Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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leber, f.

leber, f.
jecur.
1)
ahd. lebara, lepera, mhd. lebere, leber, niederd. lewer, niederl. lever; ags. lifer, engl. liver; altnord. lifer, schwed. lefwer, dän. lever; der gothische name, der schwerlich verschieden war, entgeht uns, da die stellen des alten testaments, in denen er gebraucht sein müste, untergegangen sind. dasz das wort, das keine sicheren etymologischen bezüge zu urverwandten sprachen hat, mit lab coagulum (sp. 3) und mit dem unten folgenden verbum libbern, lifern zusammenhängt, ist längst ausgesprochen; liegt diesen wörtern die vorstellung der scheidung und sonderung des flüssigen vom festen zu grunde, so läszt uns das subst. leber in eine uralte medizinische vorstellung einsicht gewinnen, derzufolge der leber obliegt, dasjenige von den speisen, was der erhaltung des körpers dient, von den hefen zu trennen und beides richtig zu leiten, eine vorstellung, wie sie Megenberg folgendermaszen ausspricht: wann sô daʒ eʒʒen nu gekocht ist in dem magen, sô wirt daʒ weiʒ und klâr gestalt sam ain weiʒ gerstenwaʒʒer und daʒ schait diu nâtûr von den gerben und füert eʒ in sunderleich âdern in daʒ flach tail der lebern, dâ wirt eʒ dann anderweit gekocht und schait diu nâtûr daʒ klâr von den gerben und sent die gerben ab zuo den niern und zuo der plâsen; so värbt diu nâtûr daʒ klâr in der lebern, daʒ eʒ zuo pluot wirt und sent eʒ dann allen andern glidern. 28, 10 fgg. leber würde demnach die scheidende, absondernde aussagen.
2)
die declination des wortes ist theils die schwache, die sich lange hält: dann nym dy lebern. küchenm. b vj; bis sie jm mit dem pfeil die lebbern spaltet. spr. Sal. 7, 23; hawe den fisch von einander, das herz, die gallen und die lebbern behalt dir. Tob. 6, 6; (ein fisch) hatt auch 5 thunnen läberen gehapt. C. Gesner de piscib. 133; theils, und jetzt allein, die starke, die schon in der alten sprache nicht unhäufig erscheint:
daʒ was ein groʒer smerze:
er sluoc enzwei leber und herze.
rabenschlacht 455;
die lebere sneit er sunder abe.
Trist. 75, 22.
3)
die leber, als die bereitungsstätte des blutes, dachte sich das alterthum als sitz von trieben, die mit dem blute zusammenhängen; und diese vorstellungen kamen bis auf uns. So
a)
der liebe:
non ancilla tuum iecur ulceret ulla.
Horat. epist. 1, 18, 72;
die leidenschaft, die sich in seinem herzen, oder (wie die alten meinten) in seiner leber zu bilden anfangen wollte. Wieland ...; gestehe, dasz du um diese zeit den unsichtbaren pfeil schon in der leber stecken hattest! 27, 85;
vergebens ist uns nicht die leber einverleibet.
sie, sie ist unser gott, der uns zum lieben treibet.
wer gar nicht lieben kan, der wisse, dasz an stat
der leber er faul holz, und einen bofist hat.
P. Fleming 155;
von euch (der geliebten augen) zeucht Amor ein und aus in meine leber,
als sein natürlich haus.
637;
ich gehe nur
nach einer guten freundin, die vom wege
nicht ferne wohnt, zu sehn. am frischen morgen
hat Amor mir die leber angezündet.
Göthe 10, 273;
dieser dreckichte knecht (bursch), der allezeit trachtete, die leber zu kühlen, lenkete sich zu einem mägdlein. Happel acad. roman 38.
b)
des zornes oder unmutes, welche die leber drücken: dieszmal sei ihm der rothrock in die quer gekommen, da er nach einer ziemlichen pause sich wieder einmal im zorn habe ergehen müssen, um die leber zu befreien. Göthe 28, 224; oder reizen,
vergl. rabie iecur incendente.
Juvenal. 6, 648;
was durch das gefühl des überlaufens oder überkriechens sich kund gibt: bair. es ist mir etwas übers leberl gekrochen oder geloffen, es hat mich etwas aus der guten laune gebracht. Schm. 1, 1410 Fromm.; schwäbisch es ist mir das leberle überloffen. ebenda; wann mir zu zeiten nicht was über die leber liefe. Abele unordn. 4, 302; was ist ihnen denn schon wieder über die leber gekrochen? Wieland 11, 214. auch das grausen hat diese wirkung: itzt hat er einen eid geschworen, dasz es uns eiskalt über die leber lief, er wolle ihm eine todesfackel anzünden, wie sie noch keinem könige geleuchtet hat. Schiller räuber 3, 2. die neigung für allitterierende verbindungen hat die laus als das überlaufende hingestellt: die laus läuft über die leber, vgl. sp. 352.
c)
die redensart: von der leber weg, auch frei, dreist, frisch von der leber weg sprechen bezieht sich zunächst auf das aussprechen dessen, was das gemüt bedrückt oder quält, steht nachher aber in dem allgemeinern sinne des rückhaltlosen aussprechens seiner meinung: so viel wuszte ich zwar voraus, dasz er meine freiheit nicht übel nehmen würde; denn einem soldaten ist es schon recht, wenn man mit ihm von der leber wegspricht. Lessing 12, 133; ich sehe den aushängebogen von meiner abhandlung vom trauerspiele mit groszem verlangen entgegen, weil ich ihre anmerkungen dabei finden werde. sie müssen sie ganz frei von der leber wegsagen. Nicolai ebenda 13, 50; wie begierig wäre ich, nun einmal von der leber weg, wie die Sachsen sich ausdrücken, mit ihnen zu sprechen! Heyne ebenda s. 551; Weislingen, soll ich von der leber weg reden? Göthe 8, 32; der sprach von der leber weg. 176; ja, von der leber weg will ich zu euch reden, euch sagen, dasz ich euch .. verabscheue. 42, 412; so war Roquairol ein freidenker bis zum renommistischen freiredner, und sprach nach seinem eignen ausdruck, der zugleich das beispiel war, 'von der leber und vom maule weg'. J. Paul Tit. 2, 122; in freierer anwendung auch: da giengs dem bauer wohl, und da hatt er immer ein liedchen, das von der leber wegging, und einem 's herz ergötzte. Göthe 57, 184.
d)
die leber ist der sitz des durstes: stattlich auf die leber gieszen, fervens et aridum jecur Baccho vovere, seu potius corrumpere. Stieler 1100; milch von der leber spülen, est, post sorbitiunculam lactariam bibere, sive cyathos sorbillare. ebenda; in volkes mund lebt das bezeichnende wort, wenn von einem säufer die rede ist, er hat eine zu grosze leber. Holtei vierzig jahre 5, 77;
ain hat ze vil getrunken,
das im die leber ist erstunken.
fastn. sp. 473, 13;
wölln wir uns gehn zu sammen setzen,
und dlebern wol im wein ernetzen,
dasz sie darin frei schwimmen musz.
G. Gotthart zerstörung Trojas (Solothurn 1598) 2. tag, 3. act;
wer nicht kan der lerne trinken,
sonst wird er kein fürst,
seh auf mich, geb acht aufs winken,
wem die leber dürst.
Philander 2 (1643) 214;
sie speizten ohne underlasz auf den boden, dasz man sahe, die leber müszte jhnen heftig sein angeloffen, und sie noch groszen durst haben. 233;
dann spiel das zündt die leber an
das man würt dürr, und durstes voll.
Brant narrensch. 77, 10;
doch sollen sie sich des vermessen
das sie des fläschlins nit vergessen,
dann jnn jr leber, und geschirr
von loufen, liegen, würt ganz dürr.
80, 28;
was ist das für ein durstig jahr!
die kehle lechzt mir immerdar,
die leber dorrt mir ein.
Uhland ged. 66.
4)
allitterierende verbindung lunge und leber:
lung und leber slüeg ich al entzwei,
solte ich in mit disem swert bestân.
minnes. 3, 249ᵇ Hagen;
ihm ist lung und leber angangen, illius jecur et pulmo tabe madida sunt. Stieler 1099; von einem der sich im hohen grade ekelt, wird gesagt er möchte lunge und leber ausspeien, von sich geben;
dasz ich lung und leber wasch.
Weckherlin 412.
5)
redensarten: dasz sie binnen wenig monaten bei sich verspürete wie sie 2 lebern im leibe hätte (schwanger wäre). irrgarten 510; einem auf die leber reden (aufs gewissen). Schm. 1, 1410 Fromm.; er hat die leber gegessen, von einem, auf den man unter allen umständen etwas bringen will (vergl. unten leberlein):
wenn rüter, schriber, gryfen an
ein veiszten, schlechten, bürschen man (bauer),
der muͦsz die leber gessen han.
Brant narrensch. 79 überschr.
6)
leber, in der sprache der älteren chemie die auf trocknem wege gemachten verbindungen der laugensalze mit arsenik, phosphor, schwefel oder geschwefelten metallen. Jacobsson 6, 430ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 460, Z. 9.

leber, m.

leber, m.
berg, hügel, s. lewer.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 3 (1879), Bd. VI (1885), Sp. 461, Z. 82.

lober, m.

lober, m.
der da lobt: lober, lobgäber, der einen lobt und guͦts von jm sagt, laudator, comprobator Maaler 274ᶜ; ein man wird durch den mund des lobers bewert, wie das silber im tigel, und das gold im ofen. spr. Sal. 27, 21; denn sie mehr und lieber der alten tugenden lober als nachfolger sein wollen. Schuppius 537; vilmehr des lobers schöner geist, als des gelobten angebildete verdienste. Butschky hochd. kanzellei 51; der wahre lober musz es bei jeder veranlassung, mit und ohne ursach können. Tieck nov. kranz 4, 205;
da saszen alle die lober stumm.
Göthe 12, 191;
mit weinen von Burgund, die mir der arzt verbot,
musz ich die kehlen ihrer (meiner frau) lober waschen.
Schiller die berühmte frau;
zu vieles loben, weisz ich wohl, macht dem,
der edel denkt, den lober nur zuwider.
Iphig. in Aulis 4, 3;
mir, der ich reife zum mürrischen lober des vormals.
Voss Luise 1, 492 (laudator temporis acti);
wer alterthümlich religion und kraft
und schöne sang und liebe des vaterlands,
den lohnet kaltsinn, den des lobers
hämischer wink und verhaltne scheelsucht!
werke 3, 34.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1083, Z. 37.

lober, löber, m.

lober, löber, m.
lohgerber; vergl. loher.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1083, Z. 58.

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Zitationshilfe
„löber“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6ber>, abgerufen am 28.10.2021.

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