sich.
Weckherlin 250.
b)
von metallen und mineralien:
(ein sattel) was von helfenbeine
und von edelem gesteine,
joch von dem besten golde
daʒ ie werden solde
geliutert in dem fiure.
Erec 7532;
du hast uns versucht, und geleutert, wie das silber geleutert wird. ps. 66, 10; er wird die kinder Levi reinigen und leutern, wie gold und silber. Maleachi 3, 3; das feüwr reiniget oder leüteret das metall, ignis excoquit vitium metalli Maaler 269ᵃ; so findestu des (schwefels) mehrern theils vorn in der schnauzen der retorten schön und gelb, doch ists noch ungeleuterter schwefel, der in starkem feuer musz geleutert werden. Erker beschreib. aller erzt (1580) 99ᵃ; wiltu aber den rohen salpeter recht und schön von seinem salz und aller unreinigkeit leutern, dasz er schön und weisz werde. 130ᵇ; da unsere groszen griechischen vorfahren sich schon längst des edelsten und des darstellenswerthesten bemächtigt und wir also aus ihren schmelzöfen schon das geläuterte gold erhalten könnten, das wir aus schutt und grusz der natur nur mühselig ausklaubend als kümmerlichen gewinn eines vergeudeten lebens bedauern müssen. Göthe 39, 145;
wan sibenmahl das silber wird geläuttert,
kan es doch nicht so pur und lautter sein
als gottes wort.
Weckherlin 45;
von der reinheit und dem glanz der steine:
dirre mislîche schîn (des marmors)
sô g'ebent und sô geliutert was
daʒ er glaste sam ein glas
geworht mit schœnen witzen.
Erec 8220;
die steine, die der bach läutert. Hippel 7, 142.
c)
vom glanz des angesichtes (vgl. lauter 3): sein antlitz sei von ehre, ehrlichkeit, milde und frömmigkeit erhöht und geläutert, dasz er ihr jugendlicher erscheine als Kugler und andere. Arnim kronenw. 1, 223; und vom glanze der augen, denen zugleich scharfe sehkraft entspricht: aber dagegen sollen wir klug sein, und die augen wol leutern, das wir mögen erkennen und gros machen, nicht allein den schatz, sondern auch die augen und verstand, das wir wissen, was uns von gott gegeben ist. Luther 6, 241ᵃ; sehet mit allem vleis zu, das jr die augen leutert, und recht aufthut. 8, 258ᵇ.
d)
läutern, in der sprache der gewerbe und der haushaltung: beim brantweinbrenner, den bei der ersten destillation herüber gegangenen trüben brantwein durch nochmaliges abziehen klar und stärker und durch zusatz verschiedener kräuter und gewürze angenehm machen; den zucker läutern, beim conditor, den zum einkochen bestimmten zucker über einem feuer zu einem sirup kochen und vermittelst wasser und eiweisz von aller unreinigkeit reinigen; in gemeltem haus (zu Venedig) würt auch der zucker finirt und geleitert. Kiechel 162; das weiszgare lammsleder läutern, beim weiszgerber, es auf dem schabebaum zu seiner feinheit ausarbeiten; beim hutmacher heiszt läutern, die wolle und haare ausschütteln, reinigen, und dazu mit stöcken schlagen. Jacobsson 2, 574; läutern, bei den kürschnern, das fette aus den haaren mit einer heiszen materie bringen. Frisch 1, 590ᵃ; das weisze sive gewaschene zeug leutern, sive ausleutern, lintea lota ex aqua frigida eluere et elutare. Stieler 1095.
e)
läutern aus dem begriff reinigen in den des leerens übergehend: kompt dann Mars und fangt an, in ihren kästen, scheuren, ställen und gütern zu läutern oder vielmehr zu verwüsten. Simpl. 4, 165 Kurz; im forstwesen heiszt einen wald läutern, ihn durch aushauen von bäumen lichten.
2)
läutern, in übertragener bedeutung.
a)
läutern, klar machen, von begriffen (vgl. dazu erläutern): dann disz heiszt alles geleutert (erklärt, von katholischen lehrbegriffen). Fischart bienk. 60ᵇ; reflexiv: die begriffe läutern sich. Kant 3, 93.
b)
auch, moralisch gewendet, von dem menschen und seinen seelen- und gemütskräften: e. k. f. g. wollte ihr gemuthe selbs gegen ihn läutern und deuten, als das sie zufrieden sei. Luther br. 3, 91; prüfe mich herr, und versuche mich, leutere meine nieren und mein herz. ps. 26, 2; sihe, ich wil dich leutern, aber nicht wie silber, sondern ich wil dich auserwelet machen im ofen des elendes. Jes. 48, 10; gesunde und geläuterte vernunft. ehe eines weibes 398; überlegte feste und geläuterte grundsätze. Kant 5, 208; geläuterte eitelkeit, wie sie das mitleiden wohl eher genannt haben. Möser patr. phant. 2, 39; wie das feuer gold läutert, und das holz verbrennt, so läutern schicksale währschafte seelen, während sie schwache zermalmen. J. Gotthelf schuldenb. 397; ein mann, den unglück und erfahrung geläutert haben. Klinger 1, 435;
fürchten
sie keine wallung mehr von mir. es ist
vorbei. ein reiner feuer hat mein wesen
geläutert.
Schiller Carlos 5, 11;
mit unterdrücktem object:
hier auch läutert die lieb, und beseliget.
Voss 2, 18.
c)
endlich vom klären und heben der lebenskraft: golt (als medizin) hât die art, daʒ eʒ kreftigt und läutert oder rainigt. Megenberg 474, 27; (electuarium ex gemmis) läutert und erklärt die leblichen geister. Ryff spiegel der ges. (1574) 266ᵃ.
3)
läutern, in erweiterter construction, die sinnliche und übertragene bedeutung (1 und 2) etwas verändernd.
a)
etwas von etwas läutern, durch läutern befreien: was ein weiser sagt: das feuer läutere unsern geist von den hindernissen seiner glückseligkeit. Klinger 10, 192;
der most der gährend sich vom schaum geläutert,
er wird zum trank, der geist und sinn erheitert.
Göthe 11, 332.
die alte sprache brauchte für die praeposition mit dem dativ den genitiv: daʒ du mih peʒʒerest unde du mih liuterôst mînerô sundon. Notker ps. 25, 2; oder auch die praep. vor:
den priester, der geliutert schein
vor wandelbaren sinnen.
K. v. Würzburg Pantaleon 1678.
b)
etwas zu etwas läutern, läuternd emporheben, verklären: junger thaler! .. wie wirst du rastlos umherirren, durch reine und schmutzige hände, jahrhundertelang, bis du endlich schuldbeladen und sündenmüd versammelt wirst zu den deinigen im schosze Abrahams, der dich einschmelzt und läutert und umbildet zu einem neuen bessern sein. H. Heine 1, 28;
vom ersten glase (des weins) war mein blut zu geist geläutert,
die stirn entwölkt, das herz erweitert.
Wieland 17, 190 (Idris 3, 108);
Gerstenberg, altedler, du tauchst in deines
denkers Kant tiefsinn dich hinab, und förderst
aus dem schacht reichhaltiges erz, zu hellem
golde geläutert.
Voss 3, 214;
der tod hat eine reinigende kraft,
in seinem unvergänglichen palaste
zu ächter tugend reinem diamant
das sterbliche zu läutern und die flecken
der mangelhaften menschheit zu verzehren.
Schiller braut von Mess. v. 2737.
4)
läutern, in der juristischen sprache, einen richterspruch oder eine entscheidung an die höhere instanz ziehen, auf dasz er erläutert oder verbessert werde: dasz ein oder der ander theil zu appelliren, provociren oder zu läutern ursach habe. Ayrer proc. 2, 4; auch von der thätigkeit des höheren richters selbst, belege bei Haltaus 1207; läutern, einen richterspruch, einen text. Schm. 1, 1531 Fromm. vgl. dazu läuterieren.
5)
läutern, intransitiv, lauter werden (statt des seltenen lautern sp. 386): leutern, clarescere, clarere (neben depurare, serenare). voc. inc. theut. m 3ᵇ; auch soll man sich versehen, das es (das leinöl) ablosz (seine unreinigkeit zu boden setze) und laüter und nit dick oder voll kötz sei, dann doran geet sünst vill ab. Tucher baumeisterb. 116, 25;
wâ adel adellîcher tât,
der adel liutert immer.
minnes. 2, 258ᵃ Hagen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 386, Z. 51.

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Zitationshilfe
„läutern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%A4utern>, abgerufen am 26.10.2021.

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