Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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lock, m.

lock, m.
s. unter locke cincinnus.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1101, Z. 62.

lock, m.

lock, m.
name der wasserranunkel, ranunculus aquatilis, auch loock, winterlock. Nemnich 4, 1127.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1101, Z. 63.

lock, m.

lock, m.
der lockruf. Fleming teutscher jäger 1, 143ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1101, Z. 65.

lock, adj.

lock, adj.
nebenform zu luck, lück, nachgiebig, weich, gegensatz zu fest (s. d.); so in der Wetterau. Kehrein 267. in der jägersprache ist lock kirre (vgl. dazu unter locken 1): der hapich wird lock, oder bereit. Sattler teutsche orthographei (1658) s. 418; wie die falkonirer eh sie jre vögel speisen und behauben, sie vor etwann mit eim hünerfüszlin erbeizen, lock machen und ätzen. Garg. 249ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1101, Z. 66.

locken, verb.

locken, verb.
in locken legen; erst im vorigen jahrh. in gewählter sprache aufgekommen, obschon bereits ein ahd lochôn. (lochônta comantes setas Graff 2, 127) verzeichnet wird. es heiszt das haar locken: hierauf rufest du die jüngsten und schönsten mädchen, lockest ihnen das haar, giebst ihnen gürtel und kranz. Klopstock 10, 209; er hatte versucht, Agathens haare auf- und abzulocken. J. Paul Hesp. 1, 114;
warum lockst du mein haar?
Klopstock 1, 96;
und doch lockt ihm das haar die schönheit,
hellt ihm mit lächeln den blick.
2, 49;
wie er ihm lockte sein goldenes haar.
6, 65;
lasz mich locken deines haares hyacinthen!
Platen 71;
sich locken, vom haare: es war ein fremdartig menschenbild, spärlich weiszes haar lockte sich um den scheitel. Scheffel Ekkeh. s. 137;
wie schön lockte sich silbern sein haar!
Stolberg 2, 22;
bildlich, von wolkenstreifen: aufmerksamkeit verdiente nunmehr, dasz alle diese streifen die neigung zeigten in cirrus überzugehen: denn sie locketen und theilten sich in sich selbst, indem sie doch ihre horizontale ausdehnung und lage behielten. Göthe 51, 210. im part. gelockt: gelockter baumwolle gleich. 206; gelockt, mit locken geschmückt:
wo die becher des nektars erklangen,
auf des Pelion wolkigtem kranz,
kamen die zierlich gelockten und schwangen
goldene sohlen im flüchtigen tanz.
Schiller die hochzeit der Thetis.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1105, Z. 18.

locken, verb.

locken, verb.
allicere, invitare.
1)
das verbum, ahd. in der doppelform als locchôn lochôn lokkôn lokôn und lucchan (aus lucchjan), und mhd. ebenso als locken und lücken lucken erscheinend, nd. nl. locken, auch altnord. als lokka vorhanden, ergibt sich als ableitung zu dem adj. lock (sp. 1101) und luck nachlassend, nachgebend (pervius luͦck Dief. 431ᵇ; lugk, laxus, laxatus Maaler 275ᶜ, noch jetzt allgemein oberdeutsch, s. an alphabet. stelle), wobei das adj. auf den willen geht, wie noch heute in den schweizerischen formeln lugg lô, lugg gê, lugg sî nachgeben (Seiler 195ᵃ, vergl. auch locker lassen unter locker no. 6). locken scheint ein altes weidmanns- und hirtenwort, zunächst auf falken und hunde sowie herde gewendet, die man zur folge bewegt, aber früh in allgemeine anwendung gekommen, insofern die ahd. glossen es für das lat. palpare, fovere, lactare, inculcare, delinire u. ähnl. geben, selbst für nutrire: nutrias locchust Prudentiusgl. in Haupts zeitschr. 16, 50, 855, wovon vielleicht das bair. locken, ein kind auf dem arme tragen (Schm. 1, 1434 Fromm.) ein nachklang ist. Eine umgelautete form löcken in älteren schweizerischen quellen: hand sy üch .. mit dem kärder der gaben gelöcket. Zwingli vermahnung an die eidgen. (Wackernagel leseb. 3, 1, 253); zuͦhin löcken mit liebkosen, einhin füren und laden, allicere Maaler 274ᶜ.
2)
locken ein thier durch ruf zur folge oder zum kommen bewegen.
a)
mit dem accusativ:
wîp unde vederspil   die werdent lîhte zam:
swer si ze rehte lucket,   so suochent si den man.
minnes. frühl. 10, 19;
der valkner sol .. den valken .. mit grober stimme locken; so komt er wider zu im. Mynsinger v. d. falken s. 6;
sie (die hunde) kennen dich, magst sie nur locken.
Stolberg 1, 278;
willst du ihn (den vogel) locken, so fleugt er hinweg; doch kommt er von selber
oft und picket.
373;
willst du nicht die heerde locken
mit des hornes munterm klang?
Schiller der alpenjäger;
als du die schwärmenden bienen zum ahorn locktest mit klingeln.
Voss 2, 203;
in einem vom schäfer her genommenen bilde, mit angabe des ziels:
(gott) ruft und locket uns zusammen
in den weiten himmelsschosz.
P. Gerhard 63, 51 Göd.;
sprichwörtlich, keinen hund vom ofen locken können, vergl. theilsp. 1912 fg.: er kan mit seiner kunst keinen hund aus dem ofen heraus locken, arte sua neque ad suam, neque aliorum utilitatem quicquam proficit. Serz 72ᵇ.
b)
mit dem dativ: man sol auch dem valken von der paisze wider locken mit groszer grober stimme als man den hunden locket, nit zu der hand, sunder zu dem luder. H. Mynsinger 5; vindt er in (den falken) willig und begirig zu der paisze, so sol er in in dem guten willen also behalten; vindt er in aber unwillig, so sol er im wider locken von der paisz. 20; so man jm (dem kranken habicht) locken und ätzen wil, flügt er seinem herren nit schnäl zuͦ hand. Heuslin vogelb. 121ᵇ; wolst darumb nicht Kunz heiszen, weil man inn Sachsen den schweinen also locket? Garg. 109ᵃ; in einem bilde: und ist dir und mir so wol hiemit (mit einem bibelvers) gelockt, und gepfiffen, als diesem oder jenem heiligen. Luther 6, 125ᵃ.
3)
locken ferner von dem rufe der thiere untereinander, durch welchen sie in der begattungszeit oder bei der pflege der jungen zum kommen bewegen; ebenfalls mit accusativ oder dativ, der aber auch ausgelassen sein kann: wan als Basilius spricht, diu slang locket die murên auʒ dem waʒʒer mit sänftem wispeln und unkäuscht dann mit ir. Megenberg 254, 21; welches (entenmännlein) dann sich alsbalden zu ermeltem haufen gesellet, in der meinung, das weiblein darunter zu finden; wann es aber selbiges nicht angetroffen, so fangt es an, ihm zu locken. adelicher zeitvertreiber 3, 105; es geschiehet zwar gar oft, dasz dergleichen auszgelassenes männlein sein weiblein nicht locken höret, weil entweder der gegenwind es verhindert, oder auch das weiblein gar langsam zu schreien oder zu locken anfahet. 106;
hannen (den hähnen) sind die frauen günstig, weil sie ihre männer lehren,
wie sie jhnen sollen locken, sie mit lust und kost verehren.
Logau 3, 235, 98;
ein nachtigallmännchen wird locken die braut
mit lieblichem tief aufflötendem laut.
Bürger 61ᵃ;
drüben vom kornfeld
lockte die streifende wachtel.
Voss Luise 1, 619;
mit der turteltaube locken
lockt zugleich die nachtigall.
Göthe 2, 41.
4)
locken, von der nachahmung solcher rufe (no. 3) seitens der jäger oder vogelsteller, um die thiere zu fangen: darumb lockent ir (der muräne) die vischer mit wispeln auʒ dem waʒʒer und vâhent si. Megenberg 254, 23; gleichwie ein weidmann anders locket den wachteln, anders den grammetsvögeln. Schuppius 273; ist noch übrig zu vermelden, wie man den vögeln locken solle. adelicher zeitvertreiber 3, 97; nehmet, sobalden man etwas gesehen oder gehöret, die pfeife, und locket darmit: unter währendem locken aber musz man zuweilen die rudel ziehen. 98;
hofleüt thu ich den vögeln vergleichen,
derselben die vogler vil mehr fangen
mit jhrem locken und gesangen,
als die paurn mit jhrer grobheit.
J. Ayrer 411ᵃ (2064, 17 Keller);
ach, das ist ein künstlich locken,
drin ich waidmann nichts vermag,
nur den kuckuksruf verstehend
und den schlichten wachtelschlag.
Uhland ged. 283;
dann aber auch in bezug auf jedes listige fangen, ohne dasz ein ruf dazu gehöre: zwei verschiedene listige ränke, die raub- und reiszende thier zu der falle herbei zu locken. adelicher zeitvertreiber 4, 64;
(was er) bald in der netze wänden
gefangen führt, bald, wie den fetten aal,
in reusen lockt, zum frohen mittagsmahl.
Hagedorn 1, 73;
sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
was lockst du meine brut
mit menschenwitz und menschenlist
hinauf in todesgluth?
Göthe 1, 185;
mit unterdrücktem object:
angel schwebte lockend nieder.
3, 34.
5)
hieran schlieszt sich locken, jemanden durch list, schlaues gebahren, verführung an einen ort, in einen zustand kommen machen: mein kind, wenn dich die böse buben locken, so folge nicht. spr. Sal. 1, 10; ein freveler locket seinen nehesten, und füret jn auf keinen guten weg. 16, 29; ein jglicher wird versucht, wenn er von seiner eigen lust gereizet und gelocket wird. Jac. 1, 14. im part. und im substantivisch gesetzten infinitiv:
es ist der geiz der teufel vieler alten,
und der Beelzebub, der lockend sie bethört.
Hagedorn 2, 72;
er wuszte sein wörtchen so traulich und süsz
in ohr und herz ihr zu girren! ..
er sparte kein locken, die schüchterne scham
zu seinem gelüste zu kirren.
Bürger 61ᵃ.
mit angabe des zustandes aus dem, und des zieles zu dem man gelockt wird, durch präpositionale oder adverbiale verbindungen: diu untugenthaften weip, diu weipleicher zuht verlaugent habent, diu lockent mangen man ze pôshait. Megenberg 240, 28; sihe, ich wil dich herumb lenken und locken, und aus den enden von mitternacht bringen. Hes. 39, 2; mein kind, wilt du gottes diener sein, so schicke dich zur anfechtunge. halte fest, und leide dich, und wanke nicht, wenn man dich davon locket. Sir. 2, 2; sie ... locken an sich die leichtfertigen seelen. 2 Petr. 2, 14; so sanft, wie die stimme des ehebrechers, der zum ersten falle lockt. Klinger 3, 151; locke .. das fräulein ins freie. Immermann Münchh. 3, 126; den feind in einen hinterhalt, in eine falle locken;
si (die jungfrau) locket unde reiʒet
mich vil ofte zuo dem zil,
daʒ ich nâch herzeliebe quil.
troj. krieg 15950;
drumb schätzt ich alles disz nur für gemahlte körner,
darmit das glück uns streut, und ins verterben lockt.
Lohenstein Sophonisbe s. 23;
und wärs in unsrer macht,
wir würden niemals ihn zu diesem mordsitz locken.
Gotter 2, 21;
und (es hat) ein kuppler Albanis mich, mit gewichtigen zetteln,
bald nach Ostia, bald nach den vier brunnen gelockt.
Göthe 1, 267;
ich wuszte drum. ich liesz die that geschehn,
und lockt ihn schmeichelnd in das todesnetz.
Schiller M. Stuart 1, 4;
vgl. dazu verlocken. dann auch mit sächlichem object etwas aus einem locken: er wuszte geschickt einige unbesonnene äuszerungen aus ihm zu locken; ein geheimnis aus jemand locken.
6)
locken in milderem sinne und mehr an die bedeutungen 2 und 3 angeschlossen, so dasz die beziehung auf die list wegfällt und nur die auf den reiz hervortritt. in mehrfachen wendungen.
a)
mit persönlichem object, in einfacher und erweiterter fügung: gott wil uns damit (mit der anrede vater unser) locken, das wir gleuben sollen, er sei unser rechter vater. Luther 8, 349ᵇ;
reisen soll ich, freunde, reisen?
lüften soll ich mir die brust?
aus des tagwerks engen gleisen
lockt ihr mich zu wanderlust?
Uhland ged. 55;
besonders gern werden in dichterischer rede sonne, luft, frühling, himmelsblau u. a. lockend gedacht, ebenso menschliche schönheit, liebe, verlangen, glück: das kriegsglück des Cäsar Borgia hatte mehrere der tapfersten kriegshauptleute, die in verschiedenen städten Italiens herrschten, in seine dienste gelockt. Beckers weltgesch. 8, 325;
dein antlitz locket mich, dein unmuth stöszt mich hin.
Lohenstein blume s. 40;
die grüne nacht belaubter bäume
lokt uns in anmuthsvolle träume.
Haller 87;
die holde liebe lockte mich
in ihren myrthenhain.
Gleim 2, 39;
uns lockt die morgenröthe
in busch und wald.
Hagedorn 3, 108;
der laue west lockt Floren, wo er fliegt,
ihm brünstig lächelnd nachzuschleichen.
Uz 1, 82;
dann bebet
ahnungsschauer, der uns mild
lockt in Edens duftgefild.
Stolberg 1, 184;
keiner städterin reiz, weder ein blaues aug,
noch ein kuszlicher mund, soll mich aus deinem arm
zu den hallen des tanzes
locken, oder des opernspiels.
Hölty 76 Halm;
drum, liebes paar, zagt nicht! eilt auf beblümter spur
zum altar, weil der lenz euch locket.
Gotter 1, 81;
uns lockt und zog ein süsz verlangen,
wir gleiteten zur vollern brust.
Göthe 1, 49;
lockt dich der tiefe himmel nicht,
das feuchtverklärte blau?
lockt dich dein eigen angesicht
nicht her in ewgen thau?
186;
die nachtigall sie war entfernt,
der frühling lockt sie wieder.
3, 141;
lockte die neugier nicht den menschen mit heftigen reizen,
sagt! erführ er wohl je, wie schön sich die weltlichen dinge
gegen einander verhalten?
40, 237;
da spielen die wasser ihm um die brust,
und es ruft aus den tiefen:
lieb knabe, bist mein!
ich locke den schläfer,
ich zieh ihn herein.
Schiller Tell 1, 1;
was locket dich das sonnenlicht?
was lockt dich blüthenhauch?
Arndt ged. (1840) 81;
mich lockt die sonne mit warmem stral.
454;
ebenso dinge: die schöne frucht lockte das kind, es kam herbei;
spiesz, und pfeil, und blosze degen,
rohr, pistol und büchsenspeisz,
macht soldaten mehr verwegen,
und sie lockt zum ehrenpreisz.
Spee trutzn. (1654) 78;
die reife beere lockt den vogel, gold und geiz,
ein stummes ehrenbild den giftgen hochmuths-reiz.
Lohenstein Cleopatra s. 89;
dort insgeheim zu sinnen auf predigten, oder zu schlummern,
lockt der trauliche winkel den herrn.
Voss Luise 2, 341;
das ist die schöne Lüneburger ebene,
wohin des rufs trompete mich von fern gelockt.
Platen 279.
b)
zu locken treten als object sinne, neigungen oder thaten der menschen: die eigentliche kraft und wirksamkeit der poesie, sowie der bildenden kunst, liegt darin, dasz sie hauptfiguren schafft und alles was diese umgiebt, selbst das würdigste, untergeordnet darstellt. hierdurch lockt sie den blick auf eine mitte, woher sich die strahlen über das ganze verbreiten. Göthe 39, 31; gleichgewicht und ernst war jedoch alsobald wieder hergestellt, und die aufmerksamkeit auf eine neue, stattlich heranziehende procession gelockt. 43, 267; Philipps auge blieb finster, alle verschwendungen der pracht, alle laute üppige ergieszungen der redlichsten freude konnten kein lächeln des beifalls in seine miene locken. Schiller 786ᵇ;
ein erlner blumenstrausz,
welcher mund und augen locket.
Günther 923;
drauf lockte meinen sinn die neu-verjüngte welt,
die andre frühlingszeit des herbstes in das feld,
dem Flora einen rock von blumen angezogen.
1067;
die siegende gewalt, die gabe reich zu sein,
was sinnen lockt und übt, hat nicht der mensch allein.
Hagedorn 1, 16;
sie braucht der ammen kunst, singt beider kinder ohr
ein süszes liedchen vor;
diesz liedchen lockt den schlaf.
3, 174;
küsse der mägdlein
locken gesang aus der brust, wie warmer regen das mailaub.
Voss 2, 301;
und nichts versäumt sie, was an Magdalenen
die augen locket und die herzen rührt.
Uhland ged. 458;
ihr gönnt mir diese träume,
sie schmeicheln mir und locken alte reime.
Göthe 2, 146;
auch thränen, seufzer werden gelockt:
so mein ich, es lock ihr der nahe verlust
die frühe bereuung aus augen und brust.
Günther 927;
(das wird) die thränen oft mir in die augen locken.
Göckingk 2, 151;
hab ich euch thränen ins auge gelockt.
Göthe 1, 331;
seit dreiszig jahren
lockt diese freude
die ersten thränen
aus meinen augen!
57, 250.
c)
noch anders, z. b. nachtigallen locken, zum wettgesange reizen (verschieden von oben 4):
er führte mich zu diesem wald hinein,
und spielt, und sang, und lockte nachtigallen.
Hagedorn 2, 78;
das grün des frühlings locken:
süsz (ist es) voll blüthen zu sehn die neulebendigen zweige,
dann das grünende laub locken mit sehnendem blick.
Göthe 1, 351;
mit näherer bestimmung des woher und wohin:
wer treibet ausz getreid, und grasz,
wer lockets an die sonnen?
Spee trutzn. (1654) 91;
du (mit deiner dichtergabe) zeigst an schattger halde
mir den beschilften see,
du lockest aus dem walde
zum bad ein scheues reh.
Uhland ged. 310;
aber aus den goldnen saiten
lockt Apoll die harmonie
und das holde masz der zeiten
und die macht der melodie.
Schiller das eleus. fest;
vgl. dazu anlocken, entlocken, herlocken, hinlocken, und die zusammenrückungen mit locken unter heraus, herbei, herein, herunter, hervor, hinauf, hinzu u. s. w.
d)
locken, ohne object; von personen:
die jüngere lockte mit spielwerk.
Voss 2, 14;
von dingen:
täglich geh ich meinen gang:
arbeit, ruhe, spiel, gesang
locken um die wette.
Voss 5, 108;
jetzo geöffnet,
lockte das helle klavier.
Luise 3, 1, 34;
in dem stillen mondenscheine
singt ein liebchen! wohl das meine?
ach so süsz, so liebevoll,
wie die cither locken soll.
Göthe 47, 20;
das blanke eisen, das junge blut,
man musz es brauchen in jahren;
die jugend locket mit frischem muth,
wird frisch von hinnen auch fahren.
Arndt ged. (1840) 45;
locke, stiller gottesfrieden!
süsze sehnsucht, schweige nimmer!
487;
zu etwas, auf etwas locken:
gott verwehrt uns keine freuden,
wann sie freuden bleiben nur,
wenn wir hierbei nur vermeiden,
was lockt auf der wollust spur (auf die spur der wollust).
Fleming 417;
so lockt ein flüchtig wohl, das wahn und sehnsucht färben,
von weh zu gröszerm weh, vom kummer zum verderben.
Haller 126;
mit orgeln und mit glocken (namen für grosze geschütze)
sollt ihr zum tanze (zur schlacht) locken.
Arndt ged. 357.
7)
locken kann, im gegensatze zu dem bisher entwickelten gebrauche, auch von einem unbeabsichtigten reizen stehen: der laute zank lockte die polizei herzu: durch das prahlen mit seinen schätzen lockte er sich diebe auf den hals;
eh an die ferse lockten wir selbst, durch gräszliche thaten,
uns die Erinnyen her, wagten es eher, des Zeus
hartes gewicht am rollenden rad und am felsen zu dulden,
als dem reizenden dienst unser gemüth zu entziehn.
Göthe 1, 263.
8)
das part. lockend in vielfacher verwendung, wie reizend, schmeichelnd, verführerisch: das bild war allzu lockend. Scheffel Ekkeh. s. 260;
bald lockt dich Flora nach der au,
wo tausend blumen stehn im tau,
die auf dein auge lockend warten.
Haller 120;
attributiv, von personen, dingen, betragen und handlungen:
der schwarzen augen schlauer scherz,
der anstand lockender geberden
bezauberten ein jedes herz.
Hagedorn 2, 90;
kaum wallet noch weiter mein zögerndes herz
bei winkenden freuden, bei lockendem scherz.
3, 74;
indesz verschlieszt sich unsre brust
dem ruf der lockenden Cythere.
Uz 1, 66;
du segnetest den tod, der ihn (den gestorbenen sohn) aus finsternissen
und schlingen lockender gefahr
zu einer bessern welt entrissen.
254;
umsonst sucht von der tugend bahn
der eigennutz dich zu verdrängen,
und führet wider dich, mit jauchzen und gesängen,
die lockende verführung an.
277;
er fällt wie durstig hin auf lockendes vergnügen,
berauscht in wollust sich mit ungehemmten zügen.
2, 57;
fliehe, bist du des führers im eigenen busen nicht sicher,
fliehe den lockenden rand, ehe der schlund dich verschlingt!
Schiller 99ᵃ;
dabei hochschäumendes festbier,
noch von der ernte gespart, und die lockende flasche voll bischofs.
Voss Luise 3, 2, 17;
was will dies ringen und schwingen?
wo wills mit mir hinaus?
es fehlt den lockenden winden
der mächtigen flügel saus.
Arndt ged. 443.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1105, Z. 45.

löcken, verb.

löcken, verb.
vgl. unter lecken 4 sp. 481.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1880), Bd. VI (1885), Sp. 1109, Z. 74.

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„löcken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/l%C3%B6cken>, abgerufen am 25.10.2021.

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