löchericht, löcherig adj
Fundstelle: Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1099, Z. 56
mit löchern versehen.
1)
die früheste form ist löchericht, mhd. lochereht, löchereht: porosus locherecht, lochericht, löchericht Dief. 448ᵃ;
des wart von speres brüchen
dâ löcherechte manic schilt.
troj. krieg 32665;
mich, die lebendige quelle verlassen sie, und machen jnen hie und da ausgehawene brunnen, die doch löchericht sind, und kein wasser geben. Jer. 2, 13; es ist den reutern nichts schädlichers, dann ein enger löcherichter ort oder platz. Fronsperger kriegsb. 3, 143ᵃ; der saft heilt die löcherichte flieszende schäden. Tabernaem. 1038; nach den blumen erfolgen köpf vorn etwas spitzig und löchericht einem kalbskopf gleich. 1235; hohl, blasicht, löchericht. Kant 8, 516; in bildlichem sinne: was wil hie Zwingel sagen zu solcher löcherichten sachen? Luther 3, 344ᵃ. in erweiterter form: cavus locherichtick Dief. 109ᵇ.
2)
die form löcheret, ohne umlaut locheret, hat den kehllaut des suffixes verloren (vgl. gramm. 2, 382): tophus ein rauch lochert (stein). Dief. 587ᶜ; locherotz gieszvas, gutturinum. voc. inc. theut. n 1ᵇ; aber aus manlichem gmuet was in gach, ranten uber die löcherten brucken (die noch nicht ganz belegt war). Wilwolt v. Schaumb. 43; mit eitel ritzigen, löchereten, losen stücken. Luther 1, 368ᵇ; jren löcherten pelz damit zu flicken. 3, 440ᵃ; welcher geld verdienet, der legts in einen löcherten beutel. Haggai 1, 6; iez war er uf der bösen, lochereten binin (bühne). Zimm. chron. 3, 78, 14; beklaid mit ainer lecherten juppen. 501, 6;
im alter wirt locheret manig dach.
Germania 3, 374.
3)
die form löcherich, mit verlust des schluszlautes am suffix: in jren löcherichen und zurissen opinien. Luther 1, 47ᵇ; denn viel leute .. befunden werden, die ein löcherich und zurissen gewissen haben. Wimpina ebenda 5, 19ᵃ;
das erdreich, also weit sein (des Vesuvs) groszer umbschweif
reichet,
ist löcherich und hol.
Opitz 1, 37.
4)
endlich löcherig, nach dem wechsel der suffixe -icht und -ig (vergl. gramm. 2, 382): locherig, foraminosus, porosus, locherig vom schweisz, porosus, locherig vasz, futis futilis. voc. inc. theut. n 1ᵇ; das löcherig und leicht ist wie ein bimszstein, pumicosus. Dasyp.; so regnet es mir durch das löchrige dach. Frey garteng. 58; fürst Elon ist mein feind und seine groszmäulige princessin wolte ich nicht durch einen löcherigen zaun ansehen. Chr. Weise comöd. 68; löchrige strümpfe, tibialia lacerata Frisch 1, 618ᶜ; ob nicht etwa manches basaltische gestein, im groszen und lagerweise ursprünglich feinklüftig, rissig oder löchrig gebildet worden. Göthe 51, 140; bildlich: bedünkt jhn dann eines sach löcherig und nit schnurrichtig. Kirchhof mil. disc. 95;
ob wir künden ein löcherigen friden machen.
Schade sat. u. pasqu. 1, 62, 235.
Zitationshilfe
„löchericht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6chericht>, abgerufen am 23.09.2019.

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