Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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löbelich

löbelich,
s. löblich.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1078, Z. 79.

löblich, adj. und adv.

löblich, adj. und adv.
in mehrfachem sinne.
1)
laudabilis: loblich, lobs wärt, das ze loben ist, laudabilis, probabilis Maaler 274ᶜ; ahd. loplîh, lobelîh, mhd. loblîch, lobelîch; der umlaut beginnt vereinzelt im 13. bis 15. jahrh. hervor zu treten: wer mach (mag) wiʒʒen, waʒ gût oder bose sîe, oder waʒ lobelich oder unlebelic sî. Adrian mittheil. 421 (13. jahrh.); laudabilis löblich Dief. 321ᵃ (von 1440), ist aber noch im 16. jahrh. nicht durchgedrungen. auch ags. findet sich loflîc: laudabili, honorabili of loflîcere. glossen in Haupts ztschr. 9, 498ᵇ; mniederd. lovelic, loflic Dief. a. a. o.
a)
attributiv oder substantiv von personen: es stehet in gottes handen, das einem regenten gerate, der selbe gibt jm einen löblichen canzler. Sir. 10, 5; dasz die bösen fromm, und die frommen und löblichen vor böse geachtet und auszgeschrien werden. Schuppius 527;
die wîle ich weiʒ drî hove sô lobelîcher manne,
sô ist mîn wîn gelesen unde sûset wol mîn pfanne.
Walther 34, 34;
der in herzlicher liebe brennet
gen einem edlen weib, genennet
Giovanna, an gut ser reiche,
an eren stet und gar lobleiche.
H. Sachs dicht. 1, 137, 8 Gödeke;
gewöhnlich nur im falle des titels, unten no. 2, sonst in der neuern sprache durch lobenswürdig ersetzt.
b)
von dingen, die wegen des eindrucks, den sie auf sinne und herz machen, zu loben sind: und der herr macht Salomo jmer gröszer fur dem ganzen Israel, und gab jm ein löblich königreich, das keiner vor jm uber Israel gehabt hatte. 1 chron. 30, 25; und machten ein löblich bilde des herrlichen königes. weish. Sal. 14, 17; wer kan die groszen thaten des herrn ausreden? und alle seine löbliche werk preisen? ps. 106, 2;
man sol hœren süeʒeʒ singen
in dien ouwen über al
lobelîchen sang erklingen,
sunder von der nahtegal.
minnes. 1, 65ᵃ Hagen;
häufiger von dingen, die vor unserm sittlichen urtheil zu loben sind: eine löbliche that, ein löbliches werk, löbliche sitten, gewohnheiten, löbliches leben; du bist ein ehre des ganzen volks, das du solch löbliche that gethan hast. Judith 15, 12; sie haben jre königreiche wol regiret, und löbliche thaten gethan. Sir. 44, 3; er thet ein löblich werk, das er das volk wider zu rechter ordnung bracht. 50, 5; die guten löblichen sitten, von den alten königen geordnet, thet er gar abe. 2 Macc. 4, 5; loblicher tod, mors bona Maaler 274ᶜ; Philippus ein könig in Macedonien, hatte die löbliche gewohnheit, dasz .. Chr. Weise erzn. 132 Braune; löblich, vortrefflich, göttlich! rufen die schwärmerischen bewunderer der heroischen tugend. Wieland 2, 305; so dasz die kunst nicht sinken kann, ohne in löbliches handwerk überzugehen. Göthe 23, 33;
eʒn wart nie lobelîcher leben,
swer sô dem ende rehte tuot.
Walther 67, 6;
swaʒ lobelîches an im was.
Trist. 27, 36;
hier sind wir versammelt zu löblichem thun.
Göthe 1, 159;
im innern ist ein universum auch;
daher der völker löblicher gebrauch,
dasz jeglicher das beste was er kennt,
er gott, ja seinen gott benennt.
2, 228;
löblich ironisch: wahrscheinlich hatte Unger sie nach seiner löblichen gewohnheit durch einschlag geschickt, und sie liegen ich weisz nicht wo. an Schiller 222.
c)
prädicativ, einer ist löblich (an oben a angeschlossen); von gott selbst: der herr ist gros und fast löblich, und herrlich uber alle ander götter. 1 chron. 17, 25; der herr ist gros und seer löblich, und seine grösze ist unaussprechlich. ps. 145, 3; von personen: also sind sie alle zu jren zeiten löblich gewest, und bei jrem leben gerümbt. Sir. 44, 7;
wer andre loben wil, musz selbsten löblich sein.
Logau 1, 91, 82;
eine sache, etwas ist löblich (an oben b angeschlossen): was er ordnet, ist löblich und herrlich. ps. 111, 3;
der üm lobes willen thut
das was löblich ist und gut.
Logau 1, 54, 15;
löblich wird ein tolles streben,
wenn es kurz ist und mit sinn.
Göthe 3, 174;
etwas ist löblich an einem: ist aber die klugheit löblich an einem armen, wie viel mehr an einem reichen? Sir. 10, 34; 'ich wüszte doch nicht, dasz sie den mindesten eindruck auf mich gemacht hätte'. das ist löblich an dir, sagte Charlotte, denn ich war ja gegenwärtig. Göthe 17, 20.
d)
löblich adverbial, wobei in alten beispielen die oben b im eingange erwähnte verwendung hervortritt: schmück dich mit pracht, und erhebe dich, zeuch dich löblich und herrlich an. Hiob 40, 5; es stehet herrlich und prechtig fur jm, und gehet gewaltiglich und löblich zu in seinem heiligthum. ps. 96, 6. in der form loblichen: der herrlich küng ... den ritter auch begabet, die junkfrawen seine töchter loblichen eret. Steinhöwel Dec. 618, 28; jetzt auf sittliche eigenschaften bezogen: er versieht das geschäft so löblich und treu als wenn es sein eigenes wäre. Göthe 23, 167;
hör auf doch mit weisheit zu prahlen, zu prangen,
bescheidenheit würde dir löblicher stehn.
3, 246.
2)
eine formelhafte verwendung des adjectivs im zusatze zu persönlichen substantiven macht sich schon mhd. und später geltend:
Gunthere und Gêrnôt, die recken lobelîch.
Nib. 4, 2;
der werde künic lobelich
erkande wol der Kriechen sin.
troj. krieg 24782;
dô kêrte nâch dem wurme der degen lobelîch.
Wolfdietr. A 595, 3;
ein kindelein so löbelich
ist uns geporen heute
von einer jungfraw seuberlich.
Wackernagel kirchenl. 3, 520;
hiervon geht der gebrauch des adjectivs als förmlicher titelhafter zusatz aus (vgl. dazu hochlöblich); bei personen: sprüchwörter der löblichen alten Teutschen. Kirchhof mil. disc. 5; nach Heinrico dem löblichen kaiser. Micrälius altes Pomm. 2, 179; das löbliche frauenzimmer. Schuppius 576;
als keiser Maximilian,
der groszmechtig und teure man
löblicher gedechtnus, regiert.
H. Sachs dicht. 2, 231, 3 Gödeke;
und diesen brief mir da auch gab
der löbliche fürst Valentia.
J. Ayrer 293ᵃ (1463, 10 Keller);
jener ist Atreus weitgebietender sohn, Agamemnon,
beides ein löblicher könig (βασιλεύς τ' ἀγαθός) und mächtiger
schwinger der lanze.
Bürger 208ᵇ (Ilias 3, 179);
bei geschlecht und abkommen:
Agnes die schön und zarte
aus löblichem geschlecht
erboren.
P. Denaisius bei Opitz (1624) 168;
ab dem löblichen geblüt
weisen und starken gemüht
deiner anherren.
Weckherlin 381;
bei städten, ständen, corporationen, behörden: mein liebster herr uber meer gen Jerusalem mit einer löblichen gesellschaft gefahren ist. Galmey 283; das glückhaft schiff von Zürich .. gestellet einer loblichen eidgnoschaft .. zu gedächtnus, rum und ehren. Fischart dicht. 2, 179 Kurz; im flecken Lendsidel, in der löblichen grafschaft Hohenlohe gelegen. L. Sandrub kurzweil 27; die gesetz der löblichen stadt Hamburg. Schuppius 566; wir übergeben sie hiermit dem löblichen magistrat. Tieck 3, 9;
o du löblicher bunde
in Schwaben, tu darzu
auf das der türkisch hunde
nicht weiter fressen tu.
H. Sachs dicht. 1, 75, 57 Gödeke.
selbst bei wissenschaften und künsten: ein auszgelaufner münch kame auf die loblich kunst der truckerei. Wickram rollw. 38, 4 Kurz; es wäre zu wünschen, dasz man in löblichen wissenschaften, und künsten, da und dort verträulich mit einander anlege, wie in Italien gebräuchlich ist. Rompler vorr. s. 14; und bei dingen religiöser verehrung: das loblich sacrament der ee. manuale cur. xcviii, 2; in dem garten Eden, in das löbliche paradis. Schuppius 649.
3)
löblich, was zum lobe dient: sü gingent zu enander und berietent sich, waʒ sü darzuͦ detent, daʒ got lobelich were, und daʒ er vergesze sines zornes. d. städtechr. 8, 116, 13; das ist euch nutz und nothe, und gotte der euch zu seim licht berufen hat ehrlich und loblich. Luther br. 3, 8. es heiszt löblich singen, löblich preisen für lobsingen, lobpreisen: pangetice cantare loblich singen Dief. 409ᵃ; singet löblich, und lobet den herrn in allen seinen werken. Sir. 39, 19; in deme Nero die bösen und übelthäter gestrafet, und ausz dem wege geraumet hat, ist er löblich zu preisen. Schuppius 527.
4)
in diesem sinne auch kirchlicher ausdruck, für das feierliche eines gottesdienstes: loblicher tag, dies celebris, lobliche zeit, festum celebre. voc. inc. theut. n 1ᵇ; da giengen alle pfaffhait und clöster mit allen hailtumern mit ainer löblichen procession umb die stat. d. städtechron. 5, 26, 24.
5)
endlich löblich nach loben für geloben (sp. 1082, vgl. auch das subst. lob 6 sp. 1078): loblich sponsalis Dief. 548ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1087, Z. 13.

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Zitationshilfe
„löbelich“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6belich>, abgerufen am 28.10.2021.

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